Frühjahrstagung der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin (DGRM) 2026
Mark Benecke | International Forensic Research & Consulting
Ein Schrumpfkopf, ein Herz (in Flüssigkeit), ein Taschenmesser-Etui und zwei Lampenschirme – einer vollständig erhalten, vom anderen als Teil eines Beweis-Stückes an englische Alliierte übergeben – aus dem ehemaligen KZ in Buchenwald stammend, wurden bislang als nicht menschlichen Ursprungs gedeutet. Wir untersuchten die Spuren mikroskopisch, mittels nested PCR sowie Hinweisen aus dem Archiv der Gedenkstätte Buchenwald sowie kriminalistisch vergleichender Techniken.
Da zuvor ein in den Vereinigten Staaten gefundener und untersuchter Lampenschirm aus Rinderhaut gefertigt war, prüften wir unsere Spuren in verschiedenen Fach-Laboren, die keine Informationen zur Herkunft hatten.
Mikroskopisch konnte zunächst nicht ausgeschlossen werden, dass die Haare des Schrumpfkopfes aus Pferdehaar bestanden; die DNA-Analyse ergab, dass es sich um Ziegenhaut und -haar handelt.
Die aus zwei Lampenschirmen und dem Taschenmesseretui herausgeschnittenen Stücke ähneln mikroskopisch verlederter menschlicher Haut aus einer Vergleichs-Sammlung; sie enthielten zudem menschliche DNA (CO1-Barcoding). Da die DNA-Menge gering war, wurde eine Nested-PCR durchgeführt. Sequenzierung und BLAST ergaben eine 99%ige Übereinstimmung mit Homo sapiens sapiens.
Das Herz wurde durch fotografische Merkmals-Vergleiche mit alten Sammlungs-Fotos als menschlich erkannt.
Diskussion: Politisch "aufgeladene" Sammlungs-Stücke werden von Gedenkstätten ungern zur spurenkundlichen Untersuchung frei gegeben. Im vorliegenden Fall zeigt sich, dass die Zusammenarbeit zwischen Historikern und Spurenkundlern entscheidende und die Spuren zugleich hinreichend schonende Informationen liefert.
