Beneckes Bücherschrank: Conserving

2001 SeroNews 6:137 Conserving: Beneckes Bücherschrank

Quelle: SeroNews 6:137 (Heft IV/2001)

Conserving

Beneckes Bücherschrank (3)

Von Mark Benecke

Fuchs D, Fuchs R (2000) Conserving. Edition Reuss, ISBN 3934020011, EUR 99,85

Fuchs and Fuchs: Conserving (2000) (Cover) Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Im Fotoband Conserving, der mit riesigem Aufwand gedruckt wurde (Überformat, 6-Farb-Druck, Fadenheftung mit schwarzem Garn), findet sich ein solches Bild: der Fuß eines Opossums. Denn irgendwie sieht der mit altmodischer Flüssigpräparierungstechnik haltbar gemachte Körperteil aus, als müsse er einem Menschen gehören. Tut er aber nicht, denn die Fingernägel sind lang, rund und spitz. Ein schön fotografiertes Beispiel dafür, dass Menschen -- auch in ihrer Körperform -- ganz und gar mit der übrigen lebenden Welt verbunden und verwandt sind.

Conserving kommt ohne jede heimlich dazwischengesteckte Geschmacklosigkeit aus. Es aber ein Werk, das von professionellen Fotografen hergestellt wurde, und wenn die Frankfurter Rundschau darin also "Schaulust" enteckt, sollte sie das eigentlich nicht wundern. Im Gegenteil, es ist eine naive und freundliche Lust, die Herrn und Frau Fuchs in die Präparatekammern der Institute für Anatomie, Zoologie, Pathologie sowie in ein uns allen gut bekanntes Kriminalmuseum* getrieben hat. Das erste Drittel des Buches widmet sich beispielsweise ausschließlich Fischen. Weiter geht es mit Schneehasen, Riesenkuglern und Seidenreihern, bis zuletzt auch der Mensch an der Reihe ist.

Zu diesem letzten Buchdrittel kann jeder meinen, was er will -- er bringt jedoch erstmals in solcher Ausführlichkeit und, wirklich ohne Effekthascherei, Präparate aus ihren gläsernen Gräbern ans Licht. Der Kommentar eines Lesers, der nachdenklich meinte, dass der Gesichtsausdruck der konservierten Ungeborenen friedlicher sei als der aller Lebenden, die er bislang getroffen hätte, illustriert das.

Ein anderes Buch mit Präparaten (Gould JS, Wolff Purcell W, Finders, Keepers: Eight Collectors, W. W. Norton, ISBN 0393030547, DM 57,97) beschäftigt sich übrigens, bei minimalen bildlichen Überschneidungen (aus der Anatomie der Uniersität Leiden), mit der Geschichte des Präparate-Sammelns und bringt sie in einen schönen Zusammenhang mit den früheren Naturalienkabinetten oder einfach der puren Freude am Sammeln, die sich reiche Menschen einst gönnten. Finders, Keepers ist zum Lesen gemacht, Conserving zum Staunen. Falls Sie die Bilder einmal noch größer dargestellt sehen möchten, können Sie eine Ausstellung besuchen, die unter anderem bereits durch die Universität Zürich und die Charité gewandert ist. Auch auf dem aktuellen Rammstein-Cover (Mutter, Motor Universal, ASIN B00005AAFS, EUR 17,89) findet sich ein Motiv aus dem Buch.

Leider haben die eigentlich vernünftigen Verleger von Conserving den ansonsten gottlob unkommentierten, ganzseitigen Fotos von Fuchs & Fuchs eine schwer erträgliches Einleitung der Kunstkennerin Jana Marko vorangestellt. Dieser Teil des Bildbandes ist der einzige, das nicht in meiner Bibliothek konserviert, sondern mit Lineal und Skalpell sauber herausgetrennt der Vergänglichkeit anheimgefallen ist.

  • jawoll, richtig: im Institut für Rechtsmedizin der Universität Düsseldorf

Mark Benecke (www.benecke.com) arbeitet international als Kriminalbiologe. In Deutschland ist er öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für biologische Spuren.