Quelle: BILD, 31. Mai 2026
Der berühmte Fall des Atlantik-Überfliegers Charles Lindbergh wird vielleicht wieder aufgerollt.
Von Jörg Schaefers und Jörn Ehlert
Ihr kennt ihn — oder könnt ihn kennen lernen — in meinem Buch "Mord-Methoden", wo ich die spannende kriminalbiologische Untersuchung zusammen gestellt habe. Es war gar nicht so leicht, an die Unterlagen des holzkundlichen Kollegen zu kommen.
Jetzt wollen Forscher 15 Erpresserbriefe aus dem Fall auf Speichel-DNA untersuchen — weil in den 1930ern Briefmarken noch angeleckt wurden.
Ihr Verdacht: Hauptmann war unschuldig, der echte Täter war Lindbergh selbst! Zweieinhalb Jahre hatte die Polizei damals gebraucht, bevor sie mit Bruno Hauptmann einen Verdächtigen präsentieren konnte in diesem „Crime of the Century", wie die US-Zeitungen schrieben, dem „Verbrechen des Jahrhunderts".
Hauptmann, in Deutschland wegen Diebstahls und Raubes vorbestraft und 1923 als blinder Passagier in die USA eingewandert, wurde der Prozess gemacht, ein kurzer Prozess: Todesurteil trotz jeder Menge Ungereimtheiten.
Deutschlands bekanntester Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke (55) ist davon nicht überzeugt:
„Im Fall Lindbergh gibt es sehr starke Belastungsbeweise. Besonders ein Stück Holz aus einer verwendeten Leiter." Der Täter soll eine Leiter verwendet haben, um in das Zimmer des Jungen zu gelangen. Die Polizei fand bei Hauptmann später Holz, dessen Jahresringe laut Benecke zur verwendeten Leiter passten.
„Ich finde kriminaltechnische Nachprüfungen grundsätzlich aber immer gut und fördere sie bzw. führe sie selbst durch", so der bekannte Kriminalbiologe.
„Es gibt manchmal falsche Grundannahmen und/oder neue Untersuchungstechniken."«
Gespannt der eure: Marky Mark
