Gruftis zähmen leicht gemacht

Quelle: Nachtplan Nr. 96, März/April 2019, S. 25  

In unserem schrottigen Viertels-Kino, dem Metropolis in Köln, läuft derzeit ein super Film in 3D. Ein knallschwarzer Drache, der Menschen mag und wie eine Mischung aus Axolotl und Mini-Katze aussieht, zeigt nahezu nie seine Zähne. Als letzter seiner Art ist er zudem etwas einsam. 

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Dann trifft er eine weißglitzernde Drachenmädchenfrau. Die beiden ziehen in eine versteckte Glitzer-Höhle unter Wasser, die selbst den Baum der Seelen aus Avatar abhängt, und alles wird gut. 

Ich fand den Kinderfilm gar nicht so leichtfüßig. Erstens fühlen sich auch Gruftis oft fremd in einer Welt, die andere ganz normal finden und die auch wirklich nicht immer schlecht ist. 

Zweitens lehnen wir bunte Farben ab — außer sie funkeln in einer verborgenen Welt ohne Tageslicht. Genauer gesagt sehen wir einfach das Glitzern im Dunklen, das andere im Hellen natürlich nicht wahrnehmen. 

Und drittens gibt es vielleicht auch Menschen, die zwar weder schwarzkittelig noch gothic sind, aber doch zu einer uns ähnlichen Art gehören, mit der wir sogar eine Beziehung führen könnten. Man müsste es mal probieren. 

Falls jemand solche schwarzglitzernden Mischfälle kennt, lasst es mich wissen. 

Der Film hat mich, auch wegen der irren Vielfalt der Drachen — man könnte es auch 'Körper- und Neurodiversität' nennen — wirklich beeindruckt. Geht rein, so lange es noch Kinos gibt. 

Gezähmt & gothic die Euren —  


Markito & Ines