Mark Benecke in Vorarlberg: "Wenn du rausgehst, passiert immer was"

Quelle: VOL.AT, 20. Juni 2026, https://www.vol.at/mark-benecke-in-vorarlberg-wenn-du-rausgehst-passiert-immer-was/10266386

Die meisten kennen Mark Benecke als Kriminalbiologen, der mithilfe von Insekten Verbrechen aufklärt. Diese Woche führt ihn seine Arbeit nicht an einen Tatort, sondern ins Dornbirner Insektencamp.

Von Mirjam Mayer 

Zwischen Käfernetzen und Büschen streift der deutsche Biologe (55) durch den Wald und entlang der Ache. Für Benecke ist es weit mehr als ein Ausflug in die Natur.

"Die Umwelt ändert sich, und wir möchten ja gerne sehen, was in verschiedenen Teilen der Welt lebt, sagt er. Als Kriminalbiologe brauche man immer neue Messungen. "Es funktioniert überhaupt nicht, in alte Bücher zu gucken, alte Listen. Das hat überhaupt keinen Sinn in der Biologie."

Heuer findet das Insektencamp der Österreichischen Entomologischen Gesellschaft (ÖEG) in Dornbirn und Umgebung statt. Gemeinsam kartieren die Teilnehmer die Artenvielfalt - von Mooren über Flussufer bis hin zu Wäldern und Wiesen. Gerade die Vielfalt der Spezialisten macht das Camp interessant.

Während manche Teilnehmer Nachtfalter erforschen, beschäftigen sich andere mit Käfern oder Stechmücken. "Das ist wie so ein Vitamin-Ingwer-Shot. Da kann man sich ganz schnell auf den neuesten Stand bringen."

Für Benecke gehören Insekten zum beruflichen Alltag. Sie liefern entscheidende Hinweise bei der Rekonstruktion von Kriminalfällen. Sie können helfen, Tatorte zu rekonstruieren, Liegezeiten von Leichen zu bestimmen oder Hinweise auf frühere Aufenthaltsorte zu liefern.

Als Beispiel nennt er den Fall einer in einen Teppich eingerollten Leiche. "Da haben wir gesagt: Hier sind Tiere drin, die kommen aus dieser und jener Region. Da wurde die Leiche in den Teppich reingerollt. Dann kann man das herleiten. Und das ist auch sicher."

Neben Kriminalfällen beschäftigt sich Benecke mit Themen von Autismus über Tätowierungen bis hin zu Comics oder Vampirmythen. Der gemeinsame Nenner: Neugier. "Meine verstorbenen Tanten und Großeltern haben immer gesagt, dass ich ihnen auf den Wecker gegangen bin, weil ich immer gefragt habe: Warum? Warum?"

"Ich finde es eher komisch, wenn Menschen nicht neugierig sind und halt nur rumhocken." Und genau deshalb fühlt sich der Kriminalbiologe im Dornbirner Insektencamp offenbar bestens aufgehoben. "Wenn du rausgehst, passiert immer was", ist er sicher.

Noch bis am 21. Juni läuft das Insektencamp in Kooperation mit der Inatura. Für die Jugendreferenten Elisabeth Glatzhofer und Samuel Messner geht es um mehr als Datensammlung: Wissen weitergeben und Nachwuchs fördern.

Junge Naturinteressierte arbeiten mit Spezialisten und lernen Methoden der Artenforschung kennen. "Jeder und jede ist willkommen", geben sie zu verstehen. Sie empfehlen, im Alltag öfter genauer hinzusehen: "Man kann jedem nur empfehlen, ein bisschen näher hinzuschauen, auch bei den kleinen Tieren."

Mit vielem Dank an die Redaktion für die Erlaubnis zur Veröffentlichung.

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Foto: Mark Benecke