Zur Steigerung der Aussagegenauigkeit bei arthropodenkundlichen Untersuchungen an Faulleichen

Quelle: Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin, 1997, Vortragsnummer V-108

VON MARK BENECKE

Die Qualität arthropodenkundlicher Untersuchungen wird nach unserer Erfahrung durch drei Faktoren limitiert: Artenvielfalt, Artenkenntnis und Asservierung.

Während die bei der reinen Aufbewahrung der Tiere zu beachtenden Grundregeln auf ein praxisnahes Mindestmaß reduzierbar sind [1-3], bedarf die eigentliche Sammeltätigkeit, vor allem bei im Freien aufgefunden Leichen, großer Aufmerksamkeit. Die Gründe dafür sind das verschiedene Revierabgrenzungsverhalten der Tiere, das dazu fuhren kann, daß wichtige Indikatorarten übersehen werden (etwa bei Arten, die als Pärchen eine Leiche verteidigen, und daher vom Untersucher im Angesicht des Massenauftretens anderer Arten nicht aufgefunden werden) sowie die mit zunehmender Artenzahl ansteigende Genauigkeit der Liegezeitschätzung (post mortem interval (PMI)-Schätzung).

Das Interesse an der forensisch-kriminalistischen Gliederfüßerbegutachtung wächst mittlerweile auch in Deutschland [4-6], nachdem beispielsweise die französische Bundespolizei und das FBI die Methode nunmehr routinemäßig anwenden. Damit rücken Forschungsergebnisse ins Interesse, die den Zusammenhang zwischen Artenzahl und Liegezeitbestimmung verdeutlichen [7]. (Die Liegezeitbestimmung ist nur eine von mehreren Fragestellungen, die anhand der Arthropodenbesiedlung bearbeitet werden kann.) Ergebnis: Je mehr für ein bestimmtes postmortales Liegeintervall relevante Insekten- (sowie in begrenztem Maß Spinnen- und Krebs-)arten in die arthropodenkundliche Auswertung einbezogen werden können, desto kleiner fällt die Standardabweichung bei der Bestimmung der Liegezeit aus.

Diese Aussage wird auf Fallbeispiele aus dem Kölner Institut für Rechtsmedizin bezogen, bei denen der Leichenfundort im Freien (Wald, Wiese) oder in geschlossenen Großstadtwohnungen lag.

1 Benecke (1996) 5. Frühjahrstagung - Region Nord - der DGRM, Rostock
2 ders. (1996) Archiv für Kriminologie 198, 99-109
3 ders. (1997) Archiv für Kriminologie 199, in Druck
4 ders. (1997) Ausbildungsstätte der Landeskriminalpolizei im LKA Niedersachsen, Hannover
5 ders. (1997) 12. Tagung der Ges. f. Entwicklungsbiologie, Köln
6 ders. (submitted) Applied Forensic Entomology: Seven peculiar cases
7 Schoenly et al. (1996) American Naturalist Summer 1996,106-112


Six forensic entomology cases

description & commentary


Murder most putrid

Memories and reflections of a forensic entomologist


Auf falscher Fährte

Leichenerscheinungen & Fehlinterpretationen


Im Park der Leichen

Mark auf der Body Farm in Knoxville, Tennessee