Archaeologisches Zellwerk: Der Fall Wesel Bislich

Quelle: Archäologisches Zellwerk. Festschrift für Helmut Roth zum 60. Geb.,
Hrsg. E. Pohl, U. Recker, C. Theune. Internationale Archäologie/Studia Honoria
(Hrsg.: C. Dobiat, K. Leidorf; Verlag Marie Leidorf, Rahden/Westf.) 16, Seiten 47 bis 59 (2001)

 

VON ULF GROTE und MARK BENECKE

 

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Einleitung

Die Besiedlung von Leichen durch Insekten und andere Gliederftißer (Arthropoden) ist ein seit Jahrtausenden bekanntes Phänomen. Forensisch-entomologische Untersuchungen, d.h. die Begutachtung der an oder auf Leichen lebenden Insekten hinsichtlich ihrer Systematik und Artbestimmung, ihrer Entwicklungsbiologie und ihrer Ökologie, gehören heute in vielen Ländern zum Standardinstrumentarium der Rechtsmedizin und der Kriminalistik1. In der Archäologie hat die Entomologie in den letzten Jahrzehnten vorwiegend im Bereich der Paläoökologie bzw. der Umweltarchäologie (environmental archaeology) Eingang gefunden und neben den paläobotanischen Untersuchungsverfahren neue Wege zur Rekonstruktion des ursprünglichen ökologischen Umfeldes archäologischer Fundplätze eröffnet (Paläoentomologie)2. Vergleichsweise selten wurden dagegen bisher Insektenreste bei der Beurteilung archäologischer Leichen- bzw. Grabfunde berücksichtigt. Dies scheint nicht ausschließlich auf die Seltenheit dieser Reste in Grabfunden zurückzuführen zu sein, sondern auch auf den geringen Bekanntheitsgrad der Methode und ihrer Aussagemöglichkeiten (sog. funeral archaeoentomology/l'archeoentomologie funeraire3). Die Gelegenheit zu einer solchen Untersuchung bot sich im Rahmen der archäologischen Aufarbeinmg der Funde des frühmittelalterlichen Gräberfeldes von Wesel-Bislich (Niederrhein), eines fränkischen Friedhofs des 6.-9. Jhs.4. Sie wurde in Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Universität Bonn, dem Rheinischen Landesmuseum Bonn und dem kriminalbiologischen Labor der Benecke Forensic Biology Köln durchgeführt.
 


Forensische Entomologie und Archäoentomologie

Leichen sind für weit über hundert Gliederfüßerarten (Arthropoden) - insbesondere für Fliegen (Diptera) und Käfer (Coleoptera) - Brutstätte, Nahrungsquelle und Lebensraum. Da Arthropoden die mit Abstand artenreichste und größte Gruppe aller Lebewesen auf der Erde darstellen, sind sie auch in scheinbar unwirtlichen Habitaten noch an Leichen anzutreffen. Mit den postmortalen Veränderungen eines Leichnams gehen zeitlich sich überlappende (Arthropoden-)Faunen einher. die als Besiedlungwellen bezeichnet werden. Anhand dieser spezifischen Besiedlungswellen lassen sich oft Rückschlüsse auf die Liegezeit (das sog. PMI = postmortale Liegeinterval) und die Todesumstände einer Leiche ziehen. Sie werden daher seit langem bei der rechtsmedizinisch-kriminalistischen Untersuchung von TodesfaIlen als Indikatoren genutzt.
 


Forensische Entomologie. Forschungsgeschichte

Der erste Fallbericht zur kriminalistisch angewandten Gliedertierkunde stammt aus dem 13. Jh.: Der chinesische Jurist und Ermittler Sung Tz'u schildert in seinem rechtsmedizinischen Lehrbuch Hsi yüan chi lu (dt. etwa: ,,Das Hinwegwaschen von Ungerechtem") die Aufklärung eines Mordes, der sich in einem Reisfeld ereignet hatte. Durch die Beobachtung von Schmeißfliegen, die unsichtbare Gewebeanhaftungen auf der Sichel eines der Tatverdächtigen anflogen, wurden Tatwerkzeug und Täter identifiziert5. Das Wissen um die "Sarkophilie" zahlreicher Insekten. insbesondere bestimmter Fliegen bzw. ihrer Larven, ist jedoch schon erheblich älter: Bereits in biblischer Zeit verband man die Vorstellung von Tod und Verwesung mit dem Bild von Insektenlarven, die den Leichnam befallen und zerfraßen. In Jesaja 14,11 (8. Jh. v. Chr.)6 heißt es im sog. ,,Spottlied auf den König von Babel":

Hinabgeschleudert zur Unterwelt ist deine Pracht/ samt deinen klingenden Harfen.
Auf Würmer bist du gebettet, / Maden sind deine Decke7

 

Die Kenntnis des massiven Befalls von Leichen durch Larven (hier als ,,Maden" bezeichnet), die z. T. zentimeterdicke ,,Madenteppiche" ausbilden können und dann den Leichnam rasch skelettieren, kann als Ursprung für das drastische sprachliche Bild vorausgesetzt werden. Auch bei einigen anderen antiken Autoren finden sich Beschreibungen, daß Fliegen und deren Larven die Leichen Gefallener besiedeln, als göttliche Strafe über ,,notorische Übeltäter" herfallen oder gar als Hinrichtungsmittel eingesetzt werden8. Im Mittelalter begegnen auch in der bildenden Kunst, in der Plastik, der Malerei und der Graphik immer wieder Darstellungen von Toten, die von Insektenlarven befallen oder bereits teilskelettiert sind9. Dem Prozeß der Weichteilzerstörung durch Insektenfraß und dem der eigentlichen Leichenverwesung Einhalt zu gebieten, war das Ziel der verschiedenen in der Vor- und Frühgeschichte praktizierten Mumifizierungsverfahren10.


Beobachtungen bei umfangreichen Exhumierungen in Frankreich und Deutschland ließen verschiedene Wissenschaftler schon im 18. und 19. Jahrhundert vermuten, daß leichenbesiedelnde Gliederfüßer - angesichts der großen Variabilität des makroskopischen Zersetzungsverlaufs von Leichen - sicherere Liegezeitindikatoren sein könnten als der reine Zerfallsgrad der Toten. Ab 1850 setzten einzelne französische Rechtsmediziner diese Erkenntnis praktisch zu Liegezeitschätzungen ein, sahen sich aber noch mit dem Mangel an grundlegenden Daten zur Faunenfolge auf Leichen konfrontiert. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelang es deutschen Biologen und Ärzten, die Faunen von Erdgräbem detaillierter zu bestimmen. Zum internationalen Durchbruch verhalf dem Fach -1894 der französische Rechtsmediziner Pierre Mégnin mit seinem Werk La faune des cadavres. Mégnin konnte acht Besiedlungswellen für freiliegende Leichen unterscheiden, die eine recht exakte Einschätzung der Liegezeit erlaubten. In der Folgezeit wurden diese Besiedlungswellen feiner unterteilt; heute sind bis zu 41 verschiedene Faunenwechsel auf Leichen bekannt, die aber nicht immer scharf abgrenzbar bzw. von forensischer Bedeumng sind11.


Die forensische Entomologie ist heute eine international anerkannte Teildisziplin innerhalb der Kriminalistik. Ihre Untersuchungsverfahren finden in zahlreichen Ländern wie z. B. Belgien, den USA, Frankreich, Kanada und zunehmend auch in Deutschland bei rechtsmedizinisch-kriminalistischen Ermittlungen Anwendung12.
 


Biologische Grundlagen

Schon früh wurde deutlich, daß das Artenspektrum an Leichen stark von Umwelteinflüssen abhängt und sich je nach Lagerungsort unterscheidet. Wichtig ist in diesem Zusammenhang u. a. die Erkenntnis, daß die Fauna begrabener Leichen von Buckelfliegen oder Käfern dominiert wird, während freiliegende (d. h. nicht beerdigte) Leichen zunächst von Schmeißfliegenweibchen (Calliphoridae), später auch einzelnen Arten von Fleischfliegen (Sarcophagidae), Käsefliegen (Piophilidae), echten Fliegen (Muscidae), Blumenfliegen (Anthomyiidae), Dungfliegen (Scatophagidae) und - eher unspezifisch - von Schwebfliegen (Syrphidae) angeflogen werden; abhängig vom Biotop finden sich auch weitere Familien. Freiliegende Leichen können insgesamt dutzende bis über hundert Insektenarten beherbergen13.


Fliegen gehören zu den Insekten, die ihre Form und ihr Aussehen während des Heranwachsens vom Larvenstadium zum erwachsenen TIer vollständig verändem14. Als Puppen bezeichnet man dabei das Übergangsstadium vom larvalen Freßstadium zum erwachsenen Fortpflanzungsstadium. Puppen sind vergleichsweise verwitterungsbeständige Strukturen, die viele Merkmale tragen, die zur Artbestimmung eingesetzt werden können15. Die Artbestimmung der auf einer Leiche beobachteten Fliegenlarven und -puppen kann Aufschluß darüber geben, welchen Einflüssen der Verstorbene bzw. die Leiche ausgesetzt war, da jede Art eine spezifische Lebensweise und -umgebung aufweist. So lassen sich - unter entsprechend günstigen Umständen - der Todeszeitpunkt, die Liegezeit der Leiche, der Bestattungszeitpunkt oder die Jahreszeit der Bestattung (Saisonalität), die Art des Grabes und evtI. auch die Todesart noch nachträglich bestimmen.


Jede Schmeißfliegenweibchen plaziert bei der Eiablage zwischen 100 und 500 Eier als Paket auf dem Nähnnedium; im Laufe ihres Lebens kann beispielsweise ein Weibchen der Goldfliege Luculia sericata (Meigen) bis zu 3000 Eier (im Schnitt 2000 Eier) ablegen. Die sich daraus entwickelnden Larven (bei vielen Fliegenarten als Maden bezeichnet) bewirken in der Folge starke Weichteilzerstörungen an der besiedelten Leiche. Bevorzugte Körperbereiche für die anfängliche Eiablage und Madenbesiedlung sind Augenwinkel, Nasenöffnung, Barthaare und Ohren sowie ggf. Genitalhaare und -öffnungen16. In kühleren Jahreszeiten sind die Eier eher tief innerhalb dieser Körperöffnungen zu finden. Auch auf mit Blut- oder Fäulnisflüssigkeiten getränkte Laken, Hemden usw. werden Eiballen abgelegt, besonders dann, wenn der Körper in den Stoff eingewickelt und so für die Fliegen nicht direkt erreichbar ist. Sind Wunden vorhanden und frei zugänglich, so werden die Eier zuerst dort abgelegt. Dies gilt auch für Wunden von Lebenden bei mangelhafter Kötperhygiene.


Nach dem Abschluß der Freßphase wandern Schmeißfliegenlarven von der Leiche fort und verpuppen sich an geschützten, trockenen Stellen (Spalten. Ritzen, Haarbüschein, Decken usw.). Bei Schmeißfliegen im allgemeinen Sinne werden diese Puppen auch als Tönnchen(-puppen) bezeichnet Finden sich Puppen körpernah in Kleidung, so kann vermutet werden, daß die Maden ihrer Umgebung nicht entweichen konnten (etwa in einem geschlossenen Raum) und daher die unter diesen Bedingungen bestmöglichen Verstecke in der Kleidung zur Verpuppung aufsuchten.
 


Entomologische Untersuchungen an archäologischen Grabfunden

In der Archäologie fanden die Erkenntnisse der Forensischen Entomologie erst recht spät Eingang: Eine der frühsten Beschreibungen von Insektenresten aus einer archäologisch untersuchten Bestattung stanunt aus dem Jahre 1836. Bei Ausgrabungen in Wymondham Abbey (Norfolk/GB) stieß man im Chor der Klosterkirche in einer Backsteingruft auf zwei Bleisärge. In einem der Särge fand sich die gut erhaltene, mumifizierte Leiche einer Frau, auf der der Ausgräber S. Woodwards Reste eines minute coleopterous insect, which proved to be the Cerylon hysti!roides of Latreille beobachtete sowie zahlreiche lebende (!) Maden, die er ebenfalls als Käferlarven ansprach17


Anfang des 20 Jh. rückten Insekten aus archäologischen Grabfunden stärker in das Blickfeld der Wissenschaft: Während zunächst Befunde aus Ägypten im Vordergrund standen18, lassen sich seit den 30er Jahren auch einzelne Arbeiten zu europäischen Fundkomplexen anführen, in denen man Insektenreste (meist Fliegenpuppen) - in der Regel aber zufällig oder bei der Untersuchung anderer organischer Makroreste - beobachtete. Diese wurden oftmals durch Zufall oder bei der Untersuchung anderer Makroreste entdeckt und in der Regeleher beiläufig behandelt wurden19. Nur selten wurde ihre Bedeutung als Indikator für das postmortale Liegeintervall oder die Saisonalität des Todes- bzw. Bestattungszeitpunkts gewürdigt20.


Erst gegen Ende der 60er Jahre erkannte man auch in der Archäologie den Aussagewert dieser Fundgattung: 1966 publizierte Wilson das von G. Bersu 1945 auf der !sIe of Man ausgegrabene wikingerzeitliche Kammergrab von Cronk Moar21. Unter den Textilfunden der Bestattung fanden sich zahlreiche Insektenreste, die durch W. D. Hincks vom British Museum als (leere) Puparien der Fliegengattung Calliphora sp. (Diptera Calliphoridae) und als Fragmente von Ameisen (wahrscheinlich Lasius flavus (F.)) bestimmt werden konnten. Der anhand der Insektenfunde von Bersu und Hincks gezogene Schluß, der Tote müsse im Sommer verstorben und die Leiche etwa rund 20 Tage außerhalb des Grabes (aufgebahrt?) gelagert worden sein, hielt einer kritischen Prüfung durch Wllson und Freeman nur teilweise stand22. Unter Berücksichtigung historischer Quellen wertete Wllson die Anwesenheit von Fliegenpuppen aber als möglichen Hinweis auf eine zeitliche Distanz zwischen Todeseintritt und Beisetzung23.


Einen ähnlich gelagerten Fall aus den USA beschrieben 1967 Gilbert und Bass24: Bei der Ausgrabung eines indianischen Bestattungsplatzes des 19. Jahrhunderts bei Leavenworth Site (Corson County! South Dakota) waren an verschiedenen Skeletten im Bereich des Schädels, der Abdominalregion sowie in Resten sogenannter buffalo robes größere Mengen von Fliegenpuppen (echte Schmeißfliegen und Fleischfliegen) beobachtet worden, anhand derer es möglich war, die Saisonalität der Bestattungen (Ende März bis Mitte Oktober) zu bestimmen. Die Bedeutung dieser Arbeit liegt zum einen darin, daß die Puparien bereits auf der Grabung erkannt, dokumentiert und für spätere Analysen gezielt beprobt worden waren. Zum anderen erkannten die Autoren die weiterreichenden Aussagemöglichkeiten entomologischer Beobachtungen auf Gräberfeldern und wiesen auf sie hin (bspw. zur Ermittlung von Perioden erhöhter Sterblichkeit oder von Epidemien). Daneben gaben die Insektenfunde von Leavenworth Site und einiger vergleichbarer Friedhöfe aber auch Hinweise auf die Grabsitten der dort bestattenden Arikara-Indianer. So konnten Ubelaker und Willey 1977 den Brauch des ,,scaffoldings" - des ,,Aufbahrens" der Toten auf Holzgerüsten über einen längeren Zeitraum vor der eigentlichen Beisetzung in Erdgräbem - für einen Teil der Bestatteten wahrscheinlich machen und die Mindestdauer dieses Vorgangs (ca. 3 Wochen) ennitteln25.


Die Zahl publizierter entomologischer Untersuchungen an archäologischen Grabfunden hat in den letzten Jahren zugenommen; sie ist aber auch heute immer noch geringer, als man angesichts des Stellenwertes, den diese Fundgattung (mengenmäßig) in der Archäologie einnimmt, annehmen möchte26. Günstige Erhaltungsbedingungen (wie sie z. B. Gräber in Kirchen bieten), aber auch die gezielte Suche nach Arthropodenresten haben es in den letzten Jahren ennöglicht, anhand entomologischer Befunde immer detailliertere und exaktere Beobachtungen zum Grabritus und den Todesumständen archäologischer Grabfunde zu machen27. Es treten damit zunehmend Vorgänge und Fakten aus dem Umfeld einer Bestattung ins Blickfeld der Wissenschaft, die mit rein archäologischen Mitteln bisher nicht oder kaum zu erfassen waren.
 


Der "Fall'" Wesel~Bislich - Material und Methode

Der Ort Wesel~Bislich liegt rechtsrheinisch, etwa 3 km nordöstlich von Xanten, auf einem flachen Geländerücken, der sich nur wenige Meter über den Normalpegel des Rheins erhebt. Das fränkische Gräberfeld wurde rund 650 m östlich des alten Ortskerns um die Kirche St. Johannis Baptistae auf einer leichten Anhöhe von 21 m ü. NN entdeckt. Die Lage der zugehörigen fränkischen Siedlung ist unbekannt. Bei den rund 800 frühmittelalterlichen Bestattungen des GräberfeJdes handelt es sich - bis auf wenige Ausnahmen - um Körpergräber. Soweit zu beobachten, wurden die Toten in gezimmerten Särgen oder Baumsärgen, in Einzelfällen auch in größeren hölzernen Grabkammern beigesetzt. Die Grabgruben wurden in den lehmigkiesigen Untergrund eingetieft28, über größeren Kammergräbern schüttete man z. T. Grabhügel auf. Mehrheitlich waren die Gräber West·Ost orientiert.


Entomologisch untersucht wurden bisher 13 Eisenobjekte und ein Textilrest aus zehn verschiedenen Gräbern. Es handelt sich um Teile der Trachtausstattung und um Grabbeigaben. An diesen Objekten anhaftend blieben - durch Metalloxide und andere Korrosionsprodukte konserviert und fixiert - organische Reste, insbesondere Teile von Insektenpuparien, erhalten. Entscheidend für die entomologische Untersuchung war, daß die stark korrodierten Objekte im Rahmen ihrer Restaurierung entsalzt und mit Kunstharzen (Epoxidharzen) gehärtet, aber nur wenig gereinigt oder beschliffen worden waren, so daß anhaftende organische Reste erhalten blieben.


Die einzelnen Objekte und ihre Fundkontexte werden im Katalog beschrieben. Da sich Skelettreste in Wesel-Bislich lediglich in Ausnahmefällen erhalten haben, konnte ihre ursprüngliche Lage im Grab nur anhand der Lage der übrigen Beigaben bzw. anhand ihrer Orientierung im Sarg erschlossen werden. Von der auf frühmittelalterlichen Reihengräberfeldern üblichen Beisetzung der Toten in gestreckter Rückenlage kann dabei ausgegangen werden.


Die zu untersuchenden Puparien waren sämtlich auf den Oberflächen der Fundobjekte fixiert. Sie wurden makroskopisch und unter dem Binokular bei 10 bis 100-facher Vergrößerung begutachtet, fotografische Aufnahmen wurden mil einem 100 mm Makroobjektiv unter starkem Seitenlicht gemacht. In zwei Fällen waren Puppen sogar auf den Röntgenaufnahmen der Fundobjekle zu erkennen29.
 


Ergebnisse und Diskussion

An allen Fundstücken sind eindeutig Puppenreste zu erkennen. Es handelt sich um 0,2-1,0 cm lange, langovale. ringförmig segmentierte Körper von 0,1 - 0,2 cm Durchmesser. Eine Verwechslung mit ähnlichen Strukturen natürlicher oder nichtnatürlicher Art ist auszuschließen. da sich Puppen durch Größe. Form und Struktur eindeutig beschreiben lassen. Die Puppen sind sämtlich fragmentiert, zumeist durch mechanische Einwirkung in Längsrichtung eröffnet. In der Regel sind nach der härtenden Konservierung der Fundstücke die Innenseiten der Puppen zu schen.


Es handelt sich allen Fallen um Schmeißfliegenpuppen (wohl Calliphoriden). Die differierenden Puppengrößen können auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden. z. B. auf den unterschiedlichen Zeitpunkt der Verpuppung der Larven, auf Umwelteinflüsse, denen die TIere ausgesetzt waren, oder auf Artunterschiede. Eine genaue Artbestimmung ist wegen des notwendigen schonenden Umgangs mil den Fundstücken derzeit nicht möglich30. Eine Gattungsbestinunung kann versucht werden, wenn sich nach Präparation der Fundstücke Fragmente der Puppendeckel mit Sprengnähten finden ließen.


Alle untersuchten Objekte stanunen aus Gräbern, in denen sich hölzerne Grabkammem und/oder Särge nachweisen lieBen. Zwölf der vierzehn Fundstücke dürften ursprünglich in unmittelbarer Nähe der Toten im Grab deponiert worden sein (z .B. das Messer aus Grab 425 oder der Feuerstahl aus Grab 434) oder waren als Trachtbestandteile diesen sogar angelegt (z. B. die Gürtelschnallen und -beschläge). Sechs stammen aus Gräbern mit besonders engen und schmalen Baumsärgen.


An Leichen zu beobachtende Schmeißfliegen können als wechselwarme TIere nur bei arttypischen Temperaturen fliegen und Eier legen; als Regel kann in unseren Breiten ein Mindestwert von etwa 110 bis 130 Celsius angegeben werden. Halten sich die Tiere in der Nähe beheizter Räume auf, so ist es möglich, daß sie auch im Winter als fliegende Tiere auftreten. Andernfalls können sie in Puppenform den Winter in einem Ruhestadium, der sog. Diapause überdauern. Finden sich Puppen an begrabenen Leichen, so bedeutet dies meist, daß

a) die Eier im Freien (nicht im Erdgrab) von Fliegenweibchen auf der Leiche abgelegt wurden,

b) die Leiche mit den Eiern oder bereits daraus geschlüpften Maden ins Grab verbracht wurde.
und/oder

c) die Maden nach abgeschlossener Freßphase dem Grab nicht entweichen konnten, im Grab selber aber auch keine attraktiven Verpuppungsplätze gefunden haben und sich daher zumindest teils an der Leiche in Kleiderfalten und unter anliegenden Kleidungsstücken versteckten.


Für die Bislicher Befunde lassen sich hieraus folgende Schlüsse ziehen: Zum einen ist der Todes- bzw. der Bestattungszeitpunkt für die Toten der untersuchten Gräber auf Zeiten mit mindestens frühlings- oder herbstlichen Temperaturen einzugrenzen, will man das angetroffene Spurenbild erklären31. Anzunehmen ist ferner, daß die Fliegeniarven nach Abschluß der Freßphase an der Leiche die Särge nicht mehr verlassen konnten, da diese bereits beigesetzt worden waren. Sie suchten daher innerhalb des Sarges möglichst geeignete Plätze zur Verpuppung auf, etwa in der textilen Kleidung des Toten, wo sie später schlüpften oder ungeschlüpft abstarben. Die Puppenhüllen wurden in der Nähe eiserner Objekte durch die entstehenden Metalloxide konserviert. Nur in einem Fall kann sicher nachgewiesen werden, daß Larven aus dem Sarg - und damit aus der unmittelbaren Umgebung der Leiche - in die Grabkammer entwichen und sich dort verpuppten: In Grab 522 fanden sich Puppen auf der Innenseite des Schildbuckels, der etwa 0,1 - 0,2 m vom Sarg entfernt innerhalb der Kammer lag. Wahrscheinlich wurde unter dem Schildbuckel aber nur ein kleiner Teil der in der Kammer befindlichen Puppen konserviert. Unklar ist der Befund in Grab 434. in dem sich Puparien am Blatt einer Lanzenspitze nachweisen ließen, die wahrscheinlich auf oder neben dem Sarg - und damit direkt im Erdreich - deponiert worden war.


Auffallend ist, daß es sich bei allen bisher untersuchten Objekten mit Puppenerhaltung um Funde aus Kammergräbern oder Erdgräbern mit Baumsärgen handelt. Besonders die schmale. trogartige Form der Baumsärge mag die Konservierung organischer Reste insofern begünstigt haben, als die durch die Leichenverwesung freigesetzten Flüssigkeiten nicht ohne weiteres entweichen konnten und so die relativ rasche Korrosion der (zwangsläufig sehr nahe an der Leiche befindlichen) eisernen Grabbeigaben förderten. Deren Korrosionsprodukte konnten wiederum früh organisches Material in ihrer unmittelbaren Umgebung wie Leder, Textilien, Holz und Insektenpuppen konservieren. Inwieweit sich diese Einzelbeobachtungen am Gesamtmaterial verifizieren lassen, kann jedoch erst nach Abschluß der Untersuchung des ganzen Gräberfeldes beurteilt werden.


hn Umkehrschluß belegen die Puppenreste an den Fundobjekten, daß es sich wirklich um Grabbeigaben handelt, die zusammen mit einer Leiche ins Erdreich gelangt sein müssen, auch wenn sich von dieser keinerlei Reste (Skelett, Leichenschauen) mehr nachweisen ließen. Obwohl dies im vorliegenden Fall von geringerer Bedeutung ist, können grundsätzlich so doch Fundstücke aus unklaren Befunden oder Stücke unbekannter Herkunft nachträglich recht sicher als Grabfunde angesprochen werden. Daß dies nicht nur bei Metallobjekten, sondern auch bei Keramiken möglich sein kann, und welche Bedeutung dies fllr archäologisches Material aus dem sog. ..Kunsthandel" hat, zeigen neuste Untersuchungen aus den USA und Mexiko32.


Nur Vermutungen lassen sich darüber anstellen, wie lange ursprünglich die Leichen in Wesel-Bislich im Freien, das heißt außerhalb eines geschlossenen Sarges bzw. Grabes, z. B. in einem Gebäude, offen aufgebahrt waren, bevor sie beerdigt wurden. Schmeißfliegen legen ihre Eier in den für sie attraktiven Umgebungen bei angemessenen Temperaturen (siehe oben) innerhalb weniger Minuten oder Stunden meist auf dem Gesicht der Verstorbenen ab. Bei höheren Temperaturen kann der Schlupf aus den Eiern innerhalb von Stunden erfolgen, wobei das erste Larvalstadium nur millimetergroß ist. Gregor von Tour überliefert für Verstorbene aus der Oberschicht des westfränkischen Raumes Autbahrungszeiten bzw. Lagerungszeiten (wegen Überführung) von bis zu 5 Tagen. Daß man dabei insbesondere in der wärmeren Jahreszeit Probleme mit den verschiedenen Prozessen der Leichenzersetzung hatte, zeigt der Fall des Bischofs Gallus von Clennont, dessen Leichnam man wegen der Frühjahrshitze während der Aufbahrung mit Grassoden bedeckte33. Der Anblick von Faulleichen bzw. Leichen mit Madenbefall mag daher im Frühmittelalter kein übennäßig befremdender Anblick gewesen sein. Ob dies auch auf die hier zu untersuchende Bevölkerung zutrifft, läßt sich nicht sicher sagen, aber angesichts der vor allem im Sommer sehr rasch einsetzenden Verwesungsprozesse doch annehmen (eine Kinderleiche beispielsweise kann unter günstigen Bedingungen innerhalb einer Woche von Maden skelettiert werden). Die vorliegenden Fundstücke lassen daher vermuten, daß die Leichen der hier untersuchten Gräber nur kurze Zeit, d. h. wenige Tage im Freien lagen, um dann beerdigt zu werden. Wenig wahrscheinlich ist es, daß die Leichen längere Zeit im Freien lagerten. Unter diesen Umständen wären wegen der fortschreitenden Zersetzung und den damit einhergehenden ungünstigen Leichenveränderungen für Larven früh-leichenbesiedelnder Insekten kaum Larven in Körpernähe verblieben.


Auszuschließen ist bei den Befunden aus Wesel-Bislich, daß es sich ursprünglich um Tiere handelte, die sich durch die Erde zur Leiche hin eingegraben haben: Diese Fähigkeit besitzen nur Sargbuckelfliegen, die im vorliegenden Fall aber nicht nachweisbar waren. Weiterhin läßt sich ausschließen, daß die Leichen mit Substanzen behandelt wurden, die den Körper stark konservierten. In diesem Fall hätten sich keine Puppen gefunden. da entweder keine Eier abgelegt oder abgelegte Eier und geschlüpfte Maden an der Entwicklung gehindert bzw. abgetötet worden wären.
 


Ausblick

Die vorgestellten Funde aus Wesel-Bislich geben bisher nur einen begrenzten Einblick in die Möglichkeiten archäoentomologischer Untersuchungen an frühmittelalterlichen Bestattungen. Vergleichbare Befunde aus Köln, Toulouse oder von der Isle of Man, aber auch die Beobachtungen an bronzezeitlichen Bestattungen Thüringens34 u. a. zeigen jedoch, daß es sich bei den Bislicher Befunden um keinen Einzelfall handelt Die zahlreichen frühmittelalterlichen Gräberfelder Mitteleuropas, aber auch Körpergräber anderer Epochen, bergen wahrscheinlich in Form von Insektenresten ein noch weitgehend ungenutztes Infonnationspotentiai, das es zu erschließen gilt. Wichtige Voraussetzung hierfür ist es, Arthropoden und ihre Fragmente bereits bei der Ausgrabung von Körpergräbern zu erkennen, zu dokumentieren und ausreichend zu beproben (so wie die Entnahme von Boden- oder Sedimentproben schon seit längerem z. B. bei Siedlungsgrabungen für paläoökologische Untersuchungen üblich ist). Noch immer fallen unscheinbare organische Reste, die an Fundobjekten anhaften, allzu häufig dem Pinsel des Ausgräbers zum Opfer. Unabdingbar ist die Entwicklung und Anwendung standardisierter Beprobungs- und Dokumentationsverfahren (z. B. mittels Makrofotografie). wie sie bereits heute in der Forensischen Entomologie oder der Kriminalistik üblich sind35.


Daneben sollte aber auch im Bereich der Restaurierung eine Sensibilisierung für diese Gattung organischer Makro- und Mikroreste erreicht werden. Mit Insektenfragmenten ist eben nicht nur im Kontext anderer organischer Reste - wie, z. B. Textilien - zu rechnen, sondern auch auf korrodierten Eisenobjekten und, was überraschen mag, auf Keramik36. Die Dokumentation und Beprobung der Insektenreste ist auch hier von größter Bedeutung. Ferner gilt es, Konservierungsverfahren so zu wählen. daß die erhaltenen Strukturen für entomologische Untersuchungen bewahrt und zugänglich bleiben. Soweit möglich. sollte ein Entomologe daher sowohl auf der Grabung als auch in der Werkstatt die Untersuchungen möglichst früh begleiten. Auch wenn die Erhaltungsbedingungen bei archäologischen Fundkomplexen in der Regel schlechter sind als die eines rezenten ..Tatortes", geben die vielfältigen Anwendungs- und Aussagemöglichkeiten der Forensischen Entomologie in der Kriminalistik doch eine Vorstellung von den Möglichkeiten, die die Archäoentomologie für die Archäologie noch birgt.
 


Summary

We present findings on 13 archaeological iron objects, and I object made of fabric from graves located in Wesel-Bislich (Germany/Lower Rhine area), dated in the early middle ages. Pupae of blow flies were found. This allows a discussion on the circumstances of burial, and on the post mortem interval. Furthermore, a short survey on forensie entomology and funeral archaeoentomology is given.
 


Fußnoten

1 Vgl. Benede 1998a. - Benecke/Leclercq 1999. - Benecke 2001a.

2 Noch 1964 beklagte Klausnitzer, man fände ,,in der Literatur kaum Angaben über eine ökologische Auswertung von Insektenresten aus vor- und frühgeschichtlichen Fundzusammenhängen" (Klausnitzer 1964, 123); vgl. Schmidt 1993. - Einen Überblick über den Stand der internationalen Forschung bis 1997 bieten Buckland/Coope/Sadier 1997.

3 Vgl. Huchet 1996. - Ein deutscher Begriff existiert bisher nicht. - Für zahlreiche Hinweise danken wir Frau Dipl.-Biol. E. Schmidt, Freiburg und Dr. J.- B. Huchet, Bordeaux.

4 Das Gräberfeld wurde 1972-74 durch Rudolf Stampfuß ausgegraben, sein Fundmaterial befindet sich heute im Rheinischen Landesmuseum Bonn (RLMB). Für die Möglichkeit zu seiner Untersuchung danke ich dem Direktor des RLMB, Herrn Prof. Dr. F. G Zehnder, sowie dem zuständigen Kustos am RLMB, Herrn Dr. J. Giesler. Zusammenfassend vgl. bisher Grote 1997. - Janssen 1981. - Ders. 1990/91.

5 McKnight 1981. - Benecke 1998a, 153f. - Benecke/Ledercq 1999,41 f.

6 Datierung nach Kraus 1990 (freundlicher Hinweis M. Rieckmann, Bonn).

7 Deutsch nach Bibel 1980.

8 Zusammenfassend Beavis 1988, 219-225 bes. 223. - Huchet 1996, 300.

9 Vgl. Benecke/Leclercq 1999,41 f.

10 Vgl. zusammenfassend Berg/Rolle/Seemann 1981, 98-111. - Huchet 1995.

11 Zusammenfassend Benecke 2001b.

12 Vgl. z. B. Anderson 1997. - Benecke/Seifert 1999. - Benecke 1996. - Ders. 1998b. - Bird/Castner 2000. - Caspers 1952. - Leclercq/Quinet 1949.

13 Zusammenfassend Catts/Haskell 1990. - Smith 1986.

14 Sog. ,,Holometabolie". Bei anderen, wie z. B. Grillen, ähnelt bereits die Körperform des Jungtiers der des erwachsenen TIeres (Hemimetabolie).

15 Vgl. Nuorteva 1987. - Reiter/Wollenek 1983. - Dies. 1985.

16 Vgl. Goff 1993. - Smith 1986.

17 Woodward 1836, 293-295. - Nach Amsden/Boon 1975, 135 dürfte es sich bei den Maden eher um Larven rezenter Fliegen gehandelt haben, die den Leichnam nach der Öffnung des Grabes in seinem beschädigten Sarg befielen und sich bis zur eingehenden Untersuchung der Leiche entwickelten, als - wie von Woodward angenommen - um frisch geschlüpfte Käferlarven aus Eiern, die sich unter Luftabschluß jahrhundertelang vital im Sarg erhalten hatten. Seide Deutungen erscheinen nach dem heutigen Stand der Forschung wenig befriedigend.

18 Vgl. Huchet 1995. - Ders. 1996, 300.

19 Z. B. Köln, St. Severin, Grab 106: Vgl. Stokar 1939, 98 Abb. 5. - Dazu Päffgen 1992 I, 442; 497 mit Abb. 157. - Kölner Dom, fränk. Frauengrab: Doppelfeld 1960, 291; 300.

20 Vgl. Feustel 1958, 2.

21 Bersu/Wilson 1966, 63-83. Nach Wilson datiert das Grab in die Zeit zwischen 850 und 950 n. Chr. (Ebd., 85-87).

22 Ebd. 70 mit Anm. 224.

23 Ebd. 87.

24 Bass/Gilbett 1967.

25 Ubelaker/Willey 1977.

26 Vgl. Buckland/Coope/Sadler 1997.

27 Vgl. CarrotIHall u.a.1994. - Faulkner 1986. - Huchet 1996. - Pickering/Ramos u. a. 1998.

28 Zuverlässige Angaben zu Tiefe der Gräber lassen sich nur sehr eingeschränkt machen, da das exakte Höhenrelief der untersuchten Fläche nicht vor Beginn der Grabung dokumentiert wurde. Den heute noch zu ermittelnden Grabtiefen (Planum I bis Unterkante der Grabgrube) ist daher ein Betrag von ,,x" Metern zuzurechnen, der der Stärke der abgeschobenen Humusschicht entspricht. Er dürfte mit etwa 0,3 - 0,5 m anzusetzten sein.

29 Die Röntgenuntersuchung der Funde führte B. von Zelewski (RLMB) durch.

30 Aus konservatorischen Gründen war ein Ausbrechen \'on Fragmenten nicht möglich.

31 Einschränkend muß erwähnt werden, daß Schmeißfliegen unter Bedingungen, wie sie ein Viehstall bietet, auch im Winter als flug- und fortpflanzungsfäihige Imagines auftreten können. Lag der Aufbahrungsort der Toten in der Nähe von Stallungen (etwa wenn Wohnbereich und Stall sich unter einem Dach oder in relativer Nähe zueinander befanden), könnten die Leichen daher auch im Winter von Fliegen besiedelt worden sein.

32 Pickering 1998. - Pickering/Ramos u. a. 1998.

33 Zusammenfassend Weidemann 1982, 234.

34 Vgl. Anm. 19 u. 20. - Huchet 1996.

35 Benecke 1997. - Ders. 2001a.

36 Dabei ist die Gefahr einer Verwechslung jedoch gegeben, zum Beispiel mit bläschenartigen Strukturen verschiedener Korrosionsprodukte.
 


Literaturverzeichnis

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FundkataIog

Grab 425

Grabbau: Grabgrube 2 m x 0.87 m, T. 0,16 m + x, Ostende gestört; Baumsarg 1,7-1.8 m x 0,40 m, H. noch 0,14 m beobachtet.

Skelett: Zahnkappen in situ am Westende des Sarges, Geschlecht unbestimmt.

Objekt: Messer, an d. Griffangel Holzreste des Griffes. Klinge in Resten einer Scbeide aus organ. Material, an dieser diverse organ. Reste, auf der Klingenunterseite Holzreste (des Sarges?). L. 16.8 cm; Objektlage: innerhalb d. Sarges, urspr. auf der linken Seite auf oder neben dem Toten, in Höhe des Oberkörpers/Brustraums; Lage der Puppen am Objekt: Oberseite der Klinge, auf den Scheidenresten Puppen, L. bis 0.2 cm, Dm. bis 0,1 cm.


Grab 432

Grabbau: Grabgrube: 2,40 m x 1,21 m, T. 0,46 m + x; nach den Holzresten am Grubenboden wohl :Kammergrab (?), kein Sarg beobachtet.

Skelett: keine Skeletterhaltung, Geschlecht arch.: m.

Objekt 1: (Gürtel?-) Schnalle, mit halbrundem Beschlag, anhaftend diverse organ. Reste, innerhalb des Bügels Reste des ledernen Riemens. L. 5.0 cm; Objektlage: im Zentrum der Kammer, urspr. wohl im Bauch~ od. Hüftbereich des Toten, Lage evt. gestört; Lage der Puppen am Objekt: auf der Oberseite Puppen, L bis 0,5 cm, Dm. bis 0,2 cm.

Objekt 2: Riemenzunge, aufbeiden Seiten großflächig diverse organ. Reste anhaftend, L. 7,5 cm; Objektlage: im Zentrum der Kammer, urspr. wohl im Bauch-/Hüftbereich des Toten, Lage evt. gestört; Lage der Puppen am Objekt: auf der Unterseite Puppen, L. bis 0,6 cm, Dm. bis 0,2 cm.


Grab 434

Grabbau: Grabgrube: 2,14 m x 0,87 m, T. unbekannt; Baumsarg 1,84 m x 0,40-0,55 In, H. noch 0,10 m beobachtet.

Skelett: keine Skeletterhaltung, Geschlecht arch.: m.

Objekt: Lanzenspitze, L. 56,0 cm; Objektlage: urspr. zur LiDken des Toten, auf Kopfhöhe parallel zur linken Sargkante, das Kopfende überragend (Lanze urspr. wahrscheinlich auf dem Sarg deponiert) Lage ungestört; Lage der Puppen am Objekt: einseitig auf dem Blatt Puppen, L. 0,6 cm, Dm. 0,2 cm

Objekt: Feuerstahl, In den Oxidverkrustungen anhaftend Holz- u. Leder(?)reste, L. 10,0 cm; Objektlage: innerhalb des Sarges, oberhalb der Gürtelgarnitur, im Bereich des Oberkörpers, urspr. wohl Brustraum (evt. urspr. in einer kl. Ledertasche mit Schnalle auf dem Brustkorb niedergelegt); Lage der Puppen am Objekt: in den Oxidverkrustungen Puppen, L. bis 0,5 cm, Dm. bis 0,2 cm.


Grab 444

Grabbau: Grabgrube: 1,89 m x 1,37 In, T. 0,41 m + x; hölzerne Grabkammer 1,63 m x 0,89 m, kein Sarg beobachtet.

Skelett: keine Skeletterhaltung, Geschlecht arch.: m.

Objekt: Gürtelgarnitur, a) Schnalle, mit triang. Beschlag, besonders auf der Unterseite anhaftende Leder und Textilreste, L. 7,4 cm, b) Gegenbeschlag, L 7,5 cm; Objektlage: Den Beigaben nach zu uteilen lag der Tote an der Nordwestwand der Kammer. Nach der Lage der übrigen Beigaben ist anzunehmen, daß die Gürtelgarnitur in funktionaler Anordnung im Bereich der Hüfte, evt. sogar angelegt ins Grab gelangte (vgl. die anhaftenden Textilreste); Lage der Puppen am Objekt: a) am Schnallenbügel, Dm. 0,2 cm, b) auf der Oberseite, L. bis 1,0 cm, Dm. 0,2 - 0,3 cm.


Grab 4S2

Grabbau: Grabgrube: 2,67 m x 1,87 m, T. 0,83 m + x; hölzerne Grabkammer 2,06 m x 1,26/1,33 m, kein Sarg beobachtet.

Skelett: keine Skeletterhaltung, Geschlecht arch.: m.