KURIER WIEN: Dr. Mark Benecke über Hitler, Buchenwald und Menschenhau

Quelle: Kurier / Kurier.TV Wien, 7. Dez. 2025

HERRLICH EHRLICH

Der bekannte Kriminalbiologe und Spezialist für forensische Entomologie spricht über Mord, Spurensuche, Tattoos und Donald Duck.

Von Lisa Trompisch; Fotos: Tobias Steinmaurer 

Als einer der führenden Kriminalbiologen und Spezialist für forensische Entomologie (Insektenkunde) ist Dr. Mark Benecke (55) mit seiner biologischen Spurensuche maßgeblich an der Aufklärung von Mordfällen beteiligt. Er ist öffentlich bestellt und vereidigt, „das heißt, ich hafte persönlich für meine Gutachten und ich arbeite für jeden.“ 

Ihn interessiert nicht, warum ein Mensch etwas getan hat, sondern wie er es getan hat. „Die Täterinnen und Täter lügen natürlich oft, so wie das auch viele andere Menschen machen. Und da ist dann für das Gericht interessant, herauszukriegen, wer hat wo und wann genau, welche Spur hinterlassen“, so der gebürtige Deutsche in der KURIER TV-Sendung „Herrlich ehrlich – Menschen hautnah“. (Jeden Sonntag um 18:30 Uhr auf KURIER TV)

Die oft schrecklichen Dinge, die er zu sehen bekommt, nimmt er aber emotional nicht mit nach Hause, denn „ich hab nicht gedacht, dass die Welt ein besonders schöner Ort ist. Mich verwundert es nicht, dass Menschen sich schlecht verhalten und dass grauenhafte Dinge passieren.“ Er erwarte nichts anderes. „Es gibt superviel Schönes, es gibt superviel Schlimmes und es gibt alles dazwischen, was eigentlich das Interessante ist.“

Das öffentliche Interesse an Verbrechen kann er durchaus nachvollziehen. „Es ist doch auch gut, wenn Menschen wissen, dass es verschiedene menschliche Verhaltensweisen gibt und welche menschlichen Spuren es gibt, worauf man schauen könnte. Und in welche Situationen sollte man vielleicht nicht reingeraten? Ich finde das gar nicht so sensationslüstern. Ich finde, es ist ein normales Interesse. So wie man sich auch für Nahrungsmittel interessiert oder irgendwelche anderen Sachen, die mit dem Leben zu tun haben.“

Benecke, der mehr als 25 Bücher geschrieben hat, hält auch viele Vorträge und gibt via Instagram, Facebook, TikTok und Youtube spannende Einblicke in seine Arbeit. Seine Youtube-Ausführung, warum es biologisch gesehen keine „Menschenrassen“ gibt, hat zum Beispiel 1,1 Million Aufrufe.

Er hat auch ein Schädelfragment und das Gebiss, das Adolf Hitler zugeschrieben wird, untersucht. (Was er zu der aktuellen DNA-Analyse, dass Adolf Hitler höchstwahrscheinlich am seltenen Kallmann-Syndrom litt, sagt, sehen Sie im Video oben).

Dem Kriminalbiologen gelang es auch, in einer aufwendigen und selbstfinanzierten Untersuchung zu bestätigen, dass ein Lampenschirm und eine Taschenmesserhülle aus dem KZ Buchenwald aus menschlicher Haut bestehen. 

„Ich hab daraus vor allen Dingen gelernt, dass man die Geschichte noch mal erzählen muss. Wie das passiert, dass Menschen in Lagern landen, zusammengepfercht werden, in Listen aufgenommen werden, in Gruppen eingeteilt werden.“ Er hat jetzt auch Anfragen aus Australien und England bekommen, Gegenstände dahin gehend zu untersuchen.

Benecke interessiert sich aber auch aus wissenschaftlicher, kriminalbiologischer Perspektive für Vampire. Er ist offizieller Pate für die Vampir- und Zoologie-Bücher in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien.

Und, dass er eine Vorliebe für Tattoos hat, ist offensichtlich. Wie viele er genau hat, kann er nur schätzen. Um die 200 sollten es sein. 

„Meistens verbindet mich das mit dem Ort oder der Person, die das gemacht hat oder mit dem Ereignis, aber es kann sich auch ändern. Im Laufe der Zeit kann alles seine Bedeutung ändern, im Guten oder im Schlechten und so kam es, dass ich am Ende in einer Ausstellung im Völkerkundemuseum in Leipzig gelandet bin. Da kann man mich als 3-D-Modell drehen und dann kommt die Geschichte zu den Tattoos.“ 

Sein Erstes war übrigens eine Eidechse. Er ist Vorsitzender des Vereins ProTattoo e.V. und Ehrenmitglied des Bundesverbandes Tattoo.

Seinen Rücken zieren der Stephansdom und Mannerschnitten. „In Wien gestochen. Das ist einer der vielen Bezüge zu Wien. Vor allem weil es lustig war, weil der Tätowierer dann irgendwann rosa rausnahm wegen der Mannerschnitten. Und ich dachte so, rosa ist eine Farbe, die du normalerweise nicht bei Tattoos hast“, erzählt er schmunzelnd.

Und Benecke ist auch „Donaldist“, sprich hat ein großes Interesse für Donald Duck und Entenhausen. 

„Donaldisten gehen davon aus, dass alles, was zu sagen ist, gesagt wurde, und zwar durch den Zeichner Carl Barks ( 2000) und durch die deutschsprachige Übersetzung von Dr. Erika Fuchs ( 2005). Das ist so wie die Bibel, der Koran oder irgendwas, wo man behauptet, das stimmt alles. Das diskutieren wir nicht, das ist so gewesen“, so Benecke.

„Es zeigt, wenn du eine Grundannahme nicht prüfst, dann kannst du alles schlüssig erklären und dann kann das auch keiner widerlegen. Das ist auch eine super Übung, dass man in der Kriminalistik und am Tatort keine falschen Grundannahmen macht, denn sonst stimmt zwar alles, hat nur leider nix mit dem Fall zu tun, weil die Grundannahme falsch war, und das ist der schlimmste Sachverständigenfehler, den es gibt.“ 

Noch viel mehr gibt’s im Video oben und am Sonntag um 18:30 Uhr auf KURIER TV.

Hitlers Erbgut (DNA): Kallmann-Syndrom

Neues zu Hitlers Schädel und Erbgut (Auf dem Foto seht ihr mich in Moskau mit einem Schädel-Stück von Hitler und der Sofa-Lehne, auf der er sich und seine Ehe-Frau erschossen hat.)

»Sa, 15.11.2025, Geschichte Fernsehen Medizin Forschung Wissenschaft Medien DNA:  Hitlers Blut im Labor - Kriminalbiologe sieht valide Probe /  Britische Forscher wollen aus einer alten Blutprobe Hitlers neue Rückschlüsse über den Nazi-Diktator und seine sexuelle Gesundheit ziehen. Doch wie belastbar sind die Erkenntnisse? 

London (dpa) - Der bekannte Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke schätzt die in einer britischen Dokumentation verwendete Blutprobe zur Analyse von Adolf Hitlers DNA als valide ein. Die Probe in dem Film «Hitler's DNA: Blueprint of a Dictator» stammt von einem Sofa, auf dem sich der Diktator im Führerbunker erschossen haben soll. Er habe von einer anderen Stelle, der seitlichen Lehne, ebenfalls einen Abrieb gemacht, sagte Benecke der Deutschen Presse-Agentur.

Benecke hatte im Moskauer Staatsarchiv Zugriff auf diesen Teil des Sofas. In der Dokumentation wird zur Sequenzierung der DNA ein Stofffetzen mit Blut verwendet, der inzwischen in ein US-Museum gelangt ist. Er soll im Führerbunker von einem US-Soldaten gesichert worden sein. Hitler hatte sich am 30. April 1945 das Leben genommen. Der Beweis, dass das Blut auf dem Sofa Hitlers Blut ist, soll bereits 2008 durch einen Vergleich mit der DNA eines Mannes mit gemeinsamen Vorfahren väterlicherseits erbracht worden sein, berichteten mehrere britischen Medien begleitend zur Dokumentation, die an diesem Samstag im Vereinigten Königreich ausgestrahlt wird.

Den Berichten zufolge kommt das Forschungsteam der Doku zu der Analyse, in Hitlers Erbgut Hinweise auf das Kallmann-Syndrom entdeckt zu haben. Bei Menschen mit diesem Syndrom bleibt die Pubertät aus oder verläuft nicht vollständig. Bei Jungen entwickelt sich daher zum Beispiel nur wenig Körperbehaarung, der Stimmbruch kann ausbleiben. Auch die weiteren Geschlechtsmerkmale können sich nicht wie üblich bei Erwachsenen ausbilden.

Betroffene können außerdem nichts riechen oder ihr Geruchssinn ist stark vermindert. Bekannt sei, dass Hitler starken Mundgeruch hatte, diesen aber offensichtlich nicht selbst wahrgenommen hat, sagte Benecke. Hitler sei nahe an andere Menschen herangegangen und habe beispielsweise Witze erzählt. «Das hätte er vielleicht nicht gemacht, wenn er es selbst gerochen hätte», sagte der Sachverständige für biologische Spuren.«

Mit freundlicher Genehmigung der dpa 

Mark Benecke: Hitler's Skull and Teeth

A study in three languages: english, spanish, chinese

© 2025 eygennutz Verlag, Hamm;

Mark Benecke

Umschlaggestaltung: Michael Schubert

Umschlagfoto: Thorsten Fröhlich

Herstellung: booksfactory, Szczecin

ISBN: 978-3-946643-23-4

www.eygennutz-verlag.de

info@eygennutz-verlag.de

→ Hier gibt es das Buch als .pdf

Download the book as a .pdf for free


War Hitler eine Frau? Podcast mit Dr. Mark Benecke

Die letzten Stunden im Führerbunker konnten genau rekonstruiert werden - bis auf wenige Minuten. Das sind die, in denen sich Eva Hitler, geborene Braun, und der ihr frisch angetraute Adolf Hitler selbst das Leben nahmen. Anschließend sollten ihre Leichen verbrannt und so dem Zugriff der anrückenden Sowjetarmee entzogen werden. Aber es kam anders. Und bis heute geben die wenigen Überreste des Diktators Rätsel auf. Eines davon: DNA-Proben, die angeblich von seiner Schädeldecke stammen, sind die einer Frau… 

In dieser Folge von DIE GESCHICHTSMACHER ist bei Martin Herzog und Marko Rösseler Deutschlands berühmtester Kriminalbiologe zu Gast: Mark Benecke hatte vor Jahren die einzigartige Chance, Teile von Hitlers Schädel und Gebiss in Moskau zu untersuchen. Hier erzählt er die Geschichte seiner Reise auf den Spuren der Überreste des Diktators. Und die mitunter verstörenden Ergebnisse der Untersuchungen…


Biologische Spuren / biological stains

KZ / KL Buchenwald


Der Führer hatte Mundgeruch

FAZ.net


Neu aufgerollt: Der Fall Hitler

Express


Wissenschaft & Crime

Podcast | 2024


Weck mich am Arsch

Mit Langschläfer Mark


Lenins Leiche: Mit Mark im Moskauer Mausoleum

Podcast “Die Geschichtsmacher”


The hunt for Hitler's teeth

How one forensic biologist stumbled across the only remaining body parts of Adolf Hitler… in a floppy-disc case in Moscow.

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