Gruftis im Karneval

Dem Doktor seine Seite
Quelle: nachtplan 2016

nachtplan #78 fuer März/April 2016

Erst fällt eine Tagung flach, auf der ich über einen Mumienkeller berichten wollte, dann soll mein neues Buch so langsam fertig werden und so sitze ich jetzt mitten im Karnevalsgewirr. Mein Labor, in dem ich mit meiner Frau wohne, liegt nämlich im Zentrum des kölschen Irrsinns. Durchs Fenster dringen von Lyren und Trömmelschen jetragene Liedfetzen, in denen es um echte Freunde und Hühnerhöfe geht. 

Was tun? Ich bin hier aufgewachsen, war viele Jahre immer zur Karnevalszeit in den USA bei der Tagung der ForensikerInnen und stehe nun als Grufti mitten unter Bunten. Da meine Frau aus Thüringen kommt, fühlte ich mein Blut kochen und warf uns am schönsten der fünf Tage mit Wein, Weib und Gesang zumindest mal kurz in die Massen. Genauer gesagt, in die seit 1830 bestehende Holzhandlung, über der mein Labor liegt. Und sieh’ an — es war friedlich und lustig. Während die anderen sich an Kölsch (= das Bier und den ripuarischen Dialekt) hielten, nippten wir an einer Cola (schwarz!). 

Die ‚Brausen‘, die eigentlich ‚Ahoi-Brausen’ heißen wollen, das aber von der Mutterfirma verbodde jekräät hätte („verboten gekriegt hatten“), sangen Shanties von betrunkenen Männern und Frauen und erklärten mir auf Nachfrage, dass auch ein Mensch, der zuvor die kölsche Karnevals-Speise Mett (rohes Hackfleisch) mit einem Belag aus rohen Zwiebeln gegessen habe, trotzdem gut küssen könne. Man lernt nie aus. 

Samstags nachts geisterte dann noch ein…Geisterzug an unserer Tür vorbei, in dem man neben Storm Troopern auch alle anderen Gestalten der meist finstereren Wirrniss scheppern und klingeln hörte. Kommentar eines zuschauenden Immi-Asiaten (in Köln aufgewachsener Asiat) dazu: „We are not ghosts. But we will be!“ 

Recht hat er. Der Unterschied ist nur, dass Gruftis schon zu Lebzeiten wissen, wie und was man mit ihnen bespricht. 

Damit irrlichternd der Eure — 

Dr. „Hasenzahn“ Doom