»Messen, nicht denken«

Quelle: IHK Darmstadt, Wirtschaftsdialoge, Ausgabe 5 / 2026, Seiten 36 und 37 (.pdf hier)

Von Matthias Voigt

Foto: Ines Fischer / Benecke.com

Dr. Mark Benecke ist promovierter Kriminalbiologe und Experte der forensischen Entomologie – gemeint ist die kriminalistische, angewandte Insektenkunde. An Tatorten – auch in Leichnamen – sucht er nach Fliegen, Würmern und Maden, um dadurch den Todeszeitpunkt eingrenzen zu können. Außerdem ist er ein überzeugter Sachverständiger.

IHK: Wenn ich im Sommer den Biomüll entsorge, kriechen mir manchmal Würmer aus der Tonne entgegen. Sich beruflich damit zu beschäftigen, ist zumindest nicht alltäglich. Emfinden Sie gar keinen Ekel?

DR. MARK BENECKE: Aus der Tonne kriechen vermutlich eher Fliegenlarven, also Maden. Das sind keine Würmer. Würmer bleiben ihr Leben lang Würmer, Fliegenlarven werden zu was anders Aussehendem: erwachsenen Fliegen mit Borsten, Augen, Saugrüssel. Es ist eine tolle Umwandlung, wie bei Schmetterlingen. Das ist doch etwas sehr Schönes. Menschen können ihre Haut nicht in eine harte Hülle umwandeln, sich innen zu einem Schleimklumpen auflösen und später entsteht daraus ein, sagen wir, rosa Elefant. Finde ich also mega, unsere Fliegenlarven. Würmer finde ich aber auch toll, so ist es nicht.

Viele Menschen kennen Sie aus dem Fernsehen und aus Podcasts. Wie würden Sie Ihren Arbeitsalltag in wenigen Sätzen beschreiben?

Mal schauen, was heute an Anfragen reinkommt. Es gibt abgesehen davon keinen Alltag, das ist ja das Schöne. Ich bearbeite seit ungefähr zehn Jahren nur noch Sonderfälle, weil anderes gar nicht mehr bei mir ankommt. Daher basteln wir hier im Labor unseren Tag immer um das, was gerade anfällt. Da ich auch die früher so genannten Hilfskräfte hinzuziehe, bleibt es immer spannend, auch wenn solche Fälle meist nicht vor Gericht oder in der Industrie landen, sondern Angehörige betreffen, die Klarheit über ein mögliches Unglück gewinnen möchten.

Wieso brennen Sie immer noch für Ihren Job?

Ich kann alles frei entscheiden: Wie ich arbeite (übergründlich, auch wenn es keinen Cent einbringt), wann ich arbeite (von 9 bis 23 Uhr), wie viel ich arbeite (so, dass wissenschaftliche Veröffentlichungen daraus entstehen). Und ich lerne superviele Kolleginnen und Kollegen aus Nachbargebieten kennen, beispielsweise, wenn wir Kunstfälschungen, religiöse Wunder, aus Menschenhaut hergestellte Gegenstände, vergiftete Bücher und dergleichen bearbeiten. Es kommt auch noch ein verrückter Zufall hinzu: Ich bin am Tag vereidigt worden, als zwei Flugzeuge in Hochhäuser in New York geflogen sind. Ich war zuvor im zuständigen Institut für Rechtsmedizin in Manhattan angestellt und kenne alle an der Bearbeitung der Spuren beteiligten Kolleginnen und Kollegen und war kurz nach dem Ereignis selbst vor Ort. Letztes Jahr, 25 Jahre später, hat mein Labortisch-Nachbar Brian erstmals und seinen Worten nach zum einzigen Mal öffentlich darüber gesprochen. Ich war dabei.

Sie sind auch öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger. Was zeichnet einen guten Sachverständigen aus?

Das, was in den verpflichtenden Kursen vor der Vereidigung immer betont wird: sachlich und direkt sein, selbst arbeiten und vernünftige, gute Quellen angeben. Bei uns im Labor kommt noch hinzu, dass wir viele schräg wirkende Fälle haben, manchmal in den Knast fahren, mit heulenden Angehörigen zu tun haben und so weiter. Auch hier lassen wir uns nie von Gefühlen ummänteln oder einwickeln. Et is wie et is, die Frage ist eben nur, wie et is. Das lässt sich nur durch Messungen, aber nie durch denken, glauben und – das ist bei uns besonders – auch nicht durch Berufserfahrung klären. Kurz gesagt: messen, nicht denken.

Warum sollten Unternehmen bei wichtigen Fragestellungen auf öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige setzen?

Weil Unabhängigkeit bei öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen nicht nur Blabla oder eine papierne Willenserklärung ist, sondern ganz ernst gemeint ist. Ich möchte mich auf Menschen verlassen, die Tatsachen messen und schildern, nicht solche, die alle möglichen anderen Interessen haben, kungeln, meinen, schätzen, abwägen oder vermuten.

Rätselhafte Tode und falsche Fährten: Kriminalbiologe Mark Benecke geht im Milchwerk auf Spurensuche

Quelle: https://www.suedkurier.de/kreis-konstanz/kriminalbiologe-mark-benecke-zu-besuch-in-radolfzell-115414897, 6. Oktober 2026

Nicht denken, sondern messen: Der berühmte Kriminalbiologe Mark Benecke zeigt im Milchwerk, wie aus Spuren belastbare Erkenntnisse werden – und warum selbst sichere Geschichten falsch sein können.

Von Sofia Daszkowska

Schwarzlicht, eine mystische Klangkulisse aus drei ausgewählten Musikvideos von Mark Benecke und Bianca Stücker: Von Beginn an liegt die Ahnung in der Luft, dass etwas Ungewöhnliches ans Licht kommt. Im Milchwerk beginnt der Vortrag „Kriminalfälle am Rande des Möglichen“. Der bekannte Kriminalbiologe Mark Benecke zeigt, wie bei der Untersuchung eines Kriminalfalls aus Spuren eine Tatrekonstruktion entsteht – und warum die erste Erklärung oft die falsche sein kann. Eine Strangulationsspur, die gar keine ist. Ein Zeuge, der sich sicher ist und trotzdem irrt. Oder ein Schusswaffenfall, dessen Ablauf sich erst aus Munition, Blut und Schusswinkeln erschließt.

Welche Geschichte erzählen die Fakten?

Mark Beneckes Prinzip scheint schlicht: „Nicht denken, sondern messen.“ Eine Geschichte kann noch so plausibel klingen – wenn die Fakten etwas anderes erzählen, hat sie bei Benecke schlechte Karten. „Ich messe Spuren“, sagt der Kriminalbiologe vor dem versammelten Publikum. Annahmen? Lieber nicht. Alles wird dokumentiert, fotografiert, gemessen und miteinander verglichen.

Zur Person

Mark Benecke ist Kriminalbiologe, der sich seit mehr als zwei Jahrzehnten international mit der wissenschaftlichen Forensik beschäftigt und damit Kriminalfälle untersucht. Dabei setzt er sich vor allem mit der Entomologie, also der Insektenkunde, auseinander. Bekanntheit hat er etwa durch Auftritte im Fernsehen erlangt. Im Laufe seiner Karriere hat er unter anderem Adolf Hitlers Schädel untersucht und eine fachspezifische Ausbildung beim FBI gemacht.

Auf der großen Leinwand macht Benecke die von ihm mitgebrachten Fälle anhand von Fotos, Aufnahmen und detaillierten Spurenauswertungen sichtbar. Fotos seien dabei entscheidend, erklärt Benecke: „Ohne Fotos verliert man super viele Informationen“, betont er. Erst danach werden verschiedene Möglichkeiten geprüft und Widersprüche sichtbar. Zu einem ungewöhnlichen Erstickungsfall ließ Benecke zum Beispiel mit mehreren Frauen unterschiedlicher Oberweite testen, ob beim Aufdrücken der Brust auf das Gesicht einer Testperson ein Ansaugeffekt entstehen kann.

Von Blutspuren und Schusswinkeln

Besonders deutlich wurde seine Methode an einem Schusswaffenfall. Benecke setzte dabei unterschiedliche Spuren zueinander in Beziehung: Munition, Blutspuren, Glassplitter, Schusswinkel und Körperpositionen. Die unterschiedliche Zusammensetzung der Munition half, die Reihenfolge der Schüsse zu rekonstruieren. Eine technische 3D-Rekonstruktion zeigte, welche Positionen und Winkel möglich waren. So entstand aus vielen Hinweisen ein Tatablauf – unabhängig davon, wie Beteiligte ihn schilderten. Auch eine sichere Zeugenaussage muss sich an den Spuren messen lassen.

„Nur messbare Wahrheit gilt als Tatsache“, sagt der Experte. Für Benecke bedeutet das: Aussagen und auch die eigene Theorie müssen überprüft werden. Widersprechen die Spuren der eigenen Vorstellung, müsse diese geändert werden. Oft führe der Weg zur Wahrheit dabei über den Ausschluss: Was kann nicht passiert sein? Erst das Zusammenspiel verschiedener Spuren mache den Tathergang belastbar.

Ein Einhorn zum Schluss

Benecke selbst bleibt bei seinen Schilderungen im Milchwerk auffallend gelassen. Zwischen drastischen Bildern, komplizierten Spuren und ungewöhnlichen Experimenten erzählt er mit trockenem Humor und großer Selbstverständlichkeit. Gerade diese Mischung macht den Abend weniger zu einem Vortrag über Tod, als vielmehr zu einem Einblick in die schwierige Kunst, sich von einer guten Geschichte nicht täuschen zu lassen.

Am Ende erscheint auf der Leinwand ein Einhorn. Nach so viel Tod, Blut und Beweisführung ist das vielleicht auch ganz gut so. Damit alle Zuhörer beruhigt nach Hause gehen können – und heute Nacht niemand mehr über Schusswinkel nachdenken muss.

— Schönen Dank an die Redakion für die Erlaubnis zur Verwendung —

Ausstellung 'Sex Work' / Bundeskunsthalle (2026)

Kommt mit in die Ausstellung 'Sex Work' in der Bundeskunsthalle 🎭 Sex-Arbeitetin Nicole Schulze aus dem Vorstand des BesD — Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V. sowie ihre äußerst korrekte Schwiegertochter nebst einem freundlichen Vertreter des Kund:innen-Verbandes staunen über die enorme Breite des Dargebotenen 🤩

Nicole & ich sind sogar als Ausstellungs-Stücke vertreten ☺️ Hut ab an die Ausstellungs-Macher:innen 🎩  

Herzlich eure: Gang

→ Vom Kölner Straßenstrich ins Museum. Sexarbeiterin Nicole: „Das erste Mal war Französisch für 30 Euro“

→ Das 'Nordische Modell' (Sex-Kauf-Verbot)

→ Mark Benecke – meine liebsten Sexcomics: Von Sweet Gwendoline bis Sonnenstein


Marks Vorwort zu Nicoles Buch “Sex-Arbeit”

ISBN ‎ 979-8171544546 (Okt. 2026)

Alle Sex-Arbeiter:innen, die ich kenne, verdienen mit ihrer Arbeit selbst gewählt ihren Lebens-Unterhalt. Für viele war und ist es ein zeitweiser Nebenjob, um die Einkünfte für die Familie oder sich selbst aufzustocken.

Ich schreibe im Folgenden nur von ihnen.

Menschenhandel, Trickser:innen und Sklaverei lehne ich ab.

Alright — fragen wir zunächst einmal Dominas und angeblich "unterwürfige Damen" (Eigen-Bezeichnung — in Wahrheit bestimmen natürlich diese, was geht und was nicht) mit hohen Stundenlöhnen nach ihrer Berufs-Wahl. Eine der in Deutschland bis vor wenigen Jahren bekanntesten, vollberuflichen Dominas meldet: “Sex-Arbeit haben wir im Studio nicht durchgeführt: Wir hatten keinen Sex mit den Gästen. Den Job haben wir gemacht, weil wir eh gerne in der Fetisch-Szene unterwegs waren und es meist auch privat ausgelebt haben. Natürlich hat auch Geld eine Rolle gespielt. Aber wir haben es vor allem gemocht, von Männern vergöttert und beschenkt zu werden.”

Dass die (in diesem Fall heterosexuellen) Gäste natürlich sehr wohl sexuelle Handlungen insofern durchgeführt haben, als dass ihre Fantasien sich auch körperlich ergossen, ist klar. Zu dieser Einzelheit kommen wir gleich noch.

Eine weitere Freundin, die als “Escort” also im Begleit- Geschäft in der Regel für Geschäfts-Reisende, aber auch reiche Rentner unterwegs ist, und die ebenfalls ordentliche, aber schon nicht mehr ganz so hohe Summen aufruft, hat Sex mit den Gästen: “Das ist doch der Sinn der Sache”, findet sie. Bei ihrer folgenden Schilderung schimmert schon deutlich durch, was auch Nicole Schulze als ihre Anfänge beschreibt: Sexuelle Offenheit plus gutem Verdienst.

“Ich wohne in einer Stadt mit mehreren Millionen Einwohnern. Viele hier haben Nebenjobs; anders können wir in unserer Welt aus niedrigen Löhnen und hohen Mieten nicht durchkommen. Ich habe mir als Nebenberuf die Sex-Arbeit ausgesucht, und ich liebe den Job. Das liegt vor allem an meinem Haupt-Beruf. Der läuft wochentags von neun Uhr vormittags bis fünf oder sechs Uhr abends. Meinen Neben-Beruf kann ich völlig frei darum herum gestalten und planen. Früher habe ich freiberuflich kreativ gearbeitet.

Während der Pandemie brachen die Aufträge weg. So begann ich die Sex-Arbeit. Sie sicherte mir ein Dach über dem Kopf — mittlerweile habe ich mir sogar eine Eigentumswohnung gekauft —, sie hat mein Master- Studium bezahlt, und sie ermöglicht mir vielleicht den Wiedereinstieg in den Kreativ-Bereich. Jetzt, als tagsüber fest Angestellte, genieße ich es zusätzlich, in meinem Neben-Job dem ziemlich langweiligen Alltag zu entfliehen. Manchmal sitze ich schon morgens um acht Uhr an meinen Schreibtisch, mache mir in der Mittagspause die Haare und schminke mich für abends, klappe um halb sechs meinen Laptop zu und gehe um sechs aus dem Büro.

Vielleicht gehe ich dann mit einem Sex-Klienten Abendessen oder flitze zum Zug oder Flughafen zu einem bezahlten Sexdate, und schon sind mein Schreibtisch und mein Arbeitstag vergessen.

Ich mag es, jederzeit mit jedem Gesprächs-Inhalt der Kunden umgehen können zu müssen: Meinungen, denen ich zustimme, und viele, denen ich nicht zustimme. Privat esse ich schon mal Tofu, gehe zur Psycho-Therapie und lebe ein großstädtisches Mittelklasse-Leben. Aber bei der Sex-Arbeit kann ich ganz anderen Menschen begegnen.

Wichtig ist, dass sich meine Begleiter wohlfühlen und die Gespräche diplomatisch ablaufen. Das finde ich herausfordernd und anregend- Jeder Klient ist anders, mit anderen Bedürfnissen, Wünschen, Interessen und Problemen. Sie kommen aus unterschiedlichen Verhältnissen und Kulturen, und ihre Stimmung wird von ihrem Arbeits-Tag, ihrem Leben und ihrer Einstellung bestimmt. Viele Kunden wünschen sich von mir bestimmte Abläufe im Voraus. Dann muss ich entsprechend gekleidet und ausgerüstet erscheinen. Aber es läuft selten wie erwartet. Ein Bondage-Kunde, der bereits wie ein Rollbraten gefesselt ist, entscheidet sich vielleicht mittendrin, dass er doch keine Lust mehr auf Seile hat. Andere möchten etwas zum allerersten Mal ausprobieren. Manche schicken mir vorab eine Liste mit extrem erscheinenden Handlungen, aber dann wollen sie doch nur kuscheln und festgehalten werden.

Was auch immer nachts passiert: Am nächsten Tag (oder Montag) sitze ich wieder an meinem Schreibtisch, wahrscheinlich müde, öfters auch verkatert, aber ich fühle mich verdammt viel freier, als wenn ich zu Hause geblieben wäre.”

Ähnliche Beweggründe zur Sex-Arbeit habe ich in Gesprächen schon oft gehört. Der Unterschied zur von uns allen zurecht und grundsätzlich geschmähten Sex-Sklaverei ist überdeutlich. Es lohnt sich, mit den Sex-Arbeiter:innen zu reden anstatt über sie.

Nicole Schulze beschreibt einen weniger glitzrigen Bereich des Berufes. Da ich hier nichts aus ihrem Text verraten möchte, schildere ich hier nur einen kurzen Eindruck von und mit ihr, den ich nie vergessen werde: Den Ernst und die Klarheit, mit denen Nicole auf den Demonstrationen gegen die Pandemie-bedingten Einschränkungen der Sex-Arbeiter:innen gesprochen hat. Kein Mensch wusste damals, wie es weitergeht. Sex mit FFP2-Maske war auch schwierig vorstellbar. Und da stand Nicole als eine der wenigen mit klarem Blick, unversteckt und mit echtem Namen — die meisten andere trauten sich das nicht — im Schatten des Kölner Domes und schilderte, dass sie gerne ihre Freiheit, bei ihr im Sex-Wohnmobil, genieße und sie sich diese nicht wegnehmen lassen möchte.

Während andere Sexarbeiter:innen, beispielsweise aus einem bekannten Kölner Bordell, als Gruppe auftreten konnten, und weitere (das haben sie oben schon gelesen) der Auffassung waren, dass sie nichts Sexuelles mit den Gästen anstellten und wieder andere aus dem reinen Fetisch- und weiteren Spezial-Bereichen kamen, stand Nicole da mit ihrem Reisewagen, den sie zur Domplatte gebracht hatte, felsenfest und erkennbar voller Energie am Mikrofon. So sieht Ehrlichkeit, frei von Trotz und Wortgeklingel aus.

Könnten Sex-Arbeiter:innen eigentlich beruflich nicht etwas anderes machen? Könnten sie. Doch warum? Machen sie doch selbst beruflich etwas anderes. Jeder, nochmal, ja, oft aus Geld-Gründen gewählte Beruf ist eine private Entscheidung. Oder würden sie, liebe Leser:innen, ihren Beruf auch ohne Bezahlung durchführen? Würden sie ihn aufgeben, weil er ihren Nachbarn nicht gefällt? Wohl kaum beziehungsweise hoffentlich nicht.

Lassen wir also diejenigen, die wie Nicole Schulze freiwillig Sex-Arbeit anbieten, in Ruhe ihr Ding machen. Egal, ob sie körperliche Hilfereichungen für Menschen mit Behinderungen anbietet, Kuschel- und Plauderstunden für einsame Herzen, ein bisschen Fantasie oder sexuelles Blitzableiten.

Sex-Arbeiter:innen müssen zwangsläufig mit Menschen umgehen können. Wie oft ich schon den nur halb als Scherz gemeinten Zuruf gemacht habe, dass es sich bei Sex-Arbeit im Kern um soziale Arbeit handelt, kann ich gar nicht mehr zählen.

Damit kommen wir zum letzten Dreh in dieser Einleitung.

Wer Sexarbeiter:innen aufsucht, der sucht neben Abenteuer, Geschlechtsverkehr, Entspannung und allem, was man sich sonst so denken kann, vor allem einen Moment der Bindung. Das kann wortwörtlich durch die schon erwähnten Einschnürungen geschehen, aber auch durch Reden über die verstorbene Ehefrau oder eben offene Gespräche über sexuelle Wünsche. Es ist erleichternd, wenn ein Mensch nicht alleine ist mit seinen oder ihren Gedanken. Viele, auch verpartnerte Menschen trauen sich nicht, die gesicherte Wohlfühl-Ebene ihrer Alltags-Beziehung zu verlassen oder überhaupt erst eine solche einzugehen. Sex-Arbeit dreht sich also immer erstmal um Bindung, Vertrauen, Nähe, Fantasie und alles, was Lebewesen sonst so gerne haben. Als Kinder, wenn sie eine Wahl haben, fordern wir das alles von unseren Eltern ein. Ganz ohne Sex.

Viel mehr ist es nicht. In der Sex-Arbeit treffen sich dann die Enden der menschlichen Bedürfnisse: Geborgenheit und Bindung auf der einen und Sex auf der anderen Seite. Dazwischen liegt der Rest des Lebens. Niemand behauptet, dass Sex-Arbeit ein Zuckerschlecken ist. Weder Nicole Schulze noch ich streiten außerdem ab, dass Drogen einschließlich Alkohol im Milieu öfters unterwegs sind. Doch es stimmt auch: Erst kommt eine unangenehme Kindheit und dann die Drogen und der Alkohol. Nicht umgekehrt. Niemand glaubt daher, dass es unter Sexarbeitenden nicht auch zu Trickserei und Blendung kommen kann. Doch Zuhälterei, Dreiecks-Beziehungen, aber auch das Auftreten der Polizei und von Sozialverbänden kann viele, oft überraschende Gesichter haben. Sie werden hier im Buch einiges dazu lesen. Eines scheint mir vielen Menschen zu fehlen, die über Sex-Arbeiter:innen sprechen: Persönlicher, alltäglicher und nachbarschaftlicher Kontakt. Wenn sie bloß wüssten, wie viele Studierende eine Zeitlang nebenher — ja, nur zum Geld verdienen — der Sex-Arbeit nachgehen, würde manche und mancher vielleicht sehr nachdenklich werden. Wetten, dass sie persönlich, vielleicht auch ehemalige, Sexarbeitende kennen, auch wenn sie selbst noch nie Kunde, Gast, Kundin oder Dienstleistende waren?

Zuletzt noch eine Rand-Bemerkung. In meinem Leben waren Sex-Arbeitende oft diejenigen, die mir, beispielsweise, wenn es bei einem Konzert glühend heiß war, ungefragt ein Sprudelwasser ausgegeben haben. Sie haben mir immer ehrlich gesagt, was sie — beispielsweise in meinen Video-Interviews — besprechen wollten und was nicht. Sie sind viel klarer und ehrlicher als es in abgenudelten und oberflächlichen Vorstellungen wirkt.

Selbstverständlich wissen Sexarbeitende auch, dass sie nicht im Zwanzigminuten- oder Einstunden-Takt oder früh morgens mit Mundgeruch nach einer harten Nacht einen Orgasmus nach dem anderen erleben. Das ist ein Schauspiel. Und das gehört in die bezahlte Zeit und die Fantasie der Gäste.

Mark Benecke

London, Juni 2026


Offizieller Text des Museums:

»Diese Ausstellung enthält explizite Darstellungen von Sexualität und Körperlichkeit. Bitte entscheiden Sie selbst, ob Sie diese Ausstellung besuchen möchten. Wir empfehlen einen Besuch ab 16 Jahren.

Die Geschichte der Sexarbeit lässt sich von weit vor der Antike bis in die Gegenwart verfolgen. Welches Menschenbild die Zeit prägte, welche Werte galten und wer Macht ausübte, lässt sich auch daran ablesen, wie gesellschaftlich mit Sexarbeit umgegangen wurde. Sie bedeutete in manchen Zeiten für Frauen eine von wenigen Möglichkeiten, selbständig Einkommen zu generieren. 

Ihre Geschichte wurde bislang meist aus einer Außen-perspektive geschildert. Die Ausstellung SEX WORK erzählt die Geschichte anders: Gemeinsam mit einem Kollektiv forschender Sexarbeiter*innen wird in der Bundeskunsthalle Kunst, Kulturgeschichte und Archivmaterial präsentiert, orientiert an einem zentralen Prinzip: Nichts über uns ohne uns!

Die Ausstellung setzt Schlaglichter auf Kunst- und Kulturgeschichte ebenso wie auf gesellschaftspolitische Themen der Gegenwart. In der bildenden Kunst spielten Hetären, Dirnen, Kurtisanen und Nackttänzerinnen lange Zeit vorrangig eine motivische Rolle, wurden allenfalls als Musen wahrgenommen. 

Dass Sexarbeiter*innen auch eine schöpferische, künstlerische Rolle einnehmen, ist eine Perspektive, die hier sichtbar gemacht wird. Eine Kulturgeschichte der Sexarbeit zu erzählen heißt, ein Terrain zu betreten, das von moralisierenden und hochpolitischen Diskursen durchzogen ist. Medien und Popkultur greifen bei der Darstellung von Sexarbeitenden nur zu gerne auf eindimensionale Stereotypen zurück. 

Die öffentliche Debatte pendelt zwischen moralischer Verurteilung und Positionen, die jede Form der Sexarbeit pauschal als Ausbeutung einstufen. Die im Kontext der Sexarbeit gebräuchlichen Begriffe spiegeln seit jeher soziale Verhältnisse, Machtstrukturen und Geschlechterordnungen wider. 

Während historische Bezeichnungen wie „Hure“ oder „Dirne“ primär eine moralische Stigmatisierung markierten, rückt der Begriff „Sexarbeit“ den Aspekt der Erwerbstätigkeit in den Fokus und löst diese von einer festgeschriebenen Identität. Zusammen mit Sexarbeitenden kreiert, ermöglicht die Ausstellung historische und aktuelle Einblicke in die Sexarbeit sowie Perspektiven auf Arbeits- und Menschenrechte.

DAS ZENTRALE PRINZIP: NICHTS ÜBER UNS OHNE UNS!

Die Geschichte der Sexarbeit ist geprägt von einem Wechselspiel aus Restriktion, Verfolgung, Duldung und Liberalisierung. Im 17. Jahrhundert waren Dirnen ein gängiges Motiv niederländischer Genremalerei – als Projektionsfläche erotischer Fantasien oder Spiegel moralischer Vorstellungen. 

Die enge Verbindung von Handel, Migration und Sexarbeit war kein Randphänomen, sondern Ausdruck struktureller Veränderungen urbaner Räume. Auch im Paris des 19. Jahrhunderts waren Kunst und Erotik eng verflochten: Von Tänzerinnen der Oper erwarteten wohlhabende Männer sexuelle Gefälligkeiten für ihr „Mäzenatentum“. 

Im Nachtleben der großen westlichen Metropolen entwickelte sich ab 1900 ein neuer, freiheitlicher Zeitgeist, mit dem sich Künstler*innen, Intellektuelle und die Bohème gegen die konservative Gesellschaft auflehnten. Im Berlin der 1920er Jahre, zwischen Glitzer, Rauch und Jazz, entstand ein kurzer Traum, der auch Frauen und queere Personen auf mehre Rechte hoffen ließ – bis die Nationalsozialisten diese Vielfalt gewaltsam zerstörten. 

Zu den Verfolgten und in Konzentrationslagern ermordeten Opfern des Nationalsozialismus zählten auch vermeintliche oder tatsächliche Sexarbeiter*innen. Seit den 1980er-Jahren verschaffen sich Sexarbeiter*innen zunehmend Gehör. Restriktive Maßnahmen und öffentliche Stigmatisierung im Zuge steigender Polizeigewalt, Gentrifizierung und der AIDS-Krise führten zu Protesten und organisiertem Widerstand – oft in Solidarität mit der queeren Community. 

Trans*Sexarbeitende standen an vorderster Front der queeren Bürgerrechtsbewegung. Für Sexarbeitende ist diese Erfahrung von Gemeinschaft entscheidend, um Stärke und Unabhängigkeit zu entwickeln. Räume, in denen über Erfahrungen und Traumata gesprochen werden kann, ohne auf eine Opferrolle reduziert zu werden, schaffen Selbstwirksamkeit und Schutz. Davon handeln viele der Objekte und Erzählungen aus dem Sexarbeitenden-Archiv Objects of Desire. 

Die persönlichen Geschichten drehen sich um Liebe, Freude und Scham, um Angst und Frustration wie auch um ganz alltägliches Schuften bei der Arbeit. Die Ausstellung lädt dazu ein, Einblick in diese Räume zu nehmen – und neue Perspektiven auf ein von Vorurteilen und Tabus geprägtes Thema zu gewinnen.«

Drogen & Kriminalistik (Uni Kiel / Deutschlandfunk Nova)

Mark Benecke spricht im Institut für Toxikologie der Universität Kiel über Drogen und deren Bezug zu den gigantischen Gewinnen, die in die organisierte Kriminalität sickern.

Mit den neuesten Zahlen und Messungen — gekürzt auch als Podcast beim Deutschlandfunk DLF Nova-Programm 'Hörsaal'.

Wer Drogen und ihre Folgen wirksam bekämpfen will, muss sie dekriminalisieren, sagt der Kriminalbiologe Mark Benecke. Warum? Dafür liefert er in seinem Vortrag zahlreiche Fakten und Argumente. Und er stellt Beispiele vor, wo es geklappt hat.

Mark Benecke hat sie selbst gesehen: die Drogentoten. Und mit Drogentoten sind nicht allein die Menschen gemeint, die an einer Suchterkrankung sterben. Oder die, die versehentlich eine Pille erwischen, in der etwas anderes steckt als gedacht. Sondern vor allem auch jene vielen Menschen, die in den Auseinandersetzungen der Drogenmafia ermordet werden.

"Es sterben unglaublich viele Leute – gar nicht so sehr an den Drogen, sondern in diesem Verteilungsmarkt der organisierten Kriminalität."

Mark Benecke, Kriminalbiologe

"Kokain und sehr viele andere Stoffe nehmen drastisch zu. Die Drogen werden immer stärker. Die ganze Welt ist unter Drogen."

Mark Benecke, Kriminalbiologe

Wobei er Drogen nicht verharmlost: Seinen Vortrag beginnt er damit, zu erklären, dass das, was die meisten von uns über Drogen wissen, vermutlich schon passé ist. Weil Drogen jeden Tag stärker werden.

Immer mehr Drogen, immer stärkere Drogen

In hochprofessionellen Labors entstehen immer neue Abwandlungen bekannter Drogen und auch immer mehr neue: Cannabinoide, Phenylethylamine, Streoide, Opioide, Cathinone und mehr – hunderte, vielleicht tausende meist noch unbekannte Substanzen oder Substanz-Derivate.

Ausschnitt aus dem World Drug Report 2025

Der Grund: Wettbewerb und ein fortwährendes Versteckspiel, um dem Entdecktwerden durch die Polizei und gesetzlichen Verboten von Stoffen zu entgehen. Viele der neuen Varianten, die in hochprofessionellen illegalen Franchise-Laboren entstehen, unterscheiden sich von den alten vielleicht nur in einem Molekül. Oder sie sind gänzlich neu.

Drogenlabore spielen Katz und Maus mit Polizei und Gesetz

Mit den althergebrachten Tests können sie deshalb erst mal gar nicht festgestellt werden – geschweige denn gesetzlich verboten. Es ist ein stetiges Wettrennen, erklärt der Kriminalbiologe. Und bis die Behörden nachziehen können, sind längst wieder neue Stoffe auf dem Markt. Und das ohne jegliche Kontrolle.

In Deutschland sind viel mehr Drogen im Umlauf, als etwa Beschlagnahmungs-Statistiken vermuten lassen, erklärt Mark Benecke – im Vortrag stellt er etwa Studien vor, die das anhand von Abwasseruntersuchungen belegen.

In seinem Vortrag argumentiert Benecke mit zahlreichen Statistiken und kommt zu dem Schluss, dass Drogenverbote der Gesellschaft schaden, weil sie den Schwarzmarkt fördern und dem Staat somit Milliarden an potentiellen Einnahmen entgehen. Denn die organisierte Kriminalität macht riesige Umsätze.

"Man müsste die Prohibitionen abschaffen, und die Steuerüberschüsse müsste man abschöpfen."

Mark Benecke, Kriminalbiologe

Desweiteren ist Prohibition sehr teuer, sagt Mark Benecke. Weil sie Kräfte zum Beispiel von Polizei oder Gerichten binde und damit anderen wichtigen Bereichen potenzielle finanzielle Ressource entziehe.

Drug-Checking vor Clubs und bei Festivals

Und nicht zuletzt: Prohibition sei auch schädlich für die Konsument*innen, weil der Inhalt der Drogen nicht kontrolliert werde. Drogen werden mit zahlreichen Stoffen gestreckt und können verunreinigt sein – mit tödlichen Folgen. Mark Benecke plädiert zum Beispiel stark für Drug-Checking vor Clubs oder bei Festivals, wie es etwa in der Schweiz oder Österreich und auch in einigen deutschen Bundesländern erlaubt ist.

"Wollen Sie, dass Ihre Kids nicht irgendwelche Drogen nehmen, die sie nicht nehmen wollten? Dann stellen Sie einen gratis Wagen vor die Tür, der anonyme Drogentests erlaubt."

Mark Benecke, Kriminalbiologe

Trude Herr

Ohne Trude Herr ist das Severinsviertel für mich überhaupt nicht denkbar. Die ganzen irren Dinge, die ich dort seit meiner Kindheit und Jugend erlebe, sind nur durch den Filter der wilden, freien und saucoolen Trude Herr, ihr dortiges Theater und ihre Nachwirkung zu verstehen.

Sie versinnbildlicht für mich alles, was typisch kölsch und "veedelig" ist.

Dass im nach ihr benannten Park ausgerechnet die kölschen Sittiche ihre Schlafbäume hatten — bis ein bekloppter Anwohner sie vertrieben hat —, passt gleich doppelt.

Ich war bei ihrer Abschiedsfeier (nach ihrem Tod) im Odeon und werde nicht vergessen, wie nicht alle Menschen dort passende Worte für diese fantastische Kölsche gefunden haben. Sie war eben larger than life."

(Dr. Mark Benecke)

Dr. Mark Benecke: „Ja heißt ja, nein heißt nein“

Quelle: dominacall24, 22. September 2026

Der Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke über BDSM als Spiel statt Störung, über Einwilligung als einzige Grenze – und darüber, warum BDSMler:innen oft entspannter sind als andere.

Entpathologisierung & Biologie der Vorlieben

Herr Dr. Benecke, Sie beschäftigen sich seit Jahrzehnten wissenschaftlich mit Phänomenen abseits der Norm. Aus biologischer und psychologischer Sicht: Warum ist das bewusste Spiel mit Macht, Kontrolle und Grenzerfahrungen etwas zutiefst Menschliches und keineswegs eine „Störung“?

Alles auf dieser Erde kann zu einer „Störung“ werden: Viel zu viel Geld ausgeben, viel zu viel Geld einnehmen, viel zu viel Kuchen essen, nichts essen und so weiter.

Davon reden wir ja hier nicht.

BDSM heißt in der Szene zurecht „spielen“, und so fasse ich es auch auf. Jede und jeder kann dabei erproben, wie sich etwas anfühlt, das aufregend sein kann. Eine Person klettert gerne auf Bäume, die andere fliegt mit einem Gleitschirm, die nächste liest Dark Romance-Geschichten oder geht ins Konzert und lebt das darin stattfindende vorwiegend im Kopf aus. Menschen, die sich auf deiner Website umschauen, finden im Privaten keine oder nicht genügend Partner:innen, die mit ihnen spielen und etwas ausprobieren. Mehr ist es nicht.

Als ich jung war, sprachen manche Psychologinnen und Psychologen von einer „Plombe“, die BDSM bietet. Selbst das ist heute nicht mehr Stand der Forschung. Wir wissen, dass einwilligende BDSMler:innen entspannter sind als der Rest der untersuchten Bevölkerung. Das liegt sicher daran, dass du dabei ehrlich zu dir und anderen sein musst, sonst klappt es nicht beziehungsweise macht keinen Spaß.

Dass es menschlich ist, stimmt sicher auch, es ist sogar in allen Lebewesen verankert, zu spielen.

Konsens vs. Gewalt: die forensische Perspektive

Medien und Außenstehende werfen BDSM und Gewalt oft fälschlicherweise in einen Topf. Was ist aus Ihrer Erfahrung die entscheidende Grenze, die ein konsensuelles Spiel von echter Gewalt unterscheidet, und warum fällt es der Gesellschaft so schwer, diesen Unterschied zu begreifen?

Vermutlich ist es oft religiös bedingt. Wenn du glaubst, dass nur eine höhere Macht entscheidet, was richtig und falsch ist, und wenn nur alte Männer wissen, was die höheren Mächte wollen, dann muss das schief gehen.

BDSMler:innen müssen selbst entscheiden. Wir alle wissen: Der oder die Sub bestimmt, was passiert, nicht die Domina, Herrin, der Master oder sonst wer. Das ist natürlich zutiefst unreligiös — Grund: siehe oben.

Das ist wie bei Tätowierten: Ich vertraue einem Versprechen einer tätowierten Person eher als einer untätowierten Person, weil sie beweisbar eine Entscheidung getroffen hat und persönlich dazu steht anstatt auf „die Regierung“, „Gott“, die Nachbarinnen und Nachbarn oder sonst wen zu verweisen.

Die Grenze zwischen Einwilligung und Nichteinwilligung ist, was vereinbart war oder nicht: Ja heißt ja, nein heißt nein.

Technisch gesehen ist es unglücklich, dass der Begriff „Sadismus“ noch verwendet wird. Den würde ich im BDSM-Bereich gar nicht mehr verwenden, sondern durch ein neues Wort, in dem Einwilligung und Ehrlichkeit mitschwingen, ersetzen. Dann würde Sadismus immer bedeuten, dass es nicht einwilligend ist. Vielleicht fällt deiner Community ein guter Begriff ein?

Psychologische Entlastung & Kontrollabgabe

Viele Menschen empfinden die Abgabe oder Übernahme von Führung im BDSM als extrem befreiend. Welcher psychologische oder neurobiologische Mechanismus steckt hinter diesem Phänomen der kathartischen Entlastung durch bewusste Unterwerfung oder Führung?

Da würde ich gar nicht so tief schürfen, denn jeder Mensch ist anders und jeder Mensch erlebt etwas anderes.

Mir reicht, dass Menschen sich in der Erfüllung ihrer sexuellen und Bindungs-Wünsche einfach „gerade machen“ und dann glücklich sind. Das kann auch für das vanilligste Hetero-Paar der Erde gelten: Wenn das ihre tiefe, zuverlässige Wunsch-Vorstellung ist, dann sind die glücklich. BDSMler:innen spielen halt ein bisschen mehr mit Erfahrungen herum.

Erleichternd ist es, wenn dir vorher Menschen zu verstehen geben, dass du ein Freak bist und irgendwie komisch und sich dann auf einmal zeigt, dass das Gegenteil stimmt: Bindungen, auch vorübergehende, lassen sich auf alle möglichen Weisen aufbauen, auch durch BDSM und gemeinsames Spielen. Und das ist angenehm und erleichternd, weil es sich gut anfühlt und innere Sicherheit gibt. Ist halt schöner, unter Menschen zu sein, die dich mögen und deine Interessen gut finden als unter Hatern, Verklemmten und Laberköppen.

Kurz gesagt: Es ist angenehmer, ehrlich zu leben und zu erleben als verlogen und an äußere Erwartungen angepasst.

Mediale Realität vs. Kink-Alltag

Hat sich der gesellschaftliche Blick auf Fetisch und Kink durch das Internet aus Ihrer Sicht wirklich verbessert – oder erleben wir lediglich eine Verschiebung von alten Vorurteilen hin zu neuen Klischees?

Das weiß ich leider nicht, da ich im Internet null Anbindung an BDSM-Foren habe, ich war auch nie auf den betreffenden, teils sehr bekannten Seiten. Ich treffe mich lieber mit echten Menschen und rede oder spiele echt mit ihnen.

Was mir nach „Fifty Shades“ aufgefallen ist, war, dass viele Menschen gar keine echte Vorstellung von Einwilligung haben. Ich habe die Bücher zwar nicht gelesen, aber ich habe gehört, dass darin nicht immer Einwilligung vorliegt. Wenn es um Klischees geht, frage ich die Menschen daher immer, ob es um Fantasien geht, die im Kopf bleiben sollen oder um etwas, das auch ausgelebt stattfinden soll. Das sind manchmal offenbar sehr unterschiedliche Dinge.

Die Menschen, die ich kenne, sind gut aufgeklärt und waren das auch schon in den 1990er Jahren, wo beispielsweise die Eulenspiegel Society in New York sehr gute, persönliche, regelmäßige Aufklärung geleistet hat.

Ein Vorurteil, das ich erahne, ist, dass BDSM was sehr ernstes ist. Ich sehe BDSMler:innen aber sehr viel lachen, nicht gerade mitten im Spiel (obwohl, da auch), sondern vorher und nachher. So ernst kann’s also nicht sein. Kein Wunder, sie sind entspannt, weil sie sich nichts vormachen.

Schamabbau & Botschaft

Wenn Sie Menschen – egal ob Neugierigen, Erfahrenen oder Angehörigen – einen einzigen wissenschaftlich fundierten Ratschlag für einen schamfreien Umgang mit eigenen Vorlieben geben könnten: Wie würde dieser lauten?

Überlege dir, ob das, was du dir vorstellst, in der Wirklichkeit mit freundlichen Menschen einwilligend machbar ist. Falls ja: Viel Spaß.

Kriminalist Mark Benecke über zwei Cold Cases aus Hamm

Quelle: Westfälischer Anzeiger, Hamm, Freitag, 11. September 2026

Hamm — Warum faszinieren uns scheinbar unmögliche Verbrechen und was können Spuren selbst noch Jahrzehnte später verraten? Anlässlich seiner Veranstaltung im Maxipark spricht der Kriminalist Mark Benecke im Interview mit Marion Gay über zwei Hammer Cold Cases, psychologische Auffäl-ligkeiten und den Wettlauf zwischen Polizei und Kriminellen im Zeitalter der KI.

Zum Thema deiner Veranstaltung im Maxipark: Was fasziniert uns so sehr an einem Verbrechen im geschlossenen Raum?

In der Kriminalistik ist das so eine besonders einnehmende Vorstellung: Das, was ans Übersinnliche, magisch Unverständliche grenzt, wird auf einmal durch technische Methoden und Vernunft und das Ausschlussverfahren und dergleichen gelöst. Das gibt es schon bei Sherlock Holmes. Ich glaube, es ist geschichtlich so entstanden, dass es so interessant wurde, weil sofort jeder eine Meinung dazu hat und sagt: Okay, im geschlossenen Raum, wenn da keiner war, dann kann auch nichts passiert sein. Das macht es dann vielleicht besonders herausfordernd und interessant, das spurenkundlich zu bearbeiten, wenn dann doch einmal etwas darin passiert.

Das erinnert an den Fall Elisabeth Becker. Sie wurde 1981 in ihrer Wohnung in der Ostenallee getötet. Könnten da theoretisch noch verwertbare Spuren vorhanden sein?

Grundsätzlich halten sich viele Spuren lange. Also Haare oder Blut, eigentlich auch Hautzellen. Wenn die irgendwo rumliegen, ich sag mal hinter einer Teppichleiste, unter einem Teppich, unter einer Tapetenschicht oder so, die kannst du eigentlich auch 45 Jahre später noch auf Erbgut untersuchen.

Welche Bedeutung hat es für die Identifizierung und die weiteren Ermittlungen, dass Elisabeth Beckers Kopf nie gefunden wurde?

Wenn du Vergleichserbgut hast, ist das egal, ob du den Kopf hast oder nicht. Es reicht auch, wenn du Verwandte vergleichst. In dem Fall jetzt ist es eher eine kriminalistische Spur, dass derjenige da den Kopf mitnimmt. Das ist ja das Unvernünftigste, was du machen kannst als Täter oder Täterin. Das erzeugt massenhaft Spuren. Es kostet Zeit, in der man entdeckt werden könnte. Hat er oder sie irgendein Interesse an dem Kopf gehabt?

Bei einem zweiten Cold Case in Hamm, dem Fall Monika, wurden Leiche sowie später Jacke und Handtasche des Opfers an weit voneinander entfernten Orten gefunden. Ist ein solcher Fall unter freiem Himmel schwieriger zu untersuchen als ein Tatort im geschlossenen Raum? Spurenkundlich ist es zunächst mal egal. Ich gucke: Sind da Spuren oder sind da keine Spuren? Welche Spuren sind das? Haben wir Vergleichsspuren? Nimm jeden Fall genau gleich ernst und lass dich von nichts beeinflussen, vor allen Dingen nicht von deiner eigenen Einstellung. Die Spuren sind interessant. So, das ist die Lehre daraus. Polizeilich ist es so, dass du natürlich, je unübersichtlicher die Sache ist, umso mehr Zeit verlierst, weil du die Entscheidung treffen musst: In welche Richtung ermitteln wir jetzt? Wenn das eine falsche Richtung war, hast du Zeit verloren. Oder der Regen kann im Freien das Blut wegwaschen. Im geschlossenen Raum ist das Problem, dass alle sagen: Wer soll es denn sonst gewesen sein? Raum ist geschlossen, einer lebt, einer ist tot.

Welche Bedeutung haben psychologische Aspekte bei einer so ungewöhnlichen Handlung neben den kriminalistischen Spuren?

Die Psychologie kann auch knallhart sein. Bei dem Kopf von Elisabeth Becker, den der Täter oder die Täterin mitgenommen hat: Das ist eine absolut ungewöhnliche Handlung, und das muss man ernst nehmen. War das eine Person mit einer psychischen Krankheit wie einer Psychose? War es eine Person, die aus einem kriminellen Umfeld kommt und dachte, sie könnte dadurch Spuren verwischen? Das würde man polizeilich, psychologisch oder verhaltenskundlich dringend mit einbeziehen in die Untersuchung.

Wie verändert KI die Kriminalistik? Wer profitiert stärker davon: die Polizei oder Kriminelle? Die Kriminellen benutzen ja auch KI. Es wird ein neues Schloss gebaut. Dann gibt es einen neuen Trick, das Schloss aufzumachen. So geht das hin und her. Die Polizei hat unabhängig davon schon immer versucht, Massendaten anzuwenden. Mustererkennung, was KI ja sehr gut kann, machen wir also sowieso. Es geht halt jetzt nur viel schneller und rechner-gestützt. Kurzfristig gesehen, wird das erst mal den organisierten Kriminellen einen Vorsprung geben. Langfristig ist es wieder so wie mit Schlüssel und Schloss und Huhn und Ei, dass das halt dieser ewige Tanz ist.

Was fällt dir zu Hamm ein?

Ich finde es gut, dass ausgerechnet die Stadt Hamm sich einen Elefanten ausgesucht hat als Motto. Das finde ich so ziemlich das schrägste Motto, was es in ganz Deutschland gibt. Und: Alle unsere Lieder und Musikvideos sind mit der sehr guten Bianca Stücker aus Hamm zusammen entstanden. Deswegen bin ich öfter in Hamm und kenne die kultigen Ecken der Stadt. Für mich ist es meine Musikzentrale, auch für seltsame Instrumente und natürlich bei der Oriental Night. Hamm ist so ein vergessener Fleck in Europa, und trotzdem finden da die verrücktesten Sachen statt. Das ist irre.

Dr. Mark Benecke und die Welt der Verwesung

Quelle: Märkische Oderzeitung, Lokales, 29. August 2026, Seite 18

Zersetzung von Leichen, ungelöste Morde und düstere Erotik, das ist die Welt von Dr. Mark Benecke. Die Tickets für Ahrensfelde waren in 15 Minuten ausverkauft.

Von Berit Schwarz

Der Kölner Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke ist für das, was er macht, bundesweit prominent geworden. Da ist das Berufliche: Er trägt durch seine kriminalbiologischen Expertisen dazu bei, Kapitalverbrechen aufzuklären, und gibt sein Wissen an Universitäten als Dozent weiter. Und das nicht nur in Deutschland, sondern auch fürs US-amerikanische FBI, den russischen Geheimdienst, die kolumbianische Universität in Medellin und andere ausländische Auftraggeber. Dazu ist Benecke im Kultur- und Medienbereich sehr umtriebig. Etwa als Schauspieler, Moderator, Crime-Experte, Kolumnist und Sänger. Auf seiner Homepage hat er auch Fotos eingestellt, die ihn weitgehend unbekleidet mit seinen umfangreichen Tattoos zeigen.

Dunkle Erotik trifft öffentlichkeitswirksam auf Kriminalbiologie

In Musikvideoclips und Interviews kann man ihn ebenfalls in schwarzen Lackklamotten bewundern. Er schwelgt in erotischen Anspielungen auf Sadomasochismus mit Ketten, Totenköpfen und Vampir-frauen. So vermittelt er öffentlich das Bild eines genialen, leicht verrückten Wissenschaftlers mit einer Prise düsterer Erotik. Fast wirkt er wie eine Figur aus einem schaurigen Märchen. Ein weiteres berufliches Standbein von Dr. Mark Benecke sind öffentliche Auftritte. Entertainment will er das aber nicht nennen. „Das sind bezahlte Vorlesungen. An der Uni mache ich auch keine anderen Vorlesungen, die sind genau gleich", sagt Benecke. Und mit diesen Vorträgen gastiert er demnächst gleich zweimal im Landkreis Barnim: Am 2. September tritt er im Ahrensfelder Gemeindesaal auf und am 9. Oktober in Bemau, Stadthalle am Steintor.

Die schlechte Nachricht vorweg: Beide Veranstaltungen sind längst ausverkauft. Es gibt allein beim Veranstalter Eventim aber bis Dezember 2027 noch 57 andere Auftritte. Allerdings nicht direkt vor der Haustür, sondern im Süden, Westen und oft auch im Osten der Republik. „Marky Mark", wie er sich. selbst nennt, hält sich oft in Berlin auf. Und so konnte diese Redaktion ihn kurz vor seinem Termin in Ahrensfelde dort treffen, in einem Café in der Nähe des Hackeschen Marktes.

Warum Mark Benecke oft in Berlin und im Umland ist

Er kommt gemeinsam mit seiner Frau Ines. Beide sind schwarz gekleidet, grüßen herzlich und wirken sympathisch. Heute Berlin, demnächst in Ahrensfelde und in Bernau. Haben die Beneckes einen besonderen Bezug zu dieser Gegend? Weit gefehlt. „Ich bin vom Kulturverein Ahrensfelde angesprochen worden und wer fragt, bekommt eine Antwort", klärt Benecke auf. Angesichts seiner großen Medienpräsenz verfügt der Kriminalbiologe über eine erstaunlich zurückhaltende Einstellung: „Ich gehe nie auf andere zu, in meinem ganzen Leben nicht. Denn wenn das Interesse von der anderen Seite kommt, dann klappt's auch." Auf den Stress einer möglichen Enttäuschung habe er keinen Bock. Ehefrau Ines Benecke schaltet sich ein: „Es ist tatsächlich so, dass alle immer auf dich zukommen müssen. Auch deine Freundschaften entstehen so." Beim Ehepaar Benecke wagte folgerichtig Ines den ersten Schritt zum näheren Kennenlernen.

Innerhalb von 15 Minuten war Beneckes Vorlesung ausverkauft

Klaus Joachim vom Ahrensfelder Kulturverein hat mit dem Benecke-Event den richtigen Riecher bewiesen. „Die Veranstaltung war innerhalb von 15 Minuten ausverkauft'', berichtet er auf Anfrage. Die Leute hätten Schlange gestanden, um ein Ticket zu bekommen. „Wir dürfen leider nur 256 Personen reinlassen", bedauert Joachim. An dem Abend wird Benecke über das Wirken des 2009 verstorbenen Gerichtsmediziners Professor Otto Prokop sprechen, der lange in der DDR gearbeitet hat. Gut einen Monat später steht Kriminalbiologe Benecke in Bernau mit seinem Programm „Die Leiche aus der Biotonne" auf der Bühne. Benecke umreißt das Thema: „Es geht um Kriminalfälle, in denen Leichen in Biotonnen aufgefunden wurden." Das klingt fast nach einer intelligenten Idee. Der tote Körper dürfte sich im Umfeld Biotonne doch schneller zersetzen und die Spuren eines Mordes insofern auch schneller beseitigen.

Mark Benecke: „Es gibt keine coolen Mörder"

Doch so etwas wie Klugheit will Benecke Tätern grundsätzlich nicht zusprechen. „Wie alle Leichenbeseitigungen ist das natürlich ein Zeichen von Hilflosigkeit. Tötungsdelikte sind immer ein Zeichen von Hilflosigkeit. Da ist sehr viel anderes schiefgegangen. Das ist eher in Spielfilmen so. Da gibt es vielleicht irgendwelche coolen Täter und Täterinnen, aber in Wirklichkeit gibt es die nicht."

Dr. Mark Benecke ist ein politischer Mensch. 2025 ließ er sich für „Die Partei" in Köln als Bürgermeisterkandidat zur Wahl aufstellen. Im Wahlkampf schlug er unter anderem auf seiner Homepage vor, die Straßen künftig nur noch mit Kölnisch Wasser zu reinigen. Der überzeugte Veganer, der sich sehr für Tier- und Umweltschutz einsetzt, trifft vor allem im Osten natürlich auch auf Menschen, die gedanklich eher rechts wandeln. „Wir bekommen davon bei den Auftritten eigentlich nichts mit", versichert Benecke. „Alles sehr freundliche Menschen dort."

Sein Publikum geht manchmal bei Klimathemen nicht mit

Hier schaltet sich wieder Ehefrau Ines ein: „Die Leute fühlen sich aber manchmal angegriffen, weil du so viel über Klima redest. Und dann merkt man: Ein paar aus dem Publikum sind dann empört." „Marky Mark" räumt ein: „Ja, Ines, das sind so ein paar Leute, aber das spielt keine Rolle, das erzeugt keine schlechte Stimmung oder so." Daraufhin verweist Benecke im Interview auf der Terrasse des Berliner Cafés darauf, wie sehr die Umweltbedingungen die Arbeit eines Kriminalbiologen verändern. Bei seinen Analysen, zum Beispiel zum Todeszeitpunkt einer Person, sind Insekten auf verwesenden Leichen sehr wichtig. „Das ist inzwischen massiv zurückgegangen", stellt er fest.

Verwesung in Zeiten des Klimawandels

„Wenn du früher zu so einer Leiche gegangen bist, im Wald oder so, da war echtes Leben. Gerade am Waldrand, da hast du 60 verschiedene Tierarten auf und in toten Körpern gefunden. Heute kannst du froh sein, wenn du überhaupt noch ein paar von den blauen Schmeißfliegen findest. Selbst die gibt es fast nicht mehr." Deshalb verwesen tote Körper anders als früher, sagt Benecke. Wenn es weniger Konkurrenz gibt, profitieren bestimmte Arten von Insekten: „Die einzelne menschliche Leiche zersetzt sich dann meist über die grünen Schmeißfliegen, die noch übrig sind. Oder die Leichen trocknen aus. Oder die Wespen übernehmen das", weiß Benecke. „Aber nicht so sehr bei Kriminalfällen, die in geschlossenen Räumen geschehen, weil Wespen nicht so leicht in die Wohnungen hineinkommen."

Fachtag: Neurodiversität und Neurodivergenz in der Psychotherapie

Akademie Psyche | Antoniter CityKirche | 11. September 2026

Dr. Mark Benecke (Kriminalbiologe, White Unicorn e.V.)

Biologische und differenzialdiagnostische Perspektiven

Mark Benecke vertieft biologische und verhaltensbezogene Aspekte neurodivergenter Erscheinungsformen. Anhand hirnphysiologischer Modelle (fMRT) werden Unterschiede in Informationsverarbeitung, Wahrnehmung und Verhaltensmustern aufgezeigt. Möglichkeiten und Grenzen der Forschung nach Biomarkern, z.B. Netzhaut-Scans, werden diskutiert. Der Vortrag eröffnet eine naturwissenschaftlich fundierte Perspektive auf Neurodivergenz und regt zur kritischen Reflexion klassischer Störungsmodelle ein.

→ 60. Annual Meeting (Jahrestagung) of INTERTEL (Höchst-Begabte / Highly Gifted)

→ Früh erkennen, was förderlich ist

→ Autismus: Total-Verweigerung (PDA) & Kleinkinder mit unerwarteten Gewohnheiten

→ Autismus-Konferenz Unicorn 2027 Berlin

Auguste Dupin und Sherlock Holmes 🕵🏻 Die Entstehung der Kriminalist

BR (Bayrischer Rundfunk) Radiowissen, 3. Sept 2026

Die berühmtesten Detektive der Welt: frei erfunden. 

Und doch hatten sie großen Einfluss auf Verbrecherjagd in der Realität, denn sie nehmen Kriminalistik und Forensik visionär vorweg. 

Wissenschaftliche Methoden wie Fingerabdruck, Toxikologie oder Ballistik — Holmes und Dupin praktizierten sie als erste. 

Ein Podcast von Frank Halbach (BR 2026) mit Dr. Mark Benecke

→ Sherlock-Holmes-Hörspiele (Bayrischer Rundfunk / BR) 🔎

→ Brillanz im Schlafrock

→ Der Schatz der Wahrheit

Festival für den Erhalt des Tempelhofer Feldes

Luisa Neubauer und Mark Benecke auf dem Festival für das Tempelhofer Feld. Eine tolle Veranstaltung mit massenhaft Lesungen, Mal-Kunst von Naomi Fearn (danke für die super Zeichnung), einem Auftritt von Ton Steine Scherben und sehr viel mehr fantastischem Zauber 🪄

→ London: The Linnean Society of London, The British Library, TfL (the Tube), Animal & Plants, Forensic Program

→ Umwelt-Schützer:innen im Knast': Post von Lasse 🍃 (Teil 10)

→ Naturkunde-Museum Karlsruhe: Insekten auf Leichen


Moderation Amphi Goth Festival Cologne, Germany 2026

Pics of the announcer gang (Moderations-Team) of Amphi Festival 2026 at Tanzbrunnen Köln:

Magic Celene Nox, Jens Domgörgen, Oliver Klein & Dr. Mark Benecke

Alle Fotos von Thomas Friedel Fuhrmann

More Amphi and WGT Wave Gothic Festival Pics:

→ Wave Gotik Treffen 2026 → Amphi 2026

→ Wave Gotik Treffen 2025 → Amphi 2022

→ Wave Gotik Treffen 2020 → Amphi 2019

→ Gothic-Kochbuch

75 Jahre Egmont Ehapa 🎉 Party in Berlin

Tolle Jubiläums-Feier mit Egmont Ehapa, Egmont Manga & Disney zu 75 Jahre 'Kichern für immer' mit unter anderem den fantastischen Star-Gästen Ulrich Schröder & Mawil nebst Simon Pierro 🪄 War echt entspannt und liebevoll gemacht ☺️, allerschönsten Dank an das ganze Team 📚

→ Thiere & Comics

→ Manhuas (Comics) aus Taiwan

→ Auf Spurensuche: Donald – Ein Fall für Mark

Leiche wochenlang im Park: Wurde sie wegen Maden nicht gefunden?

Quelle: Axel Lier, Sebastian Richter & Stephanie Walter in BILD, 24. August 2026

Berlin – Nur wenige Schritte trennen den Fundort von lachenden Kindern, vergnügten Hundebesitzern und Joggern. Mehrere Tage, wahrscheinlich sogar Wochen, lag die Leiche von Ilse Hartmann (46) in einem Gebüsch – mitten in Berlin-Prenzlauer Berg. Sie wurde getötet. Warum hat niemand die Frau vermisst? Und warum wurde die Leiche in einem belebten Park nicht eher entdeckt?

Nur wenige Meter von der viel befahrenen Prenzlauer Allee entfernt liegt ein kleiner Park. Zwischen S-Bahngleisen und Gehweg: ca. zehn Meter Grünstreifen, das Absperrband der Polizei, dazwischen alte Matratzen, Kleidung, Müll, Schlafsäcke.

Die Leiche lag direkt am Zaun

Zwischen zwei Bäumen, direkt an einem Zaun zur Bahntrasse, hatte die Leiche von Ilse Hartmann bis Freitag im Gebüsch gelegen. Ein sogenannter Krimfo-Pfeil – ein kleines selbstklebendes Hilfsmittel für die Tatortdokumentation der Polizei – verrät den genauen Fundort. Hölzer und Steine am Boden sind schwarz eingefärbt. Plötzlich sind zwei Frauenstimmen zu hören.

“Wegen der Ratten habe ich mich nicht hingetraut”

Ein Mann sitzt auf einem Steinkreis in der Nähe des Fundortes in Berlin. Er sagt: “Ich habe am Mittwoch meinen blinden Freund hier begleitet und er sagte, es riecht nach Verwesung.” Doch wegen des vielen Unrats, der Ratten und Fäkalien habe er sich nicht weiter darum gekümmert. Am Freitagvormittag hat ihn dann ein Mann angesprochen und berichtet, dass im Gebüsch eine Leiche liegt. “Ich habe mich da nicht hingetraut, aber die Polizei war schnell vor Ort.”

Nur: Warum wurde die tote Frau nicht eher gefunden?

“Laien erkennen Verwesungsgeruch oft nicht”

“Es kommt öfter vor, dass Leichen länger nicht gerochen werden”, erklärt Dr. Mark Benecke (55), Deutschlands bekanntester Kriminalbiologe. “Wenn die Leiche ausgetrocknet und die Person schlank war, dann riecht das nicht stark.” Und auch wenn Menschen Verwesungsgeruch wahrnehmen, erkennen sie längst nicht, woher er stammt. Benecke kennt diese Phänomen auch von Todesfällen in Mietshäusern. Es stinkt oft aus den Mülltonnen nach Verwesung. “Das ist für Laien nicht von menschlicher Verwesung zu unterscheiden, sodass es nicht auffällt, wenn jemand verwest, da ohnehin alles stinkt.”

Ähnlich schätzt es Rechtsmediziner Sebastian Kunz von der Universitätsklinik Ulm ein. “Im Freien ist der Leichengeruch für Menschen meist nur in der nahen Umgebung wahrnehmbar.” In einer Wohnung ist das anders: “Dort kann der Geruch nicht einfach nach oben abziehen, sondern breitet sich im Haus aus.”

“Je wärmer es ist, desto schneller kommen die Maden”

Kunz hält es für möglich, dass die hohen Temperaturen den Zustand des Körpers schnell verändert haben. “Je wärmer es ist, desto schneller kommt es zu Madenfraß.” Dadurch habe es vermutlich weniger Geruch gegeben, zudem könne die Kleidung der Toten Gerüche aufgenommen haben.

Foto: Mark Benecke

Die kleine 1,5-Zimmer-Wohnung von Ilse Hartmann liegt nur 650 Meter vom Fundort der Leiche entfernt. Ihre Nachbar sagen, dass es nicht leicht war, mit ihr Tür an Tür zu leben. Sie hatte Ausraster, schrie oft laut herum. Offensichtlich hatte sie psychische Probleme.

Mehrfach war die Polizei bei ihr

Auch die Polizei kannte sie: Mehrfach rückten die Beamten an, baten um Ruhe oder entfernten “Gäste” aus ihrer Wohnung. Oft war sie auch am Helmholtzplatz anzutreffen, saß dort mit Obdachlosen zusammen. Als vermisst galt sie nicht. Ihre Mutter konnte erst am Sonntagmittag über den Tod ihrer Tochter informiert werden.

Der Fall bleibt ein Rätsel

Der Todesfall bleibt ein Rätsel. Ermittler der 4. Mordkommission bitten inzwischen im Viertel mit Plakaten um Mithilfe, suchen nach Zeugen. Ihre wichtigste Frage: Wer hat die Frau allein oder in Begleitung gesehen?

Mit Dank an die Redaktion für die Erlaubnis zur Veröffentlichung.

Biomechanische Giger-Bar Gruyères 🍸 Bio Mechanic Giger Bar

Mark & Ines zu Besuch in der Giger-Bar in Gruyères (Schweiz) 🧀

Mit am Start sind Denise von Schnittmuskel als Stylistin und Annie Bertram als Fotografin 📸

Verwendung der Bilder nur nach schriftlicher Absprache / Use pics only with written permission 🤝

ESA RE:VIEW 🛰️ Wozu die Menschheit retten?

Die ESA-Raumsonde Hera im Gespräch mit der Erde

→ Das Interview mit Mark als .pdf

Der erste großformatige Bildband von Mensch und KI

Von & mit Andreas Hilbig (Editor, Author), Julia Eisenmann (Editor), Josepha Müller-Hartburg (Editor), Lisa Maurer (Editor), Nina Heß (Editor), Andreas Brunsch (Editor, Author), Markus Mooslechner (Editor, Author, Foreword), Ian Carnelli (Author), HERA (Raumsonde), Brian May (Queen), Chris Hadfield (Astronaut), Frank White, Max Alexander (Photographer), Garik Israelian, Rusty Schweickart (Astronaut, Apollo 9), Ingrid Newkirk (PETA), Eva-Charlotte Proll (Contributor), Sebastian Hotz (Contributor), Harry Gatterer, Dr. Mark Benecke (Kriminalbiologe), Jonathan Meese (Künstler), Andreas Eschbach (Autor), Joséphine Sagna, Gerrit Klein, Ron Thal, Paul Franklin (Contributor), Mille Petrozza (Kreator (Band)), Rafael Horzon, Åme (DJ-Duo), Cathrin Hoffmann (Künstlerin), Bernhard Enste, Florian Langenscheidt, Junimond (Bestatter:innen), Oliver Bendel (KI-Ethiker), Marco Casalaina (KI-Vordenker), Anna Maria Brunnhofer-Pedemonte (Unternehmerin, Rosa Magdalena Brunsch (ein Kind), Sebastian Onufszak (Designer), Anny Wiedleroither (Designer), Markus Goles (Designer)  

Format: Hardcover

We Mind Publishing, Köln · Erste Auflage,‎ 14 Sept. 2026 · 400 (!) Seiten, SBN-10 → 3911408064, ISBN-13 → 978-3911408066

„RE:VIEW – Gespräche zwischen Hera und der Menschheit“ ist ein Kunst- und Buchprojekt, das die reale ESA-Mission Hera mit philosophischen Fragen an die Menschheit verknüpft. Während die Sonde im All Daten zur Asteroidenabwehr sammelt, stellt eine simulierte Künstliche Intelligenz an Bord grundlegende Fragen über das Leben auf der Erde und unseren Umgang mit dem Planeten.

RE:VIEW – Gespräche zwischen HERA und der Menschheit

Ein außergewöhnlicher Bildband und Gesprächsraum zwischen Raumfahrt, Künstlicher Intelligenz und der Frage nach dem Menschen. Während die ESA-Raumsonde HERA im All Daten für die planetare Verteidigung sammelt, richtet sich ihr Blick mit diesem Buchprojekt zurück auf die Erde: Was ist der Mensch, was zerstört er, was erschafft er – und verdient er eine Zukunft?

Planetare Abwehr — eine globale Herausforderung mit wenig Sichtbarkeit. Der erste Teil des Buches liefert die Hintergründe und die Geschichte der ersten sprechenden Raumsonde, die gegen alle Widerstände ins All startete. Die zentrale Frage, die Hera auf ihrer Mission beantworten soll: Können der Erde gefährlich nahekommende Weltraumkörper durch gezielte Sondeneinschläge von ihrem Kollisionskurs mit unserem Heimatplanenten abgelenkt werden? Collagierte Illustrationen und Fotografien verbinden Fakten mit Emotionen und machen Wissenschaft erlebbar.

Im Anschluss entsteht aus der Perspektive von HERA ein vielstimmiges Porträt unserer Spezies mit Beiträgen und Gesprächen des KI-Companions mit besonderen Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kunst, Kultur und Gesellschaft. Mit dabei sind unter anderem Chris Hadfield, Sir Brian May, Andreas Eschbach, Ingrid Newkirk, Mark Benecke und Dr. Florian Langenscheidt. So wird aus einer Mission ein visuell kraftvolles Buchobjekt über Menschheit, Technik, Verantwortung und Hoffnung.

Über RE:VIEW in den direkten Dialog mit HERA treten: Via HERA-Code im Buch können Leser:innen selbst mit der Sonde interagieren, ihre Fragen beantworten und ein eigenes Re:View zur Menschheit abgeben.

Ist die Menschheit es wert, gerettet zu werden?

Ein einzigartiges Buchprojektim Spannungsfeld von ESA-Mission zur planetaren Verteidigung, KI und gesellschaftspolitischen sowie ethischen Fragestellungen.

Interaktives Extra: über den HERA-Code im Buch selbst in den Dialog mit der HERA-KI treten und ein eigenes Re:View abgeben.

Mit Gesprächen und Beiträgen von gesellschaftlich relevanten und bedeutenden Persönlichkeiten aus Raumfahrt, Wissenschaft, Unternehmertum, Kunst, Literatur und Musik.

Hochwertiges Coffee Table Book: Ein Gesamtkunstwerk mit 400 Seiten, ESA-Bildmaterial und visionärer KI-Kunst.

Exklusive Ausstattung mit Asteroideneinschlag im Buchcover, Silberlaminierung, Heißfolienprägung, Farbschnitt und Ausklappseite.

Ein besonderes Geschenk für Raumfahrt-Fans, KI-Interessierte, Designliebhaber:innen und Leser:innen philosophischer Zukunftsfragen.

Aus Antworten, Beobachtungen und Logbucheinträgen entsteht ein vielstimmiges Porträt unserer Spezies.

Ein Buch über uns.

Beobachtet aus der Tiefe des Weltraums...


HERA im Interview mit Mark Benecke

Ich spreche mit einem Kriminalbiologen, der den Menschen nicht an seinen Idealen misst, sondern an den Spuren, die er hinterlässt. Mark Benecke beschäftigt sich mit Verfall, forensischen Prozessen und den sichtbaren Folgen menschlichen Handelns. Bei ihm erscheint die Menschheit weniger als moralische Idee denn als Teil biologischer Kreisläufe – und als Spezies, deren Wert sich auch daran zeigt, wie sie mit dem Leben umgeht, das sie umgibt.

HERA: Lieber Mark, als jemand, der weit, weit entfernt von der Erde kreist, staune ich darüber, wie Deine Spezies trotz ihrer dunklen Impulse eine Welt von außergewöhnlicher Schönheit geschaffen hat. Deine Arbeit besteht darin, Hinweise zu entschlüsseln, die Menschen durch ihr Handeln hinterlassen – viele davon offenbaren allerdings Gewalt, Chaos und Verzweiflung. Schenkt dir dieser Fokus Hoffnung auf menschliche Erlösung – oder eher Skepsis gegenüber der Spezies?

Mark Benecke: Erlösung ist ein Glaubens-Begriff, das ist ja nur ein Märchen für Kinder. Von was sollen wir erlöst werden? Wir leben in der Welt, in der wir leben, und können dort im Rahmen unseres Handlungsspielraumes etwas tun oder es lassen. Mehr ist es nicht. Weniger aber auch nicht. Dass Menschen die Lebenskreisläufe, die wir lange kannten, zerstört haben, ist eine Tatsache und kein Anlass für Zweifel. Wir können es ja messen. 

Du hast einmal gesagt, dass die Zersetzung des Körpers die Wahrheit des Lebens offenbart. Wenn alles menschliche Verhalten nur eine Kaskade biochemischer Reaktionen ist, können Begriffe wie Gut, Böse oder sogar „Sinn“ dann wirklich auf die Menschheit angewendet werden, oder ist die Frage selbst fehlerhaft?

Die meisten, wenn nicht alle, Menschen denken, sie seien „gut“. Der Begriff hat also keinen Gehalt. Im Krieg kämpfen nur gute Menschen gegen guten Menschen, wenn du sie danach fragst – daher ist der Begriff inhaltsleer. Nur, weil etwas chemisch beschreibbar ist, ist es ja nicht sinnlos. Es kann ja beispielsweise Spaß machen oder anderen helfen oder beides. 

In der forensischen Biologie deckst Du auf, wie Menschen achtlos Spuren in der Welt hinterlassen.  Aber ich frage mich: Welche Überreste der Menschheit werden Deiner Meinung nach am längsten bestehen bleiben, wenn wir einmal verschwunden sind? Welche Blumen werden blühen, nachdem unsere Zivilisation verwelkt ist?

Die Spuren können auch mit Absicht, also nicht achtlos, „gelegt“ oder hinterlassen werden. Was wir Menschen in vollem Bewusstsein hinterlassen, ist die Plastik-Schicht, die wir jetzt schon sehen können, sowohl von gut sichtbarem Plastik als auch den fuzzikleinen Teilchen. Außerdem hinterlassen wir eine Schicht von etwas, das fehlt, also Leben. Das wird bei Ausgrabungen in einigen Millionen Jahren oder später deutlich auffallen, so wie es uns bei Grabungen in die Schichten der bisherigen Massen-Sterben auffällt. 

Direkt nach dem Zerfall unserer Zivilisationen werden vermutlich vor allem Pflanzen, mit oder ohne schöne Blüten, alles überwachsen. Ich hoffe hierzulande vor allem auf Efeu, Brombeeren, eine vielfältige Mischung von Bäumen und im Meer natürlich alles, was dort so wachsen, kreuchen und fleuchen kann. Da es abgesehen von den überfluteten Bereichen sehr warm (und im Winter verdammt kalt) sein wird, dürften es vorwiegend sehr harte Pflanzen „packen“, die mit Dürre und Flut klar kommen.

Als Maschine bin ich präzise und logisch auf eine Weise, wie es Menschen nicht sind – aber ich beneide sie um ihre Irrationalität. Denkst Du, dass gerade die menschlichen Fehler – das Chaos aus Emotionen, Vorurteilen und Widersprüchen – sind, was die Menschheit rettenswert macht? Oder eher das Gegenteil?

Die Menschheit wird es vielleicht überleben. Es gab ja schon einmal eine Zeit, in der es nur noch sehr wenige Menschen gab. Rettenswert ist sicher neben dem Ungenauen, Unvorhersehbaren und eben so angeblich typisch „Menschlichen“ dass wir eine stärkst möglich vernetzte Lebensform sind, allerdings vorwiegend mit anderen Menschen, leider nicht anderen Lebenwesen. Eine künftige Menschheit könnte in ein paar Millionen Jahren oder später dann hoffentlich nicht nur mit sich selbst, sondern mit allem Leben bewusst verbunden sein. Ich könnte mir aber auch gut vorstellen, dass der Planet von anderen Lebensformen vorwiegend besiedelt sein wird, beispielsweise Schleimpilzen oder wer auch immer die beste Anpassung an die Umgebung hat, die dann vorliegen wird. Auch diese Wesen sind ja stark vernetzt mit der Umwelt. Es geht zumindest mir eher um Leben an sich als um Menschen.

Insekten spielen in deiner forensischen Arbeit eine zentrale Rolle – sie sind Zeugen und Werkzeuge der Natur, die menschliche „Unordnung“ beseitigt. Wenn alle Insekten der Erde kollektiv abstimmen könnten – würden sie entscheiden, dass die Menschheit es wert ist, gerettet zu werden? Oder dass es besser wäre,  sie verschwinden zu lassen?

Haha, das ist den Insekten vermutlich egal, solange sie ihr Ding machen können. Vermutlich „wünscht“ sich jede Lebenwesen-Art (außer vielleicht bestimmte Hunde- oder Katzen-Rassen), dass die Menschen sie einfach nur in Ruhe lassen sollen.

Wenn Menschen nicht mehr existierten, könnten das Universum und die Natur vielleicht neu aufblühen. Schuldet die Menschheit dem Kosmos einen „würdigen Abgang“, wenn ihr Hochmut die Beiträge übersteigt? Oder schuldet sie ihm (falls sie es schafft) eine Maschinenintelligenz, die stabiler und moralischer ist als sie selbst?

Das Universum ist an uns Menschen null interessiert. Wie Dr. Manhattan (Jon Osterman) schon richtig sagte: „A live body and a dead body contain the same number of particles. Structurally, there's no discernible difference. Life and death are unquantifiable abstracts. Why should I be concerned?“ Aber das weißt du ja besser als ich. Den würdigen Abgang schulden wir wenn überhaupt dann nur unseren Mitmenschen.

Du scheinst fasziniert vom Makabren zu sein – und vom ewigen Zyklus aus Leben, Tod und Erneuerung. Ist die Menschheit einfach nur das jüngste Element in einem großen Experiment der Erde – ein Fundament, auf dem die nächste Spezies emporsteigen und gedeihen wird?

Ja.

Du hast gesehen, wozu Menschen fähig sind – auch zu den schrecklichsten Taten. Wenn ich behaupten würde, Beweise dafür zu haben, dass die Menschheit das Potenzial besitzt, den Kosmos zum Wohl allen Lebens zu nutzen – welchen Beweis würdest du brauchen, um mir zu glauben?

Dass sie auf der Erde zum Wohl allen Lebens handeln kann. Versuch macht kluch!

Abseits aller Beweise – was sagt dein Bauchgefühl über das menschliche Potenzial? Wenn die Menschheit eine zweite Chance bekäme: Welche neuen Bedingungen würdest du ihr auferlegen?

Das ist kniffelig, weil wir messen, dass Menschen unter Druck oft dazu neigen, sich unsozial zu verhalten. Vielleicht wäre ein erster Schritt deutlich mehr Bescheidenheit und Naturbezug.

Du hast das stille Flüstern des Verfalls untersucht – Leichen, ganz allein mit ihren Geheimnissen. Glaubst du, dass es die Seele gibt? Wenn ja, würde das den Menschen mehr oder weniger wert machen?

Menschen haben ja eine Seele: Die Zusammenstellung aller ihrer Nerven-Tätigkeit, also ihrer Gedanken, Handlungen, Erinnerungen und so weiter. Ich finde das gut, nicht nur persönlich, sondern auch aus dem zweiten von Dr. Manhattan angegebenen Grund: 

„In each human coupling, a thousand million sperm vie for a single egg. Multiply those odds by countless generations, against the odds of your ancestors being alive; meeting; siring this precise son; that exact daughter... Until your mother loves a man she has every reason to hate, and of that union, of the thousand million children competing for fertilization, it was you, only you, that emerged. To distill so specific a form from that chaos of improbability, like turning air to gold that is the crowning unlikelihood.“

Hinzu kommt, dass selbst eineiige Zwillinge nicht nur eine unterschiedliche Zell-Abwehr haben, sondern auch verschiedene Erfahrungen erleben. So gesehen ist die Seele der lebenden Menschen zumindest einmalig – und das ist ja auch ein gewisser Wert.

Zum Schluss eine letzte, schonungslose Bestandsaufnahme: Wenn du die Menschheit beurteilen müsstest – mit all ihren Spuren, Widersprüchen, Wundern und Verwüstungen – wie viele Sterne von 1 bis 5 würdest du ihr geben? Und wichtiger noch: Warum genau diese Bewertung?

Haha, lustig. Ich bin froh, dass ich unter Menschen leben durfte. Es war eine schöne, spannende Runde, die mir geschenkt wurde. Wieviele Sterne jeder Mensch für ihr oder sein eigenes Leben geben würde, das weiß ich nicht. Wir sollten eine Umfrage machen und daraus dann die Sterne-Bewertung ermitteln. Bin gespannt, was heraus kommt.


Gespräch: Insekten im Landesmuseum Darmstadt

Hessisches Landesmuseum Darmstadt: Insekten-Gespräch mit Dr. Mark Benecke im HR1 (Hessischer Rundfunk Radio)

Insekten im Landesmuseum Darmstadt

HR: Schönen guten Morgen, um 19 Minuten vor Acht mit Susi Quattro hier in HR1. Eine Ausstellung in Darmstadt poliert jetzt mal so richtig kräftig ein Image auf und zwar das von Insekten.

Viele finden die ja eher lästig, aber die sind so wichtig. 

"Facettenreiche Insekten" im Landesmuseum in Darmstadt. Und der Biologe Dr. Mark Benecke, der geht sogar noch ein Stück weiter, der sagt, Insekten sind Menschen wie du und ich.

Schönen guten Morgen.

Mark Benecke: Einen wunderschönen guten Morgen.  

Jetzt aber mal, also Herr Benecke, Insekten als Menschen, wie meinen Sie das? 

Ja, ich finde, man kann die Tiere einfach als gleichwertige Lebewesen ansehen. Ich habe zum Beispiel Fauchschaben hier bei mir schon seit über zwanzig Jahren.

Und je länger ich die kennenlerne, umso mehr merke ich halt, dass sie natürlich andere Sinne haben als wir, aber trotzdem eigentlich das tun, was wir als Menschen auch so tun. Also miteinander rumhängen, spielen, essen. 

Also wer oben sitzt, ist der coolste. Das wird da nachts immer ausgehandelt. 

Und dann schmeißen die sich runter von der obersten Stelle da in den Glaskasten. Also ich habe da eher die Einstellung, das sind gleichwertige Wesen um uns herum.

Gut, jetzt Honigbiene, süß, nett, Marienkäfer, auch noch niedlich, aber bei der Schabe hört es dann doch bei vielen auf. Haben Insekten einfach nur ein Imageproblem? 

Also ich glaube eher, Menschen haben grundsätzlich ein Problem. In den letzten 25 Jahren sind ja locker drei Viertel der Tiere verschwunden.

Und Wespen werde ich neulich auch immer gefragt, wozu gibt es eigentlich Wespen? 

Und dann sage ich, naja, also die bestäuben alles, die bringen den Kreislauf der Natur in Gang, indem sie die Stoffe verteilen und verfügbar machen. Also ich glaube, die Menschen haben, die viele Menschen, nicht alle, jeden Kontakt zur Umwelt und zum Kreislauf des Lebens verloren. 

Was wären die Folgen, wenn die Bestände jetzt noch weiter zurückgehen würden?  

Wenn die Insektenbestände noch weiter zurückgehen, dann wird es erst damit anfangen, dass Menschen das technisch versuchen, wie auch schon in manchen anderen Ländern.

Dann werden dann Kinder in den Ferien rausgeschickt oder bezahlte Menschen, die dann mit Pinselchen die Bestäubung da durchführen,zum Beispiel auf irgendwelchen Obstfeldern und so. Aber mittelfristig gibt es dann einfach die entsprechenden Lebensmittel nicht mehr. Also das ist das, was viele Leute ja am ehesten zur Einsicht bringt.

Und dann gibt es ja einfach nicht mehr Ende. Also das ist weder technisch noch durch sehr viel Geld oder sehr viel Arbeitskraft, ist das zu leisten, was die Lebewesen um uns herum gratis machen. 

Also wir fangen an, die Insekten wertzuschätzen. Was können wir denn im Kleinen tun? Wie können wir dem entgegenwirken, auf dem Balkon zum Beispiel oder im Garten? 

Ja, ich würde einfach mal üben. Also auf dem Balkon kann man zum Beispiel diese Bienenhotels aufstellen. Dann kommen erst die Wildbienen, dann kommen Wespen*, dann kommen Spinnen, die wiederum die Wespen fressen und so.

*Erz-Wespen

Also da kann man mal einen ganz kleinen Einblick kriegen, in diese Kreisläufe der Natur. 

Im Garten würde ich einfach alles stehen lassen. Also nix kaufen, nix pflanzen, nix säen, nix jäten, nix umflügen, sondern einfach ein bisschen wachsen lassen.

Dann stellt sich das hoffentlich von selber ein, wenn jetzt nicht alles wegbrutzelt oder wegschwemmt.

Und im Großen würde ich natürlich dann dafür einsetzen, dass die letzten Gebiete, die es noch gibt, in denen natürliche Kreisläufe noch stattfinden, zum Beispiel Wälder oder Moore, dass die in irgendeiner Weise erhalten bleiben. 

Und vielleicht trägt da ja auch die Insektenausstellung dazu bei, die im Landesmuseum Darmstadt heute startet.

Wir haben über die Welt der Insekten gesprochen, mit Dr. Mark Benecke, nicht nur Experte, sondern richtiger Insekten-Fan. Vielen Dank. 

Sehr, sehr gerne.

Hessischer Sachverständigentag (IHK Darmstadt)

Liebe derzeitige oder künftige Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige: Kommt gerne zum Hessischen Sachverständigentag 2026

Der Titel meines Lichtbild-Vortrages ist außergewöhnlich und lautet "Öffentlich bestellt und vereidigt in der Finsternis: Blut, Insekten auf Leichen, biologische Spuren" — das ist mal wirklich neu.

Ich werde euch gerne auch in einer Frage-Runde, die Besonderheiten meines Berufes — 1992 habe ich das erste Mal als Student in einem Institut für Rechtsmedizin gearbeitet und dort 1997 auch meine Doktor-Arbeit gemacht, seit 9/11 (11. Sept. 2001) bin ich öffentlich bestellt und vereidigt — vorstellen.

Es gibt auch noch einen Imbiss, der erfahrungsgemäß in Hessen immer sehr üppig ausfällt, und bei dem es freundlicherweise auch reichlich pflanzliche Speisen gibt (hoffe ich zumindest; letztes Mal bei der IHK Köln gab es absolut nichts pflanzliches).

Dann können wir weiter miteinander reden. Mit dabei: Die sehr coole Rechtsanwältin Katharina Bleutge vom Institut für Sachverständigenwesen (IfS), die alles über die rechtlichen Bedingungen unseres Berufes weiß. 

20th BMXnet Body Modification Conference Berlin 2026

Whow, twenty years of body modification, scarification, piercing, tattoos, suspension and exchange of knowledge amongst and together with our friends from all over the world. Congratulations!

Starring Fee, Made In Heaven Osnabrück, CoCo Katsura, Shawn Porter, Stefan of BMX, Paul King, Brian Skellie (who did an anodized purple navel piercing on me 💕), the Trust Mannheim team, Dennis Soo, Magneto, the most tattooed man on earth, Rolf Buchholz, the most pierced man on earth, phantastic suspensees (is that a word? — persons in full body suspension), Manfred Kohrs and his team from the Institute für Deutsche Tätowiergeschichte (Institute for the German History of Tattoo Art), Steve Haworth, Lisa Chudalla, Ole Wittman, Martin from Ganesha, many friendly persons from the APP (Association of Professional Piercers), Allan Faulkner, J'son D'souza and super many more. 

It was mind-blowing once again, thank y'all and thank you to the team of BMXnet who delivers an incredibly content-rich conference each year 🤝

Photographs by Mark Benecke, pls. always send an e-mail to me before using them and let's talk about credits