Romantisierung von Verbrechen. Eine Marketing-Strategie des Streaming-Anbieters Netflix

Masterarbeit | Studiengang: Public Relations und digitales Marketing

Die komplette Arbeit gibt es hier als .pdf

Von Felix Rasten

Zusammenfassung

Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Romantisierung von Verbrechen am Beispiel der Netflix-Produktion „Dahmer – Monster: Die Geschichte von Jeffrey Dahmer“ und behandelt die Frage, inwiefern die Darstellungsweise in der besagten Produktion als strategische Marketingmaßnahme verstanden werden kann. Ausgangspunkt ist die Kritik, dass True-Crime-Formate Täterfiguren ästhetisieren, Empathie hervorrufen und dadurch ihre Verbrechen verharmlosen.

Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde ein Mixed-Methode-Ansatz gewählt, bestehend aus einer qualitativen Inhaltsanalyse der Serie und zwei Experteninterviews mit dem Kriminalbiologen Mark Benecke sowie dem Regisseur Florian Schwarz. Die Analyse zeigt, dass Romantisierung weniger durch eine bewusste Attraktivitäts-steigerung erfolgt, sondern vor allem durch empathiefördernde Erzählstrategien, den gezielten Einsatz von Musik, Kameraperspektiven und Rückblenden sowie die ambivalente moralische Bewertung der Täterfigur.

Fiktionale Elemente verstärken zusätzlich diese Emotionalisierung. Opferperspektiven sind zwar vorhanden, werden jedoch durch die dominante Täterdarstellung in der Wahrnehmung verdrängt. In den sozialen Medien wird diese Inszenierung der Figur häufig aufgegriffen, wodurch eine gewisse Eigendynamik entsteht, die Netflix aus marketingstrategischer Sicht nutzen kann. Die Ergebnisse legen nahe, dass Romantisierung in solchen True-Crime-Formaten nicht nur ein erzählerischer Effekt, sondern auch ökonomisch höchst profitabel für Streaming-Anbieter ist.

Damit trägt diese Forschung zur medienethischen Debatte über die Grenzen zwischen Aufklärung, Unterhaltung und Vermarktung im True-Crime-Genre bei.