Noch untätowiert? Zeit für eine Charmeoffensive (Tätowiermagazin)

Quelle: Tätowiermagazin 05/2013, Seite 144
Noch untätowiert? Zeit für eine Charmeoffensive
Kolumne mit Mark Benecke

Von Mark Benecke

Darfste, aber sag’s auf keinen Fall meiner Mutter«, teilte mir kürzlich eine bekannte Sängerin mit, bevor ich ihr ein megagrottiges Sternchen (harrharr!) auf den Steiß knallte. In einer ganz anderen Liga spielt Franka Hartwig: Sie fürchtet garantiert weder Mutti noch den Rest der Welt. Dennoch hat sie kein einziges Tattoo. Zeit für eine Charmeoffensive.

  *©  Tätowiermagazin

Tätowiermagazin

YO FRANKA, DU BIST CHEFIN DES K17, DES VERMUTLICH FETTESTEN SCHWARZEN CLUBS EUROPAS. WIE IST DAS JEDEN TAG MIT LEUTEN, DIE RAUCHEN, SAUFEN UND NICHTS ALS KRACH HÖREN?
Unruhig werde ich nur, wenn der Laden nicht voll ist und die Backstages nicht nach mehr Bier verlangen – dann stimmt was nicht.

ALLE UM DICH HERUM SIND IN LEDER, SCHWARZEN LACK UND NIETEN GEWANDET. DU TRÄGST BLUEJEANS UND T-SHIRT.
Nach mehr als fünfzehn Jahren in Schwarz mit einigen Ausflügen in Richtung Punk, Rockabilly und Fetisch bin ich heute echt tiefenentspannt und hab meinen eigenen Style. Wer deswegen glaubt, dass ich nichts vom Underground verstehe, darf die Visitenkarte gern behalten. Es ist manchmal ganz lustig, die einzig »uncoole« Person im Saal zu sein – aber eben diejenige, die das verdammt coole Line-up eingerührt hat.

TATTOOS HASTE KEINE. WIE KOMMT’S?
Gute Frage, vor allem, weil ich schon Tattoos haben wollte, seit ich ungefähr elf Jahre alt war. Erst war das Geld nicht da, dann kein richtiges Motiv – und im nächsten Moment war ich schon mit einem Tätowierer liiert und wollte weder ein bleibendes Geschenk, das man nach einer Trennung nicht einfach zerschnippeln und verbrennen kann, noch wollte er mich von Kollegen »entjungfern« lassen. Bis heute habe ich einen Heidenrespekt vor der Entscheidung, was und wen ich wie für immer auf mir verewigt haben will.

WELCHES MOTIV WOLLTEST DU DENN MIT ELF TÄTOWIERT HABEN?
Die Bacardi-Fledermaus.

RRRRR! MAGSTE DENN TYPEN MIT TATTOOS?
Ja, ich mag meine Männer bunt, eindeutig. Langweilige Tribals aus dem Dorftätowierer-Vorlagenbuch sind zwar nicht schlimm, müssen aber nicht sein. Da ziehe ich jede noch so fiese, dafür aber persönliche Jugendsünde unter der Haut vor. Es gab allerdings auch schon Tattoos, die zum Abbruch der weiteren Beziehungen geführt haben: Liebe Jungs, bitte unter keinen Umständen den Namen der aktuellen Freundin auf den Schwanz stechen lassen – es könnte eure nächste Ex sein! Und Hakenkreuze auf dem Hintern laufen nicht unter »niedliche Jgendsünde«!

ICH TÄTOWIER’ DIR EINE MADE, ‘NEN KLEINEN ANKER ODER EIN HERZCHEN. DEAL?
Ist das so eine Psychofrage, bei der aus der Antwort dann auf den Persönlichkeitstyp geschlossen wird? Na gut: den Anker. Darf ich vorher bitte das Motiv noch mal sehen?

ABER GERNE.
Zack, geht doch. Eine weitere tätowierte Freundschaft: Marky Mark und Franka.