Gespräch: Insekten im Landesmuseum Darmstadt

Hessisches Landesmuseum Darmstadt: Insekten-Gespräch mit Dr. Mark Benecke im HR1 (Hessischer Rundfunk Radio)

Insekten im Landesmuseum Darmstadt

HR: Schönen guten Morgen, um 19 Minuten vor Acht mit Susi Quattro hier in HR1. Eine Ausstellung in Darmstadt poliert jetzt mal so richtig kräftig ein Image auf und zwar das von Insekten.

Viele finden die ja eher lästig, aber die sind so wichtig. 

"Facettenreiche Insekten" im Landesmuseum in Darmstadt. Und der Biologe Dr. Mark Benecke, der geht sogar noch ein Stück weiter, der sagt, Insekten sind Menschen wie du und ich.

Schönen guten Morgen.

Mark Benecke: Einen wunderschönen guten Morgen.  

Jetzt aber mal, also Herr Benecke, Insekten als Menschen, wie meinen Sie das? 

Ja, ich finde, man kann die Tiere einfach als gleichwertige Lebewesen ansehen. Ich habe zum Beispiel Fauchschaben hier bei mir schon seit über zwanzig Jahren.

Und je länger ich die kennenlerne, umso mehr merke ich halt, dass sie natürlich andere Sinne haben als wir, aber trotzdem eigentlich das tun, was wir als Menschen auch so tun. Also miteinander rumhängen, spielen, essen. 

Also wer oben sitzt, ist der coolste. Das wird da nachts immer ausgehandelt. 

Und dann schmeißen die sich runter von der obersten Stelle da in den Glaskasten. Also ich habe da eher die Einstellung, das sind gleichwertige Wesen um uns herum.

Gut, jetzt Honigbiene, süß, nett, Marienkäfer, auch noch niedlich, aber bei der Schabe hört es dann doch bei vielen auf. Haben Insekten einfach nur ein Imageproblem? 

Also ich glaube eher, Menschen haben grundsätzlich ein Problem. In den letzten 25 Jahren sind ja locker drei Viertel der Tiere verschwunden.

Und Wespen werde ich neulich auch immer gefragt, wozu gibt es eigentlich Wespen

Und dann sage ich, naja, also die bestäuben alles, die bringen den Kreislauf der Natur in Gang, indem sie die Stoffe verteilen und verfügbar machen. Also ich glaube, die Menschen haben, die viele Menschen, nicht alle, jeden Kontakt zur Umwelt und zum Kreislauf des Lebens verloren. 

Was wären die Folgen, wenn die Bestände jetzt noch weiter zurückgehen würden?  

Wenn die Insektenbestände noch weiter zurückgehen, dann wird es erst damit anfangen, dass Menschen das technisch versuchen, wie auch schon in manchen anderen Ländern.

Dann werden dann Kinder in den Ferien rausgeschickt oder bezahlte Menschen, die dann mit Pinselchen die Bestäubung da durchführen,zum Beispiel auf irgendwelchen Obstfeldern und so. Aber mittelfristig gibt es dann einfach die entsprechenden Lebensmittel nicht mehr. Also das ist das, was viele Leute ja am ehesten zur Einsicht bringt.

Und dann gibt es ja einfach nicht mehr Ende. Also das ist weder technisch noch durch sehr viel Geld oder sehr viel Arbeitskraft, ist das zu leisten, was die Lebewesen um uns herum gratis machen. 

Also wir fangen an, die Insekten wertzuschätzen. Was können wir denn im Kleinen tun? Wie können wir dem entgegenwirken, auf dem Balkon zum Beispiel oder im Garten? 

Ja, ich würde einfach mal üben. Also auf dem Balkon kann man zum Beispiel diese Bienenhotels aufstellen. Dann kommen erst die Wildbienen, dann kommen Wespen*, dann kommen Spinnen, die wiederum die Wespen fressen und so.

*Erz-Wespen

Also da kann man mal einen ganz kleinen Einblick kriegen, in diese Kreisläufe der Natur

Im Garten würde ich einfach alles stehen lassen. Also nix kaufen, nix pflanzen, nix säen, nix jäten, nix umflügen, sondern einfach ein bisschen wachsen lassen.

Dann stellt sich das hoffentlich von selber ein, wenn jetzt nicht alles wegbrutzelt oder wegschwemmt.

Und im Großen würde ich natürlich dann dafür einsetzen, dass die letzten Gebiete, die es noch gibt, in denen natürliche Kreisläufe noch stattfinden, zum Beispiel Wälder oder Moore, dass die in irgendeiner Weise erhalten bleiben. 

Und vielleicht trägt da ja auch die Insektenausstellung dazu bei, die im Landesmuseum Darmstadt heute startet.

Wir haben über die Welt der Insekten gesprochen, mit Dr. Mark Benecke, nicht nur Experte, sondern richtiger Insekten-Fan. Vielen Dank. 

Sehr, sehr gerne.