„Madenteppich - Ein schönes Wort"

Quelle: OTZ Nr. 190, Ostthüringer Zeitung, Seite 21, Saale-Holzland, Eisenberg, Hermsdorf, Stradtroda und Umgebung

Restlos ausverkauft: Kriminalbiologe Mark Benecke war am Samstag zum zweiten Mal zu Gast in Renthendorf

Von Julia Grünler

Renthendorf. „Achtung, es sind Leichen zu sehen. Wenn Sie dies nicht möchten, dann bitte nicht hier bleiben", lautet einer der Hinweise, die im Hintergrund zu sehen sind, bevor Kriminalbiologe Mark Benecke seinen Vortrag beginnt. Im Dorfgemeinschaftshaus in Renthendorf spricht der wohl bekannteste Kriminalbiologe über das Thema „Insekten auf Leichen" und gibt so Einblicke in seine Arbeit als Kriminalbiologe und Spezialist für forensische Entomologie. Eingeladen hatten das Team vom Renthendorfer Museum „Brehms Welt — Tiere und Menschen" sowie der Förderverein. Wie Museumsleiter Jochen Süss vorab erklärte, sei die Veranstaltung restlos ausgebucht — beinah ohne Werbung. Auch Thomas Peter ist im Museum tätig und erklärt, man habe orab Poster kreiert, jedoch kein einziges hier in den Tälern aufgehängt. Lediglich ein paar habe man vorab noch in Jena und Stadtroda platziert. Doch schnell seien die Karten ausverkauft gewesen.

Lesung im letzten Jahr urde gut angenommen

Breits im letzten Jahr war Mark Be-ecke mit einer Lesung zu Gast in Renthendorf. Damals habe man ihn gefragt, etwa 160 Leute hatten die Lesung dann besucht. „Da hat man schon gemerkt, es hat viel Potenzial", sagt Thomas Peter. Deshalb habe man im letzten Jahr direkt die Veranstaltung für diesen Abend gebucht „Ein ganz anderer Schlag ist heute hier", erklärt er mit Blick auf die übliche Museumskundschaft. Im Schnitt seien die Besucherinnen und Besucher des Museums eher in der Altersgruppe 60. Die Gäste zur Veranstaltung „Insekten auf Leichen" sind dagegen bunt durchmischt, beinah jede Altersgruppe scheint vertreten zu sein.

Überwiegend weibliche Personen hätten zudem die Karten reserviert, erklärt Thomas Peter. „Ich kenne ihn aus dem Fernsehen und bin über Facebook auf die Veranstaltung aufmerksam geworden", erklärt eine Frau aus Jena, die sich einen Platz in den vorderen Reihen gesucht hat. Das Kriminalbiologische finde sie ganz spannend. Mit Bildern von Leichen habe sie keine Probleme, sagt sie und ergänzt lachend, sie hoffe es zumindest.

Etwas weiter hinten warten ein Mann und eine Frau auf den Beginn der Vorstellung. Sie kommen aus der Nähe von Stadtroda und sind durch eines der Plakate auf den Abend mit Benecke gestoßen. „Ich war vor einigen Jahren schon mal im F-Haus in Jena bei Mark Benecke", erklärt die Frau. „Er macht es sehr anschaulich und nicht abschreckend", findet sie.

„Wohnungsleichen, das sind häufig Menschen, die verfault angetroffen werden." Mark Benecke Star-Kriminalbiologe 

Benecke selbst ist währenddessen noch mit Soundcheck und Co. beschäftigt. Immer dicht auf seinen Fersen Ehefrau Ines Fischer. Beide sind vollkommen in Schwarz gekleidet und gerade aus Jena angereist. In Renthendorf habe man keine Unterkunft bekommen, deshalb gehe es noch nach der Veranstaltung zurück in die Universitätsstadt, erklärt sie wenig später in der Pause.

Im Jahr halte man in etwa 200 Vorträge, sagt sie. Am heutigen Abend seien 200 Leute vor Ort, um Mark Benecke zu sehen und zu hören. Zuvor sei man gerade in London gewesen. Jetzt in der Umgebung von Brehms Welt zu sein, sei fantastisch, erklärt Mark Benecke dann kurz während der Vorbereitungen. Kurz vor Beginn des Vortrages werden die Besucherinnen und Besucher mit Musik von der satirischen Berliner Rockband „Knorkator" thematisch eingestimmt. “Wir werden alle sterben, traurig aber wahr...", klingt es aus den Lautsprechern. Ein letzter Stuhl wird noch in den Saal geschoben, dann beginnt die Benecke-Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus in Renthendorf.

Mark Benecke zur Veranstaltung „Insekten auf Leichen" im Dorfgemeinschaftshaus in Renthendorf

Die Kapazitätsgrenze scheint absolut erreicht zu sein, es ist voll, und trotz offener Türen, scheint die Luft zustehen. Noch nie habe er so geschwitzt hinter der Theke, erklärt Jochen Süss, bevor er das Wort an Benecke übergibt. Auch lässt er durchklingen, dass man versuche, einen solchen Abend noch einmal zu zelebrieren. Ein Thema sei bereits gefunden, verraten werde es jedoch noch nicht.

Benecke startet mit einer Anekdote über die gescheiterte Anreise mit der Bahn von Jena nach Renthendorf, und das Publikum scheint ganz ihm zu gehören. Er räumt mit diversen Mythen auf, zum Beispiel dem Geruch von Leichen, der laut ihm fälschlicherweise oft als süß beschrieben werde, stattdessen sei es Lindenblütengeruch.

Er erklärt den Unterschied zwischen Würmern, Maden und Larven. Lässt Sätze wie: “Wohnungsleichen, das sind häufig Menschen, die verfault angetroffen werden" oder „Madenteppich — ein schönes Wort", fallen. Oft spricht er von Messungen, dem, was wirklich zähle. Denn sein Job sei es, nichts zu glauben.

Viele Brücken werden zum Alltag geschlagen, zum Leben auf dem Land und sogar zum Leben in Renthendorf.


Brehms Welt

Renthendorf 2021


Thierleben

Kat Menschik & Mark Benecke


Curiouser & Curiouser

The Francke Foundations’ Chamber of Wonder


Eine Hommage

an Brehms Tierbücher