Da ich in meiner kriminalistischen Bibliothek kaum Gescheites zu den „Diensten“ (Soziolekt für: Geheimdienste) fand, habe ich für die SeroNews den Markt durchforstet. Stellvertretend möchte ich drei Bücher vorstellen. Die Qualität der Titel schwankt allerdings unglaublich stark. Das Thema wird offenbar so selten angegangen, dass jeder, der etwas über Spionage zu wissen meint, auch bei irgendeinem Verlag zwei Hardcover-Deckel dafür erhält. Das ist schade, denn es gibt auch wirklich gute Bücher zum Thema. Die sind allerdings sehr schwer zu verdauen -- zumindest solange man noch in der Matrix lebt. Das bemerkenswerteste Beispiel für ein total vergeigtes Buch ist das österreichische „Spione, Spitzel und Agenten“. Die Autoren spannen einen eigentlich schicken Bogen über Geheimdienstliches aus Griechenland und Rom bis zum Zusammenfall des World Trade Centers (letzeres wird zumindest im Vorwort erwähnt).
Read MoreBeneckes Bücherschrank: Biowaffen-Lexikon
Weder die örtlichen Feuerwehren noch die Polizei sind in Deutschland auf mögliche Angriffe mit Bio-Waffen angemessen vorbereitet (vgl. Benecke M, Moser M, Trepkes M, Spauschus N: Milzbrand-Briefe. Kriminalistik 56(2002)112-6). Es mangelt an praktischem Training (Welche Schutzkleidung schützt, welche ist nur Zierde? Ist es sinnvoll, eine Plane über Stäube zu breiten? Darf ich das weiße Pulver auf dem Geh-Steig in die Kanalisation spülen?) und einer gut verständlichen Zusammenfassung in deutscher Sprache, die auf der Dienst-Stelle ihren dauerhaften Platz findet.Weder die örtlichen Feuerwehren noch die Polizei sind in Deutschland auf mögliche Angriffe mit Bio-Waffen angemessen vorbereitet (vgl. Benecke M, Moser M, Trepkes M, Spauschus N: Milzbrand-Briefe. Kriminalistik 56(2002)112-6). Es mangelt an praktischem Training (Welche Schutzkleidung schützt, welche ist nur Zierde? Ist es sinnvoll, eine Plane über Stäube zu breiten? Darf ich das weiße Pulver auf dem Geh-Steig in die Kanalisation spülen?) und einer gut verständlichen Zusammenfassung in deutscher Sprache, die auf der Dienst-Stelle ihren dauerhaften Platz findet.
Read MoreMarrakesch, Stadt der Innovation und Schlitz-Ohren
Um der - räusper - etwas traditionell ausgerichteten Mittelmeer-Societé für Rechtsmedizin und forensische Wissenschaften ein frisches und international ausgerichtetes Gegenstück beizustellen, beschlossen die dortigen Professoren, eine mediterrane Academy zu gründen. Auftakt dazu war ein Kongress, der den zentraleuropäischen Bericht-Erstatter mal wieder staunen ließ. Nicht nur der längste Beamer aller Zeiten (Abb. 1) fand sich im riesengroßen Palais du congrès (Abb. 2) sondern auch die TeilnehmerInnen waren superlativ: So lauschten nicht nur WissenschaftlerInnen, sondern auch hunderte (!) BeamtInnen der Sureté und der Gendarmerie Royale den Vorträgen.
Read MoreBeneckes Bücherschrank: Immer wieder töten. Serienmörder und das Erstellen von Täterprofilen.
Ich habe die Probe gemacht und das u naufgeregte Buch über Serienmord als Vorbereitung zu einem Treffen mit Luis Alfredo Garavito (Kolumbien; über 200 Opfer, vgl. Benecke & Rodriguez, Arch Kriminol, eingereicht) benutzt. Beeindruckend fand ich dabei den Fleiß, mit dem KOK Fink seine sehr brauchbare und in Polizeideutsch geschriebene Zusammenfassung erstellt hat. Ganz unakademisch, das heißt ohne Bewertungen, stellt er Theorien, Statistiken und Tatsachen aus dem Bereich des Serienmordes vor. Der Text ist flüssig, aber hochstrukturiert und eigentlich schon aktenmäßig gegliedert. Er deckt dabei praktisch alle Arbeitsgruppen, -systeme und -methoden ab, die Ermittelnden in Sachen Serienmord zur Verfügung stehen. Dass sensationssuchende LeserInnen das zu dröge und auch zu langweilig finden, spricht ausnahmsweise für die Qualität des Buches und stört Autor Fink ohnehin nicht.
Read MoreBeneckes Bücherschrank: Friedrich Herber (2002) Gerichtsmedizin unterm Hakenkreuz
Keine Angst: Obwohl das Buch von einem Insider geschrieben wurde, wird darin nicht nachträglich schmutzige Wäsche gewaschen. Stattdessen bietet Autor Herber eine in Historiker-Art verfasste Übersicht (samt vieler Quellen, Sach- und Namens-Register) über dasjenige Kapitel deutscher Rechtsmedizin, von dem die meisten Jüngeren noch nie etwas gehört haben.
Read MoreBeneckes Bücherschrank: Die zarte Hand des Todes. Wenn Frauen morden.
Hier gibt es wieder durch und durch wahre Schilderungen von Verbrechen, diesmal allerdings nur von Frauen begangener. „Mann, sei vorsichtig“, raten die Autoren daher im Vorwort, bevor der Reigen sich ordentlich zu drehen beginnt. Neben den Klassikerinnen Zwanziger und Gottfried (Gift-Beibringung) finden auch „Blutgräfin“ Erzsébeth Báthory (scharfe Gewalt) am einen und Monika Weimar (Atem-Behinderung) am anderen Ende ihren Platz im femininen Tötungs-Kabinett.
Read MoreBeneckes Bücherschrank : Erfolgreiche Wundheilung durch Maden-Therapie.
Nachdem Kollege Grassberger aus der Wiener Rechtsmedizin mir während des Treffens der forensischen Entomologen bei der Staatspolizei in Paris von diesem Büchlein erzählte, besorgte ich es schon am nächsten Werktag. Welche Freude! Es ist ein wunderschöner Praxis-Ratgeber, wobei Praxis bedeutet, dass mensch das Büchlein den fragenden Patienten oder Interessierten ohne jeden einschränkenden Kommentar in die Hand drücken kann.
Read MoreEin Besuch auf der "Body Farm"
Für SeroNews-LeserInnen ist es vielleicht noch erstaunlicher, dass das Forschungs-Gelände dem Universitäts-Department für Anthropologie, nicht aber der Klinik angegliedert ist. Der Grund: Angloamerikanische Forensiker werden anders ausgebildet als mitteleuropäische RechtsmedizinerInnen. In den USA sind Obduzierende meist Fachärzte für Pathologie und erhalten eine Zusatz-Ausbildung in Rechtsmedizin. Deswegen heißen sie forensic pathologists, und durch die falsche übersetzung kommt es auch, dass RechtsmedizinerInnen in Deutschland oft als "Pathologen" angesprochen werden. Forensische Anthropologen in den USA sind aber weder obduzierende „pathologists“ noch Rechtsmediziner. Sie stammen aus naturwissenschaftlich geführten Knochen-Kellern (Abb. 3).
Read MoreKommentar: Was ist Forensik?
Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin in Warnemünde, die unter der Leitung von Prof. Wegener einen hocherfreulichen kriminalistischen Schwerpunkt hatte, habe ich in in einem kurzen Vortrag folgende Definition des Faches Forensik benutzt. („Forensisch“ heißt eigentlich vor Gericht/für das Gericht; diese Bedeutung ist in Deutschland aber unerwünscht und spiegelt die weit gefächerte Praxis auch nicht wieder. Als Anglizismus ist das Wort aber über TV und Kino in seiner unrichtigen Bedeutung aber wieder nach Europa gelangt. Ganz egal, hier der vereinheitlichende Vorschlag:
Read MoreZeitzeuge Tod
Die hier versammelten Fälle sollen den Lauf des zwanzigsten Jahrhunderts aus Sicht von Kriminal-Geschichten beschreiben. Das tun sie in erstaunlicher Form, nämlich -- in den Worten der Autoren -- „etwas protokollarisch“ oder anders gesagt, ohne jedes Geschrei. Sero-News-LeserInnen (denen ich die Autoren auch nicht näher vorstellen muss) finden das erfreulich; der allgemeinen Leserschaft wird die recht emotionsfreie Art härter lesbar erscheinen.
Read MoreBeneckes Bücherschrank: Dracula: Sense and Nonsense.
Miller: Dracula (2000) (Cover)Die Autorin, kanadische Präsidentin der Transylcanian Society of Dracula (TSD) und betagte Literaturprofessorin, räumt in diesem schönen Buch mit allen Vorurteilen auf, die Menschen um Vampire voneinander trennen könnten. Dachten auch Sie, dass Transylavanien zur Zeit Vlad, des Pfählers, in Rumänien lag? Dass es Castle Bran am Borgo-Pass wirklich gab? Dass Vlad das Blut seiner Opfer in Brot tunkte und aß? Daß es in den Karpathen Vampir-Fledermäuse gibt? Sie ahnen es schon: Falsch, falsch, falsch.
Read MoreBeneckes Bücherschrank: Laugenbrezeln und 135 Millionen Literkrüge Blut
Ein Blutbuch, das lässt ForensikerInnen gerne aufhorchen -- noch dazu, wenn es sich um eine in ein handliches Format (passt gut in die Kitteltasche!) verpackte Darstellung handelt.
Staunen kann die Autorin. Dass ein Wal bis zu zwölftausend Liter Blut enthalten kann, ist erfreulich, und wir wussten es wohl alle noch nicht. Abgehen vom Wal hält Gudrun Schur (die zuvor ein Karl-May-ABC geschrieben hat) zum Glück Biologie und Medizin aus ihrer streiflichternden Übersicht weitgehend heraus. Denn dass Blut mit einem pH von 7,36 dieselbe Basizität wie Laugenbrezeln hat, würde die Autorin sicher weniger verwundern, wenn sie einmal den pH ihres Leitungswassers messen würde. Der liegt vermutlich auch im Bereich von Laugenbrezeln.
Read MoreBeneckes Bücherschrank: Conserving
Fuchs and Fuchs: Conserving (2000) (Cover)Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Im Fotoband Conserving, der mit riesigem Aufwand gedruckt wurde (Überformat, 6-Farb-Druck, Fadenheftung mit schwarzem Garn), findet sich ein solches Bild: der Fuß eines Opossums. Denn irgendwie sieht der mit altmodischer Flüssigpräparierungstechnik haltbar gemachte Körperteil aus, als müsse er einem Menschen gehören. Tut er aber nicht, denn die Fingernägel sind lang, rund und spitz. Ein schön fotografiertes Beispiel dafür, dass Menschen -- auch in ihrer Körperform -- ganz und gar mit der übrigen lebenden Welt verbunden und verwandt sind.
Read MoreBeneckes Bücherschrank: Encyclopedia of Forensic Sciences
Die in den USA betriebene Forensik als Mischung aus Rechtsmedizin und Kriminalistik wird in der im Juli 2000 fertiggestellten Encyclopedia in drei Bänden und, dem Namen entsprechend, in alphabetisch sortierten Artikeln dargestellt. Das Herausgeber-Gremium, in dem unter anderem die europ”ischen Professoren der Rechtsmedizin İşcan, Mangin, Pollak und Saukko, vor allem aber in den USA und Israel arbeitende KollegInnen vertreten sind, hat dazu fast zweihundert Autoren, in der Regel aus der angloamerikanischen Welt, ausgewählt. Darunter finden sich auch zahlreiche Kriminalisten aus polizeilichen Labors.
Read MoreBeneckes Bücherschrank: Lexikon merkwürdiger Todesarten
Doubeck: Lexikon Todesarten (2000) (Cover) Gehen Ihnen auch die angeblich schrägen Todenmeldungen ohne Quellenangabe auf den Vermischtes-Seiten Ihrer Tagezeitung auf den Nerv? Sind Sie in der Vorlesung schon nach Gondel-Abstürzen, Duellen, Kannibalismus, Heldentoden und dem Rädern gefragt worden, ohne Näheres zu wissen? Dann ist Katja Doubeks Buch das Richtige. Die Psychotherapeutin hat allerhand Zeitschriften und Magazine sowie auch unsereins bekannte Literatur durchforstet (etwa Hans Pfeiffers Spuren der Toten oder Norbert Ohlers Sterben und Tod im Mittelater) und dabei eine kleine Fall-Schau zusammengebastelt.
Read MoreBeneckes Bücherschrank: Endlich unsterblich? Gunther von Hagens
Es ist schon verblüffend zu sehen, wie zwei Menschen aus dem Journalismus einem Menschen aus der Forschung voll und ganz verfallen. Dass die beiden Autoren (Nina Kleinschmidt, nach Eigenangabe nichtausübende Zeitungsredakteurin mit Interesse für alles, was sich bewegt und Henri Wagner, nichtausübender Diplom-Betriebswirt mit Interesse für alles, was in Bewegung ist) dabei gerade an die wenig beweglichen Plastinate Gunther von Hagens' geraten sind, wird schnell erklärt: Er ist genial, lautet der erste Halbsatz der Buchrückseite -- gemeint ist eben er, der Erfinder der Plastination persönlich, nicht seine Objekte.
Read MoreEin kriminalbiologischer Besuch in Manhattan
In diesem Jahr geht die zweite und letzte Amtszeit des New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani zu Ende. Eines seiner von Anfang an erklärten Ziele war es, die Straßen der Stadt -- so gut es ginge -- von Verbrechen zu befreien. Teile Manhattans, Brooklyns, Harlems sowie die südliche Bronx gelten bei U.S.-Amerikanern und Touristen seit langem als besonders gefährliche Gegenden. Im Vergleich zu anderen Städten wie Washington ist die wirkliche Verbrechensquote in New York aber für eine U.S.-Großstadt eher niedrig. Dennoch prägt das New Yorker Stadtbild und -leben den Eindruck der Welt von den USA, und eingefleischte New Yorker halten den Times Square tatsächlich für den Mittelpunkt der Welt. Durch diese etwas verzerrte Wahrnehmung ermöglichte eine Imageverbesserung New Yorks also auch eine Aufwertung der Person Giulianis, der schon lange gerne Senator werden wollte. Nur eine Krebserkrankung hat ihn im Jahr 2000 schließlich gezwungen, den Kampf um den angestrebten Posten gegen Hillary Rodham-Clinton aufzugeben.
Read MoreAngewandte SHC: Plötzliche Selbst-Entzündung von Menschen
Dass die Welt immer noch verrückter ist, als mensch meint, ist für RechtsmedizinerInnen nicht Neues. Erstaunlich war es aber selbst für mich als frisch gekürten Mystery-Man der Gerichtsmedizin (Weltbild 11/2000), als folgendes Schreiben von Miroslav Provod zum Thema Selbstentzündung von Menschen (siehe dazu auch vergangene SeroNews) eintrudelte:
Read MoreKirchen aus Salz, Leicheninsekten und Kokainschmuggeltricks
Salzkirchen Kokain Kolumbien Das Traumland für mutige Sero-News-LeserInnen muß Kolumbien sein. Neben einer angemessenen Anzahl von spannenden Tötungsdelikten, die im ländlichen Bereich vorwiegend von der Guerilla, in den Städten dagegen hauptsächlich von sozial verelendeten Menschen verübt werden, gibt es in Kolumbien eines der erstaunlichsten Netze kriminalistisch-rechtsmedizinischer Arbeitsstellen. Darüberhinaus sind die dortigen KollegInnen gut ausgebildet, gewitzt, herzenswarm, neugierig und tanzwütig. Bei einer in den Bergketten konstant milden Temperatur von im Schnitt etwa 15°C fühlen sich auch Europäer in dem ansonsten aus tropischem Regenwald bestehenden Land wohlst und wünschen ihre Rentenzeit umgehend dortselbst zu verbringen.
Read MoreMilzbrandbriefe auch in Deutschland?
Am Freitag, dem 12. Oktober 2001, wurde in Köln ein Briefumschlag mit der Aufschrift "Milzbrand" an einem PKW in der Innenstadt aufgefunden.
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