Strom aus Sonne & grüne Wände: So geht's 🍃

»Hallo Mark, wie gewünscht mein Erfahrungsbericht mit der PV-Anlage und der Fassadenbegrünung. PV-Anlage: Die Anlage wurde mir ca. 4 Wochen nach der Bestellung an zwei Arbeitstagen von 1KOMMA5° fertig installiert. Es wurde ebenfalls ein neuer Smart-Meter verbaut und alle Verbraucher über diesen einen Smart-Meter verbunden.

Zusätzlich existiert eine KI, die direkt an die Strombörse angeschlossen wurde und nach dem günstigsten grünen Strom sucht. Wenn z.B. mein Speicher voll ist, wird von diesem die Energie genommen. Sollte der Strom an der Börse weit unter dem Normalpreis liegen, wird umgeschaltet und dieser verwendet. Sollte mein Speicher leer sein, wird nicht nur der günstigste verfügbare Strom genutzt, sondern es wird auch mein Stromspeicher gefüllt. 1KOMMA5° garantiert in den ersten zwei Jahren, dass der Preis je kWh im Jahresdurchschnitt nicht über 15 Cent abgerechnet wird.

Weil wir i.d.R. nachts mehr Strom zur Verfügung haben, als gebraucht wird, habe ich alle stromfressenden Tätigkeiten (Waschen, E-Auto laden etc.) in den späten Abend verlegt. Mein Stromspeicher funktioniert quasi als Puffer, bis die Strompreise am Abend deutlich sinken. Je mehr Menschen diese Variante nutzen, desto mehr Strom wird dann auch am Abend oder in der Nacht verbraucht. Dies wiederum wird den Preis je kWh wieder nach oben treiben. Bin mit 1KOMMA5° und der Anlage sehr zufrieden.

Die Module werden von 1KOMMA5° selber in Deutschland hergestellt. Bei den Elektronikbauteilen hatte ich leider keine Wahlmöglichkeit, dass kommt leider alles China. Meine PV-Anlage wandelt im Sommer mehr Energie um als ich benötige. Da kann es auch passieren, dass der Speicher voll ist und ich gezwungen bin einzuspeisen. 1KOMMA5° arbeitet gerade daran, den Strom seiner Kunden zu bündeln und an der Strombörse anzubieten bzw. verkaufen. Das wäre aus meiner Sicht ideal, weil dann viel mehr „wirklich“ grüner Strom am Markt zur Verfügung steht.

Dieses Prinzip lässt sich sicherlich auch bundesweit praktizieren. Die Regierung müsste ein PV- Programm auflegen, dass auf alle Dächer (wenn sinnvoll) PV-Anlagen gebaut werden müssen. Dort wo nicht sinnvoll, wäre eine kleine WindkraFanlage (wenn sinnvoll) aufzubauen. Der ganze grüne Strom des Tages könnte in der Nacht kostenlos für alle Firmen zur Verfügung gestellt werden. Das wäre regelungstechnisch ohne großen Aufwand zu realisieren.

Das Geld für das PV-Programm wäre sehr einfach zu beschaffen. Rüstungsausgaben halbieren, Transaktionssteuer einführen und die Steuerpflicht an die Nationalität koppeln. Dann noch die umweltschädlichen Subventionen abschalten und schon hätten wir über 150 Milliarden Euro zur sinnvollen Verwendung. Dabei müsste niemand auf irgendetwas verzichten.

Das Thema der Fassadenbegrünung und Wiese ist eher unspektakulär. Um die vordere Fassade zu schützen, habe ich 8 Befestigungsösen in der Fassade verschraubt, ein Edelstahldrahtseil durchgezogen, die Enden des Drahtseils danach mit einer Schelle verbunden und mit an einen Seilspanner befestigt. Eine letzte Befestigungsöse habe ich dann in den Boden einbetoniert und den Seilspanner daran befestigt. Jetzt kann der Blauregen am Drahtseil entlang meine Fassade den Insekten zur neuen Heimat werden lassen. An der seitlichen Hauswand habe ich „Falschen Wein“ gepflanzt. Wie auf dem Bild zu sehen, lasse ich den direkt an meiner Fassade wachsen. 

Die unterschiedlichen Farben je Jahreszeit werden nicht nur den Insekten, sondern auch meinem Auge Freude machen. Nach Aussage des Landschaftsgärtners wachsen die Pflanzen pro Jahr mindestens einen Meter. Ich soll jedoch regelmäßig düngen, um den Pflanzen einen Wachstumsschub zu verleihen. Da bin ich aber noch sehr unentschlossen. Auch habe ich meine Frau überzeugt, dass wir weniger Rasen mähen. Sie argumentiert aber nicht ganz zu Unrecht, dass der Rasenmäher nach spätestens 8 Wochen nicht mehr durchkommt. 

Ich überlegte zurzeit, wie ich diesem Argument entgegentreten kann. Anregungen, Hinweise und Kritik wie immer willkommen. Noch ein Hinweis zum Schluss. Habe wegen meiner Streuobstwiese noch nicht aufgegeben. Es ist aber soooo schwierig, sich mit allen vermeintlichen Beteiligten abzustimmen und zu vereinbaren. Ich verstehe das wirklich nicht. Was gut ist soll doch einfach gemacht werden. 

Wenn es sinnvoll wäre auf meiner Wiese Palmen für Kokosnüsse zu pflanzen, würde ich das auch sofort machen. Wo ist das fucking Problem, den Menschen mal nicht im Wege zu stehen? Noch eine persönliche Sache.  Es ist mir ein großes Bedürfnis nicht arrogant rüberzukommen, weil ich ja alle diese tollen Sachen mache. Mir ist Deine Anerkennung genauso scheißegal wie die der anderen Menschen. 

Mir geht es ausschließlich darum, meine Verantwortung für nachfolgende Generationen wahrzunehmen. Es ist mir auch klar, dass mein Leben völlig bedeutungslos ist und ich spätestens einige Jahre nach meinem Tod vergessen bin. Und mit dieser Erkenntnis komme ich wunderbar zurecht. Ich versuche in meiner kurzen Zeit hier zu helfen, dass es anderen später nicht schlechter geht als mir und dass in einem minimalen und unbedeutenden Ausmaß. 

Bei mir hat der Begriff Verantwortung evtl. nur eine etwas andere Bedeutung. Der letzte Satz dann ist Ruhe. Ich möchte sehr gerne sehen können, wer zu meiner Beerdigung kommt. Nicht um zu hören was die Leute wirklich von mir denken oder gedacht haben. Ich möchte sehen, ob die Menschen die mich nicht gemocht haben so ehrlich sind, der Beerdigung fern zu bleiben. 

Klaus Kinski hat einmal so richtig gesagt: „Mich zu mögen ist meine Aufgabe, nicht Eure“. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. 

Herzliche Grüße: F.« 


Für Klaus Cölln

Nabu & Naturschutz


Tierschutz-Vortrag & Demo

Berlin | April 2024


Kommentar zu Ökozid-Gesetzen

Buch: Ökozid. Wie ein Gesetz schwere Umweltschäden bestrafen und Lebensgrundlagen besser schützen kann

Angst im Netz – Darf ich Spinnen töten?

Foto: Claus Pütz

Quelle: Spiegel, 18.Juli 2024

»Eklig« und »gruselig«: Spinnen haben ein Imageproblem – und keine Lobby. Der Biologe Mark Benecke erklärt, warum Sie trotzdem zögern sollten, bevor Sie den Staubsauger einschalten.

Aufgezeichnet von Veronika Silberg

Dass wir im Schlaf acht Spinnen pro Jahr verschlucken, ist Quatsch, aber ein Mythos, der sich hartnäckig hält. Genau wie Unbehagen und Angst beim Anblick der pelzigen Tierchen. Zu lange Beine, zu gruselig. Natürlich, da hilft nur der Staubsauger. Oder?

Aus dem Bundesnaturschutzgesetz geht streng genommen hervor: Nein. Es ist nicht okay, Spinnen zu töten. Dort steht: »Es ist verboten, wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten.« Und auch der Biologe Mark Benecke findet: Die kleinen Tiere seien viel zu faszinierend, um sie einfach platt zu machen. Warum Spinnen trotz Phobie verschont werden sollten und wieso es bei der Beseitigung vor allem auf die Beinchen ankommt.

Frage für einen Freund

Wie wollen wir leben? Lieben? Unsere Kinder erziehen? Können wir die Welt vielleicht doch nicht retten? Wo beginnen Vorurteile? Es gibt unangenehme Fragen, die wir in Gesprächen ironischerweise manchmal so beginnen: »Frage für einen Freund«. In dieser Serie beschäftigen wir uns mit genau diesen Fragen. Wenn wir uns einen umweltunfreundlichen Urlaub gönnen möchten, wenn wir mitbekommen, wie ein Kollege ungerecht behandelt wird, wenn wir kein Trinkgeld geben wollen: Wie handeln wir dann möglichst richtig – oder falsch? Expertinnen und Experten helfen bei der Antwort – und Sie können abstimmen.  

Das antwortet Mark Benecke:

»Ehrlich gesagt hole ich meistens meine Frau, wenn ich in unserer Wohnung eine Spinne entdecke. Ich selbst habe Sorge, ich könnte sie verletzen oder zerdrücken. Das passiert rasch. Achten Sie gerade bei großen Tieren besonders auf die Beine! Etwa bei Hauswinkel- und Kellerspinnen. Die haben wie alle Spinnen ein Außenskelett, wenn das kaputt ist, bleibt es kaputt. Und meist versuchen die sich mit ihren Beinchen irgendwie aus dem Glas herauszuwinden.

Die Spinne einfach töten? Mir ist völlig unklar, wieso man das machen sollte. Man muss andere Lebewesen nicht mögen – aber man kann sie doch trotzdem in Ruhe lassen. Mir ist bewusst, dass viele Menschen Angst vor Spinnen haben. Das sehe ich ein. Aber menschliche Angst und das Leben der Spinne müssen sich ja nicht ausschließen, finde ich. Nur, weil ich sie nicht in meiner Wohnung haben möchte, muss eine Spinne ja nicht sterben. Wenn das Tier unangenehme Gefühle bei mir auslöst, kann ich es einfach nach draußen tragen, wo es sich ein neues Zuhause suchen kann. Am besten ist es, wenn dort mehr als nur ein einzelner Zierbaum steht. Sie können die Spinne für den Transport auch in eine Pappschachtel mit Luftlöchern packen.

Oder Sie behalten Ihren neuen Mitbewohner. Es gibt Spinnen, die sehr gern in Wohnungen leben. Viele Zitterspinnen etwa, die Hauswinkelspinne oder die Kellerspinne. Gerade im Keller stören die niemanden. Meist leben die dort jahrelang, ohne dass wir es überhaupt mitbekommen. Machen Sie das Licht an und treten Sie laut auf, verstecken sich die großen Spinnen meist sofort. Die Tiere haben berechtigterweise mehr Angst vor Menschen als andersherum.

»Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie hier auf eine ›gefährliche‹ Spinne treffen, ist in etwa so hoch, wie die Gefahr, dass Ihnen ein Ziegelstein auf den Kopf fällt.«

Zu befürchten haben Sie im Übrigen nichts. In Deutschland sind so gut wie alle Spinnen ungefährlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie hier auf eine ›gefährliche‹ Spinne treffen, ist in etwa so hoch, wie die Gefahr, dass Ihnen ein Ziegelstein auf den Kopf fällt. Wenn Sie jetzt über eine Stadt sprechen, betonen Sie auch nicht ständig das Risiko, von einem Ziegelstein erschlagen zu werden, oder? Sie sprechen darüber, wer in der Stadt lebt, welche Gebäude es gibt und wie das Wetter ist.

Spinnen sind beeindruckende Tiere. Darüber reden wir zu wenig. Persönlich fasziniert mich besonders, wie alt ihre Lebewesengruppe ist. Überlegen Sie mal, was diese Art schon alles miterlebt hat! Welche historischen und kulturellen Veränderungen. Vor Tausenden von Jahren sind auch schon Spinnen durch Wohnungen gekrabbelt. Ist es nicht großartig, dass eine so uralte Erbgutprogrammierung sich so lange durchgesetzt hat?

Mich überraschen Spinnen zudem immer noch. Zu Springspinnen etwa wird gerade viel geforscht: Sie können offenbar planen, sich mit anderen austauschen, sich erinnern – vielleicht sogar träumen . Wer sie zu Hause hält, kann sie auf seine Hand springen lassen und wieder zurück.

Wenn Sie dieser Gedanke gruselt, kann ich Sie beruhigen: Eine echte sogenannte Arachnophobie lässt sich behandeln. Sie können zu einer Psychologin oder einem Psychologen gehen, um sich das abzugewöhnen. Oder Sie testen gemeinsam mit Freunden eine Expositionstherapie. Man sieht sich das Tier genauer an und nimmt es langsam und vorsichtig auf den Arm. Meist bieten sich große, eher träge Spinnen an, weil sie nicht so schnell davon krabbeln. Je mehr sie beobachten und lernen, desto weniger Angst haben Sie. Mit mir studierte damals der heutige Leiter der Spinnen-Abteilung des Senckenberg-Museums Frankfurt am Main vorbei und hatte unserem Kurs eine Spinne mitgebracht. Am Anfang wollte keiner so richtig ran, aber spätestens nach zwanzig Minuten wollten sie alle mal anfassen. Am Ende musste man die Spinne vor den ganzen Studierenden retten.

Tatsächlich hat sich die Einstellung gegenüber Spinnen über die vergangenen Jahre hinweg stark verbessert. Neuerdings werden sie vor allem im Internet zunehmend beliebter. Springspinnen besonders, mit ihren dunklen Kulleraugen. Leider liegt die neue Freude an Spinnen jedoch auch daran, dass es schlicht weniger gibt als früher. Ihre Nahrung stirbt aus – und damit auch zahlreiche Spinnenarten. Wir leben in der Zeit des größten Artensterbens, seit es Leben auf der Erde gibt.

Klar, eine getötete Spinne macht da für manche keinen großen Unterschied mehr. Aber ist das nicht Grund genug, sich mit den Tieren zu beschäftigen, die um uns herum leben? Sehen Sie genau hin, solange Sie und die Spinnen noch da sind.«


Brauchen Kakerlaken ein besseres Image?

Deutschlandfunk Nova | 2024


Wie Fauch-Schaben mich zu einem besseren Menschen machten

Artikel-Sammlung


Insektenplage?

t-online | 2023

Brauchen Kakerlaken ein besseres Image? 🪳

Deutschlandfunk Nova hat Fragen an Mark Benecke, der seit Jahrzehnten Fauch-Schaben als Haus-Tiere hält, darunter diese:  

+ Mark: Andere machen bei Schaben: iiiihhh. Was machst du?? + Was bewunderst du an Schaben besonders?? + Ich kenne dich, weil du mal Fauchschaben quasi als Haustiere hattest. Ist das noch so? + Was glaubst du: Was brauchen deine Fauchschaben um gut über die Runden zu kommen? + Was machen die so den ganzen Tag? + Hast du den Namen gegeben?? + Wenn du dir was aussuchen könntest: Welche Fähigkeit hättest du von denen gerne?? + Die einen nennen sie Schaben andere sagen Kakerlaken: Was ist aus deiner Sicht korrekter?? + Wir bleiben beim Wort Schaben. Aber da gibt es ja gar nicht die EINE. Wie viele Arten soll es in etwa gegeben?? + Jetzt ist eine Studie rausgekommen, dass gerade Deutsche Schabe die verbreitetste Kakerlake der Welt ist. Wieso gerade die? + Forschende haben sich das Ganze mal genauer angeschaut: Wie findet man so etwas raus? + Hat dich das überrascht?? + Heißt: Diese Art ist besonders widerstandsfähig? + Das Besondere ist ja: Die Kakerlake/Schabe halten sich gerne in der Nähe von uns Menschen auf: Warum? + Wir finden das andersherum nicht geil: In ein paar Städten in Deutschland heißt es, seien besonders viele Kakerlaken unterwegs. Nimmt die Verbreitung zu? + In unseren Köpfen ist immer der Gedanken: Sind Kakerlaken in der Wohnung/im Raum, dann stimmt was mit der Hygiene nicht. Aber du sagst: Stimmt nicht.. Wie ist es denn richtig? + Aber richtig ist: Schaben/Kakerlaken sind potentielle Krankheitsüberträger!?? + Was tu ich denn, wenn ich feststelle: Aii: Hier ist ein Kakerlakenbefall? + Und was mache ich dann? + Wer erst gar nicht in die Situation kommen will: Wie verhindere ich das?? + Du hast mal bei uns im Gespräch gesagt, dass du glaubst, dass die Kakerlake die Weltherrschaft einmal übernehmen wird. Glaubst du weiterhin daran? + Woran machst du das fest? + Ein Forscher hat die mal die Superhereos genannt. Auch deine Worte? + Haben die irgendwas Positives für uns Menschen?

30. Mai 2024

Die meisten wollen Schaben aus guten Gründen nicht in ihrer Wohnung haben. Kriminalbiologe Mark Benecke schon. Er liebt Kakerlaken. Und sagt: Sie haben ihn zu einem besseren Menschen gemacht.

Bis zu 10.000 Kakerlakenjunge je Muttertier: Sich ausbreiten ist das, was die Deutsche Schabe besonders gut kann. Anfang April musste das Hauptgebäude einer Grundschule in Bochum-Wattenscheid vorübergehend geschlossen werden, um die Tiere mit Giftködern zu bekämpfen.

Klar, die Tiere können passiv Keime verschleppen, weil sie wirklich überall herumlaufen. Außerdem verteilen sie ihren Kot im ganzen Gebäude.

Kriminalbiologe Mark Benecke freut sich eigentlich über jedes lebende Insekt. Er selbst hält Fauchschaben als Haustiere. Ein paar hundert könnten es wohl sein. Holzglänzend, wunderschön und friedlich, so nimmt er seine Schaben wahr, und auch akustisch machen sie was her.

Nächtliches Fauchtier

Denn die Tiere haben ihren Namen von dem eigenwilligen Geräusch, das sie produzieren – besonders nachts und tagsüber, wenn sie gestört werden.

Als Mitbewohner im Schlafzimmer möchte Mark Benecke die Kakerlaken deswegen nicht mehr haben. Wie sie fauchen, ist ihm nicht ganz klar. Sie ziehen ihren Körper zusammen und dabei entweicht Luft, vermutet er.

Mark Benecke, Forensiker, Kriminalbiologe und Fauchschabenhalter

Podcast:


Große Thierbuch-Show

RBB Berlin


“Der Benecke”

Radio-Eins-Sendung


“Insekten auf Leichen”

Podcast-Folge vom MfN Berlin


Wie Fauch-Schaben mich zu einem besseren Menschen machten

mehrere Beiträge


Darf ich Spinnen töten?

Spiegel | 2024

Forensic Entomological Examinations for Animal Welfare Offices under Suboptimal Preservation Conditions

Source: Forensic Sci. 4:387–395. https:// doi.org/10.3390/forensicsci4030023

→ The article as .pdf

German version of this article

Kristina Baumjohann & Mark Benecke

Abstract

A female dog had allegedly been alive one day before its death. The veterinary office thought about accusing the dog’s owner for animal cruelty and commissioned forensic entomological expertise for the calculation of the time of insect colonization on the dog’s body. The statement of the dog’s owner was proven false by us on the grounds of (a) the advanced state of decomposition and (b) the minimal developmental time of fly larvae found on the dog’s body. The darkening and deformation of the fly maggots as well as insufficient temperature data made case work trickier than usual. We worked through the case by creating forensic entomological temperature scenarios. The court used the entomological evidence and issued a penalty order.

Keywords

forensic entomology; insect traces; minimum time since death; neglect; sampling

1. Introduction

Insects, mostly flies and beetles, can colonize human and animal wounds or bodies both during life and after death. If colonization takes place during life, it is referred to as myiasis. Myiasis may occur in cases of neglect; in such cases, it is sometimes possible to calculate the period of neglect using the development of insects [1–3].

The time of development of insects is temperature-dependent: low temperatures slow down insect development and high temperatures accelerate it. Different insect species develop at different rates at the same temperature [4].

The preference of adult flies to deposit eggs in wounds and body openings applies equally to humans and wild or domestic animals [5,6]. In cases of myiasis, eggs are also laid in the soiled diaper area [1–3]. This applies to soiled cushions in dog baskets and soiled blankets, too.

In neglect cases, the collection and subsequent preservation of fly maggots should be carried out separately according to the place of collection (diaper area, open wounds, or natural body openings) in order to record the possibly different developmental ages of the animals at the different colonization sites of the same body.

In cases of animal cruelty and neglect in wild and domestic animals, the entomological evidence collected from living or deceased animals may also provide investigating authorities with information on the circumstances of death [7–12].

The condition of the preserved insect specimens that reach us do not always allow for easy species determination. The case presented here shows that, despite poorly preserved insect material, the difficulty in calculating a possible development time of fly maggots can be narrowed down by creating various temperature scenarios.

Unlike in high-profile forensic cases, the veterinary office initially left the question open if time since death or time since the beginning of neglect including a possible maggot infestation had to be determined by us. We communicated that in this case, it would be best to operate with colonization time, irrespective of whether this was the colonization time of wounds of the living dog or the colonization of the dead dog.

2. Case Description

In connection with the death of an approximately two-year-old, female French bulldog, a German veterinary authority issued an order to calculate the minimum colonization period of the fly maggots collected from the dead dog.

The dog owner stated that she had left her dog in her uncle’s apartment several days before the dog’s death and had looked after him there every day during her work breaks. She had allegedly last provided the dog with water and food on 23 July 2022; she claimed that the dog was still alive at that time. When she went to pick up her dog from her uncle the next evening, 24 July 2022, the dog had died.

That same evening, the animal mortician collected the dead dog and froze it in the funeral home at −3 °C, according to his statement. The mortician had noticed “heaps of maggots” on the dead dog’s body when he handed it over for examination, i.e., the dog had already been severely decomposed at this point. The veterinary office received the corpse on 25 July 2022; the dog was frozen there at unknown temperatures. On 30 August 2022, the animal’s corpse was sent to an Institute for Veterinary Pathology and examined there on 2 September 2022. The fly maggots collected from the dog’s body were then frozen at −20 °C until shipment.

The owner’s statements were made to officers of the local veterinary authority. Police was not involved since the case was considered to be low-key. The veterinary office then contacted the prosecutors’ office. The dog owner did not have to give a sworn statement since it was clear that the case would be handled by the district court and the penalty would be very low because the dog owner had no criminal record and most of such cases are not prosecuted at all in Germany.

Figure 1. Condition of the emaciated dog’s body on delivery to the mortician; the dog had allegedly been alive and well the day before its death. (Note: the insufficient image quality of Figures 1 and 2 is due to the fact that the veterinary pathologist did not allow the use of original images, so copies from the report of the veterinary office had to be used.).

3. Veterinary Pathological Examination of the Dog

According to the veterinary pathologist, the dog was already in a high state of “autolysis to putrefaction”. There were numerous fly maggots on the dog’s body, there were nits (louse eggs) in the fur, and the beginning of skeletonization at the right upper jaw was noted.

The dog had no subcutaneous fat and no structural fat deposits: kidney capsule fat, coronary fat, and intestinal mesentery fat were missing. The stomach was empty; the animal was in a highly reduced nutritional state (Figures 1,2).

4. Forensic Entomological Examinations

4.1. Material and Methods

Figure 2. Eyes and brain of the dog missing due to the feeding activity of fly maggots and advanced decomposition. (Photo quality: see remark in Figure 1.)

The sample from the Institute of Veterinary Pathology included 146 individual fly maggots and eight clusters of several maggots that were connected (as if glued) together.

The previously frozen fly maggots were sent to us by the veterinarian in 96% ethanol and reached us on 16 January 2023. The thawed maggots were predominantly brown to black in color (Figure 3), the tissue was rubbery, and the animals were predominantly deformed. The discoloration and deformations made it difficult to determine the fly species, as certain body characteristics must be visible to do so. The length of a stretched maggot is used to determine age and cannot be measured correctly if the animals are bent and contorted. The proper and immediate storage of the fly maggots at the mortician’s office could have prevented the discoloration and tissue deformation [13].

Species determination was performed based on morphological features using stereomicroscopes (Leica Mz 12.5, Leica S9E, Wetzlar, Germany) and a light microscope (Leica DM LM, Wetzlar, Germany) with identification keys from Szpila [14,15].

One third of the maggots were therefore placed in an 8% potassium hydroxide solution (KOH) at room temperature. The tissue of the maggots was so firm and tough that it only became soft enough to micro-dissect after about a week in the softening solution. The bleaching effect of the potassium hydroxide made body features relevant to determination largely visible again (Figure 4).

The length of 20 blow fly maggots was measured, the stage of development determined, and their species identified (see Section 4.2). After examination, the maggots—with some body parts removed during the examination (anal plate, head capsule, and mouth parts)—were each transferred to a reaction tube (1.5 mL).

The remaining maggots left in the potassium hydroxide solution were placed in a container of methylated spirits for further storage. The sample also contained a maggot of a flesh fly species: this maggot was also placed in 8% KOH solution for one week at room temperature and then examined microscopically.

4.2. Results of the Species Identification

All 20 blow fly maggots examined belonged to the species Lucilia sericata (Meigen, 1826); the average length of the animals was 1.3 cm. All maggots had reached the third and thus last larval stage of development. It was not possible to determine whether the animals had already emptied the intestinal contents in preparation for the subsequent pupation phase (so-called postfeeders) or whether they still possessed them at the time of preservation due to the dark tissue discoloration.

Figure 3. Discoloration and deformation of the fly maggots to be examined

The single, 2 cm long flesh fly larva belonged to the species Sarcophaga argyrostoma (Robineau-Desvoidy, 1830) in the third (and last) larval stage of development.

4.3. Results of the Calculations of a Possible Egg-Laying Time

4.3.1. Temperature Data

Fly maggots develop depending on the surrounding temperature. The temperatures at which the animals developed until the body was found are therefore required.

Figure 4. Dark discoloration of the flesh fly maggot (top) and clear tissue after treatment with KOH (bottom)

Normally, the following steps are necessary to recalculate the temperatures in the best case [16]:

• Comparison of hourly temperatures over a certain period of time (e.g., three days or longer) between the location and a nearby weather station;

• Calculation of temperature deviations between these locations;

• Calculation of a correction factor;

• Recalculation of the temperatures for the location where a corpse was found for the time before it was found = time in which the insects developed on the body.

The temperature data from a weather station for this period and a previously calculated correction factor are used for this purpose. In our case, the German Weather Service (DWD) provided daily average, maximum, and minimum temperature values for the period from the beginning of June to the end of July, but no hourly temperature readings.

However, a privately operated weather station, which was located 6.8 km away from the dog owner’s uncle’s home, transmitted hourly air temperature values for the period from the beginning of June 2022 to the end of July 2022.

4.3.2. Calculating the Development Time of Fly Maggots

The steps listed above for calculating the development times of the fly species could not be carried out in this case due to the lack of data and information. The development time of the fly maggots could still be approximated by creating various “temperature scenarios” based on the hourly temperature data from the private weather station and developmental data from the literature.

4.3.3. Development Data for Lucilia sericata and Sarcophaga argyrostoma

The calculation of the time of oviposition of Lucilia sericata was carried out using the developmental data of Wang et al. 2020 [17]. Table 1 shows the results of the calculation of the development time of the maggots of Lucilia sericata under the influence of different temperatures.

Due to the dark coloration of the fly maggots, it could not be determined whether intestinal contents were present at the time of collection. Fly maggots empty their intestinal contents before pupation (postfeeding larvae; so-called postfeeders): maggots without intestinal contents are therefore older than those with intestinal contents. A possible influence of the KOH solution on any remaining intestinal contents (which were no longer visible after the KOH treatment because the tissue was brightened too much) could not be ruled out due to the long soaking time.

Data from Wang et al. [17] for the developmental transition from the second to the third developmental stage did not fully fit because the maggots were clearly in the third larval stage; any transitional stage would have been recognizable by morphological characteristics, e.g., half-shed skin and breathing spiracles. The maggots examined corresponded best with the data for transition from the third to the postfeeder developmental stage. As postfeeders, the maggots migrate from the dead body to pupate, so later developmental stages are not expected on a corpse.

Females of flesh flies, to which Sarcophaga argyrostoma belongs, lay live young larvae on decaying tissue in the first stage of development [18]. Since flesh fly larvae of this species do not randomly feed on a living organism but are attracted to decomposed tissue, we calculated the development time as a possible colonization time for this maggot based on the temperature and development data of Grassberger and Reiter (2002) [19] (Table 2).

4.4. Answering the Client’s Questions

Our calculations were based on both the fluctuating daily temperatures of the weather station 6.8 km away from the uncle’s home and constant temperatures, e.g., 15 °C for a possible colonization in the basement room, 24 °C for an indoor room in summer (during the day), and 30 °C daytime temperature for the outdoor colonization in that summer.

Further influences on egg laying and larval development such as rain [20–23], night, and dark conditions [23–29] were disregarded since we were told that the case took place inside or close to the apartment.

Since the maggots of both fly species had reached the third and last stage of development as larvae (before pupation), the larvae could not have developed within one day (e.g., from 23 to 24 July 2022) from oviposition.

We do not know whether the dog was still alive at the time the eggs were laid. It is possible that the dog was neglected and that its wounds were colonized by fly maggots during its lifetime. Lucilia sericata and Sarcophaga argyrostoma are fly species that may colonize living yet neglected bodies [9].

Since we also did not know whether the fly maggots sent in for examination were the oldest maggots that had developed on the dog, the calculated time periods were the minimum development time of the larvae.

The extensive maggot infestation of the oral cavity, the loss of substance on the muzzle due to autolysis, and the strong odor of decomposition before the body was frozen also spoke against the statement that the dog had been healthy and alive on 23 July 2022.

5. Discussion

5.1. Temperatures

Temperature data from the colonization site of the dog were missing. Therefore, the temperatures at which the insects colonized the dog before 24 July 2022 could not be mathematically reconstructed.

If the owner claimed to have visited the dog at about the same time on both days, the maximum PMI hypothesis to test would be approximately 24 h. Assuming the most rapid development rates in the reference papers [17,19], both a 13 mm third larval instar of L. sericata and a 20 mm third larval instar of S. argyrostoma would be too old for the owner to have told the truth, irrespective of the temperatures of the dog carcass.

We decided to use local weather data as well as the most recent developmental data including ADH information to build and check our temperature scenarios (Table 1). Since only one Sarcophaga larva was sent to us and since no recent developmental ADH data were available, we decided to use an older data set for this species that did cover the temperatures we used in our scenarios. This was sufficient because the statement of the owner of the dog was found to be false in all our calculations.

We decided to use the most current data for Lucilia sericata that also include ADH values. Since we observe a massive impact of climate change in Europe, we considered the most modern data to be the most reliable in this particular case. For Sarcophaga argyrostoma, we had to rely on the older data set because the most recent data sets did not cover the temperature ranges that we needed to include in our “check the scenarios” tests.

5.2. Colonization Site of the Dog

It remained unclear whether the dog was colonized inside the house or outside and if windows were closed or not. “Closed” doors in Germany often provide access points for flies, as the adults can squeeze through old keyholes or gaps between the door and the floor.

5.3. Fly Maggots

It is unknown to which colonization wave the fly maggots collected from the dead dog belonged, and especially, if there were older developmental stages of the flies or other insects in the vicinity of the dog. In a strict court room setting, one could also question if the maggots had been alive on the dog. The color changes and conservation state of the maggots did not allow a reliable length measurement. Our measured lengths were minimum lengths.

Concerning a possible lack of information in the scientific literature relating to the variability of the postfeeding stage, we restricted ourselves to the information contained in the sources that we used [17,19]. In the Lucilia larvae as well as the single Sarcophaga larva, we saw three slits in the abdominal (posterior) spiracles. Therefore, we decided that any developmental interval beginning from the transition from larval stage 2 to larval stage 3 until the possible postfeeding stage should be considered. Our minimum developmental estimate already excluded the dog owner’s statement, so in this particular case the question was answered without further examination of a possible postfeeding stage.

We did not aim for the inclusion of larval length data because on the one hand, we wanted to support the veterinary office even though hardly any budget was available and we thought that a discussion about larval lengths might lead to further unpaid work. On the other hand, our approach using scenarios sufficiently covered the questions that we were asked to answer. Since exact environmental information (the dog’s exact place of death, etc.) were unknown, we decided to work on the simplest and safest level so that a possible defense could not use a confusion strategy over numbers. Finally, in our lab, we are hesitant to work in an overprecise manner when larvae arrive in a hardened state. In higher profile cases, we would naturally determine the minimal developmental time from shrunken, hardened maggots, but this case had to be handled under minimalistic conditions, yet with simple and safe conclusions due to the circumstances described above.

5.4. The Dog Owner’s Statement

Strictly speaking, it is unknown whether the dog may have died elsewhere and was then transported to the uncle’s apartment.

5.5. Conclusions

Despite all limitations, our measurements show that the dog could not have been healthily alive on the evening of 23 July 2022. This entomological exclusion matches the observation that the dog’s brain was severely decomposed and largely missing.

The dog was colonized by cadaver flies on the morning of 21 July 2022 at the latest; if the dead or living animal had been in a colder environment than 30 ◦C outside temperature, then colonization could even have taken place much earlier.

In the trial, the court warned the dog owner and ordered her to pay 1200 Euro to a charitable organization. She was banned from keeping animals for one year. After that, the owner may legally own animals again.

Even though the larvae were in poor condition and not all data were available, the question of the animal welfare office could be answered in a useful, legal way. This allowed the office to go on trial.

We believe that this case might remind veterinarians and veterinary pathologists to preserve and document entomological traces in the best possible way. In more difficult cases, a better preservation of the maggots would have been necessary. Here, the relevant question could be answered sufficiently


Insects under the skin?

Ziploc and matchbox evidence in the expert forensic stain laboratory


Mind your decompositional assumptions

forensic sciences | 2022


Schussverletzung oder Käferfraß?

Rechtsmedizin | 2024

20 Jahre Die PARTEI: Bundes-Feier in Köln

Was für ein Fest! Die PARTEI wird zwanzig und die schönsten und coolsten Menschen geben sich die Ehre. Nicht nur aus Nord, Rhein, West und Falen, sondern auch aus aller Mütter Länder, darunter Luxembourg (der König des Landes) und Belgien (Martin Sonneborn aus dem Europa-Parlament und aus einer Torte steigend) 🎂 Ausserdem Anna Glockenhell und Tom Hintner, die sich noch an frühe Aktionen erinnern sowie natürlich die besten Bands, darunter Hgich.T 🎭 Die PARTEI Köln hatte fünfzehn Kilo Kartoffeln für einen pflanzlichen Kartoffel-Salat geschält, der bis zum letzten Krümel verzehrt wurde und zeigte, wer im Gebäude 9 und Europa regiert. Nämlich wir: Kartoffeln auf die eins!



Pommes-Wahlkampf

Köln | 2022


LandesPARTEItag

Detmold | 2022


LandesPARTEItag

2023

BMXnet Body Modification Conference, Berlin 2024

18th bmxnet Body Modification Conference in Berlin (August 1-4, 2024)

Speakers (most likely):

Alessandro Ceccato, Alex Pereiro, Andre Berg, Andrea Venhaus, Ansger Fritze, Bethrah Szumski, Beto Rea, Brian Skellie, Bruno BMA Valsecchi, Cale Belford, Caro Ley, Chandler Barnes

Charlyne Chiappone, CoCo Katsura, Corey Torok, Cristiano Aielli, Ðana Ribarević, Daniel Hetz, Daniel Lemon, Danila Tarcinale, Dorsch, Dr Matt Lodder, Dr. Ines Schreiver, Dr. Mark Benecke, Eden Thomson, Enrico Podjaski, Eugenia Monti, Fiona Hughes, Flo, Francesco Capodicasa, Gábor Zagyvai, Haillim Herrera, Isabell Defiebre, J’son D’souza, Jana Reuter, Jane Absinth, Johannes Holfeld, Kenneth Crespo, Kevin Jump, Kim Hutchinson, Kim Partheymüller, Lemmi, Lola Slider, Loreia, Lumina Obscura, Luna Duran, Lynn Loheide, Manfred Kohrs, Marcus Meyer, Marcus Strohner, Martin Siedler, Marzena Warneke, Masahiro Kahata, Matt Kirk, Michael Kolar, Nahuel Burgos, Necro Black, Nicholas The Geezer, Nora, Pam von Falkenstein, Patrick McCarthy, Paul King, Paul Lüpke, Paulina Peszka Paoli, Rob Hill, Roberto Avilés, Rubén Triguero, Ryan Ouellette, Ryoichi Keroppy Maeda, Sana Sakura, Shawn Porter, shiva 108, Steve Haworth, Stuart Hofman, Svenja Herrmann, Taku Oshima, Tanja Podjaski, Torben Teichmann, Travelin’ Mick, Urban Slamal, Victoria Lickfeldt, Xhules as well as performances, e.g., by Louis Fleischauer

Star-Gast: Rolf Buchholz

Including two birthdays 🎂



BMXnet Konferenz

2021 | Berlin


BMXnet Konferenz

2022 | Essen


BMXnet Konferenz

2019 | Essen

Trains, Steam Engines & Eisenbahn-Fotos 🚂

Mark fährt viel mit dem Zug. Hier sind einige Fotos. 

Star-Gäste unter anderem: Deutsche Bahn (🚆) mit ICE und Bimmelbahn, Selfkant-Bahn, Severn Valley Railways & die Harzer Schmalspur-Bahn

Verwendung der Fotos nur nach schriftlicher Absprache mit Mark.

Use of photos only with written consent of MB.


Selfkant-Bahn

Steam train 🚂


Eisenbahn-Porträt

Der Eisenbahner | 2024


Selfkant-Bahn

2023

WGT-Tagebuch 2024

Quelle: Sonic Seducer, Juli, Seiten 85 – 95

→ Den Artikel gibt es hier als .pdf

31. Wave-Gothic-Treffen | 17. – 20. Mai 2024

Auf nach Leipzig hieß es an Pfingsten wie der traditionell, zum inzwischen 31. Wave-Gotik-Treffen. Und viele Gruftis aus aller Welt sind dem Ruf des größten deutschen Subkultur-Festivals gefolgt, manche zum ersten, manchen zum zigsten Mal. Und das mit durchaus unterschiedlichen Motiven. Während die einen möglichst vielen Konzerten der insgesamt 219 Bands und Musiker lauschen wollten, zog es die anderen zu Lesungen, zum Mittelalter-Flair ins Heidnische Dorf oder zum Viktorianischen Picknick. Wie jedes Jahr wurden dabei die Rufe laut, dass das WGT vielen nur noch als Instagram-Maskenball diene und die Szene zudem immer mehr zur Kommerzveranstaltung geriete. Fakt ist, das inoffizielle Rahmenprogramm, das man in Leipzig auch ohne Festivalbändchen erleben kann, war auch in diesem Jahr wieder üppig. Freier Eintritt in diversen Museen, das Steampunk-Picknick am Kleingärtnermuseum, der Dark Affair-Markt mitten in der Leipziger Innenstadt und natürlich das Gothic-Pogo-Festival am Werk II.

Im Mittelpunkt stand für die meisten der vom Veranstalter genannten Besucherzahl von 18.000 aber wohl wieder einmal die Musik, wobei es auch dies es Jahr wieder zahlreiche Highlights zu erleben gab. Neben dem Mitternachtsspecial der Editors erfreuten sich auch Prayers aus Mexiko, Dernière Volonté im besonderen Ambiente der Kuppelhalle, Diva Destruction, die Reaper-Reunion-Show, aber auch Newcomer wie SDH (Semoitics Department O f Heteronyms) oder die Schweden von Emmon regen Zuspruchs.

Viel zu hören und zu sehen also beim 31. WGT. Und wer ganz genau hinschaute, der konnte sogar den ein oder Straßenbahnfahrer der Leipziger Verkehrsbetriebe in entsprechender Gothic-Gewandung erhaschen.

Marc Urban

Aber nun übergeben wir das Wort an Dr. Mark Benecke und wünschen gute Unterhaltung mit seinem exklusiven WGT-Tagebuch 2024!


11. Mai 2024

22:05 Uhr: Letzter Tag vor der Abreise zum WGT. Davor noch eine Autismus-Konferenz. Ines ist erst jetzt eingefallen, dass sie ihre Haare noch grün färben muss.

12. Mai 2024

11:27 Uhr: Ines’ Haarfarbe sieht genauso aus wie vor dem Färben. Sie meint aber, der Grünton sei jetzt viel intensiver. Da ich den Unterschied nicht bemerke, bescheinigt sie mir Farbenblindheit. Ich kann offenbar grün nicht von grau unterscheiden.

Köln, Hauptbahnhof:

Wochenalter Geruch von Urin und Crack strömt uns entgegen. Im sauberen Sachsen, besonders in den kameraüberwachten Promenaden, dem Einkaufsparadies im Leipziger Hauptbahnhof, wird es garantiert anders aussehen und auch anders riechen.

13. Mai 2024

10:55 Uhr: Unser Festival-Banner-Motiv von Tikwa trifft ein. Seine großartigen Geschichten von Engeli und Teufeli erfreuen mich schon seit Ewigkeiten. Jetzt bin ich Teil dieses traumhaft gruftigen Universums. Tikwa hat sich sogar in Motten hineingefuchst und lässt diese aus meinem Herz steigen.

Berlin, Friedrichstraße: Nach einem Kongress zu verschollenen Büchern in der Staatsbibliothek, beschleicht uns beide das Gefühl, etwas Wichtiges für das WGT vergessen zu haben. Und tatsächlich: Ines vermisst ihr Patchouli-Parfum. Sie schlägt vor, in den hiesigen Darkstore zu gehen. Da Ines die Angewohnheit hat, sich die exotischsten Patchouli-Sorten zu kaufen (Ines: „Zuletzt habe ich mir Patchouli-Marzipan geholt.“), hoffen wir, dass der Laden auch solche besonderen Düfte anbietet.

14. Mai 2024

18:34 Uhr: Berlin Friedrichshain: Wir erreichen den Darkstore. Verkäuferin Kati begrüßt uns: „Ihr habt Glück, denn wir haben schon 80 Prozent unserer Ware weggeräumt“. „Wo räumt ihr diese hin?“, will ich wissen. „In Lkw, mit denen wir zum WGT fahren. Und ich hoffe, dass nichts mehr zurückkommt“ (lacht). Kati und Olaf, der für den „Kleinkram“ (vor allem Werkzeuge) verantwortlich ist, ist auch auf spezielle Wünsche eingerichtet ... zum Beispiel verschiedene Patchouli-Sorten. „Letztes Jahr hat uns ein Besucher nach Patchouli-Pflaume gefragt“, erzählt Olaf. „Wir konnten aber nur Patschuli-Erdbeer und Kirsche anbieten.“ Ines empfehlen die beiden übrigens Patchouli mit Kaffee.

16. Mai 2024

9:06 Uhr: Mein Vortrag auf der Autismus-Konferenz des Bundesministeriums für Bildung und Forschung der Humboldt-Universität und der Goethe-Universität im Senatssaal der Humboldt-Universität steht unmittelbar bevor. Über Nacht hat sich Ines’ Nagelfarbe auf einmal verändert. Die Nägel sind jetzt schwarz. Doch Zweifel quälen sie: „Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich meine Nägel schwarz oder weiß lackieren soll.“

9:44 Uhr: Im Publikum der ersten Reihe sitzt Jörn, ein Gothic. Er trägt eine silberne Fledermaus, Mittelscheitel und ein Edgar-Allen-Poe-T-Shirt. Ich frage ihn, welche Farbe Ines für ihre Fingernägel nehmen soll. „Ich bin für schwarz, aber es ist ihre Entscheidung“. Jörn nimmt an der Konferenz Teil, weil er selbst Autist und Mitglied beim Verein „White Unicorn“ ist, der Autistinnen und Autisten befragt und in dessen Vorstand ich bin.

14:10 Uhr: Wir stehen vor dem ICE nach München, werden aber von unseren reservierten Sitzplätzen verscheucht mit den Worten: „Warum wollen eigentlich alle nach Leipzig? Gehen sie bitte raus.“ Auf Nachfrage, ob dieser Zug denn nach Leipzig fahre, sagt der Begleiter: „Ja, dies könnte der Zug nach Leipzig sein. Gehen sie aber bitte trotzdem raus.“ Wir sind verwirrt.

14:28 Uhr: Ein Zugteil fährt, der andere nicht. Gegenüber fährt ein weiterer Zug, aber nur bis Bitterfeld. In weiser Voraussicht (oder auch aus Panik) reserviere ich direkt weitere Zugverbindungen, die später am Abend fahren.

16:33 Uhr: Endlich in Leipzig. Eigentlich müssten wir in einen Karnevalsladen, um schwarzes Konfetti zu kaufen. Außerdem braucht Ines Helium für die Jubelfeier der Vampyr-Community. In diesem Moment entdecken wir eine Steampunk-Ausstellung. Die örtliche Bevölkerung bewundert diese. Besonderes Staunen ruft bei einem Mann in Camp-David-Übergangsjacke ein goldener Helm hervor. Preis des Steampunk-Helms: 4.500 Euro.

17:06 Uhr: Die Bändchenschlange harrt im strömenden Regen aus. „Morgen wird das Wetter schön, und dann werden wir picknicken“, glaubt Ceyda, die zusammen mit Silvio geduldig wartet. Fürs Picknick haben sie alles dabei: Käsehäppchen, Nüsschen, Sektchen. „Und vielleicht hole ich noch eine Leipziger Lerche.“

17:24 Uhr: In der Linie zwölf treffen wir Sage und Jules, die sich darüber freuen, auch auf der Hinfahrt so viele „buntschwarze“ Menschen getroffen zu haben. Für Sage ist es das erste WGT. „Ich bin sehr aufgeregt und gespannt, wie die Leute so drauf sind, und möchte mit Menschen zusammenkommen, die die gleiche Musik hören, und vielleicht neue Freundschaften schließen.“ Sie freut sich vor allem auf [x]-RX. Jules, der schon öfters in Leipzig war, hat ihr versprochen, dass sie nach diesen Tagen inspiriert nach Hause fahren wird.

17:33 Uhr: Schlimm, schlimm! Der europäische Fußballverband UEFA führt hier irgendeine Registrierung durch. Einige der internationalen Gäste schauen die hereinströmende Schar von Menschen in schwarzer Kleidung, mit bunten Rastazöpfen und in für sie offenbar wie Spitzenwäsche scheinender Oberbekleidung oberflächlich gleichgültig, aber doch mit zahlreichen erkennbaren Seitenblicken an. Sollen wir ihnen sagen, dass wir keine Fußballfunktionäre oder gar aktive Sportler sind?

19:48 Uhr: Wie sich herausstellt, müssen wir in zwölf Minuten an der Agra sein, sind aber erst im Bahnhof. Es wird schwierig.

20:05 Uhr:Wir sind noch nicht weit gekommen, allerdings haben wir Ines verloren. Wo ist Ines? Dafür steht jetzt neben mir eine jahrhundertealte Vampirin, die wie aus einem Manga entsprungen scheint. „Ich muss mir noch einen alten Namen geben“, meint sie. „Agnes! Ich heiße Agnes.“

20:39 Uhr: DJ Elvis und DJ Olli, die auf der Eröffnungsfeier des WGT auflegen werden, sind eingetroffen. Festival-Chef Sven hofft, dass die beiden ob ihres fortgeschrittenen Alters bis zur Eröffnungsfeier durchhalten werden. Nach der Eröffnungsparty, die ich mit dem Zünden einer Konfettibombe mit unzähligen weißen Schmetterlingen zu einem zauberhaften Erlebnis machte (so rede ich es mir wenigstens ein), treffen wir an der Haltestelle zur letzten Straßenbahn Pandora und Melanie. Pandora hat wie Ines einen spitz zulaufenden Pony. Da stellt sich die Frage: Pony dreieckig geschnitten? Oder doch lieber gerade? „Dreieckig, weil das einfach fancier ist“, meint Pandora. Auf dem Nachhauseweg kommen wir am WGT-Teich vorbei. Eine der wiederkehrenden, brennenden Fragen von Ines: Welche Farbe hat der Teich? „Er sieht ein bisschen grün aus. Wegen der Algen“, vermutet sie. Vielleicht sind es auch andere Sachen.

17. Mai 2024

11:28 Uhr: In der Straßenbahn kommen wir mit Nina ins Gespräch. „Ich freue mich riesig darauf, wenn Leipzig wieder schwarz – oder besser gesagt buntschwarz – wird.“ Sie selbst ist zwar kein Gothic, aber sie liebt das Treiben zu Pfingsten. „Endlich wieder mal was los“, so ihr Fazit.

12:33 Uhr: Das Wasser im Brunnen scheint wirklich grün zu sein. Es liegt wohl doch nicht an den Algen, denn laut eines Schildes der Stadt Leipzig, das Wasser chemisch behandelt worden sei. Apropos Farbe: Ich habe mir einen schwarzen Nagellack gekauft, aber vergessen, ihn mitzunehmen. So kann ich natürlich nicht auftreten. Aber Rettung naht: In der Agra-Halle baut der Darkstore just seinen Verkaufsstand auf. Olaf rechnet dort damit, dass Netzstrumpfhosen wieder der Verkaufsschlager sein werden. „Netzstrumpfhosen sind aber auch ein bisschen wie die Teelichter eines schwedischen Einrichtungshauses“, fügt Kati hinzu. „Selbst wenn man nichts kaufen wollte, geht man mindestens mit ein paar Netzstrumpfhosen wieder raus“. Ines hat sich mit Patchouli eingedeckt.

“Dieses Mal ganz langweilig mit Vanille“, meint sie. Anyway: Ines hat ihr Patchouli, ich habe meinen Nagellack. Jetzt steht dem Auftritt nichts mehr im Wege.

12:48 Uhr: Da der Aufbau in der Agra-Halle noch andauert, habe ich jetzt die Möglichkeit – Ihr ahnt es bereits – mir die Nägel zu lackieren. Nur unsere Buchhändlerin Kathrin ist schon komplett vorbereitet und so etwas wie die Insel der Vernunft im WGT-Chaos.

16:07 Uhr: Die Bar versorgt die Besucher während aller Vorträge. Als Besonderheit empfiehlt Barfrau Jana „Purple Fire“, einen alkoholfreien Cocktail in Lila. „Da ist Curacao drin, sowie Grenadinesirup, Maracuja-, Orangen-, Ananas- und Zitronensaft.“ Klingt gesund. Ines indes überlegt mit Blick auf die Ananas, die auf der Theke steht, wie wohl die Mehrzahl von Ananas heißt.

16:31 Uhr: Backstage in der Agra ist neben DJ Elvis auch Fischi. Sie trägt einen gerade geschnittenen Pony. Was mich zu meiner Hauptfrage des diesjährigen WGT bringt: Pony spitz zulaufend wie bei Ines, oder gerade geschnitten? „Eindeutig gerade“, sagt sie. Ihr Argument: „Er ist einfach leichter zu stylen.“ Elvis will sich auch einen Pony schneiden. Das zeigt, wie wichtig dieses Thema ist.

16:37 Uhr: Im Agra-Backstage herrscht ameisenartige Betriebsamkeit. Techniker Nico bewacht ein selbst gemachtes Plakat. „Das ist unsere Botschaft an die etwas nervigeren Künstler, angelehnt an Monty Pythons großartigen Film ,Die Ritter der Kokosnuss’. In der Szene, wo eine Burg von den Franzosen besetzt worden ist, kam der Satz vor: ,Now go away or I shall taunt you a second time!’“ Ob er denn überhaupt schon nervige Künstler erlebt habe, wollte ich wissen. „Des Öfteren“, so seine Reaktion.

17:15 Uhr: Der Mitteldeutsche Rundfunk taucht auf und wird eine Live-Schalte vor der Agra machen. Ich habe bei meinem Vortrag das Publikum aufgefordert, sich zu beteiligen, da solche Live-Übertragungen nicht geschnitten werden können. Ob das eine gute Idee war?

18:43 Uhr: Neben dem Stand von „Hands“, die uns mit feinstem Noise beschallen, ist Maskenbildnerin Natascha Zenig mit ihrer Kunst vertreten. Heute verkauft sie Horrorkreaturen auf Tassen und Taschen. „Normalerweise entwerfe ich Zombies, die ich in einer passenden Location von einem Fotografen ablichten lasse und stelle diese Bilder dann aus“, erklärt sie. „Da ich aber keine Bilder mitnehmen konnte, habe ich mir gedacht, dass ich meine Werke mal auf Tassen drucken lasse, um auszutesten, wie die Gäste das annehmen werden.“ Die Liebe zu Gruselwesen ist für die gebürtige Kärntnerin schon immer vorhanden. „Schön kann jeder, schiach [österr. für „hässlich“] muss man können.“

18:55 Uhr: Selten habe ich Ines so stark auf einen Gegenstand fixiert gesehen. Es handelt sich um eine Geruchskarte mit gefühlt 100 Patchouli-Düften. Sie murmelt leise: „Patchouli-Erdbeer … abgefahren!“ Nun hält sie mir ihre Hand unter meine Nase: „Patchouli-Pflaume.“ Der Duft, nach dem so viele Besucherinnen und Besucher fragen.

19:25 Uhr: Am Stand von „Schnittmuskel“ steht die Chefin Denise inmitten von Kleidern, die man problemlos auch in der Metropolitan Opera tragen könnte – allerdings sind sie „destroyed“. „Wir haben asymmetrische, ausgefranste Säume an die Kleider genäht, sowie Karabinerhaken oder übereinandergelegte Stoffe. Das ist hier quasi die Mode der feinen Gesellschaft nach der Apokalypse.“

19:54 Uhr: Chris und Lucy von Ravenchild sind auch auf dem Marktplatz der Agra-Halle. Sie haben die Ausstellung „Steampunk trifft alte Meister“, die wir bei der Ankunft am Leipziger Bahnhof bewundern konnten, gestaltet. „Wir haben 200 Steampunks aus ganz Deutschland und 20 Fotografen organisiert“, erklärt Chris. „Diese sollten sich dann so positionieren wie die Figuren aus den Originalgemälden.“ Sogar ein Mädchen aus der Ukraine nahm daran teil. Sie wurde als „verwundeter Engel“ – das Bild stammt aus dem Jahre 1903 und ist vom finnischen Maler Hugo Simberg – dargestellt, um auch ein politisches Statement zu setzen. Lucy stand für mehrere Aufnahmen als Model vor der Kamera. „Es hat mir total viel Spaß gemacht, weil die Menschen, mit denen ich arbeiten durfte, sehr nett waren.“

20:17 Uhr: Peter Spilles von Project Pitchfork läuft auch durch die Hallen. Er ist einer der wenigen Künstlerinnen und Künstler, die sich trauen, sich unters Volk zu mischen. „Kann ich jedem meiner Zunft nur empfehlen“, meint er. „Man wird auch nicht die ganze Zeit angesprochen, weil Gothics dann doch eher schüchtern sind.“ Er selbst wird aber nachher auch wieder Backstage verschwinden, um, wie er sagt, „den anderen Bands die Getränke wegzutrinken und weiterzufeiern“.

22:04 Uhr: Gerade hatte Peter Heppner ein ruhiges, sehr feinsinniges Konzert auf der Hauptbühne in der Agra gegeben. Auch Ines ist überwältigt: „Eine zehn von zehn. Eigentlich müsste er elf Punkte bekommen.“

22:10 Uhr: Peter Heppner ist bei mir und schildert seine Eindrücke vom Auftritt: „Die Agra-Halle ist schwer zu bespielen, weil es darin unheimlich hallt. Aber es war ein schönes Konzert.“ So schön sogar, dass das Publikum am Ende der Zugabe dem Musiker auch noch „Danke“ zugerufen hat. Das habe ich in dieser Art noch nie bei einem Konzert erlebt.

18. Mai 2024

10:54 Uhr: Feueralarm im Hotel. Die Menschen strömen in den Vorhof. Es regnet, niemand hat einen Regenschirm dabei.

11:02 Uhr: Der Alarm ist aus, die Feuerwehr leute stehen etwas ratlos da. Der Gratis-Kaffee ist fürdie Hotelgäste freigegeben. Tag drei auf dem WGT kann nun endlich beginnen.

11:40 Uhr: Am Bahnsteig ist Sara mit einer Pride-Flag unterwegs. Ob das nicht zu bunt wird für die Grufties. „Hä?“, lautet ihre berechtigte Gegenfrage. Ich habe auch ein buntes Accessoire, nämlich mein verrücktes buntes Einhorn auf meiner Tasche. „Das ist schon cool“, befindet Sara. „Aber ein Dino wäre noch cooler gewesen.“ Sie ist zusammen mit ihrer Freundin Lilly bereits das – geschätzt – vierte Mal unterwegs. Lilly mag die Menschen, die auf dem Festival rumlaufen. „Auch wegen der Einhorn-Taschen.“

12:07 Uhr: Hanspeter und Ilse aus Honnef stehen mit mir an der Agra. Hanspeter betreibt akribische Festivalvorbereitung, wie Ilse erklärt. „Er hört sich jede Band, die auf dem WGT auftritt, an, hat drei Bildschirme am Start, liest sich die Biografien auf Wikipedia durch, schaut sich auf YouTube die neuesten Songs an, vergibt Sternchen, macht Excel-Tabellen ...“ Dennoch waren sie vom gestrigen Auftritt von Theatre Of Hate und Christian Death im Täubchenthal nur mäßig begeistert. „Da kam leider keine Stimmung rüber“, kritisiert Hanspeter. Für heute hat er aber keine Bedenken: „Agonoize werden uns nicht enttäuschen.“

16:10 Uhr: In wenigen Sekunden tritt der Tod auf. „Es ist ja wie ein Nachhausekommen. Home sweet home“, erklärt er mir. „Die Grufties sind ja wie Groupies. Die laufen mir ja ständig hinterher. Das kenne ich sonst ja nicht.“

16:57 Uhr: Der Tod singt Weihnachtslieder mit dem Publikum. „Tödliche Weihnacht überall, singen alle Gänse saftig prall. Weihnachtsbaum abgebrannt, bei Glatteis mutig losgerannt. Tödliche Weihnacht überall, singen alle Tannen vor dem Fall ...“

18:08 Uhr: Was für ein Konzert: In Strict Confidence in der Agra. Da muss man selbst dabei gewesen sein. Man kann sich gar nicht entscheiden, wer hübscher ist: Die Frontfrauen oder Sänger Dennis? Oder alle zusammen? Hinter der Bühne erzählt mir Chris von Agonoize von einem denkwürdigen Auftritt im Jahr 2007. „Wir waren gerade beim dritten Song, als ich feststellte, dass irgendwie die ganze Zeit Flüssigkeit von mir runterlief. Es stellte sich heraus, dass ich mir die Nase gebrochen hatte. Ich weiß bis heute nicht, wie das passiert ist. Obwohl ich nüchtern war.“ „Dem Publikum fiel es nicht auf, weil bei Agonoize-Konzerten sowieso immer viel Kunstblut läuft“, fügt Ines hinzu. Heute haben die Veranstalter gebeten, keine rote Flüssigkeit zu verteilen. Macht aber nichts: „In Berlin werden wir nächsten Monat 20 Jahre Agonoize feiern. Da wird dann wieder jede Menge Blut fließen.“

18:22 Uhr: Im Agonoize-Crew-Raum. Jede Menge Menschen hier (wollen vermutlich alle Blut spenden). Ich lerne Beatrice kennen, die eine Gemeinsamkeit mit mir hat: das gleiche Tattoo am Handgelenk. Es ist die Unterschrift von Chris.

18:52 Uhr: Dennis Ostermann von In Strict Confidence hängt nach dem Konzert in den Seilen. Ich treffe ihn liegend vor. „Die Klimaanlage war kaputt und die Heizung an“, scherzt er. Nach einem sensationellen Konzert ist er selbst so ausgebrannt, dass er gerade keine Adjektive für dieses Gig finden kann.

18:56 Uhr: Elvis und Mark besprechen die nächste Moderation. Es stellt sich nämlich heraus, dass eins der Konzerte auf eineinhalb Stunden angesetzt war, die Band aber nur ein Set von ungefähr einer Stunde hatte. „Macht nichts, wir werden einfach dazwischen moderieren und die Leute ein bisschen befragen“, löst Elvis das Problem.

18:57 Uhr: Das schönste Kompliment, das ich bekommen konnte, stammt heute von Daniel Myer, bekannt für seine sehr gute Musik in verschiedenen Projekten wie Covenant und Haujobb, aber auch für seine Brillen. Er ist vollsten Lobes über mein Sehgestell. „Sie ist futuristisch, mattschwarz. Das Beste, was es gibt.“ Der Musiker verrät, dass er aus den USA nach Leipzig gekommen ist und seitdem nicht mehr geschlafen hat, deswegen ist der Backstage sein Lieblingsort. „Ich bin auch schon mal auf einem Sofa neben einer Bühne eingeschlafen.“ Blöd nur, dass er auftreten sollte. Seinen eigenen Auftritt zu verpennen – das soll ihm erst mal einer nachmachen.

19:35 Uhr: Wir sind am veganen Essensstand, als uns Jenny und Björn vom Auftritt der Band Irdorath im Heidnischen Dorf erzählt. „Die Gruppe stammt aus Weißrussland und wurde 2021, nachdem sie auf einer Friedensdemo auftrat, zu zwei Jahren Haft verurteilt. Das ist ihr erstes Konzert auf einem Festival nach ihrer Entlassung gewesen. Es war sehr emotional. Die Band steht in engem Kontakt mit Corvus Corax und in Deutschland bleiben. Wir unterstützen sie bei ihrer Crowdfunding-Kampagne, damit sie das Asylverfahren bezahlen können.“ Der absolute Burner kommt aber jetzt: Björn hat die PC-Fantasy-Spiele „Gothic“ und „Gothic 2“ entwickelt, und Irdorath war der Name einer Insel aus dem zweiten Teil. „Bei einer Roleplay Convention um 2014 rum habe ich dann die Band kennengelernt, die im Regen für fünf Leute ein Konzert gaben“, erinnert er sich. „Die haben mich gefragt, ob ich damit ein Problem hätte. Im Gegenteil: Ich fühlte mich geehrt. Es ist für mich wie ein Ritterschlag, wenn Menschen sich von dem Kram, den wir uns erdacht haben, inspirieren lassen.“ Meine Herzens-Geschichte des WGT 2024!

23:35 Uhr: Linie 11E. Neben mir steht der halb entkleidete Don Camillo. Er war beim Leichenwagentreffen, fährt aber jetzt Straßenbahn. Warum? „Weil ich getrunken hab“, gibt er zu. „Und weil ich noch auf die Obsession-Bizarr-Feier will. Mit dem Leichenwagen dort hinzufahren, könnte vielleicht einen falschen Eindruck erwecken.“ Ansonsten liebt Don Camillo die Bequemlichkeit seines Wagens. „Vor allem das Bett, das ich hinten eingebaut habe, ist sehr gemütlich.“

19. Mai 2024:

9:46 Uhr: Ich erwache. Neben mir liegt anstatt Ines eine Zusammenstellung mir unbekannter Gegenstände. So, wie sich Vampire in tausend Fledermäuse verwandeln können, hat sich Ines anscheinend in Schminkstift, Kajal und andere undefinierbare Gegenstände verwandelt. Ich bin gespannt, ob ich sie aus diesen Teilen wieder zusammensetzen kann. Drückt mir die Daumen.

10:38 Uhr: Der Mitschnitt des MDR trudelt ein. Mir war gar nicht aufgefallen, dass ich die Moderatorin schwer geschockt habe, als sie mich ahnungslos fragte, wovon meine Vorträge denn handeln, und ich von verfaulten Leichen, die aus der Erde gegraben werden, berichtete. Sie sagte nur noch: „Wir sehen uns dann.“ Was meinte sie wohl damit?

12:09 Uhr: Neben mir steht Fledi. Fledi trägt einen gerade geschnittenen Pony. Ihr salomonisches Urteil zu meiner Haupt-Frage des Festivals: „Man muss einfach alles mal ausprobieren. Und es hängt auch davon ab, wie gut man einen Pony stylen kann, weil es morgens nie wie ein Pony aussieht, sondern wie ein Iro.“

12:39 Uhr: Meine diesjährigen Vorträge, die täglich in der Agra-Halle stattfinden, handeln von der Mafia und den fünf Großfamilien. Giulia hat Verbesserungen zu meiner italienischen Aussprache: „Es heißt Cannoli und nicht Cannolo.“ Die sizilianische Sü.speise wird also auch im "Chessa"Singular so ausgesprochen. Aber Giulia beruhigt mich: „Wenn du in Süditalien ,Cannolo’ bestellen würdest, passiert nichts. Die denken dann bloß: Ein Tourist.“

12:51 Uhr: Die freundliche und mittlerweile auch in der milden, unbesoffenen, friedlichen, herumflatternden Welt der Gothics angekommene Security leistet einen doppelten Dienst. Erstens sorgen sie dafür, dass nichts passiert, zweitens – und das finde ich noch viel wichtiger – sind sie das erste freundliche Gesicht, das neue WGT-Besucherinnen und Besucher als erstes zu sehen bekommen.

14:54 Uhr: Ich lerne Katrin kennen, die zu Hause „Benecke raten“ spielt. „Immer, wenn wir dich im Fernsehen sehen, versuchen wir anhand deiner Tattoos und deiner Brille herauszufinden, von wann der Mitschnitt war.“

15:10 Uhr: GRASSI Museum. Eva und Thomas, die wie ein Weinköniginnenpaar gewandet sind, halten eine Flasche Sekt aus Karl-Marx-Stadt aka Chemnitz in der Hand. „Chemnitz ist 2025 Kulturhauptstadt“, sagt Eva stolz. Der Perlwein stammt allerdings aus Trier. Hat sich hier ein Westprodukt eingeschlichen? „Karl Marx ist in Trier geboren“, erklärt sie. Somit schließt sich der Kreis.

15:17 Uhr: Dani, Petra und Olga tragen Pony. Natürlich auch hier meine Festival-Frage: Wie soll der Pony frisiert und geschnitten sein? „Tiefer langer Pony, sodass die Haare die Augenbrauen gerade noch freilassen“, meint Dani: Sie findet Augenbrauen schön. Petra dagegen will die Haare über die Brauen tragen, damit sie diese nicht schminken muss. Olga würde es wie Dani machen, den Pony aber noch kürzer schneiden.

15:19 Uhr: Ich spotte Thomas Rainer von L’Âme Immortelle und Oswald Henke von Goethes Erben, die Gastgeber der ihre Weinverköstigung vor dem GRASSI Museum. „Das ist jetzt das achte Mal, dass wir das machen“, erklärt Oswald. „Die Idee war, zu den Ursprüngen des Festivals zurückzukehren und eine nichtkommerzielle Veranstaltung zu machen. In ungezwungener Atmosphäre bringt jeder seinen Lieblingswein mit und stellt ihn vor. Daraus entstehen anregende Gespräche und man lernt tolle Weine kennen – und natürlich tolle Menschen.“ Das kann ich nur bestätigen: Die Stimmung ist wirklich außergewöhnlich.

19:04 Uhr: Backstage im Heidnischen Dorf. Hier ist Teufel von In Extremo in aufgeregter Stimmung. Sein persönliches Highlight: „Ein Wein vom Chaos-Treffen 1999, den ich geschenkt bekommen habe. Es ist der Hammer.“ Ob ihm beim Betrachten der Flasche irgendwelche Gedanken durch den Kopf gingen? „Nur, dass wir diesen Wein schon damals getrunken haben. An alles andere kann ich mich nicht mehr erinnern.“ (lacht)

20:44 Uhr: Das Orgelkonzert in der Paulskirche ist tatsächlich ein Orgelkonzert, aber anders, als gedacht. Spätestens dann, als das Publikum, angestachelt durch Orgelspieler Nico Wieditz, gemeinsam „Skandal um Rosie“ rief, und bei einer Coverversion von Miley Cyrus’ „Wrecking Ball“ und einem mir nicht näher bekannten Volkslied Kreistänze vollführte. Bereits im letzten Jahr, als Stimmgewalt hier zu Gast waren, hat sich die Paulskirche zu einem der seltsamsten Orte des WGT im positiven Sinne entwickelt. Doch dass „God Is A DJ“ von Faithless zusammen mit einem klassischen Kirchenlied durch die Hallen donnern würde, hätte wohl bis heute niemand geahnt. „Ich bin total überw.ltigt“, sagt Ines. Sie war aber die Einzige, die nicht getanzt hat. Immerhin ging mein Video der reichlich beschwingten Gothics durch die Decke.

21:34 Uhr: Backstage in der Moritzbastei. Zu unserem Erstaunen treffen wir eine der besten Bands überhaupt: Welle: Erdball. Heute sagen M.A. Peel, Honey und ich aber nur an. Morgen spielen sie ersatzweise für Vive La Fête. Probleme bereitete die innerhalb nur einer Stunde zu besorgende Abendgarderobe. „Es gelang uns aber, bei H&M, Zara oder Calzedonia irgendetwas zu finden, das gut aussieht“, beschwert sich die Band.

20. Mai 2024

11:38 Uhr: Ines ist heute als Vampir-Waldwesen mit neu erworbenem Schmuck und einem Efeu-Haarband von Schnittmuskel unterwegs. Am Hauptbahnhof fährt weder die WGT-Straßenbahn (Linie 1), noch sind irgendwelche Grufties unterwegs. Was ist denn jetzt schon wieder los?

11:51 Uhr: Chilliger letzter Tag. Es sind doch noch einige Gothics da. Desy aus der Schweiz genießt ihn und geht noch zur Agra-Halle, um Freunde zu treffen. Ihr Geheimnis gegen einen Kater: Kirsch-Met-Slushie. „Das hält einen fit.“ In der Schweiz gibt es übrigens das Aare-Wasser. „Da hat jede Bar ihr eigenes. Es ist blau und süß, aber man merkt den Alkohol nicht so sehr, deswegen: Aufpassen!“

20:40 Uhr: Backstage in der Agra. Wie wir schon wissen, musste für den spontanen Gig von Welle: Erdball noch vieles neu angeschafft werden. „Ich bin jetzt eine Stewardess in Puderrosa“, meint Lady Lila. Darunter verbirgt sich aber noch ein Glitzerkostüm. „Ich finde, dass wir diese Klamotten ruhig noch einmal nehmen können“, glaubt M.A. Peel. Yonca verwaltet die Setlist, die sie soeben mit Filzstift aufgeschrieben hat. Yonca stand auch schon mal als Ersatz für Lady Lila in Glauchau auf der Bühne, als Welle: Erdball Support für VNV Nation waren. „Nach der Show kam Ronan noch zu mir und hat mir gesagt, dass ich das ganz toll gemacht hätte.“

22:41 Uhr: Neben mir steht Reina. Wir machen ein Selfie. „Vor zwölf Jahren waren wir schon mal gemeinsam auf einem Foto, als ich beim Forensic Biology Day bei dir zu Hause war. Aber die Leute, die das Bild gemacht haben, schickten es nicht weiter.“

00:16 Uhr: Kirlian Camera liefern ein wirklich denkwürdiges Konzert ab. Mastermind Angelo Bergamini hat eine dermaßen fette Abmischung seiner Songs hingelegt, dass Elena Fossi nur noch zaubern musste. Das Publikum hat so lange getobt, dass Herr Bergamini sich genötigt sah, nach vorne an die Bühne zu kommen und mit den Worten „Zeit ist kaputt“ mitzuteilen, dass es keine Zugabe geben könne. Das Publikum hat aber diesen Satz nicht verstanden und weitergetobt, sodass es am Ende doch noch eine Zugabe gab.

01:03 Uhr: Wir verlassen das Agra-Gelände. Die Traktoren kommen und transportieren die Bänke und Gitter ab. Über uns grüßen zum Abschied zauberhafte Wolken und flüstern uns zu: „Kommt nächstes Jahr wieder!“ Das war das WGT 2024. Wir sehen uns wieder.

Dr. Mark Benecke

Transkribiert & überarbeitet von: Daniel Dreßler

Fotos: Mark Benecke, Ines Azrael, Rene Danners,

Alexander Mühlhausen, Laura Fatteicher

www.wave-gotik-treffen.de

www.benecke.com


Sowas können nur Gothics

Orkus! | 2024


WGT 2024

Leipzig


WGT-Tagebuch

2022

Lenins Leiche: Mit Kriminalbiologe Mark Benecke im Moskauer Mausoleum

Podcast “Die Geschichtsmacher”

Foto: National Geographic TV

Mitten auf dem Roten Platz in Moskau steht das Lenin-Mausoleum. An diesem Ort liegt seit 1924 der Leichnam des Kommunisten-Führers. Dabei hatte Lenin verfügt, dass er keinerlei Totenkult wünsche. Warum er doch dort landete und wie er bis heute frisch gehalten wird, das erklärt in diesem Podcast über die Geschichte von Lenins Leiche Deutschlands bekanntester Kriminalbiologe. 

Lenin's embalmer Ilya Borisovich Zbarsky (Илья Борисович Збарский), Moscow, Photo by Mark Benecke

Auf einer Reise nach Moskau hatte Mark Benecke die Chance, den Körper Lenins näher unter die Lupe zu nehmen und mit Lenins Leichen-Präparator Ilya Zbaski zu sprechen.

Wie dies im Fall Lenins mehr oder minder gut gelungen ist. Warum immer wieder in der Geschichte der Menschheit versucht wurde, Tote vor dem Vergehen zu retten. Wie das am besten gelingt und was all das mit der Russischen Mafia zu tun hat, das erfahrt ihr in diesem Geschichts-Podcast über Lenins Leiche.

(Auf dem Foto ist eine Mumie im Institut für Rechtsmedizin in București zu sehen.)


Lenins Leiche

Die Zeit | 1999


Wissenschaft & Crime

Podcast “Not too old”


War Hitler eine Frau?

Podcast “Die Geschichtsmacher“


Insekten auf Leichen

Podcast “Beats&Bones”

Sowas können nur Gothics

Quelle: Orkus! Juni 2024, Seiten 34 – 36

Dr. Mark Benecke über das WaveGotik-Treffen 2024

Von Claudia Zinn-Zinnenburg

Hier gibt es den Artikel als .pdf

Ein Wave-Gotik-Treffen ohne Dr. Mark Benecke? Das geht natürlich nicht! Also haben wir ihn zum Interview gebeten. Immerhin war dieses 31. WGT laut eigenen Angaben ungefähr sein zwanzigstes. „Gut, dass ich bei der Eröffnung in der Agra mit Oli und Elvis schon eine Wolke weißer Papierschmetterlinge in die nebelgeschwängerte Luft entlassen habe, das erkläre ich jetzt einfach mal als Jubiläums-Party-Gimmick“, grinst er.

Orkus: Wie hast du die Anfahrt erlebt? Hat es euch die deutsche Bahn schwer gemacht?

Mark Benecke: Es war wie immer völliges Chaos, Zugteile fehlten, das Personal wusste auch nix und dergleichen. Da ich keine Gehstöcke mehr auf längere Reisen mitnehme – der letzte Stock mit Silbergriff flutschte auf die Gleise in Leipzig, das war gar nicht gut –, ging es aber immerhin ohne Verluste ab. Wir kamen von der Autismus-Konferenz in der Humboldt-Universität Berlin, die ich nicht nur moderiert habe, sondern wo ich auch „den“ großen Vortrag nach fünf Jahren Arbeit mit unserem Autismus-Verband White Unicorn, zwei Universitäten und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung liefern durfte. Mein Gehirn war also sowieso Matsch. Am lustigsten war, dass uns bei der Ankunft in Leipzig eine Zugführerin aus dem Flixtrain begrüßte. Mit dem waren wir aber gar nicht gefahren. Es fing also sofort schön und wild an.

Wo führt es dich als erstes hin, wenn du in Leipzig angekommen bist?

Beim WGT immer zur Ausstellungsfläche der „Promenaden“, also der riesigen Verkaufsflächen des Bahnhofes. Dort war diesmal eine Steampunk-Ausstellung zum WGT aufgebaut, mit tollen Bildern und Ausstellungsstücken. Die Chefin der Ausstellung trafen wir dann später sogar auf dem WGT in der Agra.

Was hatte es mit diesem Feueralarm im Hotel auf sich?

Unser Schicksal in dichter besiedelten Hostels mit engeren Räumen. Jüngere Menschen vergessen offenbar, beim Duschen auch mal zu lüften (Wasserdampf!) oder – wie diesmal – Brötchen nicht in der Mikrowelle verkohlen zu lassen (schwarzer Qualm). Es war echt lustig, einen Riesen-Haufen Gothics vermischt mit Fußball-EuropameisterschaftsVerwaltungs-Menschen, alle ohne Kaffee und alle ohne Styling im Regen im Hof zusammen zu sehen. Die Stimmung war entspannt und gut. Anders als die Feuerwehrleute in der Agra wollten die Feuerwehr-Spezialist:innen für Hotelbrände aber nicht mit uns aufs Foto. Hm, vielleicht sahen wir in Unterhosen und mit KajalResten vom Vortag doch zu gruselig aus?

Was waren deine besonderen Highlights? – Musikalisch gesehen?

Welle:Erdball & Kirlian Camera, deren Unterschriften ich auftätowiert habe, nacheinander auf der großen Agra-Bühne, was willste mehr? Und Massiv in Mensch, mit denen ich den Song „Magicicada“ gemacht habe – diese Tiere schlüpften 2024 auch wieder in einer superspannenden Wellenbewegung – in der Moritzbastei mit Honey & M.A. Peel anzusagen, war auch der Brenner. Honey hatte den Fans noch Dave Gahan als vierten Moderator angekündigt, aber der kam nicht mehr rechtzeitig. Buuuh, Dave Gahan! Und In Strict Confidence waren auf der Hauptbühne! Und Chris von Agonoize ist mitten im Set verschwunden, wir vermuten, ins Catering, er sang aber live weiter. Und Heppner und Tanzwut und Polka tanzende Schwarzgekleidete zu Orgelklängen in der Peterskirche und ... oh mein Goth. Fettes Lob für die Wahnsinns-Breite der Bands und Acts und Angebote. Von wegen immer dasselbe – es gibt jede Menge Überraschungen beim WGT.

Kannst du uns mehr über die magischen Zikaden erzählen?

2024 schlüpfen diejenigen Tiere, die 13 Jahre als Larven in der Erde waren, zusammen mit denen, die 17 Jahre in der Erde waren. Und zum ersten Mal seit dem Jahr 1803 treffen sich die Zikaden-Linien XIX und XIII. Hach, toll.

Was waren deine menschlichen, szene-technischen Highlights?

Sehr angenehm. Die Irrungen und Wirrungen der letzten Jahre mit einigen durch die Seuche angeschlagenen Künstlerinnen und Künstlern waren passé, es fluppte schön und fein. Es zeigt sich, dass auf dem WGT alle mit allen sprechen und sich in die Augen sehen können. Find ich angenehm und es passiert sonst nicht so oft. Außerdem knie ich vor Tikwa nieder, der für mich Engeli und Teufeli (Gruftschlampe-Comics) wieder hat auferstehen lassen. Danke, Tikwa <3

Welche Begegnungen sind dir besonders in Erinnerung geblieben?

Ich war zuvor noch nie beim Umtrunk vor dem Grassi-Museum mit Meister Oswald (Henke), dessen Patch ich seit einiger Zeit immer auf meiner Oberbekleidung trage – auf dem WGT wie auch sonst überall – und Thomas (Rainer). Das war eine tolle, ausgelassene, aber gar nicht betrunkene Stimmung. Sowas können nur Gothics: Zivilisiert miteinander (!) trinken, dabei saugut aussehen und immer etwas Interessantes zu berichten haben. Hut ab.

Und ich fand’s toll, dass unsere jüngste Studierende zur Eröffnung mit an unser DJ-Pult kam und sich mal alles angesehen hat. Eines Tages kann sie vielleicht von den alten Herren Oli, Elvis und Markito übernehmen.

Was war dieses Jahr besonders lustig?

Dass die meisten der von mir befragten Frauen so klare Meinungen zur Form und Länge von Ponys (der Haar-Frisur) haben: Lang, kurz, dreieckig, über oder unter den Augenbrauen und sooo vieles mehr. Und dass überall in der Stadt Plakate einer Partei hingen, die eine Lebenszeit von über achthundert Jahren verspricht. Unter diesen Plakaten habe ich einige Vampir-Fans fotografiert. Vampire werden ja bekanntlich tausende von Jahren alt und sind daher interessante Zeugen für die Ziele der AlterungsVerhinderungs-Partei.

Wie sah es dieses Jahr mit deinen eigenen Vorträgen aus? Wie hast du sie erlebt und was fasziniert unsere Szene an „100 Jahre Gangster in New York“ besonders?

Möp, wie immer habe ich jeden Tag einen Vortrag gehalten. Das war super, weil an einem der Tage auf einmal der Tod auftauchte, der nach mir dran war. Da seine schwarze Kutte natürlich leer und hohl ist und er trotzdem sprechen und singen kann, bin ich in seine Garderobe (ahem, drei Haken an der Wand in einer Lagerhalle) geschlichen und habe geschaut, ob ich Hinweise auf seine Geistergestalt finde. Da hing aber nur eine winzige Sense. Wir werden also vielleicht nie erfahren, wie der Tod ohne Umhang aussieht. Das Publikum bei meinen Vorträgen war superangenehm, zumal ich einen ganz anderen Vortrag gehalten habe, ohne Fäulnis und viel Blut, und trotzdem mehr interessierte Rückmeldungen als sonst kamen. Voll schön.

Im Laufe der Jahre hast du ja auch die verschiedensten „Trends“ miterlebt, wie das plötzliche Auftauchen und Verschwinden der Cyber zum Beispiel. Was war dein Eindruck dieses Jahr?

Ich habe nur noch eine Cyberin gesehen, ansonsten mischt sich vieles. Die Moderatorin des MDR, für die ich live von der Flaniermeile der Agra gesendet habe, fragte mich überraschend, was ich trage, und Ines und ich haben es hinterher ermittelt: „Romantic-Goth-Mantel, Punk-Schuhe, Steampunk-Kappe, Oldschool-Fingernägel und Destroyed-Stulpen sowie eine Polyester-Unterhose“.

Ich hatte mir kurz vorher in Bad Harzburg auch noch Emoji-Socken als Scherz fürs Fernsehen gekauft, aber die waren dann von meiner Zwanzigerjahre-Arbeiterhose verdeckt. Alles geht modisch drunter und drüber, aber nicht nur bei mir.

Ines hat sich dieses Jahr ja wieder in die verschiedensten tollen Outfits geschmissen. Welches hat vielleicht auch dich besonders überrascht?

Dazu nur ein Beispiel: „Mark! Arghgghghg! Einer meiner superlangen, spitzen Fingernägel, die ich stundenlang mit echten und Gel-Teilen und geheimen UV-Apparaten und eintausend Pinselchen und Zeugs hergerichtet habe, ist jetzt in der blöden Klo-Spülung abgebrochen! Macht aber nix. Es war die Sollbruchstelle.“ Ich hätte so viele Fragen dazu! (lacht)

Apropos Kulinarik … bei der Weinverkostung warst du ja wie schon erwähnt auch zugegen. Was ist dir hier in Erinnerung geblieben?

Dass die Polizei sich ferngehalten hat. Ines hat mich mal während einer Live-Radio-Sendung (radioeins der ARD) mit dem Logo des Senders dort tätowiert und wir hatten sehr schnell die verdeckten Kollegen, allerdings wahnsinnig schlecht getarnt, an der Backe. Gruftis mit Dämonen-Hörnern oder in Manga-Optik hingegen scheinen im Vergleich zu Ines und mir allein unverdächtig zu wirken. Sehr gut! Auch die Schrift-Zeile auf den Plattenbauten seitlich des weinkundlichen Treffens fand ich schön.

Hast du eigentlich eine Lieblings-Location in Leipzig?

Viele. Die Pusteblumen-Brunnen aus Metall vor der Blechbüchse am Goerdelerring finde ich beispielsweise toll. Erstens kühlen sie mich bei glühender Hitze, zweitens sehe ich die geisterhaften Reihen der Demonstrierenden seit der politischen Wende, erst mit Kerzen in der Hand, Jahrzehnte später dann mit Plakaten gegen fiese Menschen, dort vor meinem geistigen Auge entlang wandern. Und es gibt da einen der witzigen Erdbeer-Läden, die zur Erdbeerzeit aufgebaut werden und wie eine Erdbeere gestaltet sind. Ziemlich unwirklich.

Was hat das 31. WGT für dich ausgemacht?

Ich finde ja, es war das 33. WGT, weil ich während Corona mit Ines und ein paar anderen ja einfach trotzdem vor Ort war und gefeiert habe. Die Versammelten und deren Welten waren auf dem Treffen 2024 jedenfalls für einige Tage erkennbar im Ausgleich, „in Ordnung“, in Frieden, offen, schön, herzlich und angenehm, angenommen und annehmend, hinreichend heil und glücklich, vielfältig und in allen Farben der Finsternis anwesend. Wer weiß, wie oft wir das noch erleben. Wenn alles absäuft und abfackelt werde ich gerne an dieses WGT zurückdenken.

Was wünschst du dir für das nächste Treffen 2025?

Bitte remixed auch im kommenden Jahr alles durcheinander, Klamotten wie Musik. Freut euch an und mit unserer schwarzen Familie und vor allem: Kommt einfach vorbei. Das WGT ist das einzige Festival der Welt, wo für jeden, egal welchen Alters und welchen Budgets oder welcher schwarzen Interessen, einhundert Pro alles Mögliche dabei ist.


WGT 2024

Leipzig


Songs of Love and Sorrow

2024


We want it darker

A Tribute To Leonard Cohen


WGT-Tagebuch

2024

Gutachten: Überführen Maden

Quelle: Bild am Sonntag, 22. Februar 1998, Seite 6

Von RENA PANKOW

Diplombiologe Dr Mark Benecke forscht in New York am staatlichen Institut für Rechtsmedizin (Office of Chief Medical Examiner, Forensic Biology Dept.), zuvor arbeitete er an der Universität Köln. Sein Forschungsgebiet, auf dem er weltweit zu den zwanzig führenden Experten zählt: Forensische Entomologie – rechtsmedizinische Insektenkunde.

Im seit Anfang Februar laufenden Indizienprozeß gegen Pastor Klaus Geyer (57) kommt dem von der Staatsanwaltschaft beauftragten und vorn Gericht geladenen Wissenschaftler eine entscheidende Rolle zu: Sein Gutachten, das nach BamS-Informationen unmittelbar vor den Schlußplädoyers verlesen wird, soll belegen, daß Veronika Geyer-Iwand (53) am Freitag, dem 25. Juli 1997, erschlagen wurde – und zwar in einem Zeitraum, für den der Angeklagte kein Alibi besitzt.

Bislang kann Oberstaatsanwalt Ulrich Hennecke über den genauen Todeszeitpunkt der Pastorenfrau nur spekulieren: Dem zuständigen Göttinger Gerichtsmediziner gelang es lediglich, den Tattag (Freitag) zu bestimmen. Ohne die Festlegung der Todesstunde fehlt jedoch im Prozeß gegen den Angeklagten Klaus Geyer das wichtigste Indiz. Dafür soll jetzt Mark Benecke sorgen – durch Untersuchungen von Maden, die auf der Leiche von Veronika Geyer-Iwand sichergestellt und, in Formalin konserviert, an Beneckes New Yorker Labor geschickt wurden.

Der Diplombiologe erklärt in BamS, wie diese äußerst selten angewandte Methode funktioniert: „Leichen, die im Freien liegen, ziehen bereits nach kurzer Zeit unterschiedliche Arten von Fliegen und Insekten an, die ihre Eier ablegen Aus diesen Eiern schlüpfen Maden, die sich von der Leiche ernähren.


Karl Denke – Der Kannibale von Münsterberg 🦴

Dokumentation | 2024


Die Polizei verwendet ihre Zeit nur, wenn es sinnvoll ist

t-online | 2024


Unter Verschluss

Zum Fall Nawalny


“Who they were”

Book review

Weck mich am Arsch

Das Handbuch für Langschläfer

by Ralf Prestenbach, Paperback – 9 April 2012, Heyne Verlag (9 April 2012), ISBN-10: ‎3453602056, ISBN-13: ‎978-3453602052

Mark Benecke ist Kriminalbiologe und Spezialist für forensische Entomologie. Er studierte Biologie, Zoologie und Psychologie an der Universität Köln und promovierte mit einer Disseratation über genetische Fingerabdrücke. In den Vereinigten Staaten absolvierte er diverse polizeitechnische Ausbildungen im Bereich Rechtsmedizin.

Herr Dr. Benecke, auf einer Skala von eins bis zehn – wie wichtig ist Schlaf für Sie?

Also wenn zehn das meiste ist, dann zehn!

Wie lässt sich dieses Bekenntnis zum Langschläfertum mit Ihrem Job verbinden?

Mittlerweile relativ problemlos. Ich habe kein Auto, fahre also grundsätzlich alle Strecken mit dem Zug und da gib es ja immer genügend Gelegenheit zum Schlafen. Mein Arbeitsschwerpunkt hat sich in den letzten Jahren etwas verlagert. Früher, als ich noch viel für die Polizei gemacht habe, war das die Hölle. Die haben teilweise schon um 6 Uhr morgens angerufen. Heute lege ich mir einfach die Termine, wie es mir passt, und fertig.

Kann man einem Langschläfer ruhigen Gewissens den Beruf eines Kriminalbiologen empfehlen?

Also, ich hatte nie Probleme, genügend Schlaf zu bekommen. Im Wissenschaftsbetrieb macht eigentlich jeder, was er will, da man ja sowieso schon viel mehr arbeitet als in anderen Bereichen. Zu meiner Laborzeit war der 12-Stunden-Tag eher die Regel als die Ausnahme. Wann man morgens dann anfängt, ist jedem selbst überlassen.

Dann ist der Wissenschaftsbetrieb wohl eine Ausnahme, denn in vielen anderen erreichen unserer Gesellschaft ist man gezwungen, richtig früh anzufangen. Und in der Schule erwartet man, dass die Kinder schon um 8 Uhr fit sind. Wie finden Sie das?

Das ist wirklich mies. Ich war auf einer Schule, die bereits um viertel vor acht begann. Auf dieser Schule waren auch sehr viele Kinder von Musikern, die haben das zum Teil bitter beklagt. Genauso die Kinder, die jeden Morgen einen weiten Schulweg vor sich hatten. Ich bin grundsätzlich dafür, dass man selbst wählen kann, wann man morgens anfängt. Das geht leider noch immer nicht überall. Das geht leider noch immer nicht überall. Polizeiarbeit ist so ein Beispiel. Da ist man im Schichtbetrieb und muss neben Spät- auch Nachtschicht auch Frühschicht machen. Das hat nur den einen Vorteil, dass selbst ein ausgesprochener Langschläfer ab und zu mal sein Kinder sieht. In Betrieben aber, in denen die Mitarbeiter frei wählen können, machen die Frühaufsteher die Frühschichten und die Langschläfer die Spät- oder Nachtschichten und alle sind zufriedener.

Wird man also Ihrer Meinung nach Bäcker, weil man Frühaufsteher ist?

Ja, oder weil man den Laden geerbt hat. Aber es gibt ja kaum noch echte Bäcker. Die meisten Bäckereifilialen backen heutzutage nur noch Tiefkühlware auf. Aber gerade an den echten Bäckern kann man auch die genetische Komponente des Frühaufstehens / Langschlafens erkennen. Der Firmengründer war wahrscheinlich ein Frühaufsteher und derjenige, der den Betrieb weiterführt, hat vermutlich nicht nur den Laden, sondern auch diese genetische Disposition geerbt. Ansonsten würde er ja wohl nicht weitermachen.

Noch einmal zurück zur Biologie. Eine Fragen dürfte jeden Langschläfer brennend interessieren: Wie lange kann ich maximal schlafen, ohne Gefahr zu laufen, von Maden angeknabbert zu werden?

Bei älteren Leuten kann das sehr schnell gehen. Eine schlechte Durchblutung durch Druckstellen kann beispielsweise eine Ursache sein. Deswegen muss man bettlägerige Menschen nachts ja auch mehrmals drehen. Bei gesunden Menschen ist die Gefahr nicht gegeben. Außer man hat Blasen an den Füßen und Kakerlaken in der Nähe, da wird man schon nach zwei Minuten Schlaf angefressen. Ein Seemann ohne Schuhe hat also deutlich mehr Probleme als ein gesunder Yuppie, der auf seinem Futon in Berlin-Mitte schläft.

Ein gesunder Mensch kann also so lange schlafen, wie er möchte?

Das ist absolut richtig, nur muss er natürlich aufpassen, dass er nicht verdurstet. Aber dafür kann man sich ja eine Flasche Wasser ans Bett stellen.


Wissenschaft & Crime

Podcast | 2024


War Hitler eine Frau?

Podcast | 2024


Menschen sind ja auch Tiere

Ruhr-Nachrichten | 2024

Wissenschaft & Crime mit Dr. Mark Benecke

Unser Gast in Folge 44 ist in vielerlei Hinsicht speziell und ein bemerkenswerter Vertreter unserer Spezies. Zuerst einmal ist er der erste Gast, dem sein Alter komplett egal ist, da denkt er nicht drüber nach. Obwohl er sehr auf Messungen steht. Und Zeit kann man ziemlich gut messen. Wir tauchen ein in die vielen Betätigungsfelder von Deutschlands bekanntestem Kriminalbiologen Dr. Mark Benecke. Denn er ist nicht nur bekannt als „Dr. Made“ für das Spezialgebiet der Tiere auf Leichen, sondern hat noch viele andere Interessen und Einsatzgebiete. Hört euch das an!

Live im Podcast 'NOT TOO OLD - Für Männer, die noch was vorhaben'

Folge 44: Wissenschaft & Crime: Der Kriminalbiologe über das Älterwerden, Forensik, Comics, Klima und Tattoos.


War Hitler eine Frau?

Podcast | 2024


Wie finde ich das richtige Tätowier-Studio?

ZDF | 2024


Insekten auf Leichen

Podcast “Beats & Bones”


Weck mich am Arsch

Mit Langschläfer Mark


Lenins Leiche: Mit Mark im Moskauer Mausoleum

Podcast “Die Geschichtsmacher”

War Hitler eine Frau? Podcast mit Dr. Mark Benecke

Die letzten Stunden im Führerbunker konnten genau rekonstruiert werden - bis auf wenige Minuten. Das sind die, in denen sich Eva Hitler, geborene Braun, und der ihr frisch angetraute Adolf Hitler selbst das Leben nahmen. Anschließend sollten ihre Leichen verbrannt und so dem Zugriff der anrückenden Sowjetarmee entzogen werden. Aber es kam anders. Und bis heute geben die wenigen Überreste des Diktators Rätsel auf. Eines davon: DNA-Proben, die angeblich von seiner Schädeldecke stammen, sind die einer Frau… 

In dieser Folge von DIE GESCHICHTSMACHER ist bei Martin Herzog und Marko Rösseler Deutschlands berühmtester Kriminalbiologe zu Gast: Mark Benecke hatte vor Jahren die einzigartige Chance, Teile von Hitlers Schädel und Gebiss in Moskau zu untersuchen. Hier erzählt er die Geschichte seiner Reise auf den Spuren der Überreste des Diktators. Und die mitunter verstörenden Ergebnisse der Untersuchungen…


Biologische Spuren / biological stains

KZ / KL Buchenwald


Der Führer hatte Mundgeruch

FAZ.net


Neu aufgerollt: Der Fall Hitler

Express


Wissenschaft & Crime

Podcast | 2024


Weck mich am Arsch

Mit Langschläfer Mark


Lenins Leiche: Mit Mark im Moskauer Mausoleum

Podcast “Die Geschichtsmacher”


DJ im Kitkat Berlin

Mark legt im Kitkat auf (Juni 2024)

Video ‘Master Song’ aus dem Kitkat mit Mark → Zum Video (mit Bianca Stücker und Patenbrigade:Wolff, Regie Dennis Ostermann)

↓ Fotos: @july.space & Ari Denaro ↓


WGT-Tagebuch

2023


Fetish & Gothic Obsession

Vorwort von Mark


WGT 2024

Leipzig

Wie finde ich das richtige Tätowier-Studio?

Mark Benecke antwortet dem ZDF (Juni 2024) auf Tattoo-Fragen

Star-Gäst:innen unter anderem: Elektrische Tätowierungen 1 & 2 (Dieter, Anke, Mäthes & Tom, Köln), Made in Heaven (Angi, Elise, Kathi & Gang, Osnabrück), Henk Schiffmacher (Amsterdam), Herbert Hoffmann (Hamburg / Schweiz), Älteste Tätowierstube Deutschlands (Günter Götz & Team, Hamburg) 

Was sollten/können Verbraucher:innen bei ihrer Suche nach einem Tattoostudio beachten?

→ Die bisherigen Werke der Künstler:innen anschauen. Sind massenhaft auf Insta, Tiktok und machmal auch vor Ort als Fotos zu finden. Passt der Stil? Springt der Funke gestalterisch über?

→ Fühle ich mich im Studio wohl? Sieht es angenehm aus, ist die Stimmung gut?

→ Tätowierungen anschauen, die schon etwas älter sind, auf der Haut echter Menschen.

Ihrer Erfahrung/Expertise nach: Welche Kriterien muss ein gutes/zuverlässiges Studio mindestens erfüllen?

Ehrliche Antworten auf Fragen erhalten. 

Nicht das Gefühl haben, dass jemand "pushy" ist und mir etwas einreden möchte. 

Mich selbst fragen, was ich will und dann mit der Tätowiererin / dem Tätowierer prüfen, ob es überhaupt geht. 

Grundsätzlich: Eine vertrauensvolle, angenehme Stimmung und genaue Absprachen. 

 Gibt es eine Art Checkliste für Verbraucher:innen?

 Nein, jedes Tattoo ist anders, und jede "Team-Bildung" zwischen Künstler:in und Kund:in ist anders und soll es auch sein — von "Souvenir an einen tollen Urlaub, gestochen in einer Stunde von jemandem, der es schön und sauber kann" über "da hatte ich eine wilde Zeit in meinem Leben" bis hin zu "darüber habe ich zwanzig Jahre nachgedacht und genau so soll das Riesen-Teil ueber meinen ganzen Körper sein".

Führen Sie eine List mit zu empfehlenden Studios?

Nein, auf keinen Fall. Es gibt Qualitäts-Siegel, aber auch ein Studio, das diese nicht hat, kann supergut sein. Umgekehrt können auch gute Tätowierer:innen einen schlechten Tag haben. Es ist wie in einer Beziehung: Das ganze ist ein Prozess und alle müssen sich vertrauen und wohl fühlen.  

Am wichtigsten ist ständige Information für alle, vor allem die Tätowierer:innen. Dazu haben wir bei ProTattoo, BMXnet und dem Bundesverband Tattoo (BV Tattoo) viele Kongresse, Besprechungen und Zoom-Konferenzen, auch zusammen mit dem Bundesinsitut für Risiko-Bewertung (BfR) (deren Logo ich tätowiert trage, kein Scherz), vielen Forschungs-Gesellschaften und natürlich den ehrlichen, offenen Beiträgen der Tätowierer:innen. 

Das klappt wirklich gut, ich bin sehr froh, dass wir alle so offen miteinander über den Stand der Forschung, die täglichen Erfahrungen und neue Regelungen reden.


BMXnet

Essen | 2022


Fachbuch “Tätowierungen”

Vorwort


Das Verbot ist beknackt

Welt am Sonntag | 2021


Wissenschaft & Crime

Podcast | 2024


“Ärzte haben sehr viel anderes zu tun”

Tattoo-Entfernung per Laser

Der Madendoktor (Doku-Film, 16 mm, 2001)

Dokumentar-Film, Deutschland, Sept. 2001, 60 Minuten, Regie: Sandra Hacker, ARD (WDR / SWR)

»Porträt des Kriminalbiologen Mark Benecke, dessen Spezialgebiet Leichen besiedelnde Insekten sind, mit denen er den Todeszeitpunkt eines Menschen bestimmt. Der Rechtsmediziner gilt als Koryphäe seines Faches. Der Dokumentarfilm verdichtet sich zum Porträt eines modernen Sherlock Holmes, der streng nach wissenschaftlichen Kriterien arbeitet.« (Film-Dienst)

Kamera: Axel Kindermann, Produzent: Michael Schaefer Montage: Jean-Marc Kesguillons, Ton & Sound-Design: Ingo Pusswald

Mit Unterstützung der Film-Akademie Baden-Württemberg & Film-Förderung Baden-Württemberg


Kölner Medienpreis

“Der Madendoktor”


Rest in peace

Dokumentarfilm


Karl Denke

Dokumentarfilm


Mad Heidi

Movie


Schweinchen / Piglets

Dekompositionsfilm

Börsenblatt: Mark Benecke

Quelle: Börsenblatt des Deutschen Buchhandels, 3/2012, Fragebogen, Seite 38

Fragebogen

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Zugfahren.

Ihre Helden der Wirklichkeit?

LektorInnen.

Was bringt Sie so richtig auf die Palme?

Verblendete Lügner.

Welche Gabe würden Sie gern besitzen?

Klavierspielen können.

Mit wem würden Sie gern einen Tag den Platz tauschen?

Mit den Berliner Comic-Schweinen Didi und Stulle.

Was war der mutigste Moment in Ihrem Leben?

In Singapur mich selbst als "Real Forensic" auf der Bühne spielen, aber mit gefälschter Identität als Murat Belcant.

Ihr Lieblingslied aktuell?

Rammstein: "Frühling in Paris".

Total überwertet finde ich ....

DiktatorInnen.

Welche unternehmerische Leistung bewundern Sie am meisten?

Merkels Umgang mit Lackaffen.

Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?

Jubiläums-Sherlock-Holmes-Gesamtausgabe. Gruseligerwise steht da wörtlich dasselbe drin, was auch ich gebetsmühlenhaft vortrage: Nichts annehmen, besonders Nebensächliches würdigen, alles prüfen. Cool, aber ultraspooky.

Ihr nächstes Ziel?

Kirchmöser, Wusterwitz, Genthin, Güsen, Burg, Magdeburg-Neustadt (RE 18122) und von dort weiter nach Halle.

Ihr Traum vom Glück?

Absolute Ruhe, Apfelstrudel, Kaffee, meine Pfeife nebst Comicsammlung und den zehn ältesten Büchern.


The Real Forensic

Theaterstück


“Machen Sie einfach ein Foto von der Leiche”

Mein Bezirk | 2024


Kölner Medienpreis

“Der Madendoktor”

Noble Blood Vampire Chronicles

Hardcover, 184 glossy pages, 16 vampire models + 10 victims, Book size: 24 x 36 cm,
ISBN: 978-3-00-043480-8, € 54,00 (D)

English version

Preface by Mark Benecke

Magic is something not to be dealt with lightly, and vampyrism even more so. Worst of all, both matters can hardly be poured into photos.

There is one being, however, who does have the inner glitter, strength and insight to understand fairies, wood elves, vampires and vampyres in a way that allows her to take meaningful photos of them. This being is, of course, Viona Ielegems.

For years, her photgraphs and projects brought joy into the brighter shades of forests, transformed a simple lawn in the city of Leipzig into one of the most peaceful and beautiful events of the already peaceful and beautiful annual gothic meeting and did a fairy calendar that, when I put it on stage at a gothic festival, was the number one must-have item there. In her new book, Viona delves even deeper.

When I saw her for the first time several years ago, I knew that she came from (or decided to live) in a very different world compared to the ugly and meaningless surroundigs that many worn-down regions in central europe force us to stay in. She loves cupcakes, for example, but not in the tattoo-and-rockabilly fashion that is just a transient trend but in a sweet, personal and fairytale way. She loves Victorian costumes but not in the Eyes Wide Shut sense but in a deeply romantic manner. She owned a pair of blue peafowls as if that was something normal, and now she lives in a castle. Whew!

This castle, a former hunting space, is so beautiful I won’t even start to describe it. We just had a real life vampyre meeting there, and everybody was sure they had found the one place where full acceptance for all creatures of the night -- with a positive light glowing inside of them I mean --, as well as all children of goddess Diana found their home and -- like i said -- peace and quiet.

Here, in Castle Heinrichshorst, in the middle of the German total nowhere, she chose the finest possible selection of models (some of them vampires, few of them vampyres, some of them just radiantly beautiful in the gloomy yet glowing spirit of phantastic fashion) to shoot a book that is certainly not from this world. Then again, how could it -- it was Viona who did it.

Please enjoy not only the brilliant pictures, the very cool, lovely and well chosen models as well as the atmosphere and deep vibe of the castle that is very much part of the photographs. Please also enjoy the fine, elegant, fashionable and sophisticated photographer who makes magic a fine thing to exist, and who certainly knows where vampires linger, lure and lark.

Come in, and come out, wherever you are. IF YOU WISH:

Mark Benecke

Forensic Biologist

President, Transylvanian Society of Dracula etc. etc. ;)


Deutsche Version

Vorwort von Mark Benecke

Die drei häufigsten Fragen an mich sind, ob mein Job nicht ekelig ist, wie man bei uns ein Praktikum machen kann und ob es Vampire wirklich gibt.

Natürlich gibt es sie. Sie laufen als Nervensägen durch die Gegend und stehlen uns Zeit und Energie. Sie lieben stärker, als das gottgefällig ist und bringen damit den ganzen Laden durcheinander. Sie fürchten das Helle, weil sie im Dunklen erst Schutz finden und darum später vor allem im Schatten klar sehen. Das ist oft genug auch eine Stärke.

Bis heute gibt es zudem eher tragikkomischen Fehldeutungen, wenn beispielsweise verfaulte Leichen ausgegraben werden, denen flüssiges Blut aus dem Mund läuft. Müsste es nicht eigentlich stocken? Und warum sind die Fingernägel so lang, die Augen so hell und klar? Dass da zwar alles stimmt, die meisten Menschen aber die Zersetzungsformen von Leichen nicht kennen und eh nur solche ausgraben, die vorher schon als Hexer, Vampire oder Nachzehrer galten, fällt unter den Tisch des gruseligen Glaubens.

Ich selbst mag eher Real Lifer, mit denen ich übrigens auch schon Gast auf Schloss Heinrichshorst war. Unter dem Fittich der dort beheimateten Göttin der Jagd haben wir friedliche, magische und erquickliche Tage und Nächte gelebt. Das einzige auffällige war, dass die Anwesenden, die sich selbst als Vampyre bezeichnen, einen tiefen Sinn für samtweiche Sonderlichkeit und einen erlesenen Kleidungsgeschmack hatten. I like!

Weil Viona wünscht, hier nicht über den schwarzen Klee gelobt zu werden, will ich zum vorliegenden Buch nur sagen, dass außer ihr niemand -- absolut niemand -- eine derart ausgesuchte Auswahl von Vampiren, Vampyren und Romantigoths vereinen und in blutrote Szene setzen konnte. Dafür hat sie den Preis der finsteren Lüste, fantastischen Fabeln und blutig-stylishen Hoffnungen verdient. Da es den Preis nicht gibt, bitte ich, die Künstlerin auf jede sonst mögliche Art zu ehren. Das einzige, was ich nicht ganz verstehe, ist die Tatsache, dass Victoria Frances und Father Sebastiaan im Buch vorkommen. Das klappte wohl nur, weil heutige Kameras meist keine Spiegel haben.

Wenn wir in hundertfünfzig Jahren auf die moderne, bis dahin historische, Vampirkultur zurückblicken, werden wir die fotografischen Gemälde aus diesem Buch verwenden. Das ist eine sehr beruhigende Aussicht.

Berlin, August 2013

Mark Benecke

Transylvanian Society of Dracula


Nosferatu in Berlin

Live cinema screening


Blutige Vampir-Tränen

Radio-Interview


Creeper versus Dracula

Splendid Films

Menschen sind ja auch Tiere

Quelle: Ruhr-Nachrichten, 4. Juni 2024, der Artikel als .pdf

Biologe Mark Benecke zur Debatte um den Klimaschutz

Von Sophia Wibbeke

Als Biologe diskutiert Mark Benecke seit fahren über das Klima. Im Interview verrät er, was im aktuellen gesellschaftlichen Diskurs aus seiner Sicht falsch läuft.

Mark Benecke ist Biologe und vor allem bekannt als Forensiker. Seit Jahren beschäftigt er sich mit dem Klimawandel und hält Vorträge, um Menschen zu einem klimafreundlichen Lebensstil zu bewegen.

Herr Benecke, ist die Welt noch zu retten?

Die Welt der Menschen ist immer bedroht von Seuchen oder Kriegen oder Umwelt-veränderungen. So gesehen ist das jetzt nicht anders als sonst. Der Unterschied ist diesmal, dass es leicht zu verhindern ist. Die natürliche Unterschied ist diesmal, dass es leicht zu verhindern ist. Die natürliche Umwelt, die Kreisläufe des Lebens – die sind noch nie so leicht zu retten gewesen wie heute. Es scheint manchmal der Wille zu fehlen.

Sie sind Kriminalbiologe. Wie kam es, dass der Klimawandel plötzlich so einen Platz in Ihrem Wirken einnimmt?

Das steht schon in meinem ersten Buch aus den 1990er-Jahren. Auch als der erste Hungerstreik vor dem Kanzleramt stattfand, habe ich mit dem Hungernden ein Video-Interview gemacht. Zu Fridays [For Future] bin ich von Anfang an hingegangen, bis heute. Die Letzte Generation habe ich begleitet und auch Extinction Rebellion. Nach und nach sind Umweltbewegung und reine Biologie zusammengerückt. Als dann die Unis angefangen haben zu fragen und die Umweltverbände, hat es vielleicht ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Sind Sie ein Klimaaktivist?

Ich weiß gar nicht, was das sein soll. Bei größeren wie kleineren Aktionen bin ich dabei. Ich fotografiere und filme alles und stelle es ins Netz. Das ist völlig transparent. Da gibt es keine Absprachen im Hintergrund oder so. Aber ob Sie das jetzt Aktivismus nennen wollen oder nicht...

Gleichzeitig liege ich manchmal etwas quer mit Klimaorganisationen. Wir haben etwas verschiedene Standpunkte, weil sie oft sagen, das muss politisch gelöst werden, und ich sage: ,Ihr könnt doch heute, zum Beispiel auf der re:publika vor ein paar Tagen, einfach keine Tierprodukte anbieten. Ich verstehe nicht, dass viele Leute da scheinbar sagen: „Mama, Papa, der Kanzler, Gott, Donald Trump und meine Hausstaubmilben sollen das lösen, aber ich nicht."

Aktivismus bedeutet für mich, dass man nicht faselt und wünscht und fordert und die Faust in die Luft hebt, sondern sich selbst bewegt. Das sehe ich bei sehr vielen Leuten nicht.

Mit diesem sofortigen Verzicht auf Tierprodukte, verlangen Sie da nicht ein bisschen viel von den Menschen?

Ich sehe das überhaupt nicht als Verzicht. Es steht auch nicht mit den Zahlen and Daten in Einklang. Wenn alle Menschen sofort auf Tierprodukte verzichten warden, dann hätte das nicht nur gute Auswirkungen – nennen wir es jetzt mal aufs Klima –, sondern auch auf die Gesundheit. Die Menschen würden sofort gesünder. Dazu gibt es Zehntausende, Millionen von Messungen, wenn Sie die Einzelmessungen nehmen. Da sehe ich den Verzicht nicht. Man verzichtet auf Krankheit. Das ist richtig. Oder auf ein weniger angenehmes Leben. Wenn Sie das Verzichten nennen: Okay.

Viele Menschen regen sich wahnsinnig auf, wenn ich bei Vorträgen sage: „Also, wenn Sie Tiere essen, dann können Sie keine Tierfreunde sein." Da kriege ich richtig traurige Mails: „Das hat uns erschüttert. Wir sind doch Tierfreunde!" Da sage ich: „Gut, nennen sie sich Tierfreund, aber wer Tiere isst, löscht sie doch auf dem Teller erkennbar aus."

Begegnen Sie heute weniger Leuten, die sich in Sachen Klimaschutz querstellen als früher?

Kann man nicht sagen, weil auch Menschen, die sich jetzt für besonders aufgeklärt und liberal halten, häufig in dem Moment stoppen, wo ich einen wissenschaftlich begründeten Vorschlag mache. Also, wenn Sie so wollen, stellen sich tells auch Aufgeklärte quer. Nur, sie fühlen sich gut dabei.

Manches klappt auch. Also der Klassiker ist jetzt im Internet gerade, deine Wiese nicht zu mähen, was ja wirklich kinderleicht ist. Darüber müssen wir jetzt nicht mehr als zwei Sätze verlieren. Das kann jede und jeder. Und wenn deine Nachbarn greinen, dann sagst du: „Okay, dann mache ich ihnen ein gemähtes Streifchen, damit nichts in Richtung ihrer Kinder weht oder so. Also das ist ein lösbares Problem.

Ich habe schon mehr Gespräche, weil das Klima-Ding mittlerweile insgesamt mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht. Aber die Anzahl der Leute, die jetzt für Änderungen oder kontra oder irgendwas dazwischen sind, die bleibt irgendwie gleich, finde ich.

Und wie gehen Sie mit Leuten um, die den menschengemachten Klimawandel komplett ablehnen bzw. leugnen?

Interessiert mich nicht. Die wollen halt nicht mitmachen. Das ist wie im Kindergarten oder in der Schulstunde. Da musst du zusehen, dass es sozial-vertraglich abläuft. Alle sollen so weit mitkommen, wie sie mitkommen können mit ihrem Handlungsspielraum. Ich zum Beispiel habe keinen Bock auf Sport gehabt in der Schule, dann haben meine Lehrerinnen und Lehrer gesagt: „Komm, Mark, dann machst du halt Tischtennis und Badminton, irgendwas, was du kannst, und dann passt das schon." Wer nicht will, der will nicht.

Diese Gruppe, die sich gegen Klimaschutz stellt, wirkt im öffentlichen Diskurs groß und laut. Wie groß ist diese Gruppe wirklich?

Wie gesagt: Die meisten Menschen stellen sich gegen Änderungen, weil sie sagen, das muss der Papa machen oder die Mama oder Gott, jedenfalls irgendwer anderer. Ich glaube, wenn sich drei Sachen gesellschaftlich und politisch einarbeiten, dann ist es egal, ob du jetzt was glaubst oder Schwierigkeiten hast oder betroffen bist, dann wirst du irgendwann sagen: „Okay, dann machen wir jetzt einfach mal das Richtige."

Erstens: Die US-Amerikaner and die Chinesen haben extreme Umwelt-Technologieprogramme am Laufen. Da müssen die Europäer und Europäerinnen früher oder später mit, weil es wirtschaftliche Folgen haben wird. Das hat Joe Biden schon bei seiner Wahl gesagt: „Es geht um Arbeitsplatze. Umwelttechnologien schaffen massenhaft Arbeitsplätze." Und die Chinesinnen und Chinesen machen es sowieso, ohne viele Trara.

Das Zweite ist die persönliche Erfahrung. Vor vielen Jahren haben alle bei Überflutungen gesagt: „Komm, dann pumpen wir das Wasser raus, die Versicherung zahlt es." Boms, kam die zweite. Und dann wurde ein Hochwasserkonzept durchgezogen. Denn beim zweiten Mal haben wirklich alle gesagt: „Okay, jetzt reicht's."

Gleichzeitig wachst eine Generation heran, für die normal geworden ist, dass es gute Informationen über den Klimawandel gibt.

Als es beispielsweise urn mehr Windenergie ging, gab es irre Propaganda im Internet, auch mit Todesdrohungen gegen Befürworter. Richtig, richtig krass. Habe ich auch abbekommen. Trotzdem wurde Windkraft zunehmend eingeführt. Deswegen denke ich, egal wie viele Leute schreien, egal wer Taut ist, egal wer droht, einen umzubringen, egal wer lügt: Das ist alles egal. Ich kümmere mich darum, dass was passiert, dass alle im Gesprach bleiben, dass alle sich noch in die Augen gucken können hinterher and nicht als Idioten dastehen.

Wie ist der Diskurs über Klima so eskaliert, dass Menschen wie Sie Todesdrohungen kriegen?

Menschen sind ja auch Tiere. Und sobald ein Tier in die Ecke gedrängt wird, wird es böse.

Nehmen Sie zum Beispiel die sogenannten Boomer und die Silent Generation. Diese Menschen sind jetzt alt und haben Angst – auch davor, am Ende als Deppen dazustehen, weil sie merken, dass alles zusammenbricht, dass ihre Entscheidungen vielleicht falsch waren, ihre Überzeugungen im Nachhinein auch. Da kann ich schon verstehen, dass sie Panik kriegen.

Konservative und/oder ältere Menschen beklagen dagegen, dass die Jugend sich mit Protesten und Verboten in den Mittelpunkt drängen und die Gesellschaft für sich vereinnahmen möchte. Ist da etwas dran?

Das war schon immer so. Ich habe schon 2000 Jahre alte Texte gelesen, wo beklagt wird, dass die Jugendlichen immer so einen Terz machen und faul sind und immer die Gesellschaft umgestalten wollen. Als ich in der Schule war, habe ich das auch schon gehört. Jetzt höre ich es immer noch. Das sagen alle alten Leute seit mindestens 2000 Jahren, vermutlich schon seit 10.000 Jahren.

Trotz aller Informationen wissen Umfragen zufolge 20 Prozent der Jugendlichen nicht, was Klimawandel genau ist. Ihre Vorträge, die IPCC-Berichte und anderes mehr – sind die vielleicht immer noch zu schwer verständlich für den Durchschnitt?

Wer einem Vortrag von mir nicht folgen kann, dem kann ich mit meinen Mitteln nicht helfen. Da kommt kein einziges Fremdwort vor und er besteht nur aus Bildern. Und zu den 20 Prozent: Das ist doch gut, denn das heißt doch, 80 Prozent der Leute raffen es. 80 Prozent sind sensationell.

Aber wie sind die 20 Prozent zu erklären, die es nicht verstehen?

Das Verstehen ist nicht das Problem. Die begreifen jedes Wort. Dass sie weder verstehen wollen noch ihren Arsch bewegen, das ist nicht mein Problem. Wenn Menschen keinen Bock haben, weiterzuleben als Menschheit, sondern sozusagen im SUV entweder zu ertrinken, zu verbrennen oder zu verhungern, okay. Wirklich, ganz im Ernst: Nicht mein Problem. Da kann ich nichts machen.

Sie haben eine sehr direkte Art. Ist dieser Tonfall die richtige Weise, den Dialog zum Thema Klimaschutz zuführen?

Keine Ahnung. Klicks auf Fach-Vorträge gibt es jedenfalls massenhaft, genauso wie Nachfragen. Mein Team und ich ertrinken in Anfragen für Klimavorträge. Also offenbar ist ein, wie soll ich sagen, nie gekanntes Interesse daran vorhanden. Ob das zielführend ist, weiß ich nicht. Wird sich dann zeigen.

Unsere Serie heißt „Alles Sagen". Nach allem, was Sie so erleben, sollten Menschen wirklich immer alles sagen dürfen?

Was ist denn „alles"? Es kommt aufs Gegenüber an. Ob man alles sagen darf, müssten Sie eher Leute fragen, die mich beleidigen, bedrohen, ärgern. Keine Ahnung, mir ist es egal.

Aber bei Ihnen kann auf jeden Fall jeder alles sagen?

Ja, klar. Aber warum? Es ist ja eher eine Frage der sozialen Sinnhaftigkeit, ob man in einer Situation alles sagen sollte. Ich halte das grundsätzlich für völlig unproblematisch: Sag doch einfach, was du sagen willst, anstatt mir jetzt zu erklären, dass man angeblich nichts mehr sagen darf.


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