Christen feiern heuer das 1300-jährige Geburtsjubiläum der heiligen Walburga. Eine fast vergessene Heilige, wäre da nicht das wundersame „Walburgis-Öl“, das aus ihrem Grab rinnt. Die Flüssigkeit gilt als heilsam und soll im Mittelalter sogar einen Bischof von einer tödlichen Krankheit befreit haben. Mark Benecke, Kriminalbiologe und Mitglied im GWUP-Wissenschaftsrat, nähert sich dem geheimnisvollen Nass mit einer chemischen Analyse.
Read MoreSilikon als Abformmittel in Extremsituationen
Eine viel zu selten in der Kriminaltechnik, Kriminalbiologie und Rechtsmedizin eingesetzte Methode der Spurenabformung ist die anhand von Poly(organo/vinyl)siloxanen (Silikon). Dabei kann buchstäblich jede Art von Oberfläche bis hin zu Hautleistenabdrücken und sogar gedruckte Schrift abgeformt werden.
Read MoreDer Detektiv Accutrans
Eine viel zu selten in der Kriminaltechnik, Kriminalbiologie und Rechtsmedizin eingesetzte Methode der Spurenabformung ist die anhand von Poly(organo/vinyl)siloxanen (Silikon). Dabei kann buchstäblich jede Art von Oberfläche bis hin zu Hautleistenabdrücken und sogar gedruckte Schrift abgeformt werden. Die Zweikomponentenanwendung des Silikons (bspw. mit Mikrosil) erfordert normalweise etwas Übung, da das Silikon sehr schnell abbindet und daher aus zwei Tuben stets neu angemischt werden muss. Wir testeten ein neues Produkt (vermarktet bspw. als Reprocast und Accutrans), bei dem das Mischen entfällt, da die Komponenten automatisch, im richtigen Verhältnis und zielgerichtet anhand von Einweg-Spitzen auf die Spur gelangen. Zudem ist das Produkt in mehreren Farben erhältlich, so dass beispielsweise verschiedene Farben von Latentspurenpulver (weiss, silber, gelb usw.) kontraststark abgebildet werden können.
Read MoreMorphologie von Blutauftropfspuren
Blutauftropfspuren werden seit weit über hundert Jahren zur Rekonstruktion von Tathergängen eingesetzt. Die Form der einzelnen Tropfen ist - anders als die Betrachtung des Blutspurenmusters als Gesamtbild - jedoch sehr variabel und wird in der Gutachtenpraxis mitunter vernachlässigt. Auch aus wissenschaftlicher Sicht ist dieses Spezialfachgebiet noch nicht ausreichend beforscht, da einige grundlegende Fragen nach wie vor der Klärung bedürfen.
Read More1996 Kriminalistik: Die DNA-Beweise im Fall Simpson
Im Strafprozeß gegen den Ex-Footballspieler O.J. Simpson, der mit einem Freispruch endete, zeigte sich erneut die enorme Leistungsfähigkeit der DNA-Typisierung. Dennoch führten die Schwächen und Eigenheiten der amerikanischen Rechtsprechung dazu, daß die DNA-Beweise letztlich wenig Gewicht erhielten. Weil der Fall Simpson derjenige ist, auf den wir im Moment am häufigsten angesprochen werden, soll er an dieser Stelle einmal im Detail betrachtet werden. Zugleich soll eine Übersicht über den heutigen Stand der Individualidentifikation mittels DNA-Analyse gegeben werden, die zeigt, daß Verläßlichkeit und Geschwindigkeit der Diagnosestellung weiter zunehmen.
Read MoreInternational Society for Forensic Genetics Benecke Discrimination of monocygotic twins and clones on the DNA level
ng methods (RFLP, STR, RAPD; e.g. [3]) do not allow discrimination of monocygotic twins. To overcome this restriction, we suggest the use of variable DNA sequences of bone-marrow derived memory B lymphocytes that are likely to be different even in monocygotic twins. Since memory B cells are transported in the blood stream, they can be found in blood stains on crime scenes and checked for a match to the cells of a living pair of twins. The size of the antibody repertoire has been estimated to comprise theoretically up to 1010 specificities [2].
Read MoreGenetic Fingerprints Benecke Coding or non-coding DNA typing
Having solved the last technical hurdles to extract DNA information from virtually any biological material, forensic biologists now have to ponder the ethical and social questions of using information from exonic DNA
Read MoreThe Genetic Imaginary: DNA in the Canadian Criminal Justice System by Neil Gerlach
The book by sociologist Neil Gerlach starts with a theoretical outline about possible fears of society about developments and results of biotechnologies, e.g. transgenic animals, genetically engineered food, possible demands for a right to normalcy ("new eugenics"), patenting genes, and "charismatic science." The next section deals with the "culture of the trace" and DNA fingerprinting in terms of criminal applications and the impact on judicial proceedings. This is put into the context of an apparently widespread and, in the eyes of the author, unrealistic fear of crime in Canada. It is argued that the use of DNA in legal contexts may lead to a "surveillance society."
Read MoreGenetischer Fingerabdruck
Anwendungsgebiete, Methoden, Auswertung der Ergebnisse, zukünftige Entwicklung und rechtliche Aspekte
Quelle: Der Große Brockhaus, Enzyklopädie in 30 Bänden, 21. Auflage, F.A. Brockhaus, Leipzig, S. 449-454
Mark Benecke
Abstract
MB gibt im Großen Brockhaus zum Schlüsselbegriff "genetischer Fingerabdruck" (Kapitel: Gene) den aktuellen Stand des Wissen wieder. Anschaulich und umfassend werden sowohl die biologischen Hintergründe als auch die Bedeutung der relevanten Methoden für die kriminalistische Praxisarbeit dargestellt. Trotz der rasanten Entwicklung seit dem Erscheinungsjahr (2005), bietet der Übersichtsartikel eine durchweg handfeste Grundlage zur weiteren Einarbeitung in das Themengebiet.
Den kompletten Artikel gibt es HIER (.pdf)
Entomologie heute: What is the Edge of a Forest
Aufgrund des Fundes einer erwachsenen, toten Pilzmücke mit dunklen Flügeln (Bradysia sp., Sciaridae), die normalerweise an Waldrändern vorkommt, auf einer Leiche am Rand eines Waldes im Westen Deutschlands wurden wir während der Gerichtsverhandlung von der Verteidigung und von der Staatsanwaltschaft gefragt, was als „Waldrand“ angesehen wird. Über zwei Ferkelleichen haben wir versucht, Parameter für eine solche Definition zu erarbeiten. Der offensichtlichste Unterschied zwischen dem Inneren des Waldes und dem Waldrand lag in der Außentemperatur sowie in der Innentemperatur der verwesenden Ferkel, die im Schwein an der Waldgrenze höher war. Insgesamt wurden 957 Fliegen aus 56 verschiedenen Arten und zwölf Familien (Anthomyiidae, Calliphoridae, Drosophilidae, Dryomyzidae, Fanniidae, Heleomyzidae, Lauxaniidae, Muscidae, Piophilidae, Phoridae, Sepsidae, Sphaeroceridae) nachgewiesen.
Read MoreArchiv für Kriminologie:Asservierung von Insekten-, Spinnen- und Krebsmaterial für die forensisch-kriminalistische Untersuchung
Die auf Leichen lebenden Gliederfüßer (Arthropoden) können Todesermittlungen durch verschiedene aus jenen ableitbare Schlüsse unterstützen. Neben der Bestimmung der Leichenliegezeit sogar skelettierter Körper (z.B. Lord et al. 1994) ist ein Strauß weiterer Untersuchungen möglich, beispielweise zur postmortalen Verlagerung einer Leiche und zur Intoxikation eines Körpers (Goff & Lord 1994), ggf. auch hier noch nach bereits erfolgter Skelettierung. Auch in in Arbeitsprozessen (Nuorteva 1977), Fällen von Kindesvernachlässigung (Lord 1990), hygienisch-rechtsmedizinischen Fragen (Benecke, eingereicht) und bei der Ermittlung weit von Tatort entfernt lebender Täter (Webb et al. 1983, Prichard et al. 1996) wurden arthropodenkundliche Untersuchungen erfolgreich angewendet. Mittlerweile sind neben den notwendigen Wachstumskurven der Tiere (Reiter 1984, Nishida 1984, Smith 1986) auch viele der möglichen Abweichungen statistisch erfaßt (Schoenly 1992, Schoenly et al. 1996, Introna et al. 1989).
Read MoreForensic Entomology Benecke The Next Step
Since the Second World War only a handful of scientists and crime scene experts have pioneered a way forward for forensic entomology. All of them had the tough job of convincing local authorities, and other scientists, of the benefits of using arthropods in criminal investigations. Judges, in numerous countries, finally decided that forensic entomology was suitable for use in cases ranging from tricky high profile murders to wildlife violations [1-10].
Read MoreGoff Benecke A Fly for the Prosecution
The more pressure is put on scientists to publish in scientific journals, or else to perish, the less likely it gets that an excellent popular science book like A Fly for the Prosecution is written. Being one of the old masters of forensic entomology -- that is, the science of determining post mortem intervals, and many other issues related to mostly violent death --, Lee Goff leads us through his exciting and at the same time entertaining world that strongly depends on silent crime scene assistants: maggots, adult flies and beetles, and once in a while a grasshopper, too. Many of these animals are attracted to decomposing body tissue. Their growth rate, and their succession are predictable, and can therfore be used to estimate the time when they started to feed on a corpse, or the time they got attracted to the body for other reasons like predating maggots, or building breeding chambers.
Read MoreBenecke Einseitiges Auftreten von Maden im Gesicht einer Leiche
The corpse of a 41-year-old medical doctor was found in his bed. The body was part-iaily dried out; parts of the hip region were skeletonized due to maggot activity. In the fa-cial region of the corpse, blowfly maggots (Lucilia (Phaenicia) sericata [Meigen]) were found exclusively in one eye socket. This is an unusual occurrence since on that side, a bed-light (40 W light bulb) had been burning during the seven week post mortem interval. All other lights in the apartment were switched off, and no direct sunlight could enter the space where the body was found (only a TV set had been running all the time, ca. 2 m away from the head at the foot end of the bed). Obviously, the maggots who usually flee light had used up the one eye that was further away from the bedlight as a feeding source. Since the con-tinuing mummification of the corpse led to a substantial restriction of feeding material, the maggots finally switched to the eye that the light was shining on.
Read MoreForensic Entomology: Maggots Murder and Men
Here is that rare thing, a good popular book on forensic entomology that is also an illuminating read on forensic science itself and on the art of being an expert witness. Zakaria Erzinçlioglu (a.k.a. Dr Zak), a forensic entomologist for more than 20 years, covers not only the wonderful world of insects as a tool in forensic investigations, but also the Tertiary geological period, O'nyong-nyong disease, Napoleon Bonaparte, human behaviour, maggot therapy and Sherlock Holmes.
Read MoreForensic Entomology Distinction of bloodstains from fly artifacts
Forensic scientists may encounter blood spatter at a scene which may be pure or a mixture of fly artifacts and human bloodstains. It is important to be able to make an informed identification, or at least advanced documentation of such stains since the mechanics of production of fly artifacts are not determinable to the crime scene reconstructionist from regular police forces. We describe three cases in which experiments and crime scene reconstruction led to additional information. Case 1: Above the position of a victim, numerous blood stains of the low-high velocity type were found. Exclusion of these stains being caused by force (but instead caused by the activity of adult blow flies) by use of the following observations that were confirmed in experiments: a) Sperm-/tadpole-like structure with length > width, b) random directionality c) mixture of round symmetrical and teardrop shaped stains. Case 2: A reddish spatter field was found on a fan chain two rooms away from the place where a dead woman was found. Localization of the spatter on the bottom end of the surface hinted strongly towards fly activity. Case 3: Double homicide; submillimeter stains were found on a lamp between the two corpses. Activity of flies was less likely compared to alternative scenario of moving lampshade and violent stabbing.
Read MoreWhat is the edge of a forest (EAFE)
We tried to experimentally address a "simple" question that came up during a homicide trial in Aachen, Germany. Some dead adult flies of the genus Bradysia (Sciaridae) had been recovered from a corpse that was found on grassland close to a forest. Bradysia is known to live on the borders of forests. Relating to this expert witness statement, defense and prosecution asked: "Alright, but what is an edge of a forest?"
Read MoreMedellin - Insekten auf Leichen in Kolumbien
Medellin ist eine riesengroße Stadt, die in etwa die Rolle Kölns hat: Man lässt sich von “denen da oben” nix sagen, feiert stattdessen lieber kräftig und nennt sich stolz “Paisa”. Ein(e) Paisa ist bodenständig, echt und gehört nicht zu den (angeblich) Großkopferten aus Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens.
Read MoreA brief survey of the history of forensic entomology
The fact that insects and other arthropods contribute to the decomposition of corpses and even may help to solve killings is known for years. In China (13th century) a killer was convicted with the help of flies. Artistic contributions, e.g. from the 15th and 16th century, show corpses with “worms”, i.e. maggots. At the end of the 18th and in the beginning of the 19th century forensic doctors pointed out the significance of maggots for decomposition of corpses and soon the hour of death was determined using pupae of flies (Diptera) and larval moths (Lepidoptera) as indicators. In the eighties of the 19th century, when REINHARD and HOFMANN documented adult flies (Phoridae) on corpses during mass exhumation, case reports began to be replaced by systematic studies and entomology became an essential part of forensic medicine and criminology...
Read MoreRechtsmedizin: III Simposio Latinoamericano De Entomologia Forense
Quelle: Rechtsmedizin 1: 65-66, 2009.
Ill Simposio Latinoamericano De Entomologia Forense
Medellin, Kolumbien, 31.10 - 3.11.2008
Mark Benecke
Der Zweijahresrhythmus pendelt sich ein und so fand eines der informativsten, abr auch bizarrsten forensischen Trainings im Herbst 2008 zum "dritten" - eigentlich vierten - Mal seit 1999 an der staatlichen Universidad de Antioquia (U de A) in Medelin statt.
Der Kurs erfreut sich trotz Teilnahmegebühr großer studentischer Beliebtheit, weil die Referenten international rekrutiert werden und die Veranstaltung mit viel Theorie, aber auch breit gefächerter Praxis angelegt ist. Weil Kolumbianer nordamerikanische "Gringos" nicht mögen, lud Kursleiterin Marta Wolff (U de A) statt der bekannteren KollegInnen aus den USA und Kanada lieber José Roberto Pujol (Univ. de Brasilia, Spezialist für Waffenfliegen (Stratiomyidae)), Claudio José Carvalho (Univ. Paraná, einer der weltweit bekanntesten Experten für die oft schwierig zu bestimmenden "normalen" Fliegen (Musciden)), den Kriminalbiologen Marco Villacorta (Inst. Rechtsmedizin Perù) sowie unsere ehemalige Studentin und jetzt Gruppenleiterin Sandra Pérez Pareia (U de A) als "Conferencistas" ein.
So sehr sie die Gringos verabscheuen, so sehr lieben unsere StudentInnen Tiere. Daher konnten wir für deutsche Verhältnisse ungewohnt spezialisierte Vorträge über insektenkundliche Details bringen. Sogar die geladenen StaatsanwältInnen, KriminaltechnikerInnen und PolizistInnen ließen sich davon nicht schrecken, weil sie wissen, dass auch Insekten-Fragmente und Verhaltens-Beobachtungen von Adulten - und eben nicht nur die reine Bestimmung des postmortalen Intervalles über deren Larven - zielführend sein können.
Wegen der in Kolumbien sonst nie verfügbaren ausländischen Besucher wurde die Zahl der von StudentInnen vorgestellten Experimenten leider reduziert, was aber durch biogeographischen Diskussionen, ausgelöst durch die abweichenden Wachstsumsraten, Mindesttemperaturen und allgemein sehr diversen Umweltbedingungen an Küsten, Innenland, heissen Tälern, tropischen Wäldern und Bergen (Medellin und Bogota liegen beispielsweise in den Bergen) in Südamerika abgelöst wurde. Wir leben in Europa in dieser Hinsicht auf einer Insel der Glückseligen, weil die Umweltbedingungen nicht nur besser untersucht und dokumentiert, sondern in Kriminalfällen auch leichter verfügbar und vor allem von Grund auf weniger mannigfaltig sind.
Einen Höhepunkt erreichte die örtlich extrem hohe Gewaltgewöhnung, als sich die Polizei mit der von der Guerilla unterwanderten StudentInnenbewegung direkt neben dem Insekten-Labor der Universität und mitten im Kurs eine etwa fünfstündige Schlacht lieferte, die in Deutschland für rasche Gesetzesänderungen und einwöchige Schlagzeilen auf Seite Eins sorgen, die KolumbianerInnen aber nur die Augenbraue zucken lassen ließ.
Die verwendeten Wurf-Geschosse sind dabei so genannte "papa bombas": Wegen ihrer Form und Größe erinnern sie an eine Kartoffel (papa). Diese kleinen Bomben können leicht selbst gebaut werden und haben einen kurden, innen liegenden Kontaktzünder, der beim auftreffen - egal, ob auf den Boden oder den Helm des Polizisten - explodiert. Die Polizei darf, angeblich laut Erlass des Präsidenten Uribe, die Universität aber weder ernsthaft beschießen noch betreten, so dass die einzige Möglichkeit der Gegenwehr ein Beschuss des Universitäts-Hofes mit Tränengas war. Kurzerhand zündeten die kampferprobten StudentInnen alle Mülleimer an (soll das Tränengas verbrennen) oder stülpten alte Fässer über die auftreffenden Kartuschen (mechanische Gas-Barriere), so dass dieses Problem beseitigt und das Getöse weiter gehen konnte. Mit Einbruch der Dunkelheit machten beide Seiten "Feierabend" (O-Ton; auch "bei Regen gibt es grundsätzlich nie Kämpfe, weil man dann ja nass würde"). Der Kurs wurde zum Erstaunen der fliegenkundlichen KollegInnen aus Peru und Brasilien wegen dieser offenbaren Nebensächlichkeiten übrigens keine Minute unterbrochen.
Spannend gestaltete sich auch der schon traditionelle Ausflug zu den von uns ausgelegten, verwesenden Schweinen und Hasen im Erholungsgebiet Piedras Blancas, das von ehemaligen StudentInnen und SchulkollegInnen der Kurs-Chefin verwaltet wird und daher für uns als Experimentier-Gelände zugänglich ist. Neben Geiern und Vogelspinnen leben dort in den Bergen auch Kriebelmücken (Simuliiden), die interessante Stichmuster erzeugen. Zu Beginn breitet sich ein breiter, ganz flacher Hof aus, der beim Abschwellen vulkanartig aufbiegt und - anders als die hier bekannteren Stechmücken (Culicidae)-Verletzungen - zentral eine runde, wie ausgestochene, Verfärbung aufweist. Wie auch Herbstgrasmilben (Neotrombicula)-Bisse können diese Wunden gut zur Datierung einer Leichenablage verwendet werden, allerdings durch Beobachtung der Entzündung beim Täter und nicht durch Verwendung der Larven von der Leiche. Neben Fliegen gibt es also auch im Reich der Mücken und Milben viele forensische Anwendungsmöglichkeiten, die vor allem der Polizei als ersteingreifende Einheit nahe gebracht wurden.
Landesweites Interesse erregte zuletzt noch ein Vortrag über die Untersuchung von Hitlers Schädel und Zähnen, der eigentlich nur als kleines Bonbon gedacht war, dann aber in den Parque Exploare (riesiges naturwissenschaftliches Museum) verlegt wurde. der Andrang war so groß, dass sich um das Gebäude herum eine lange Warteschlange bildete. Mehr als alles erstaunte die KolumbianerInnen offenbar Hitlers Kokaingebrauch ("Einreibungen" ins Zahnfleisch), der zur sehr deutlichen Zerstörung seiner Kiefer beitrug. Obwohl es sich um einen populärwissenschaftlichen Vortrag handelte, war das Frage-Niveau so hoch wie hierzulande auf einem Fachkongress.
Insgesamt zeigte der für südamerikanische Verhältnisse schon fast uhrwerkartig straff organisierte Kurs erneut, dass die lateinamerikanischen und portugiesischen Gebiete, vom Rest der Welt fast unbeachtet, einen interessanten, kompetenten und eigenständigen - leider aber auch wissenschaftlich oft isolierten - Gegenentwurf zu dem darstellen, was wir als sozialen, forensischen und kulturellen Konsens ansehen. Wer zu einer solchen Veranstaltung eingeladen wird oder sie mit organisiert, darf sich glücklich schätzen, weil sie sehr breit gefächerte und neue Ideen für eine veränderte Herangehensweise an randständige - beispielsweise überbrutale oder kulturell motivierte - Kriminalfälle bieten.
