Quelle: Märkische Oderzeitung, Lokales, 29. August 2026, Seite 18
Zersetzung von Leichen, ungelöste Morde und düstere Erotik, das ist die Welt von Dr. Mark Benecke. Die Tickets für Ahrensfelde waren in 15 Minuten ausverkauft.
Von Berit Schwarz
Der Kölner Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke ist für das, was er macht, bundesweit prominent geworden. Da ist das Berufliche: Er trägt durch seine kriminalbiologischen Expertisen dazu bei, Kapitalverbrechen aufzuklären, und gibt sein Wissen an Universitäten als Dozent weiter. Und das nicht nur in Deutschland, sondern auch fürs US-amerikanische FBI, den russischen Geheimdienst, die kolumbianische Universität in Medellin und andere ausländische Auftraggeber. Dazu ist Benecke im Kultur- und Medienbereich sehr umtriebig. Etwa als Schauspieler, Moderator, Crime-Experte, Kolumnist und Sänger. Auf seiner Homepage hat er auch Fotos eingestellt, die ihn weitgehend unbekleidet mit seinen umfangreichen Tattoos zeigen.
Dunkle Erotik trifft öffentlichkeitswirksam auf Kriminalbiologie
In Musikvideoclips und Interviews kann man ihn ebenfalls in schwarzen Lackklamotten bewundern. Er schwelgt in erotischen Anspielungen auf Sadomasochismus mit Ketten, Totenköpfen und Vampir-frauen. So vermittelt er öffentlich das Bild eines genialen, leicht verrückten Wissenschaftlers mit einer Prise düsterer Erotik. Fast wirkt er wie eine Figur aus einem schaurigen Märchen. Ein weiteres berufliches Standbein von Dr. Mark Benecke sind öffentliche Auftritte. Entertainment will er das aber nicht nennen. „Das sind bezahlte Vorlesungen. An der Uni mache ich auch keine anderen Vorlesungen, die sind genau gleich", sagt Benecke. Und mit diesen Vorträgen gastiert er demnächst gleich zweimal im Landkreis Barnim: Am 2. September tritt er im Ahrensfelder Gemeindesaal auf und am 9. Oktober in Bemau, Stadthalle am Steintor.
Die schlechte Nachricht vorweg: Beide Veranstaltungen sind längst ausverkauft. Es gibt allein beim Veranstalter Eventim aber bis Dezember 2027 noch 57 andere Auftritte. Allerdings nicht direkt vor der Haustür, sondern im Süden, Westen und oft auch im Osten der Republik. „Marky Mark", wie er sich. selbst nennt, hält sich oft in Berlin auf. Und so konnte diese Redaktion ihn kurz vor seinem Termin in Ahrensfelde dort treffen, in einem Café in der Nähe des Hackeschen Marktes.
Warum Mark Benecke oft in Berlin und im Umland ist
Er kommt gemeinsam mit seiner Frau Ines. Beide sind schwarz gekleidet, grüßen herzlich und wirken sympathisch. Heute Berlin, demnächst in Ahrensfelde und in Bernau. Haben die Beneckes einen besonderen Bezug zu dieser Gegend? Weit gefehlt. „Ich bin vom Kulturverein Ahrensfelde angesprochen worden und wer fragt, bekommt eine Antwort", klärt Benecke auf. Angesichts seiner großen Medienpräsenz verfügt der Kriminalbiologe über eine erstaunlich zurückhaltende Einstellung: „Ich gehe nie auf andere zu, in meinem ganzen Leben nicht. Denn wenn das Interesse von der anderen Seite kommt, dann klappt's auch." Auf den Stress einer möglichen Enttäuschung habe er keinen Bock. Ehefrau Ines Benecke schaltet sich ein: „Es ist tatsächlich so, dass alle immer auf dich zukommen müssen. Auch deine Freundschaften entstehen so." Beim Ehepaar Benecke wagte folgerichtig Ines den ersten Schritt zum näheren Kennenlernen.
Innerhalb von 15 Minuten war Beneckes Vorlesung ausverkauft
Klaus Joachim vom Ahrensfelder Kulturverein hat mit dem Benecke-Event den richtigen Riecher bewiesen. „Die Veranstaltung war innerhalb von 15 Minuten ausverkauft'', berichtet er auf Anfrage. Die Leute hätten Schlange gestanden, um ein Ticket zu bekommen. „Wir dürfen leider nur 256 Personen reinlassen", bedauert Joachim. An dem Abend wird Benecke über das Wirken des 2009 verstorbenen Gerichtsmediziners Professor Otto Prokop sprechen, der lange in der DDR gearbeitet hat. Gut einen Monat später steht Kriminalbiologe Benecke in Bernau mit seinem Programm „Die Leiche aus der Biotonne" auf der Bühne. Benecke umreißt das Thema: „Es geht um Kriminalfälle, in denen Leichen in Biotonnen aufgefunden wurden." Das klingt fast nach einer intelligenten Idee. Der tote Körper dürfte sich im Umfeld Biotonne doch schneller zersetzen und die Spuren eines Mordes insofern auch schneller beseitigen.
Mark Benecke: „Es gibt keine coolen Mörder"
Doch so etwas wie Klugheit will Benecke Tätern grundsätzlich nicht zusprechen. „Wie alle Leichenbeseitigungen ist das natürlich ein Zeichen von Hilflosigkeit. Tötungsdelikte sind immer ein Zeichen von Hilflosigkeit. Da ist sehr viel anderes schiefgegangen. Das ist eher in Spielfilmen so. Da gibt es vielleicht irgendwelche coolen Täter und Täterinnen, aber in Wirklichkeit gibt es die nicht."
Dr. Mark Benecke ist ein politischer Mensch. 2025 ließ er sich für „Die Partei" in Köln als Bürgermeisterkandidat zur Wahl aufstellen. Im Wahlkampf schlug er unter anderem auf seiner Homepage vor, die Straßen künftig nur noch mit Kölnisch Wasser zu reinigen. Der überzeugte Veganer, der sich sehr für Tier- und Umweltschutz einsetzt, trifft vor allem im Osten natürlich auch auf Menschen, die gedanklich eher rechts wandeln. „Wir bekommen davon bei den Auftritten eigentlich nichts mit", versichert Benecke. „Alles sehr freundliche Menschen dort."
Sein Publikum geht manchmal bei Klimathemen nicht mit
Hier schaltet sich wieder Ehefrau Ines ein: „Die Leute fühlen sich aber manchmal angegriffen, weil du so viel über Klima redest. Und dann merkt man: Ein paar aus dem Publikum sind dann empört." „Marky Mark" räumt ein: „Ja, Ines, das sind so ein paar Leute, aber das spielt keine Rolle, das erzeugt keine schlechte Stimmung oder so." Daraufhin verweist Benecke im Interview auf der Terrasse des Berliner Cafés darauf, wie sehr die Umweltbedingungen die Arbeit eines Kriminalbiologen verändern. Bei seinen Analysen, zum Beispiel zum Todeszeitpunkt einer Person, sind Insekten auf verwesenden Leichen sehr wichtig. „Das ist inzwischen massiv zurückgegangen", stellt er fest.
Verwesung in Zeiten des Klimawandels
„Wenn du früher zu so einer Leiche gegangen bist, im Wald oder so, da war echtes Leben. Gerade am Waldrand, da hast du 60 verschiedene Tierarten auf und in toten Körpern gefunden. Heute kannst du froh sein, wenn du überhaupt noch ein paar von den blauen Schmeißfliegen findest. Selbst die gibt es fast nicht mehr." Deshalb verwesen tote Körper anders als früher, sagt Benecke. Wenn es weniger Konkurrenz gibt, profitieren bestimmte Arten von Insekten: „Die einzelne menschliche Leiche zersetzt sich dann meist über die grünen Schmeißfliegen, die noch übrig sind. Oder die Leichen trocknen aus. Oder die Wespen übernehmen das", weiß Benecke. „Aber nicht so sehr bei Kriminalfällen, die in geschlossenen Räumen geschehen, weil Wespen nicht so leicht in die Wohnungen hineinkommen."
