ich habe mir sehr lange darüber Gedanken gemacht, ob ich euch zum wiederholten Male mit dem Thema "Ernährung und Gesundheit" behelligen sollte. Das wissen doch ohnehin schon alle und dennoch ernähren sich die meisten unzureichend oder falsch, war ein Gedanke. Oder: wahrscheinlich liest das die Empfängerschaft meiner Rundmails einfach ungern, weil sie in Gewohnheiten und Süchten festhängen. Aber nachdem ich in den letzten Tagen gehört und gelesen habe, dass die Hälfte aller Deutschen übergewichtig ist, habe ich mich entschlossen, diesen kleinen "Online-Workshop" zusammenzustellen.
Wie einige von euch vielleicht noch wissen, habe ich 1968 im Alter von 15 Jahren eine kleine Underground-Zeitung mit dem Namen PÄNG gegründet (Auflage 1000 Stück, verkauft über Straßenhändler, Festivals oder alternative Buchläden). In der Ausgabe Nr. 3 von 1970 habe ich eine ganze Seite zum Thema gesunde Ernährung veröffentlich (Anhang 1) die die Überschrift "Du bist was du isst!" trug. Der Satz war nicht von mir, sondern von dem deutschen Philosophen Ludwig Feuerbach (1804–1872), ein wahrer Pionier der Ernährungslehre.
Meine damaligen Informationen waren natürlich noch sehr minimal und unzureichend. Ihr könnt die Schrift wahrscheinlich kaum lesen, ich hatte keine Satzmaschine sondern habe die ganze Zeitung mit der Hand geschrieben. Was ich aber als erwähnenswert erachte, sind die letzten Sätze:
Essen um sich zu ernähren und nicht
- um wahllos zu verarbeiten, was uns ein korruptes System zum Verbrauch vorsetzt,
- um sich mit der Droge Zucker zu befriedigen, wo andere Mittel effektvoller, gesünder, natürlicher sind,
- um Langeweile zu töten, die entsteht, weil alles fixfertig gesiebt und raffiniert zu kaufen ist,
- um sich sogenannte Zivilisationsschäden zuzuziehen.
Beobachtet eure liebe Umwelt! Macht eure Ernährung zu einem natürlichen, reinen Akt.
Ich weiß, das klingt reichlich idealistisch und unwissenschaftlich aber es war mir vor 56 Jahren ein Anliegen. Sozusagen als der einsame Rufer im Wald. Es hat fast 10 Jahre gedauert, bis "gesunde Ernährung" ein erkennbarer gesellschaftlicher Trend und zum Inhalt jeder Frauenzeitschrift wurde. Ich hatte inzwischen das Interesse an dem immer wiederkehrenden Thema verloren, weil es längst zu meinem Lebensstil gehörte und mich das Schreiben über das Alltägliche langweilte. Also wurde ich Comic-Verleger - aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Um sich mit einem weiten Spektrum an gesunden Nahrungsmitteln zu versorgen, sollte man wenn möglich einen eigenen Garten mit Gemüsen, Kräutern und Obst bestellen. Weiterhin sollte man einige Dinge im Web bestellen (z.B. Vitam R Klassik) im örtlichen Bio-Handel und bei den Ketten DM, Aldi, Rewe und Kaufland einkaufen. Denn es gibt einige der Sachen eben nur da oder dort.
(...)
Genmai-Miso wird aus fermentierten Sojabohnen und Getreide hergestellt. Durch den Fermentationsprozess entwickelt Miso probiotische Eigenschaften, da es lebende Bakterien enthält, die positiv auf die Darmgesundheit wirken. Noch besser ist Hatcho-Miso, welches ich seit Jahrzehnten täglich zu mir nehme. Es hat einen kräftigeren Geschmack und besteht nur aus Soja, welches nach traditionellen japanischen Verfahren bis zu 2 Jahre lang fermentiert wird. Ich bin seit über 50 Jahren Anhänger der makrobiotischen Ernährungslehre nach Georges Oshawa (der eigentlich Sakurazawa Yukikazu hieß) der von 18.10.1893 bis 23.4.1966 (auch in Europa) lebte und ein japanischer Philosoph und bedeutendster Vertreter der makrobiotischen Ernährungslehre war. Er gilt als Erfinder von Kokkoh (Reismilch).
Und wenn jemand von euch einen Beweis für den Zusammenhang von Ernährung und Gesundheit braucht, hier ist er: ich werde nie krank, bin gegen nichts geimpft und meine alle zwei Jahre ermittelten Blutwerte sind immer optimal. Allerdings sitze ich auch höchstens 1-2 Stunden am Tag vor dem Bildschirm und bewege mich sehr viel, bin dadurch fast fettfrei, muskulös und fit. Außerdem schlafe ich immer aus und lebe einen vollkommen stressfreien Alltag. Nach dem Motto der 95-Jährigen Carmen Dell'Orefice: "Jeder Tag ist für mich wie ein Geschenk. Es wartet nur darauf ausgepackt zu werden."
Zum Ausklang ein wenig Poesie, die ich in einer Traueranzeige gefunden habe:
Wir haben keine andre Zeit als diese,
die uns betrügt mit halbgefüllter Schale.
Wir müssen trinken, den zum zweiten Male füllt sie sich nicht.
Kein Morgen bringt das Heute uns zurück.
Wir haben keine andre Zeit als diese.
— Mascha Kaléko
Bis zum nächsten Mal
Ray