Online Interview zum Thema Paranormales

Quelle: ghosthunter-nrwup.de (Online-Interview vom 4. Juni 2014)

Paranormales

VON TOM (Ghosthunter-NRWup)

Wie denkst Du über Paranormales (Geister, Spuk)? Wie würdest Du Geister (Geistererscheinungen) definieren?
MB: „Als alles, was Menschen gedanklich verfolgt, in Unruhe versetzt, beschäftigt. Unbewältigte Ängste, sowas.

Wie auch in den angloamerikanischen Geistergeschichten und neuerdings auch den asiatischen Filmen: Alte Schuld, Vergehen, die noch gesühnt werden könnten, all solche Dinge. Gibt’s ja sogar für ganze Völker, etwa die “gruseligen” Indianerfriedhöfe — tja, da fühlt sich wohl der weiße Mann zurecht ganz weit unten im Hirn schuldig, ohne es natürlich jemals nach außen zu zeigen…aber es holt ihn dann ein.

Bei South Park findet sich gutes Material dazu: Season 2, Episode 15: “Spookyfish” und natürlich in Bezug auf Schwarze bei Bowling for Columbine.


Hast Du schon einmal etwas erlebt (eine Sichtung, Berührungen, Wahrnehmung von Stimmen oder Geräuschen), was Du auf Anhieb und im Nachhinein nicht rational erklären kannst? Wenn ja, was hast Du erlebt?
MB: „Was heißt schon rational erklären? Ich bin kein Physiker und kein Psychologe, sondern Biologe. Ich bin also kein Experte für alle rationalen Details. Ich versuche daher meist gar nicht, irgendwas rational zu erklären: Freude, Trauer, Zwanghaftigkeit, sich in etwas Vertiefen — mir ist recht egal, wie man das erklären könnte (kann man sehr leicht, es gibt ja reichlich gute Studien), ich nehme es einfach so hin.

Wenn ich irgendwo einen Schatten sehe, denk ich nicht lange darüber nach, und wenn ich ein Polarlicht sehe, dann überwältigt es mich — einfach so. Immer entspannt bleiben… ;)“

Du interessierst Dich sehr für das Thema „Vampirismus“. Könnte es sich bei den Erzählungen von Vampiren (Wiedergänger) nicht evtl. auch um die Seelen der Verstorbenen handeln, die von Generation zu Generation um Details erweitert wurden?
MB: „Na klar, ich kenne Menschen mit “alten Seelen”, die reif und weise sind, weil sie erstens viel erlebt haben und zweitens auf eine spannende, tiefe Art damit umgehen.

Natürlich kann es sein, dass das sozusagen stoffliche Seelen sind, die von Generation zu Generation wandern. Aber warum sollte das so sein? Ich verstehe nicht, warum man das annehmen möchte.

Wandernde, stoffliche Seelen sind einfach eine schöne, religiöse Vorstellung, die so wie Geschichten von Buddha, Christus und dem Spaghettimonster Menschen positiv beeinflussen können. Es ist ein Glauben, für den es keinen objektivierbaren Beleg gibt. Mir ist es zu mühsam, etwas anzunehmen, das nicht belegbar ist.“


Es gibt die These der „21 Gramm“, dem Gewicht der Seele, wo Anfang des 20. Jahrhunderts bei Experimenten unterschiedlicher Wissenschaftler feststellt wurde, dass in dem Moment des Todes die Person ca. 21 Gramm leichter wurde. Man tendierte dann dazu, diese 21 Gramm der Seele zuzuschreiben, die den Körper verlassen hatte. Wie denkst Du als Kriminalbiologe darüber? 
MB: „Ist überhaupt nicht messbar, weil die Waage — hier ja wohlgemerkt samt Bett (!) — niemals eine derartige Messgenauigkeit hatte. Probiert es einfach selber aus. Ihr werdet staunen, dass die Waage die ganze Zeit schwankt, und zwar um deutlich mehr als 21 Gramm.

Das ist so eine ganz typische Geschichte: Das Experiment könnte man super-super-superleicht im Altenheim oder Krankenhaus oder Hospiz nachkochen, überhaupt kein Problem — macht aber keiner. Warum? Weil’s halt Schmarrn ist und auch Seelengläubige — die an eine stoffliche Seele, die sich sozusagen vom Körper ablösen kann, glauben — wissen, dass sie ihre Zeit nützlicher in was anderes stecken.

Nochmal: Das ist keine Glaubensfrage, sondern sehr leicht prüfbar. Wer es behauptet, soll es auch beweisen.“


Wie ist Deine Meinung über das besonders bei Jugendlichen leider „beliebte“ Gläserrücken? Hast Du schon selber einmal Gläserrücken gemacht und falls ja, was hast Du erlebt?
MB: „Es ist ja bekannt, wie es funktioniert, muss ich gerade Euch nicht darlegen. Ich halte Gläserrücken, Ouija und dergleichen für spannende, verblüffende Experimente, die zeigen, wie leicht und gerne sich unser Gehirn eine angeblich übernatürliche Ursache zusammenbastelt, wenn das Nachprüfen zu viel Aufwand ist. Ist wie mit den 21 Gramm…“


Du hast nach Deinem Studium u.a. in den U.S.A. gearbeitet und dort auch beim F.B.I. Dich weiter ausbilden lassen. Bei uns kann man manchmal Reportagen sehen, dass sich die örtliche Polizei, wie auch das F.B.I. der Hilfe von medialen Menschen bedienen, um in der Aufklärung von Mordfällen weiterzukommen. Wie ist Deine Einschätzung dazu? Kann die Möglichkeit bestehen, dass dies so stimmt?
MB: „Ach, wenn die Hütte so richtig brennt, ein Kollege sich persönlich betroffen fühlt oder die Presse Samba tanzt, dann kann es schon mal ganz, ganz selten vorkommen, dass man einem “Medium” zumindest zuhört. Es ist ja auch nie sicher, ob’s nicht der Täter oder die Täterin ist, die checken will, wie viel die ErmittlerInnen schon wissen.

Ich habe mal ein “Medium” bei vollem informed consent getestet und das Ganze war ein Desaster: Falsch Negative — damit kann ich ja noch leben —, aber leider auch falsch Positive, also eine Täterbeschreibung mit Phantombild, wo überhaupt nix passiert war.

Viele “Medien” wollen wirklich helfen, aber stehen auch auf Aufmerksamkeit. Beides kann man bei polizeilichen Ermittlungen und erst recht im Labor nicht brauchen, da gehts nur um beweisbare Tatsachen, um sonst nichts. Es muss messbar und prüfbar sein. “Medien” und WünschelrutengängerInnen versagen einfach dauernd in Tests und es ist langweilig und zeitraubend, mit ihnen zu arbeiten. Ich mache es jedenfalls nicht mehr. Wenn Euch der Artikel mit dem Test interessiert:

Einsatz von übersinnlichen Fähigkeiten: Test eines "Mediums" bei Tötungsdelikten. Kriminalistik, 65. Jahrgang, Heft 10/2011, S. 628—634.

Was mich am meisten nervt, ist das Verleugnen, wenn’s nicht klappt. Ich kann zum Beispiel kochen, aber bin ziemlich ungeschickt beim Regale zusammenschrauben. Das sehe ich ein und rede mir nicht ein, dass ich super Regale zusammenschrauben kann oder dass es nzr deswegen schief geht, weil mir jemand zuguckt und dass es beim nächsten Mal sicher besser ist und dass überhaupt immer irgendwas ausserhalb von mir schuld daran ist, dass es nicht klappt. Wenn ich das zehnte Regal scheiße zusammengeschraubt habe, muss ich auch mal einsehen, dass ich halt was anderes besser kann. EsoterikerInnen können da wirklich völlig verbohrt und anstrengend sein, egal, wie oft sie versagt haben.

Anstatt ihre Empathie, Freundlichkeit, Wärme und ihren Wunsch nach Aufmerksamkeit in was Schönes zu verlagern — etwa Menschen zuzuhören und ihnen durch Handreichungen und seelische Zusprache zu helfen — versuchen sie stattdessen, sich und anderen etwas einzureden, was widerlegt ist und nicht klappt. Ich finde das schade.

Ihr als Geistersucher wollte ja Menschen helfen und Dinge prüfen — das finde ich deutlich besser.“

Schauen wir einmal in die Zukunft: Wenn Du die Möglichkeit hättest Dich für eine Stunde mit der Seele / dem Geist einer berühmten Person (im positiven, wie auch negativen Sinne) zu unterhalten, wer wäre die Person und was würdest Du gerne von ihr wissen wollen?
MB: „Wie der Kölner sagt: Watt fott is, is fott. Ich kenne zum Glück genug interessante Seelen mit echten — teils sogar sehr ansehnlichen — Körpern, mit denen ich mich gerne und genug beschäftige.

Mir reicht die bunte, verrückte, irre, lustige, traurige und wilde Welt, die wir haben. Es ist schon spannend genug, dort klarzukommen ;)

Und wem das nicht reicht: Guckt Euch einfach mal auf einer Wiese ein Insekt an oder begebt Euch in eine spirituelle Umgebung, die Euch gefällt. Wer diese uralten Wunder an sich ran lässt, dürfte hinreichend geflashed sein ;)“


Danke, dass Du Dir die Zeit für die Beantwortung unserer Fragen genommen hast.
MB: „Sehr gerne. Ich drücke Euch die Daumen für alle künftigen Geistersuchen.“