„Erzähl deine Ausreden deinem Spiegelbild“

Quelle: URSACHE \ WIRKUNG No 135, Seiten 17 und 18

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Dr. Mark Benecke ist ein deutscher Kriminalbiologe, spezialisiert auf forensische Entomologie. Er ist als Sachverständiger und Ausbilder tätig sowie als Autor.

Von Hendrik Hortz

Zu den Themen Tierwohl, Klima und Veganismus ist Mark Benecke stark engagiert – und kompromisslos: Er lebt vegan, um Umwelt und Tiere zu schützen. Benecke betont die Bedeutung der Artenvielfalt für das Ökosystem. Er ist Kritiker der industriellen Massentierhaltung, in der er eine der Hauptursachen für Umweltprobleme und Klimawandel sieht. Mark Benecke spricht sich für die drastische Reduzierung von Konsum aus, insbesondere tierischer Produkte und aller kurzlebigen Waren. Er appelliert dringend, nachhaltige Lebensweisen sofort umzusetzen.

U\W: Sie sind vor allem als Kriminalbiologe bekannt. Was hat Sie zu Ihrem Engagement für Tierschutz, Umwelt und eine vegane Lebensweise gebracht?

Mark Benecke: Also, ich fand das schon immer bescheuert, wie mit Tieren umgegangen wird. Als Kind sind wir oft mit dem Auto nach Bayern gefahren, und da sah ich dann die Tiertransporte. Das konnte ich einfach nicht verstehen, wie das irgendjemand nicht unangenehm finden kann. Und immer, wenn ich mit diesen Themen Berührung hatte … im Studium habe ich mit Tintenfischen gearbeitet – die haben wir halt wie Menschen behandelt. Ich habe nie verstanden, wie man das anders sehen kann. Ich fand es immer rätselhaft, mit welcher Gelassenheit Tiere getötet werden. Immer. Das ist meine Wesensart.

Sie haben sich also früh vegetarisch, später vegan ernährt?

Ja, auf jeden Fall. Das war kein Bruch. Das habe ich einfach gemacht. Sie bewegen sich mit Ihrem Engagement an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Mitgefühl.

Wie verbinden Sie diese beiden Welten?

Ich halte mich aus ethischen Diskussionen komplett raus. Mich interessiert nur: Was hast du gestern getan? Ich fordere Mitgefühl gar nicht so stark. Viele Leute stellen eher auf Umweltschutz ab, andere eher auf das einzelne Tier. Mir ist das egal. Hauptsache, du tust messbar was. Irgendwelche Selbstverpflichtungserklärungen oder ein Ethikkodex – das interessiert mich überhaupt nicht. Entweder du machst was nachweislich oder nicht.

Wo beginnt für Sie Aktivismus?

Da, wo man selber was tut. Alle, die nur rumlabern, interessieren mich nicht. Ein Beispiel: Ich kannte mal jemanden aus einer der Tierschutzparteien, der sich öfters Tierprodukte gekauft hat. Ich habe dann einfach mit dem nichts mehr zu tun gehabt. Ich möchte ausschließlich von Leuten umgeben sein, die das tun, was sie sagen. Das ist für mich Aktivismus. Und mir reicht es auch, wenn jemand nur handelt und nichts sagt.

Welche Handlungen sind für Sie zwingend notwendig?

Keine Tierprodukte verwenden ist zwingend, weil es das Einfachste, Schnellste und Wirksamste ist. Von den einfachen, schnellen Sachen ist es das, was sofort wirksam wird. Bei anderem muss man abwägen. Unterhalb dieser Schwelle braucht man kein Gespräch mehr führen.

Ist Aktivismus im besten Sinn eine Form gelebten Mitgefühls?

Ja, das gibt es auf jeden Fall. Besonders bei Tierrechtsaktionen vor Zoos, in Nürnberg oder Berlin zum Beispiel. Das sind mitgefühlgeleitete Aktivistinnen und Aktivisten. Der schwungvollste Aktivismus entsteht tatsächlich aus dem Mitgefühl.

Viele Menschen fühlen sich angesichts der Klimakrise ohnmächtig. Was raten Sie diesen Menschen?

Ich halte das für eine Ausrede. Die meisten bleiben in dieser Einstellung hängen wie nach einer schlechten Nachricht. Wenn du etwas machen möchtest, fang mit einer dieser fünf Sachen an: Ab heute pflanzlich ernähren, ohne Ausrede. Öffentlichen Personennahverkehr nutzen, ausnahmslos. Wenig verbrauchen: Kleidung extrem lange benutzen, Essen niemals wegwerfen. Und wähle Parteien, die mit diesen Zielen übereinstimmen. Und erzähl deine Ausreden deinem Spiegelbild.

Manche fühlen sich durch Aktivismus angegriffen. Wie gehen Sie damit um?

Ist mir egal. Wenn sich jemand angegriffen fühlt, weil ich eine Möhrensuppe esse, ist das nicht mein Problem. Ich spreche niemanden an. Ich halte sachliche Vorträge. Wer es nicht hören will, kann ja was anderes machen. Wer sagt, es sei spalterisch, sich lebensfreundlich zu verhalten, betreibt Zersetzung.

Kann echter Wandel durch individuelle Entscheidungen von einzelnen Personen eintreten – also Konsumverhalten, Konsumverzicht – oder eher durch politische Strukturen?

Jede deiner Handlungen ist Politik. Wo du atmest, ist Politik. Was du kaufst, ist Politik.

Wenn Sie an die kommenden Generationen denken, was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste, was wir ihnen schulden?

Den Kindern zutrauen, dass sie aus vielen Informationen eigene Schlussfolgerungen ziehen. Dass sie sich auf echte Messungen, echte Daten, eigene Erfahrungen verlassen. Das ist das Einzige, was wir ihnen mitgeben können.

Und wie blicken Sie auf die Zukunft des Klimas, ist sie düster?

Düsternis ist kein Begriff mehr. Es sieht sehr, sehr, sehr schlecht aus. Wir gehen in den Untergang.

Wenn Sie eine einzige Einsicht weitergeben könnten, die Menschen zu einem achtsameren Leben inspiriert, welche wäre das?

Tu es oder lass es.

Romantisierung von Verbrechen. Eine Marketing-Strategie des Streaming-Anbieters Netflix

Masterarbeit | Studiengang: Public Relations und digitales Marketing

Die komplette Arbeit gibt es hier als .pdf

Von Felix Rasten

Mit Gesprächs-Beiträgen von Dr. Mark Benecke

Zusammenfassung

Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Romantisierung von Verbrechen am Beispiel der Netflix-Produktion „Dahmer – Monster: Die Geschichte von Jeffrey Dahmer“ und behandelt die Frage, inwiefern die Darstellungsweise in der besagten Produktion als strategische Marketingmaßnahme verstanden werden kann. Ausgangspunkt ist die Kritik, dass True-Crime-Formate Täterfiguren ästhetisieren, Empathie hervorrufen und dadurch ihre Verbrechen verharmlosen.

Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde ein Mixed-Methode-Ansatz gewählt, bestehend aus einer qualitativen Inhaltsanalyse der Serie und zwei Experteninterviews mit dem Kriminalbiologen Mark Benecke sowie dem Regisseur Florian Schwarz. Die Analyse zeigt, dass Romantisierung weniger durch eine bewusste Attraktivitäts-steigerung erfolgt, sondern vor allem durch empathiefördernde Erzählstrategien, den gezielten Einsatz von Musik, Kameraperspektiven und Rückblenden sowie die ambivalente moralische Bewertung der Täterfigur.

Fiktionale Elemente verstärken zusätzlich diese Emotionalisierung. Opferperspektiven sind zwar vorhanden, werden jedoch durch die dominante Täterdarstellung in der Wahrnehmung verdrängt. In den sozialen Medien wird diese Inszenierung der Figur häufig aufgegriffen, wodurch eine gewisse Eigendynamik entsteht, die Netflix aus marketingstrategischer Sicht nutzen kann. Die Ergebnisse legen nahe, dass Romantisierung in solchen True-Crime-Formaten nicht nur ein erzählerischer Effekt, sondern auch ökonomisch höchst profitabel für Streaming-Anbieter ist.

Damit trägt diese Forschung zur medienethischen Debatte über die Grenzen zwischen Aufklärung, Unterhaltung und Vermarktung im True-Crime-Genre bei.

Conference “Beliefs and Behaviours in Education and Culture”

Source: Vampire Empire Newsletter (Jeanne Youngson), New York, End 2015

at West University of Timișoara, Romania, June, 25-27, 2015

BY MARK BENECKE
(Transylvanian Society of Dracula / Vampire Empire)

n the past two years, two romanian books about the cultural history of vampires, Romania and the alleged relation to Vlad Țepeș (at least alleged by Florescu & McNally, both from the U.S. East Coast), were published: Searching For Dracula In Romania: What About Dracula? Romania's Schizophrenic Dilemma (Romania Explained To My Friends Abroad) by Catalin Gruia, 2014, ISBN 978-1495471216, and the ongoing studies of Marius Crișan under the tile of his Ph.D. thesis Imagining Transylvania: The Construction of a Mythical Space from Stoker's Predecessors to Dracula.

Before, quite often, Raymond McNallys work set a certain standard. As a reminder: “Dr. McNally”, wrote the New York times in his obituary (2002), “a professor at Boston College specializing in Russian intellectual life, began his odyssey as he was reading ‘Dracula' by Bram Stoker, and noticed that many places in the book were real. Because Transylvania and Borgo Pass existed and the train schedules in the book were accurate down to the minute, he reasoned that Dracula might have been based on a real person. He headed for Transylvania, part of present-day Romania, talked to peasants in the mountains and studied monastery records, Russian tales and Byzantine manuscripts. The result was his contention, still a matter of debate among academics but heartily endorsed by Romanian tourism officials, that a 15th-century nobleman, Vlad Tepes, was the basis for the fictional Dracula.“

Probably inspired by this, yet also inspired by modern studies into vampyre subcultures, the ‘Twilight' movies, and gender studies, all of which did not exist in the 1970s, a quite exquisit crowd of vampyre and vampire researchers now met — below radar level since the conference was sponsored by the orthodox church — for a workshop that lasted one day for those who took part in the university lectures, yet much longer for those who chose to take a cultural tour on the next day. (The tour proceeded on Romanian schedule, i.e., it lasted from 9 in the morning until 2 a.m. even though it was considered to end five hours earlier.)

The actual seminar on June 26 was delivered be the following international speakers (in order of appearance which was quite different from the order in the program):

  • Sam George — Representation of the Pied Piper and Dracula Myth in Germany and England

  • Marius Crișan — Deconstructing the Transylvanian Stereotype

  • Kaja Franck — Dracula, the Big Bad Wolf, and the myth of Gothic transylvania

  • Hans de Roos — Count Dracula’s Adress

  • Kristin Bone — The Impact of Fictional Stories upon associated locations

  • Nancy Schuman — Emotion and Identity in Vampyre literature

  • Mark Benecke & Ines Fischer (double feature) — (1) Large subculture study into a Central European contemporary vampyre group (the word “contemporary” substituted the original “blood drinking” since it was considered too hot to handle on site) and (2) Statistical details concerning the study above (European Real-Life Vampyre group)

  • Magdalena Grabias-Zurek — Gothic and Horror in Contemporary Cinema

  • Raphael de Boer — (Gendered) Vampires Lecter and Bill ('Silence of the Lambs')?

Since the abstracts are available online at http://tsdracula.org/, I just briefly want to mention that the connections to German myths like the ‘Rattenfänger von Hameln’ as well as to Hannibal Lecter were most delighting, some photos about real places that become fictional in the ‘Twilight’ movies and then, due to the demand of tourists (like “Castle Dracula” in Romania) a mixture of both, was pleasant, and the fact that the address of the Count is now known after meticulous research of Hans de Roos is more than satisfying. It was a lot of work for everyone — in a field, that apart from professor for gothic studies William Hughes who luckily was also present, is probably far beyond funding for most of us.

I all seriousness, we cannot thank conference co-organizer Marius Crișan enough for sneaking all of the speakers, i.e., a whole parallel conference, into the rather conservative environment of this education (and educational) conference. Like I said, our meeting was co-sponsored by the church and embedded into an university environment — both is usually neither the case in the European Transylvanian Society of Dracula meetings that focus on small groups discussing topics on site nor in the more scholastic speeches about genealogy or historic events that I heard before. Many of the authors published articles and books that I strongly recommend. Our own conference contribution (Fischer & Benecke) was published as “Vampyres among us!” (ISBN 978-3-939459-95-8) and released just a few days after the conference.

Mord-Fall Amy Lopez: Festnahme im ehemaligen Cold Case (RPR1)

Ohne die Erbgut-Probe des mutmaßlichen Mörders von Amy Lopez hätte es den Durchbruch bei den Ermittlungen nach gut dreißig Jahren nicht gegeben. Kriminal-Biologe Dr. Mark Benecke berichtet über genetische Finger-Abdrücke in der RPR1-Morgenshow.


Quelle: 25. Februar 2026 | Staatsanwaltschaft Koblenz

Folgemitteilung zur Pressemitteilung vom 24.02.2026 – 2101 Js 14178/96 (vormals 2131 UJs 26352/94)

Der 81-jährige Beschuldigte, dem zur Last gelegt wird, am 26.09.1994 in Koblenz die 24-jährige amerikanische Touristin Amy Lopez ermordet zu haben, befindet sich wegen des dringenden Tatverdachts eines heimtückischen und zur Befriedigung des Geschlechtstriebs begangenen Mordes zwischenzeitlich in Untersuchungshaft in einer Justizvollzugsanstalt in Rheinland-Pfalz. Ihm wird zur Last gelegt, seinerzeit die unterhalb der Festung Ehrenbreitstein zufällig mit ihm zusammengetroffene arg- und wehrlose junge Frau aus einer sexuellen Motivlage heraus vorsätzlich getötet zu haben.

Amy Lopez machte 1994 eine Europareise, die sie unter anderem nach Koblenz führte. Am Morgen des 26.09.1994 wollte sie die Festung Ehrenbreitstein besichtigen, fuhr mit dem Stadtbus auf die andere Rheinseite und wollte über den Fußweg im Steilhang zur Festung gelangen. Vermutlich zwischen 9 Uhr und 10 Uhr ist sie dort – höchstwahrscheinlich zufällig – auf den Täter getroffen. Tatort war das sog. General-von-Aster-Zimmer, ein damals frei zugängliches Gemäuer etwas unterhalb der oberen Festungsanlage.

Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen ist davon auszugehen, dass der Täter aus einer sexuellen Motivation heraus gehandelt hat. Das Opfer war im unteren Körperbereich vollständig entkleidet und - nach dem Ergebnis der seinerzeitigen pathologisch-forensischen Untersuchung - bei der Tat sexuell missbraucht worden. Das Opfer wurde stranguliert, mit einem Stein gegen den Kopf geschlagen und mit mehreren Messerstichen traktiert, die letztlich zum Tod führten.

Eine zur Aufklärung der Tat bei der Kriminaldirektion Koblenz eingerichtete Sonderkommission hatte in der Folgezeit mehrere hundert Spuren und eine Vielzahl an Personen überprüft. Bis zuletzt gelang es jedoch trotz intensiver und langjähriger Ermittlungen nicht, einen Tatverdächtigen zu identifizieren. Zuletzt wurde der Fall als so genannter „Cold Case“ in der Sendung Aktenzeichen XY am 17.09.2025 vorgestellt.

Die Ermittlungen führten nun nach über 30 Jahren zur Identifizierung und Festnahme des Beschuldigten, bei dem es sich um einen zuletzt im Raum Koblenz wohnhaften deutschen Staatsangehörigen handelt.

Maßgeblich für die Tataufklärung waren sehr aufwändige und zeitintensive nochmalige Untersuchungen der sichergestellten Kleidung des Opfers und der seinerzeit von den Kriminalbeamten zur Spurensicherung am Tatort und am Leichnam eingesetzten Klebefolien. Es wurden ca. 1600 Proben präpariert und mittels modernster Analysetechniken ausgewertet. Die Untersuchungen wurden auf Bitten der Kriminaldirektion Koblenz durch Experten des hessischen Landeskriminalamts im Wege der Amtshilfe durchgeführt.

Hierbei konnten aufgrund verbesserter kriminaltechnischer Untersuchungsmöglichkeiten an Hautschuppenfragmenten DNA-Spuren gesichert werden, die mutmaßlich vom Täter stammen mussten.

Daraufhin veranlasste das zuständige Fachkommissariat des Polizeipräsidiums Koblenz eine erneute Überprüfung aller seinerzeit im Verlauf der intensiven Ermittlungen angelegten über 200 Spurenakten. Im Zuge dessen wurde im Januar 2026 auch bei dem zur Tatzeit in der Nähe von Koblenz wohnhaften Beschuldigten auf freiwilliger Basis eine Speichelprobe für DNA-Untersuchung entnommen. Aufgrund einer Verurteilung des Beschuldigten wegen einer einschlägigen Sexualstraftat durch das Landgericht Koblenz im Jahr 1999 war dieser bereits damals in den Blick der Ermittlungsbehörden geraten. Mangels einer geeigneten DNA-Spur aus dem „Amy-Lopez-Fall“ konnte damals ein Zusammenhang zur Tat von 1994 noch nicht hergestellt werden.
Durch die nunmehr detektierte DNA-Spur aus dem Mordfall „Amy Lopez“ war erstmals ein Abgleich mit der DNA des Beschuldigten möglich. Dieser ergab bei einer Spur eine eindeutige Übereinstimmung.

Leitender Oberstaatsanwalt Mannweiler äußerte hierzu: „Die unermüdliche Ermittlungsarbeit der Koblenzer Polizei dürfte einen wesentlichen Schritt zur Tataufklärung erbracht haben. Der Fall sollte allen deutlich machen, dass die Strafverfolgungsbehörden nicht ruhen, solange ein schweres Verbrechen unaufgeklärt ist. Solche Fälle werden nicht vergessen. Auch nach 32 Jahren nicht.“

Der Beschuldigte hat im Rahmen seiner Vorführung bei der Haftrichterin von seinem gesetzlichen Schweigerecht Gebrauch gemacht. Ihm wurde ein Verteidiger beigeordnet.

Die Ermittlungen dauern an.

Rechtliche Hinweise:

Wegen Mordes gemäß § 211 Absatz 2 StGB macht sich u.a. strafbar, wer einen Menschen heimtückisch zur Befriedigung seines Geschlechtstriebs tötet.

Unabhängig von der Beweislage gilt im gesamten Ermittlungsverfahren weiterhin die Unschuldsvermutung. 

Beschuldigte gelten solange als unschuldig, solange sie nicht von einem Gericht verurteilt sind. Dies gilt auch im Falle der Anordnung der Untersuchungshaft. Wenn Untersuchungshaft angeordnet ist, besteht allerdings ein dringender Tatverdacht. Ein dringender Tatverdacht besteht, wenn aufgrund bestimmter Tatsachen die Wahrscheinlichkeit der Täterschaft des Beschuldigten groß ist.

Wurde Kurt Cobain getötet? Mark Benecke äußert sich

Quelle: t-online.de, 11. Februar 2026

Mit neuen Untersuchungen rückt der Tod von Kurt Cobain erneut in den Fokus. Forensiker Mark Benecke sagt: Nur Spuren entscheiden, niemals Meinungen.

Seit mehr als 30 Jahren ist Kurt Cobain tot. Im April 1994 war der Sänger der Band Nirvana leblos in seinem Haus in Seattle aufgefunden worden. Die Behörden kamen zu dem Schluss, dass er sich mit einer Flinte das Leben genommen habe. An dieser Bewertung hält das zuständige King County Medical Examiner's Office im US-Bundesstaat Washington bis heute fest. Doch private Forensiker haben den damaligen Autopsiebericht erneut ausgewertet – und erheben Zweifel an der Todesursache von Kurt Cobain.

Drei Jahrzehnte nach dem Tod des Nirvana-Sängers werden die Annahmen zu den Todesumständen auf den Kopf gestellt. Das Team um Forensiker Brian Burnett und Forscherin Michelle Wilkins kommt zu dem Ergebnis, dass Cobain zum Zeitpunkt des tödlichen Schusses bereits handlungsunfähig gewesen sei. Im "International Journal of Forensic Sciences" (IJFSC) legen sie das auf 35 Seiten in ihrem Beitrag "A Multidisciplinary Analysis of the Kurt Cobain Death" dar.

Wilkins verweist auf die im Bericht dokumentierte Nekrose von Gehirn und Leber, also das Absterben von Zellen noch vor Eintritt des Todes. Diese deute eher auf Sauerstoffmangel infolge einer Heroinüberdosis hin als auf einen sofortigen Tod durch eine Schussverletzung. Ihr Fazit fällt eindeutig aus: "Dies ist ein Homizid" – also ein Mord oder ein Totschlag.

Der Kriminalbiologe Mark Benecke befasst sich schon länger mit dem Todesfall der Musiklegende: Er habe in der Vergangenheit schon beklagt, es müsse mal das Material ordentlich zusammengestellt werden: wie eine Akte, gut aufgebaut, mit Bildern in entsprechender Qualität. Der Artikel in dem Magazin sei wie eine Antwort darauf.

Obwohl es heißt, der Beitrag sei peer-reviewed, also von Wissenschaftlern mit der entsprechenden Qualifikation geprüft, sieht Benecke darin keine klassische wissenschaftliche Veröffentlichung: Es würden einige Begriffe genutzt, die in einer wissenschaftlichen Zeitschrift als Wertungen unangebracht seien, etwa eine Aussage, dass eine Tötung mit einer Langwaffe "unnecessary" sei, da der Tod durch Heroin ebenso möglich gewesen sei. "Eine Vermutung, die nichts mit Spuren zu tun hat."

Das sei auch an anderen Stellen festzustellen: Vielfach werde auf Meinungen und Vermutungen verwiesen, beispielsweise auf die Dokumentation "Kurt & Courtney", auf Aussagen von Menschen, "die ohne Angabe von wissenschaftlichen Gründen etwas meinen, was natürlich trotzdem stimmen kann".

Im Grunde sei es ein journalistischer Text mit vielen technischen Einzelheiten, die von Dutzenden Menschen sorgfältig zusammengetragen worden seien, aber nicht immer die Eigenheiten von Leichenfundorten und Ermittlungen berücksichtigten, so Benecke, der Forensiker und Sachverständiger für biologische Spuren ist.

"Einer der Kernpunkte ist, dass Cobain unter Drogeneinfluss die Waffe nicht mehr betätigen konnte, die Blutspuren anders aussehen müssten und dass das Heroin in der Dose nicht verpackt ist." Für klare Aussagen fehlten hochauflösende Fotodokumentation und entsprechende Auswertung der Blutspuren. In der Veröffentlichung werde teilweise auch gesagt: "Wenn etwas im Bericht der Polizei nicht erwähnt ist, dann ist es auch nicht vorhanden gewesen." "Das kann stimmen, kann aber auch nicht stimmen", so Benecke.

"Menschen, die schon einmal völlig betrunken waren, wissen sicher, dass sie trotz komplettem Alkohol-Filmriss nach Hause gefunden haben, über Treppen gestiegen oder mit der Bahn gefahren sind." Cobain habe in depressivem Zustand vielleicht auch andere Gedanken gehabt, als sein Heroin wieder zu verpacken. Solche Punkte zusammengenommen stoße er in Veröffentlichungen und Gesprächen mit Forschenden aus diesem Feld regelmäßig an eine Grenze: "Kann sein, kann auch nicht sein. Dazu müssten wir bessere Fotos haben, und dazu müssten wir Versuche machen."

Benecke führt nach seinen Angaben seit mehr als 30 Jahren Fall-Nachstellungen durch, und das auch zum Teil lange nach dem Tatgeschehen. "Ich kenne die Schwierigkeiten aller Beteiligten." Er sei auch kein Gegner davon, den Fall wieder aufzuwärmen. "Man müsste mal eine zweitägige Konferenz machen, auf der mal alle kurz, knackig und klar alles aussortieren, was einfach unklar oder von Meinungen abhängig ist." Er habe das schon angeboten.

Die Autoren des aktuellen Beitrags sind aus Beneckes Sicht insgesamt zu voreingenommen. Das hätten sie aber auch gemeinsam mit denen, die sich sofort auf Suizid festgelegt hätten. In dem neuen Beitrag werde eine Selbsttötung grundsätzlich ausgeschlossen, mit Argumenten wie dem, kaum jemand spritze Heroin in die Muskeln. "Das ist nicht falsch, aber wer sagt, dass Cobain, falls er depressiv und ohnehin unter Drogen war – was beides vollkommen möglich ist – sich nicht anders verhalten hat als die meisten?"

"Das Ganze ist eine schöne Übung darin, dass nur Spuren entscheiden, niemals Meinungen, Lebensnähe oder gesunder Menschenverstand", sagt der Kriminalbiologe. "Die drei letztgenannten Dinge spielen vor Gericht eine Rolle, aber niemals in einer naturwissenschaftlich‑kriminalistischen Spurenuntersuchung."

Elektrische Tätowierungen Köln

Ich bereite gerade einen langen Vortrag für den Bundesverband Tattoo vor ️⚓️

Da darf natürlich ein Besuch bei meinem ersten Tätowier-Studio von Dieter und Anke nicht fehlen. 

Die beiden haben dankenswerter Weise gestern Abend für ein Video etwas von vergangenen Zeiten berichtet, als sie — die beiden waren damals 21 und 22 — beispielweise noch Ed Hardy in den Vereinigten Staaten besucht und sich mangels Geld nur zur Hälfte (des Armes) haben tätowieren lassen können. 

Ed Hardy ist mittlerweile alt, im Rollstuhl und sein Laden / seine wandernden Läden sind sind seit 2024 geschlossen. 

Doch über Köln-Mülheim strahlt immer noch dreimal pro Woche der Stern der Elektrischen Tätowierungen

Herzlich und sehr erfreut euer: Markito 

„Asservate“ aus Buchenwald: Lampenschirm, Herz und Taschenmesser-Etui aus dem Konzentrationslager Buchenwald bestehen aus Menschenhaut, der Schrumpfkopf aus Tier-Haut und -Haaren

Frühjahrstagung der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin (DGRM) 2026

Mark Benecke | International Forensic Research & Consulting

Ein Schrumpfkopf, ein Herz (in Flüssigkeit), ein Taschenmesser-Etui und zwei Lampenschirme – einer vollständig erhalten, vom anderen als Teil eines Beweis-Stückes an englische Alliierte übergeben – aus dem ehemaligen KZ in Buchenwald stammend, wurden bislang als nicht menschlichen Ursprungs gedeutet. Wir untersuchten die Spuren mikroskopisch, mittels nested PCR sowie Hinweisen aus dem Archiv der Gedenkstätte Buchenwald sowie kriminalistisch vergleichender Techniken.

Da zuvor ein in den Vereinigten Staaten gefundener und untersuchter Lampenschirm aus Rinderhaut gefertigt war, prüften wir unsere Spuren in verschiedenen Fach-Laboren, die keine Informationen zur Herkunft hatten.  

Mikroskopisch konnte zunächst nicht ausgeschlossen werden, dass die Haare des Schrumpfkopfes aus Pferdehaar bestanden; die DNA-Analyse ergab, dass es sich um Ziegenhaut und -haar handelt.  

Die aus zwei Lampenschirmen und dem Taschenmesseretui herausgeschnittenen Stücke ähneln mikroskopisch verlederter menschlicher Haut aus einer Vergleichs-Sammlung; sie enthielten zudem menschliche DNA (CO1-Barcoding). Da die DNA-Menge gering war, wurde eine Nested-PCR durchgeführt. Sequenzierung und BLAST ergaben eine 99%ige Übereinstimmung mit Homo sapiens sapiens

Das Herz wurde durch fotografische Merkmals-Vergleiche mit alten Sammlungs-Fotos als menschlich erkannt. 


Diskussion: Politisch "aufgeladene" Sammlungs-Stücke werden von Gedenkstätten ungern zur spurenkundlichen Untersuchung frei gegeben. Im vorliegenden Fall zeigt sich, dass die Zusammenarbeit zwischen Historikern und Spurenkundlern entscheidende und die Spuren zugleich hinreichend schonende Informationen liefert.

Quelle: Archiv für Kriminologie (2026) 257: Seiten 119 bis 126

Seine Kernkompetenz: Insekten auf Leichen

Quelle: BNN, Karlsruhe, Ausgage Nr. 11, 15. Januar 2026, Seite 28

Mark Benecke im Naturkundemuseum: Wie Fliegen und Maden den Todeszeitpunkt verraten

Von Klaus Müller

Karlsruhe. Die Bilder, die auf die Leinwand geworfen werden, sind eindrücklich. Sie sind echt. Etwa das Bild von der älteren Frau, die absolut unbekleidet und tot zu sehen ist. Oder das Bild einer anderen toten Frau, die einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel.

Eindrücklich sind vor allem die Nahaufnahmen. Auf denen sind Insekten zu sehen – Stallfliegen, Maden, Stubenfliegen. Gebannt schaut die Zuhörerschaft, hier im Vortragssaal des Naturkundemuseums, auf die ungewöhnliche Bilderschau. Manche senken ihren Blick. Verständlich.

Solche Aufnahmen laufen sonst eher in Gerichtssälen, wenn Forensiker ihre Gutachten zu (mutmaßlichen) Gewaltverbrechen erläutern. Der Mann, der die Bilder samt Erklärungen ins voll besetzte Auditorium mitgebracht hat, arbeitet ebenfalls als Gutachter: Kriminalbiologe Mark Benecke, ein international gefragter Spezialist für forensische Entomologie.

Ein Entomologe ist zunächst einmal ein Insektenforscher. Benecke ist aber mehr: Er wird als Sachverständiger herangezogen, wenn es gilt, biologische Spuren nach einem Gewaltverbrechen auszuwerten.

Bei der Vorstellung Beneckes bringt es Insektenforscher Robert Trusch, Kurator am Naturkundemuseum Karlsruhe, auf den Punkt: „Seine Kernkompetenz sind Insekten auf Leichen.” Dass Benecke nach Karlsruhe kam, ist dem Naturwissenschaftlichen Verein Karlsruhe zu verdanken. Die Vorträge des Kriminalbiologen und Buchautors aus Köln sind seit Jahren über Monate ausgebucht. Das Interesse, mehr über seine Arbeit zu erfahren und sich in die Methoden der forensischen Entomologie einführen zu lassen, ist ungebrochen.

Obendrein hat Beneckes Vortrag trotz des heftigen Themas, trotz der damit verbundenen Bilder aus dem wahren Verbrecher- und Opferleben einen bemerkenswerten Unterhaltungswert. Wer es schafft, seine Zuhörerschaft beim Anblick einer echten Leiche mitunter zum Schmunzeln zu bringen, versteht sein auditives Handwerk.

Was zählt: Benecke gilt als Experte für Insekten auf Leichen. „Wenn die Rechtsmediziner es ekelhaft finden, rufen sie mich” , sagt der Kriminalbiologe.

Nebenbei räumt er mit verbreiteten Vorstellungen auf: “Leichen riechen nicht süßlich, wie immer wieder gesagt wird. Wenn, riechen sie nach Lindenblüten.” Und: “Insekten kommen nicht aus Körpern heraus. Sie siedeln vielmehr dort an, wo sie ihren Nachwuchs ablegen können, wo sie sich ernähren können.”

Und: “Insekten sind keine Würmer.“ Für Benecke sind Insekten eine verlässliche Größe, wenn es um die Leichenliegezeit geht. “Wir kennen die Wachstumsgeschwindigkeit von Insekten. Wir wissen, auch regional gesehen, wo, welche Insekten vorkommen, die eben eine Leiche befallen. Wir bewerten die Einflüsse, die wiederum auf die Insekten wirken.” Daraus ließen sich Rückschlüsse ziehen, wo ein Gewaltverbrechen geschah und wann. Benecke schildert den Fall einer über 90 Jahre alten Frau. Am Ende, so auch die Erkenntnis des Gerichtes, das sich mit dem Fall befasste, fiel sie “bei einer Rauferei im Altenheim” zum Opfer.

Benecke fand zwischen ihren Fingern Fliegen, die sich dort angesiedelt hatten – für ihn ein Indiz für eine Abwehrverletzung. Ein trefflicher Ort für die Fliegen.

Ein weiterer Fall dreht sich um eine alte Frau, die nachweislich vernachlässigt wurde. Auf ihr fand man Stallfliegen – Insekten, die von Kot und Urin angezogen werden.

Um Vernachlässigung ging es ebenso bei einem weiteren von ihm geschilderten Fall. In der Windel eines toten Babys fanden sich ältere Insekten, die sich von Kot ernähren. Kurzum – die Windel wurde über lange Zeit, wenn überhaupt, nicht gewechselt.

Benecke sieht das bei allen Unterhaltungswert seiner Vorträge nüchtern. “Alle Insekten, alles ist gleich wichtig. Alles ist gleich interessant.” Gearbeitet wird mit allen biologischen Informationen.

Obendrein ist Benecke einer, dem der Klimaschutz am Herzen liegt. In diesem Zusammenhang hatte er einen mit viel Applaus bedachten Seitenhieb in Richtung der Stadtverantwortlichen parat: „Wie kann man bei der Klimalage noch solche versiegelten Plätze haben, wie bei euch um die Pyramide?"

Vermisste Rebecca Reusch: Sieben Jahre vermisst, das sagt Mark Benecke zum Fall

Quellen: MOZ, 16. und 18. Februar 2026

Von Diana Maltseva | Foto: Marcus Gloger

Foto: Marcus Gloger

Kriminalbiologe Mark Benecke berichtet, ob es möglich ist, nach sieben Jahren noch Spuren von der vermissten Rebecca Reusch zu finden

Rebecca Reusch verschwand vor knapp sieben Jahren spurlos. Die damals 15-Jährige aus Berlin gilt seit dem 18. Februar 2019 als vermisst, nachdem sie im Haus ihrer Schwester und ihres Schwagers übernachtet hatte. Der Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke erläutert, welche bedeutenden Spuren der Fund der Leiche bringen könnte, sollte Rebecca Reusch ermordet worden sein.

Der Kölner Kriminalbiologe ist seit über 20 Jahren international auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Forensik aktiv und hat sich insbesondere der Entomologie verschrieben. Er untersucht Spuren an Tatorten und beschäftigt sich mit der Insektenforschung, die – als Teilgebiet der Forensik – zum Beispiel dabei hilft, Todeszeitpunkte zu bestimmen und Verbrechensabläufe aufzuklären.

Diese Woche jährt sich der Tag, an dem Rebecca Reusch verschwunden ist. In diesen sieben Jahren wurde sie weder lebendig noch tot aufgefunden. Insofern stellt sich die Frage, ob es möglich wäre, nach so langer Zeit ein Tötungsdelikt nachzuweisen oder einen Täter ohne Leiche zu finden.

Vermisste Rebecca Reusch: Mark Benecke zu möglichen Spuren

Foto: Marcus Gloger

Laut Mark Benecke ist es möglich, auch nach Jahren noch die Todeszeit und Ursache festzustellen. „Es gibt mehrere Möglichkeiten, das zu tun“, erklärt er. „Natürlich polizeilich, indem Zeuginnen und Zeugen befragt und vielleicht noch vorhandene Handydaten, Fotos und Ähnliches ausgelesen oder betrachtet werden. Daraus lässt sich manchmal ableiten, wer wann wo mit wem war und so auch indirekt die Leichenliegezeit“, ergänzt der Kriminalbiologe.

„Es geht manchmal auch über das Alter und die Art von Insekten, die an oder auf der Leiche gelebt haben. Die Todesursache lässt sich, um nur eines von sehr vielen Beispielen zu nennen, unter anderem an Knochenscharten, also Ritzen, ableiten. Diese sehen die rechtsmedizinischen Kolleginnen und Kollegen auch am Skelett. Sie können vielleicht dann einer Waffe zugeordnet werden“, sagt er zu weiteren Möglichkeiten.

Eine Leiche könnte auch wichtige Spuren des Täters enthalten. „Viele Spuren halten sich lange: Kleidungsfasern etwa. Es gibt aber auch Erbgutspuren, die lange untersuchbar bleiben, solange sie nicht durch Fäulnis zersetzt wurden. Garantien gibt es nicht, aber gerade die letzten Jahre haben erneut und gehäuft gezeigt, dass auch schon eine Zelle des Täters genügen kann, um den genetischen Fingerabdruck zu entwickeln. Das kann Blut sein oder Haut oder Sperma oder Haare“, informiert der 55-Jährige.

Kann ein Mord an Rebecca Reusch nachgewiesen werden?

Wenn eine Leiche vorhanden ist, können die Experten anhand verschiedener Fakten wichtige Feststellungen treffen. Doch ist es überhaupt möglich, einen Täter zu finden oder die Gründe für das Verschwinden festzustellen, wenn die Leiche nie gefunden wird? „Das ist eher eine rechtliche Frage. Das Gericht alleine entscheidet, was ein gültiger Nachweis ist“, antwortet Mark Benecke.

Es ist also nicht ausgeschlossen, dass ein Täter ohne Leiche gefasst werden kann. „Es können auch weitere Spuren helfen, die räumlich und zeitlich durch weitere Meldungen, Daten und Beobachtungen verknüpft werden können“, sagt der Kriminalbiologe. „Wenn diese ein sicheres Gesamtbild ergeben, kann die Polizei erstens neue Richtungen einschlagen und zweitens kann auch ein Gericht zu vernünftigen Aussagen gelangen“, fügt er hinzu.

Grundsätzlich ist die Spurensicherung auch an lang zurückliegenden Vermissten- und Mordfällen möglich. „Das Skelett von König Richard III. etwa lag unter einem städtischen Parkplatz in Leicester und konnte mittels Erbgut sicher erkannt werden“, erzählt Benecke.

Die Spurensicherung könnte unter Umständen herausfordernd sein. „Meiner bisherigen Erfahrung nach, auch auf Geländen mit Leichen von Körperspenderinnen und Körperspendern auf den sogenannten ‚Body Farms‘, ist es oft knifflig, wirklich jeden Krümel Erde oder Beton oder Pflanzenmaterial einzusammeln und zu untersuchen“, sagt Benecke.

„Als ich in New York in der Rechtsmedizin als Kriminalbiologe angestellt war, kam die Polizei beispielsweise einmal mit einer Lastwagenladung Erde vom Fundort an. Da mussten wir leider ablehnen, weil niemand im Labor Platz und Zeit für das Durchsieben und Auswerten dieser Erd-Mengen hatte. Es wäre aber natürlich spannend und sinnvoll gewesen“, erinnert sich Benecke.

Volles Haus bei Dr. Mark Benecke

Foto: Kulturamt Hennef

Quelle: hennef.de, Beitrag vom 23.2.2026

(dmg) Dr. Mark Benecke in Hennef und einmal mehr vor ausverkauftem Haus. Kurz vor der Veranstaltung am 20. Februar war Zeit für ein Gruppenfoto mit dem Team vom städtischen Kulturamt als Veranstalter des Abends. Benecke hatten seinen Vortrag „Serienmord“ in die Halle Meiersheide mitgebracht. Wie immer ein packender Vortrag, der wieder zeigte, dass Benecke hohes Fachwissen und gewissenhafte Analysen unterhaltsam verpacken kann – auch wenn es sich um extrem sensible Themen handelt. Benecke erweiterte das Programm nach der Pause nämlich kurzerhand um einen Vortrag zu „Kannibalismus“. Auch hierbei zeigte sich, dass sein Prinzip, nur Messergebnisse und Fakten gelten zu lassen, selbst das heikelste Thema auf den Boden der Tatsachen holen kann.

Drei Tote im Kölner Stadt-Archiv: Der Fall Weinsberg 💀

Very true crime 📚  Wir waren heute für euch im Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv (Stadt-Archiv) und haben einen krassen, alten Kriminalfall für euch aus den Akten gesucht 📲 Leider geht es auch um Folter, vor allem aber filmreife Familien-Verstrickungen, die leider mit mehreren Toten beginnen & enden. Die umfangreichen Akten im Archiv ergeben ein interessantes Bild der Vorfälle, es bleibt aber noch viel Raum für eure Hinweise. Herzlich: Euer Team des Historischen Archives nebst Star-Gästin Dr. Helen 📙 sowie Kriminal-Akten-Pate Dr. Mark Benecke

Das restaurierte Käfer-Paten-Buch (UB Köln) nebst Berufs-Beratung 'Papier-Restauratorin' 📜

Neues Video: Die coole Buch-Restauratorin, welche mein Paten-Buch über Käfer für die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln der Universität zu Köln hergerichtet hat, hat ihren Beruf ergriffen, weil das Kölner Stadt-Archiv aka Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv einstürzte 🏠 Dr. Helen & Dr. Mark Benecke lernen beim Besuch des nun schonend, aber dauerhaft reparierten Werkes einiges über Japan-Papier, Stege hinten auf dem Buch und warum (vermutlich) Bücher nicht gegen Bären 🐻 eingesetzt werden sollten. Großen Dank an das fantastische Team der Universitäts- und Stadt-Bibliothek Köln (UB) 🪲 Nächste Mal lese ich euch etwas aus dem Buch vor 📚

Das 'Nordische Modell' (Sex-Kauf-Verbot)

Die deutsche Bundesgesundheitsministerin ist für ein Sex-Kauf-Verbot wie unter anderem in Frankfreich (seit 2016), Schweden (1999), Norwegen (2009), Kanada (2014) und Nordirland (2015), während es unter anderem in Finnland im Jahr 2006, in Dänemark 2012 sowie in England, Schottland, Spanien, der Schweiz ausdrücklich abgelehnt wurde. Mark fragt Sex-Arbeiterin Jay und drei Kunden nach ihren Erfahrungen und Meinungen jenseits von Zwang.

Karneval für alle: Mit Dreigestirn im Vringstreff (2026)

Eine der eindrucksvollsten Karnevals-Veranstaltungen in Köln ist das jährliche Treffen im Vrings-Treff 🎉 

Dort kommt nicht nur das Dreigestirn und damit die wichtigsten Personen in Köln zum Singen vorbei, sondern es treffen sich vor allem Menschen mit sehr wenig Geld mit Menschen, die Unterstützung anbieten sowie ein wildes Mischmasch (Jewöhl), das gemeinsam isst, trinkt (kein Alkohol), schunkelt und lacht. 

Ganz dickes Kompliment auch an das Dreigestirn, welches dieses Jahr richtig viel Geld für einen besonders guten Zweck sammelt ✌🏻 

Mit Liedern & Teilen von Peter Brings, den Bläck Fööss und den Höhnern sowie Richard Bargel & dem Strassenmagazin Draussenseiter nebst der Stunksitzung


Das Kölner Dreigestirn 2026 auf dem Wiener Platz bei sozial Schwachen

Serial killer: a forensic perspective

Source: Catalogue: Introduction to the Serial Killer Expo, Atlanta (2026) (klick for .pdf)

Translated from the German Catalogue to the Serial Killer Exhibit in Berlin (2025)

by Mark Benecke

Serial killers—women and men alike—have lost a healthy sense of their environment. They are alone, but never insane. They can be lucid and sincere about what they believe they want—both with themselves and with others. But antisocial personality disorders combined with a strong inner linearity: this is a lethal mixture. In the best-case scenario, such people become very good at jobs that require managing one crisis after another. In the worst case, they torture, kill, or eat (or do all three in succession) one person after another.

The victims of serial killers have often done little or nothing at all. They are sex workers, domestic workers, children, the poor, people who are deceived or who act in good faith. If we want to prevent serial murder, we therefore have to understand the perpetrators. Because people who lack malice and protection—the preferred victims of serial killers—will always exist. That side of the story could only change in a perfect world. But in the forensic field, we do not live in a sparkling fairy tale.

Foto: Mark Benecke

Even police officers and other professionals involved are regularly overwhelmed by the weight of these cases, although not as victims who are killed. The prosecutor in the case of my client, Luis Alfredo Garavito († 2023), responsible for the rape and murder of more than three hundred children, was so shaken during my last visit to his living room that, out of concern for his nerves, any further conversation with him became unnecessary. His last glimmer of hope was the idea that God had “entrusted” him with the terrible Garavito case. To this day, I do not know why this thought could have comforted him—especially since it cuts both ways: “his” serial killer Garavito was convinced that at the end of time, God would walk together with him—the perpetrator—through the afterlife.

How do I know this? He wrote it to me in a gold-edged Bible after being baptized as a Christian in prison. The only person to emerge with a relatively intact psychological balance was Garavito’s evangelical pastor. He had served several years in prison for cocaine trafficking and, first in his home country and later in prison in the United States, had learned that goodness and beauty are not primarily to be found here on Earth.

Foto: Mark Benecke

The police officers involved in the Garavito case initially did not believe the mothers of the missing children. Above all, they did not want to believe that the children could have been abducted in broad daylight. Later, they bitterly regretted this and never forgot it. Until the end of their careers, they tried to support the parents—but it was all in vain. Who could return a child to a mother, or restore her lost faith in justice?

Some local officers asked me whether the rural folk music of Garavito’s region might have turned him into a serial killer. This shows how long the distance still is—especially in a poor country ravaged by violence—between such superstitions and effective prevention and protection. It also recalls a long-debunked belief that video games, films, comics, or similar media trigger violence. But it is not that simple: all media can promote both good and evil. What matters are the environment and the personality of the person who consumes them.

Such misunderstandings are repeated again and again in the field of serial murder—fascinating to many, but rarely examined in depth. One example is Jeffrey Dahmer († 1994), who has once again become one of the most widely known serial killers thanks to Netflix, an excellent graphic novel created by one of his former classmates, the republication of conversations with the perpetrator, and an old book by his father. A monster, a beast, a psychopath—no doubt. And yet, when I watch interviews with him, what I see above all is a deeply sincere and calm person who has absolutely no idea how healthy, lasting relationships work. They certainly do not work by injecting drugs into someone’s skull and listening to a “partner’s” heartbeat. Even Dahmer understood that. In fact, he understood everything. And yet, to this day, there is no reliable therapy for his personality disorders.

Foto: Mark Benecke

Nothing holds these offenders back, even when they demonstrate insight. This is why new serial killers continue to appear—even when it was long believed that, thanks to forensic technology and big data, this should no longer be possible. The most unexpected example is Samuel Little († 2020). No one even realized that a long series of murders had been taking place unnoticed—yes, mostly against sex workers, and yes, in many cases it was assumed they had died from drugs or accidents.

Had people taken that horror seriously, many actions of other individuals who suffered—and still suffer—from similar attachment disorders could have been prevented. Because serial murder can be prevented: through a loving attitude toward children who might become victims or perpetrators—that is, toward all children; through open, unembarrassed conversations about love and emotional bonding; through early assessment of antisocial behavior; and through the careful examination of all bodies for traces, even when they belong to poor people, drug users, or those who have fallen to the bottom of the social ladder.

REFERENCES:

  • Nico Claux (2023) Russian Cannibals: Addicted to Human Flesh. Serial Pleasures eds., ISBN 979-8859149346

  • Janis Weißheit (2025) Encyclopedia of Criminal Cannibals. Foreword by Mark Benecke, Kirchschlager, Arnstadt, ISBN 978-3934277960

  • Jean Rises (2023) Real Snuff: Urban Legend or Reality? Serial Pleasures eds., ISBN 979-8858285663

  • Mark Benecke, Miguel Rodríguez, Anna Zabeck, Armin Mätzler (2005) Two homosexual pedophile sadistic serial killers: Jürgen Bartsch (Germany, 1946–1976) and Luis Alfredo Garavito Cubillos (Colombia, 1957– ) Minerva Medicolegale, Vol. 125 (3), pp. 153–170

Gegen Gewalt an Frauen & Mädchen (Rathenow 2026)

One Billion Rising — Women on Fire — Ni una menos

14. Februar 2026 — 15:00 Uhr

Tanzdemo  (Mit Gast: Dr. Mark Benecke)
Märkischer Platz, 14712 Rathenow

Gemeinsam mit allen Frauen dieser Welt Feuer und Flamme zu sein für unser gemeinsames Ziel — die Beendigung patriarchaler Gewalt

Rathenow is Rising! – Auch wir in Rathenow sind 2026 wieder dabei.


Vielfach erst Stalking, dann Femizid

One Billion Rising Bei der Tanzaktion in Rathenow trat ein bekannter Kriminalbiologe ans Mikrophon.

In Rathenow wurde am Valentinstag unter freiem Himmel getanzt. Die Laune der Teilnehmer war gut, der Anlass traurig. Der Name der weltweiten Protestaktion „One Billion Rising“ geht auf die Schätzung zurück, dass etwa eine Milliarde Frauen im Laufe ihres Lebens Opfer von Gewalt werden.

Wie in den Vorjahren versammelte man sich auf dem Märkischen Platz. Etwa 40 Leute – vorrangig weibliche – waren der Einladung des Unabhängigen Frauenvereins gefolgt. Am prominentesten war ein Mann, der auf den Stufen des Kulturzentrums ans Mikrophon trat.

Ehe Dr. Mark Benecke am Abend des 14. Februar einen Vortrag zum Thema „Serienmord“ hielt, widmete er „One Billion Rising“ einige Worte. Der bekannte Kriminalbiologe meinte, dass das Problem der Gewalt gegen Frauen schwer anzugehen sei. „Am besten ist es wohl: nicht wegsehen, wie bei häuslicher Gewalt in der Nachbarschaft!“. Benecke macht auch auf ein Alarmzeichen aufmerksam: In mehr als 90 Prozent aller Femizide kam es im Vorfeld zu Stalking. Zirka 86 Prozent von Stalking Betroffene sind Frauen. „Für Frauen, die Gewalt erleben, ist finanzielle Unterstützung nötig. Männer können durch Abhängigkeit häufig noch finanzielle Gewalt auf ihre Ex-Partnerinnen ausüben“, so Benecke weiter, der kürzlich einen Film über Sexarbeiterinnen drehte.

Als Femizide werden Tötungen von Frauen und Mädchen bezeichnet, weil etwa ihr Handeln einem Mann nicht passt. Das kann auch in bestehenden Beziehungen oder nach Trennungen der Fall sein. Man erinnere sich an die 41-jährige Frau und Mutter zweier Kinder, die am 25. Juni 2025 auf offener Straße in Rathenow einem Femizid zum Opfer fiel.

In Rathenow wurde im Dezember das neue Frauenhaus, das einzige im Landkreis Havelland, eröffnet. Aus dem Anlass sagte Bürgermeister Jörg Zietemann: „Jede Frau und jedes Kind, die hier Schutz finden, sind en Zeichen dafür, dass Gewalt keinen Platz in der Gesellschaft hat und Betroffene nicht allein gelassen werden“. Die Einrichtung stehe für Mut zum Handeln und für ein starkes Netzwekk zum Schutz von Frauen und Kindern in der Region. Die Kontaktnummer zum Frauenhaus steht wöchentlich im „Notfallkasten“ auf BRAWO-Seite 2. Mehr Infos zu Standorten im Land Brandenburg auf Brandenburger Frauenhäuser: nbfev.de

Naturkunde-Museum Karlsruhe: Insekten auf Leichen

Star-Gäste: Direktor Martin Husemann & Schmetterlings-Chef Robert Trusch

Vortrags-Reihe des Naturwissenschaftlichen Vereins Karlsruhe e.V.

Presse-Fotos: Mathias Vielsäcker. Verwendung nur mit schriftlicher Genehmigung von Mark Benecke.

Umwelt-Schützer:innen im Knast': Post von Lasse 🍃 (Teil 10)

Mark: Lieber Lasse, du sitzt derzeit drei Wochen lang im Knast, weil du in Wuppertal für Umweltschutz auf der Straße warst. Was gibt es im Knast zu essen? Kannst du schlafen? Wie fühlst du dich?

Lasse: Lieber Mark, ich bin gerade vom Hofgang zurück, sitze nun am Schreibtisch in meiner Zelle und habe jetzt Zeit, deine Fragen zu beantworten!

Also morgens und abends gibt es Brot, ich habe veganen Aufstrich und manchmal gibt es noch etwas Obst. Vor meinem Haftantritt hat mein Anwalt einen Antrag auf vegane Ernährung geschickt, ich habe das bei der Aufnahme dann nochmal mehrmals gesagt, aber uns war leider schon klar, dass eine rein vegane Ernährung vor allem auf die Kürze der Haft bezogen ein Ding der Unmöglichkeit wird, zu arrangieren. Mittags bekomme ich dann ein vegetarisches Gericht. 

Anfangs habe ich zum Beispiel noch ungefragt einen Liter Milch bekommen, sowas verschenke ich dann an Mitgefangene. Letztens gab es abends veganen Thunfisch, das habe ich erstmal mit einem Freudentanz gefeiert. Ich hadere da die ganze Zeit aber mit mir selber, mich hier nicht wie draußen komplett vegan ernähren zu können. Im Allgemeinen würde ich das Essen hier leicht über Krankenhaus-Qualität stellen.

Also ich bin hier als Fehlbelegung auf meiner Abteilung 23 Stunden auf einer Einzelzelle, der Knast ist anscheinend recht voll. Da ist die Versuchung schon groß, dass ich mich mittags nochmal hinlege, dann wird das Einschlafen abends aber etwas schwierig.

Hier ist auch alles ziemlich hellhörig, manchmal schreit irgendwer rum. Ich denke, ich habe mir aber schon eine gute Tagesstruktur erarbeitet und bin dann auch müde abends. Aber ich habe wilde Träume.

Wie ich mich fühle? Also ich würde erstmal festhalten, dass es mir hier nicht so gut gehen soll, dafür wurden Gefängnisse ja geschaffen. Wusstest du, dass es zum Beispiel “einschüchternde Architektur” gibt? Ich, bevor ich mich mit Knästen befasst habe, nicht. 

Das ist jetzt meine erste Haft, der erste Abend zum Beispiel war emotional schon herausfordernd. Meine Gefühlslage schwankt, ich merke auf jeden Fall, dass mich Kleinigkeiten extrem aufbauen können oder mich sehr stark runterziehen.

Letzten Endes bin ich jetzt “nur” 20 Tage hier, das finden alle ziemlich exotisch, weil die allermeisten meiner Mitgefangenen seit Jahren und noch Jahre sitzen. Ich habe ein unfassbar starkes Supportnetz da draußen, was mir den Rücken frei hält, und ich bin so gut es geht im Kontakt mit ihnen. Eigentlich jeden Tag bekomme ich einen Stapel Briefe auf meine Zelle. Ich bin so unendlich dankbar für diese ganze Solidarität, Liebe, Kraft und Gedanken, die mich hier drinnen erreichen. 

Auch wenn die Gitter vor meinem Fenster, die Stacheldrähte und hohe Mauern probieren, mich von meinen Leuten da draußen zu trennen, fühle ich eine tiefe Verbundenheit zu den ganzen Menschen, die mir schreiben und an mich denken. Das entfaltet eine unfassbare Kraft und Stärke bei mir, die mich auch durch herausfordernde und schwere Momente trägt. Jetzt in diesem Moment geht es mir soweit gut!

Das Weltwirtschafts-Forum dient nach deiner Auffassung nicht den Menschen der Erde oder der "Umwelt", sondern der Wirtschaft der reichen Menschen. Dennoch ist diese reiche Gruppe eine der wenigen, die genau und ehrlich über den Klimanwandel berichtet. Wie kommt das?

Ja, diesen Menschen scheint bewusst zu sein, was abgeht, deshalb bauen sie sich auch zum Beispiel Bunker in Neuseeland. Was ihnen das hilft, wenn es aber halt nichts mehr zu essen gibt, verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Entscheidend ist, dass sie weitermachen und ihnen ihre Gier nach immer mehr Reichtum wichtiger zu sein scheint als eine lebenswerte Zukunft für alle und dass es in Zukunft überhaupt noch höher entwickeltes Leben geben kann. Ich würde dieses Verhalten als zutiefst antisozial, gemeingefährlich und bösartig bezeichnen. 

Ich muss da immer an diese Metapher von diesem greedy Affen denken, der eine Milliarde Bananen hortet, während andere Affen verhungern. Im Tierreich würden Wissenschaftler:innen untersuchen, was denn verdammt nochmal mit diesem Affen falsch gelaufen ist. In unserer Welt kommen Milliardäre auf die Forbes-Liste. Dass wir das als Gesellschaft so hinnehmen, macht mich wütend. Du spielst ja hier auf meinen Protest in Davos während des Weltwirtschaftsforums letztes Jahr an, wo ich so ein Luxushotel mit toxisch grüner Warnfarbe besprüht habe. Das hat mir im Übrigen sehr viel Freude bereitet und Funfact: Noch als ich da angehaftet auf den Treppen saß, tatsächlich sogar noch, bevor die Polizei damals eingetroffen ist, wurde schon mit den Abwascharbeiten begonnen. Da schien also schon doch ein Interesse da gewesen zu sein, sich schnell davon rein zu waschen. 

Aus meiner Sicht ist dieser wahnsinnige Turbokapitalismus die Wurzel allen Übels oder die Basis, wenn du so willst, und Davos ein einziger Fiebertraum. Ich finde auch zum Beispiel, dass kein Mensch das Recht hat, einen Privatjet zu besitzen. Ich würde sagen, dass das ein Verbrechen ist. Zwei Menschen, die mir sehr am Herzen liegen, Jori und Luca, haben vor ein paar Jahren einen Privatjet auf Sylt mit orangener Warnfarbe besprüht, und das Teil damit unschädlich gemacht. Dafür haben sie letztes Jahr in erster Instanz mehrmonatige Haftstrafen bekommen. Das ist absurd, ich finde, die beiden haben dafür eigentlich einen Orden verdient. Eat the rich!

Vermutlich haben viele deiner Familien-Mitglieder oder Freund:innen dir geraten, sechshundert Euro zu sammeln und so den Knast zu vermeiden. Wie lief das aus deiner Sicht in deinem privaten Umfeld ab?

Also aus eigener Tasche kann ich so eine Summe nicht bezahlen, ich bin arm wie eine Kirchenmaus. Es wäre vermutlich gut machbar gewesen, dieses Geld aufzutreiben, aber das wollte ich nicht. Ich erkenne das Urteil des Landgerichts zu der Versammlung in Wuppertal nicht an. Es ist unser aller Grundrecht, uns friedlich versammeln zu dürfen. Die Polizei kann nicht einfach kommen und Versammlungsteilnehmer:innen mit unverhältsnismäßigen Schmerzgriffen verhaften, ohne die Versammlung überhaupt aufgelöst zu haben. Haben sie an dem Tag aber gemacht. 

Sowohl dem Richter am Amtsgericht als auch der Richterin am Landgericht war das aber ziemlich egal. Sie erkennen den Klimanotstand nicht an. In deutschen Gerichten ist das Recht auf fossil betriebenen Individualverkehr wichtiger als das Recht meiner und aller zukünftigen Generationen, zu überleben. 

In erster Instanz war das Urteil sogar drei bzw. vier Monate Haft ohne Bewährung. Der Richter hatte bei der Urteilsverkündung einen roten Kopf, hat rumgeschrien und komplett die Beherrschung verloren. Es hat ihm gar nicht gepasst, was ich gesagt habe. Die Staatsanwältin hat vor dem Landgericht, als wir uns die Videos von den Schmerzgriffen im Gericht angeschaut haben, gelacht. 

Das habe ich alles nicht vergessen und es ist mir bei dieser expliziten Aktion und den Verhandlungen danach ein persönliches Anliegen, nicht jetzt klein beizugeben und dafür am Ende auch noch Geld hinzulegen.

Ich habe auch recht viele Aktionen mit der Letzten Generation gemacht, auch einige Aktionen, bei denen mit “höheren” Repressionen zu rechnen ist. Früher oder später werde ich deshalb höchstwahrscheinlich auch eine längere Gefängnisstrafe absitzen müssen, aus der ich mich nicht wie jetzt freikaufen lassen kann. 

Die Haft jetzt ist für mich auch eine Art Testlauf. Ich bin da glaube ich sehr stur und klar in meiner Haltung, höre mir dann an, was die Gegenargumente sind, erkläre, wieso und weshalb, aber ziehe dann mein Ding durch. 

Damals, bevor ich angefangen habe, mich auf Straßen zu kleben, haben mir auch Leute dringend davon abgeraten. Das bereue ich zum Beispiel auch null. Ich probiere eigentlich immer, das zu machen, was ich für richtig halte, auch wenn ich Satansbraten dadurch oft in Teufels Küche komme. 

Mich vertröstet ein bisschen, dass ja am Ende des Tages die Geschichte das letzte Urteil fällt, auch wenn ich leider glaube, dass schon bald gar keine Geschichten mehr aufgeschrieben werden können. 

Leben im dystopischen Endzeitkapitalismus hat schon einen Charme haha.

Die klassischen Proteste der Letzten Generation wie festkleben, festketten, unerwartet im Museum auftreten und dergleichen sind Geschichte. Welche Formen des Wachrüttelns hältst du in den kommenden Jahren für wirkungsvoll?

Das ist eine sehr gute Frage, Markito, eine, wie ich finde, sehr große Frage. Seit sich die Letzte Generation aufgelöst hat, eigentlich schon eine gewisse Zeit davor, beschäftige ich mich mit dem “Was nun?”. Ich kann dir keine wirklich klare Antwort darauf geben, aber ich probiere es.

Also die Letzte Generation hat im Kern Hilferufproteste gemacht, ein Appell an die Politik und die Gesellschaft. Straßenblockaden zum Beispiel waren ein symbolisches sich dem ”Weiter so” und fossilen Status Quo in den Weg setzen. Nach der Devise: “Stopp! Wir können so nicht weitermachen, weil wir uns immer schneller Richtung Klippe bewegen, und ich bin so verzweifelt und habe Angst, dass ich mich jetzt auf den kalten Boden vor tonnenschwere Autos klebe und komplett vulnerabel alle Reaktionen und Konsequenzen trage und aushalte. Ich werde nicht zurückschlagen.”

Als ich klein war, hat mir meine Mama beigebracht, dass ich keine Klippe herunterspringen soll, wenn ALLE das tun. Das, was wir Normalität und Alltag nennen, ist die Zerstörung und das Problem, und das ist weder normal noch alltäglich, was hier gerade passiert. Seit spätestens 1970 ist eindeutig klar, wohin die Reise geht, jeder wusste es, jeder weiß es. Es wird schlichtweg verdrängt und ist den allermeisten Menschen einfach scheißegal. 

Als ich emotional einmal wirklich an mich herangelassen habe, was die Situation übersetzt bedeutet und was die Tragweite und Dimension von ihr ist, war es für mich nur logisch, meine persönliche Freiheit zu riskieren und meine physische/seelische Gesundheit in das Feld zu führen. Weil eben diese ja auch bedroht ist. Deine “Time is up”-Vorträge haben auch geholfen. 

Ein Schlüsselmoment für mich war, als mich meine Schwester angerufen hat und sagte, dass sie schwanger sei. Es macht mich so unfassbar traurig und diesen tiefen Schmerz kann ich nicht in Worte fassen, wenn ich an unsere kollektive Zukunft denke und sehe, dass es den allermeisten Menschen so egal zu sein scheint, sie diese ganzen Ungerechtigkeiten hinnehmen und mittragen. 

Das Ziel der Letzten Generation war es, eine kritische Masse zu mobilisieren, die den Gehorsam verweigert, so, dass das System nicht mehr funktionieren kann und sich dann transformieren muss. Der Laden läuft nur, wenn wir alle mitspielen. 

Als ich bei der Letzten Generation angefangen habe, dachte ich, dass es nur eine Frage der Zeit wäre, bis eine friedliche Revolution das System, die Maschine zu Fall bringen würde. Ich dachte, dass es ja so offensichtlich ist und es gar keine andere Möglichkeit geben würde, als dass alle Leute irgendwann “aufwachen”. Oh boy, war ich naiv. 

Da sich die Letzte Generation jetzt aufgelöst hat, sollten alle Alarmglocken bei der Gesellschaft angehen, das ist eine maximale Red Flag für den Punkt, an dem wir uns befinden. Die Letzte Generation ist gescheitert, nicht aber wegen mangelndem Einsatzes oder strategischer Defizite, sondern sie ist an der Verdrängungsgesellschaft gescheitert. 

Mir ist auch nochmal bewusst geworden, dass tatsächlicher, effektiver Klimaschutz eine radikale Abkehr vom Wachstumspfad und Überwindung des Kapitalismus bedeuten würde. Der Graph der CO2-Konzentration steigt seit Jahrzehnten an und scheint von jeder Interventionsmaßnahme unbeeinflusst zu sein. 

Klima ist ja auch nur ein Part, über die Biodiversitätskrise wird ja eigentlich nie geredet. Klimakatastrophe und Artensterben sind ja beides K.O.-Probleme. Und dann gibt es noch die anderen Planetaren Grenzen, an denene die Menschheit sehr energisch arbeitet, diese zu überreizen. Das klingt für manche vielleicht wie eine Verschwörungserzählung, aber ein Menschheitsaussterben noch in diesem Jahrhundert ist ein wahrscheinliches Szenario, so eine Situation hat es nie gegeben und wird es nie wieder geben. 

Und ja, was soll ich sagen, we tried, we fucking tried, aber Macht und Kapitalinteressen, Politik, Diffamierungskampagnen durch Springer, die fossile Lobby und die Maschine scheinen einfach zu übermächtig. Für uns war es halt wirklich David gegen Goliath, auch wenn die Chance sehr gering war, bin ich stolz und froh, dass wir es trotzdem versucht haben. Ich glaube fest daran, dass es wichtig gewesen sein wird.

Weißt du, Mark, ich trauere manchmal um das Leben, das ich im jetzt hätte führen können, mir fällt das immer wieder im Kontrast zu Freund:innen außerhalb der Bubble auf, die eine Ausbildung und Studium machen und ihr Leben leben, so, wie es jeder junge Mensch oder generell alle Menschen dürfen sollten. 

Viele meiner Freund:innen und auch ich opfern viel und geben, ohne einen Vorteil davon zu haben. Von der Gesellschaft, für die man das auf sich nimmt, so behandelt zu werden, so viel Gegenwind, Hass, Diffamierung und Kriminalisierung abzubekommen, tut schon irgendwo sehr weh. 

Aber ich denke, das ist der Fluch von zivilem Ungehorsam und dass damit alle Menschen in der Geschichte, die den Ungerechtigkeiten den Kampf angesagt haben, irgendwo mit diesen Gefühlen gehadert haben. Im internationalen Vergleich bin ich trotzdem noch extrem privilegiert. Der Ort, an dem ich jetzt bin, ist das schärfste Schwert, was dem Staat momentan zur Verfügung steht. Ich muss keine Angst haben, für das, was ich tue, erschossen zu werden. 

Dennoch verschärfen sich die Repressionen. Es gibt einen sehr beunruhigenden Trend von mehr Kriminalisierung und Härte gegen unliebsame Stimmen und ungehorsamen Protest. Ich würde sagen, die kommenden Jahre stehen die Zeichen auf einen totalitären Überwachungsstaat und Faschismus. 

Am Frankfurter Hauptbahnhof haben sie jetzt eine Live-Gesichtserkennungs, wenn die Nazis von der AfD in Regierungsverantwortung kommen und über solche bereits eingeführten Technologien verfügen, ja dann gute Nacht. Die Überwachungssoftware Palantir vom antidemokratischen Milliardär Peter Thiel wird jetzt schon in Deutschland in mehreren Bundesländern eingesetzt, das neue Polizeigesetz in Berlin ist eine Vollkatastrophe. Hier wird still und heimlich die Infrastruktur für einen totalitären Überwachungsstaat geschaffen und das sollte uns allen sehr zu denken geben. 

Global sind Faschismus und Imperialismus wieder voll im Trend, das ist denke ich so die letzte Verteidigungsinstanz vom sterbenden Kapitalismus. Was jetzt wirkungsvoll die nächsten Jahre ist, was das Ziel? Ich weiß es nicht. Aber der Kampf für eine gerechtere Welt muss trotzdem weitergehen, denn was bleibt uns denn anderes übrig? Puh, das war jetzt eine ausführliche Antwort, aber das ist, was ich dazu denke und fühle.

Mich erstaunt weniger die Wut als die absolute Gleichgültigkeit der meisten Menschen gegenueber dem, was sie selbst bewirken können. Wie bringst du Menschen dazu, nicht nur zu reden, sondern auch zu handeln?

Es vorleben, zeigen, dass wir uns nicht alles gefallen lassen müssen. Ich habe zu meiner Haft jetzt auch insgeheim die Hoffnung, dass Menschen, und wenn es nur einer ist, mitbekommen, dass sich dieser Lasse “freiwillig” einbuchten lässt und dadurch einen Zugang zu all diesen belastenden Themen findet und checkt, dass die Lage bitterernst ist. 

Ich probiere, Menschen irgendwie klarzumachen, dass es sehr gut tut, im Einklang mit inneren Werten zu handeln und diesen negativen Frieden nicht mehr hinzunehmen. Natürlich weiß ich, dass der Weg, den ich gewählt habe, nicht für alle ist, aber macht etwas!

Am Ende muss dieser Impuls aber von den Menschen selbst kommen.

Also seid mutig, seid ungehorsam!

Lieber Mark, es war mir eine Ehre. 

Alles Liebe aus dem Knast, Lasse

Letzte Generation – Teil 1

Letzte Generation – Teil 2

Letzte Generation – Teil 3

Letzte Generation – Teil 4

Letzte Generation – Teil 5

Letzte Generation – Teil 6

Letzte Generation – Teil 7

Letzte Generation – Teil 8

Letzte Generation – Teil 9

Menschen sind halt seltsam

Quelle: Forum, das Wochenmagazin, 16. Januar 2026

„Menschen sind halt seltsam

Von Svenja Welsch

Er ist der bekannteste Kriminalbiologe Deutschlands: Dr. Mark Benecke arbeitet nicht nur im Labor, sondern teilt seine Expertise auch mit einer Vielzahl interessierter Forensik- und Krimi-Liebhaber. Ein Interview über seine Arbeit, den Hype um True Crime und umkippende Show-Besucher.

Herr Benecke, Sie arbeiten als Kriminalbiologe. Was ist das überhaupt?

In meinem Fall: Jemand, der in Verbrechens-Fällen beispielsweise Blut, Haare, Insekten, Kot, Erbgut, Urin, Speichel, Krümelchen und Leichen-Magen-Inhalte untersucht. Es gibt auch Kolleginnen und Kollegen, die nur im Labor mit Erbgut arbeiten, oder andere, die nur Pollen anschauen. Kommt immer drauf an.

Foto: Ines Fischer

Foto: Ines Fischer

Ist ja jetzt nicht unbedingt der typische Berufswunsch aus der Grundschule. Wie kamen Sie dazu?

Zufall. Ich habe im Institut für Rechtsmedizin in Köln als Student genetische Fingerabdrücke lernen dürfen. Ich fand die Idee spannend, auf diese Art vielleicht Bio-Androiden von echten Menschen zu unterscheiden. Da das Labor im Keller bei den Leichen war, bin ich dabei irgendwie hängen geblieben.

Das große Interesse an Ihrem Berufsfeld hat Sie nicht nur zu einem Podcast, sondern sogar vor Live-Publikum geführt. Wie kam es denn dazu?

Ich antworte, wenn Menschen mich etwas fragen, und suche die Studien dazu heraus. Für Radio Eins (rbb/ARD) habe ich fünfundzwanzig Jahre lang ohne irgendeine Pause jeden Samstagmorgen eine neue Forschungs-Studie live ohne Fremdworte vorgestellt. Als Kind habe ich manchmal keine Antworten erhalten, das hat mich mega genervt. Daher habe ich mir vorgenommen, als Erwachsener alle Fragen nachzuschlagen und klar, kurz und einfach zu erklären. Während Corona hatten meine Frau und ich den größten deutschsprachigen Corona-Kanal, vom ersten bis zum letzten Tag der Pandemie, ohne Fremdworte, ohne Gelaber, nur die jeweils neuesten Messungen.

Wie erklären Sie sich das Interesse an forensischer Arbeit?

Die meisten Menschen möchten schon gerne die gemessene Wahrheit wissen. Sie können aber nicht immer schwierig geschriebene Studien lesen.

True Crime boomt ohne Ende. Können Sie das verstehen?

War schon immer so, seit Erfindung des Buchdruckes. Das hat viele Gründe. Drei davon: Menschen ist langweilig, oder sie sind dem Tod zu nahe gekommen, oder sie rätseln gerne.

Wie stehen Sie selbst zu True Crime? Oder muss man nach dem Job auch einfach mal abschalten und etwas anderes sehen?

Ich habe jeden Tag mit echten Verbrechen zu tun. Das ist für mich normal.

Dieser Hype ist auch oft eine Gratwanderung. Wenn ich beispielsweise an Netflix-Produktionen wie „Monster“ denke, so werden die dort behandelten Täter auch gerne mal regelrecht glorifiziert vom Publikum. An die Opfer oder deren Hinterbliebene denkt da dann selten einer. Wo verläuft die Grenze?

Ich schaue so was grundsätzlich nie, daher kann ich dazu nichts sagen. Ich habe auch noch nie „Medical Detectives“, wo ich seit über zwanzig Jahren Spuren erkläre, gesehen und auch noch nie die Serie „Tatort“. Wie gesagt, wir haben genug echte Fälle, die echte Menschen mit den echten Beteiligten – oft auch Angehörigen oder Täterinnen und Tätern – bearbeiten.

Stichwort Serientäter: Diese faszinieren uns besonders stark. Warum – und was macht sie aus?

Kommt drauf an. Es können narzisstische Antisoziale sein oder Menschen, die mangels innerer Widerstände ins Verbrechen rutschen, oder beides. Ein gutes Interview dazu habe ich mit Nico Claux, Mörder und Kannibale, gerade auf der Serienmord-Ausstellung gemacht, ist bei Youtube zu sehen (Anm. d. Red., unter folgendem Link aufrufbar: https://youtu.be/O2u8bdJl5Lw)

Wie erklären Sie menschliche Grausamkeit, die in einem solchen Täter stecken muss?

Klassische Serien-Täter suchen eine zuverlässige Bindung. Leider haben sie null Ahnung und null inneres Vermögen, wie die aussehen könnte. Daher machen sie das Falschestmögliche, um „dauerhafte“ Erlebnisse zu erschaffen.

Nicht nur in Sachen True Crime, auch im fiktionalen Bereich sind Thriller- und Horror-Fans von besonders grausamen Verbrechen in den Bann gezogen. Was ist für Sie die Spitze aller Grausamkeit?

Sehr grausam ist es beispielsweise, Tiere oder deren Ausscheidungen zu essen und gleichzeitig zu behaupten, man oder frau sei Tier-Freundin oder -freund. Das ist nicht nur grausam gegenüber den gefolterten Tieren, sondern zudem Selbst- und Fremd-Betrug.

Einige Ihrer Kollegen zeigen in ihren Bühnenshows auch gern einmal Fotos von Leichen – egal, in welchem Zustand. Wie handhaben Sie das – und wie reagiert da das Publikum?

Ich zeige in mehreren Vorträgen keine einzige Leiche. Das spielt sich sehr oft im Kopf der Menschen ab. Es gibt zwei Vorträge, wo Menschen neuerdings öfter umkippen, das ist der über Blut-Spuren (ohne Leichen) und der über mittelalterliche, christliche Gemälde (Leichen vorwiegend auf den Gemälden zu sehen).

Nun sprechen wir hier nur von Vorträgen, Sie arbeiten tagtäglich ganz nah daran. Wie geht man damit um? Nimmt man da auch das ein oder andere Mal negative Emotionen mit nach Hause oder können Sie das trennen?

Ich nehme alle Handlungen so, wie sie sind. Menschen sind halt seltsam. War schon immer so, wird immer so sein. Wir können nur versuchen, aus den Taten zu lernen, wie künftige Taten zu verhindern sind. Wenn das aber keinen interessiert, können wir das als spurenkundliches Labor auch nicht ändern.

Gab es einen Fall, der Sie besonders beschäftigt hat?

Ich behandele alle Fälle und alle Menschen haargenau gleich. Mein Team auch.

Anders gefragt: Was macht für Sie einen wirklich spannenden Fall aus?

Mir ist egal, ob er spannend wirkt. Interessant ist für mein Team und mich, ob es messbare Spuren gibt. Wenn die vorhanden sind, dann geht es weiter.

Gibt es in Ihren Augen ein „unlösbares“ Verbrechen?

Alle, von denen niemand je etwas erfahren hat.