Vermisste Rebecca Reusch: Sieben Jahre vermisst, das sagt Mark Benecke zum Fall

Quellen: MOZ, 16. und 18. Februar 2026

Von Diana Maltseva | Foto: Marcus Gloger

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Kriminalbiologe Mark Benecke berichtet, ob es möglich ist, nach sieben Jahren noch Spuren von der vermissten Rebecca Reusch zu finden

Rebecca Reusch verschwand vor knapp sieben Jahren spurlos. Die damals 15-Jährige aus Berlin gilt seit dem 18. Februar 2019 als vermisst, nachdem sie im Haus ihrer Schwester und ihres Schwagers übernachtet hatte. Der Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke erläutert, welche bedeutenden Spuren der Fund der Leiche bringen könnte, sollte Rebecca Reusch ermordet worden sein.

Der Kölner Kriminalbiologe ist seit über 20 Jahren international auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Forensik aktiv und hat sich insbesondere der Entomologie verschrieben. Er untersucht Spuren an Tatorten und beschäftigt sich mit der Insektenforschung, die – als Teilgebiet der Forensik – zum Beispiel dabei hilft, Todeszeitpunkte zu bestimmen und Verbrechensabläufe aufzuklären.

Diese Woche jährt sich der Tag, an dem Rebecca Reusch verschwunden ist. In diesen sieben Jahren wurde sie weder lebendig noch tot aufgefunden. Insofern stellt sich die Frage, ob es möglich wäre, nach so langer Zeit ein Tötungsdelikt nachzuweisen oder einen Täter ohne Leiche zu finden.

Vermisste Rebecca Reusch: Mark Benecke zu möglichen Spuren

Foto: Marcus Gloger

Laut Mark Benecke ist es möglich, auch nach Jahren noch die Todeszeit und Ursache festzustellen. „Es gibt mehrere Möglichkeiten, das zu tun“, erklärt er. „Natürlich polizeilich, indem Zeuginnen und Zeugen befragt und vielleicht noch vorhandene Handydaten, Fotos und Ähnliches ausgelesen oder betrachtet werden. Daraus lässt sich manchmal ableiten, wer wann wo mit wem war und so auch indirekt die Leichenliegezeit“, ergänzt der Kriminalbiologe.

„Es geht manchmal auch über das Alter und die Art von Insekten, die an oder auf der Leiche gelebt haben. Die Todesursache lässt sich, um nur eines von sehr vielen Beispielen zu nennen, unter anderem an Knochenscharten, also Ritzen, ableiten. Diese sehen die rechtsmedizinischen Kolleginnen und Kollegen auch am Skelett. Sie können vielleicht dann einer Waffe zugeordnet werden“, sagt er zu weiteren Möglichkeiten.

Eine Leiche könnte auch wichtige Spuren des Täters enthalten. „Viele Spuren halten sich lange: Kleidungsfasern etwa. Es gibt aber auch Erbgutspuren, die lange untersuchbar bleiben, solange sie nicht durch Fäulnis zersetzt wurden. Garantien gibt es nicht, aber gerade die letzten Jahre haben erneut und gehäuft gezeigt, dass auch schon eine Zelle des Täters genügen kann, um den genetischen Fingerabdruck zu entwickeln. Das kann Blut sein oder Haut oder Sperma oder Haare“, informiert der 55-Jährige.

Kann ein Mord an Rebecca Reusch nachgewiesen werden?

Wenn eine Leiche vorhanden ist, können die Experten anhand verschiedener Fakten wichtige Feststellungen treffen. Doch ist es überhaupt möglich, einen Täter zu finden oder die Gründe für das Verschwinden festzustellen, wenn die Leiche nie gefunden wird? „Das ist eher eine rechtliche Frage. Das Gericht alleine entscheidet, was ein gültiger Nachweis ist“, antwortet Mark Benecke.

Es ist also nicht ausgeschlossen, dass ein Täter ohne Leiche gefasst werden kann. „Es können auch weitere Spuren helfen, die räumlich und zeitlich durch weitere Meldungen, Daten und Beobachtungen verknüpft werden können“, sagt der Kriminalbiologe. „Wenn diese ein sicheres Gesamtbild ergeben, kann die Polizei erstens neue Richtungen einschlagen und zweitens kann auch ein Gericht zu vernünftigen Aussagen gelangen“, fügt er hinzu.

Grundsätzlich ist die Spurensicherung auch an lang zurückliegenden Vermissten- und Mordfällen möglich. „Das Skelett von König Richard III. etwa lag unter einem städtischen Parkplatz in Leicester und konnte mittels Erbgut sicher erkannt werden“, erzählt Benecke.

Die Spurensicherung könnte unter Umständen herausfordernd sein. „Meiner bisherigen Erfahrung nach, auch auf Geländen mit Leichen von Körperspenderinnen und Körperspendern auf den sogenannten ‚Body Farms‘, ist es oft knifflig, wirklich jeden Krümel Erde oder Beton oder Pflanzenmaterial einzusammeln und zu untersuchen“, sagt Benecke.

„Als ich in New York in der Rechtsmedizin als Kriminalbiologe angestellt war, kam die Polizei beispielsweise einmal mit einer Lastwagenladung Erde vom Fundort an. Da mussten wir leider ablehnen, weil niemand im Labor Platz und Zeit für das Durchsieben und Auswerten dieser Erd-Mengen hatte. Es wäre aber natürlich spannend und sinnvoll gewesen“, erinnert sich Benecke.